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VERMERK: Abkürzungen zur angeführten Literatur s. Literatur


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Rozmiar: 6891 bajtów

Sechster Teil

„EINER ORDNE SICH
DEM ANDERN UNTER
IN DER GEMEINSAMEN EHRFURCHT
VOR  CHRISTUS ...”
(Eph 5,21)
*    *    *
In Gnade des Sakramentes
für den Alltag


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Einführung in den Sechsten Teil

Nach den zwei letzten Teilen, in denen wir u.a. das schwer zu begreifende, und doch durchaus tatsächliche Gottes Bräutliche Angebot zu kosten bekommen haben, mit dem der Dreieinige ausnahmslos jedem Menschen entgegengeht, diesen in Sünde gefallenen nicht ausgenommen, ziemt es sich im bevorstehenden Teil in die verwunderliche Gottes Gabe auf genauere Art und Weise einzugehen: das Leben in Ehe. Wir wissen es und glauben daran, dass Jesus Christus die Ehe zum Rang eines der Sakramente der von sich gegründeten Kirche erhoben hat.

Einführend möchten wir noch einmal auf die Frage der unmittelbaren Vorbereitung zur Ehe eingehen, u.zw. die Zeitspanne des Braut-Seins. Dieser Zeit wurden schon nicht wenige Erwägungen in den vorigen Teilen dieser Homepage gewidmet. Diesmal möchten wir die Brautzeit mehr von ihrer positiven Sicht aus betrachten.

Grundsätzlich wird sich also die Aufmerksamkeit in diesem Teil um die Frage der Ehe als Sakramentes sammeln. Sie ist – wie es sich zeigt, vielfach verwickelt. Wir beruhen offenbar auf der Gewissheit, die uns die Wahrheit der Offenbarung schenkt, indem wir ohne jeden Zweifel die Sakramentalität der Ehe annehmen und sie bekennen. Wir sind uns aber bewusst, dass die Theologie der Ehe als Sakramentes dauernd für weitere Vertiefung offen bleibt. Wir hoffen, es wird nützlich sein, wenn wir das immer heller sich gestaltende Bewusstsein der Kirche geschichtlich anschauen, dass die Ehe in der Tat Sakrament ist, wie auch – was das heißt, dass die Ehe Sakrament ist.

In dieser Lage wäre es auch schwer nicht die Lebensformen zu berühren, die die Wirklichkeit der Ehe und Familie entstellen, sollte der Blick auf diese Problematik auch nur flüchtig vorgenommen werden. Dank dem so gewonnenen Kontrastlicht wird es leichter, die Erhabenheit der der Ehe und Familie eigenen Sendung nach Gottes Vorhaben zu begreifen.


ANMERKUNG. Der Problematik der Ethik im Zusammenhang mit der Brautzeit wird noch ein langes Kapitel gewidmet werden (eigentlich ein gesondertes Buch): VII.Teil, 3.Kapitel. – S.: Junge Leute am Weg zur Ehe: zum Sakrament der Ehe). Wir informieren darüber schon jetzt.
– Viele andere ethische Fragen im Zusammenhang mit Ehe und der Zeit des ‘Miteinander-Gehens’ werden auch im Artikel unserer Homepage erörtert, s. das: Portalseite, 4.Kolonne, Nr.3 – s.: „Heilige Beichte der Eheleute, Brautpaare und Partnerschaften mit Sünden beim Erleben der Intimität”.
– Dieselben Fragen wurden auch schon anderswo auf unserer Homepage erörtert, zumal im III.Teil, in Kapiteln 2-3; usw.
– Im jetzt anfagenden VI.Teil wird auch ein gesondertes Kapitel der Frage des ‘Genders’ gewidmet, und zwar: VI.Teil, 3.Kapitel.

Dem VI. Teil geben wir den allgemeinen Titel:

„Einer ordne sich dem anderen unter
in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus ...”
(Eph 5,21)

In Gnade des Sakramentes für den Alltag

In den Inhalt dieser Worte, die Gottes-Geschriebene-Wort darstellen, möchten wir im Lauf des beginnenden Teiles tiefer eindringen.

Um die Überschau dieses ziemlich umfangreichen Teiles zu erleichtern, geben wir hier die Titel der sich abrissenden ihrer neun Kapitel an:

Rozmiar: 258 bajtów Tage der Brautzeit: gesegnete Gabe der heissen Probe (1. Kap.)
Rozmiar: 263 bajtów Homosexualität und Freie Hetero-Sexuelle Partnerschaften: Bedauerliche Nachahmung der Ehe (2. Kap.)
Rozmiar: 263 bajtów In der Gender-Ideologie: des allumfassenden Gender-Queer-Mainstreaming (3. Kap.)
Rozmiar: 258 bajtów In Vorbereitung zur Fülle der Offenbarung der Sakramentalität der Ehe (4. Kap.)
Rozmiar: 258 bajtów Ehe als Ur-Sakrament des Schöpfungs-Sakramentes: Ersichtlichung der Unsichtbaren Liebe Gottes (5. Kap.)
Rozmiar: 263 bajtów Ehelicher Bund der Zweien und der Bund Gottes mit dem Menschen abgelesen vom Pentateuch Mose (6. Kap.)
Rozmiar: 258 bajtów Gottes „Bräutliche” Liebe-Vertraulichkeiten in Büchern der Propheten (7. Kap.)
Rozmiar: 258 bajtów Elemente in Evangelien im Anschluss an die Ehe als Sakrament (8. Kap.)
Rozmiar: 258 bajtów Das Sakrament der Ehe eingepflanzt in den Baum des Lebens des Bräutigams-vom-Kreuz (9. Kap.)


Zu den in diesem Teil benutzten Bildern:
– Der beginnende Teil ist großenteils Echo der Lehre von Karol Wojtyla (* 18.V.1920 – + 2.IV.2005), des späteren Priesters-Bischofs-Kardinals, wonach er Papst wurde unter dem angenommenen Namen Johannes Paul II. Er wurde Seliggesprochen am 1.V.2011, dagegen Heiliggesprochen am 27.IV.2014. Wir sind Gott für sein Pontifikat, dann seine Seligsprechung und Heiligsprechung von Herzen dankbar. Die spontane ‘Stimme’ des unberechenbaren Gottesvolks, das am Petrusplatz am Tag seiner Beerdigung, am 8.IV.2005 versammelt war, war Ausdruck des allgemeinen ‘Glaubens-Sinnes’, dass es Tod eines Heiligen gewesen war.
– Mögen daher die Verehrten Leser mit Verständnis annehmen, dass der Autor der hiesigen WEB-Site gerade diesen Teil in erster Reihe mit Bildern vom Leben Johannes Paul II. illustriert, vor allem Bildern vom Attentat auf sein Leben, und dann von der letzten Phase seiner Krankheit samt seinem Tod. Die Art und Weise seines Krank-Seins und die Annahme aller Leiden, zumal er nicht mehr imstande war eine hörbare Stimme aus sich hervorzuholen – davon konnte sich jedermann überzeugen, der es im Fernsehen beobachten konnte, wurde für viele Kranken auf ganzer Welt zur Ermutigungsstunde, die eigenen Leiden mit den Leiden Jesu Christi des Erlösers zu vereinigen.
– In zweiter Reihe zeigen wir einige Bilder vom Pontifikat Benedikt XVI.
– Andere Bilder bringen ausgewählte Sanktuarien nahe. Den Rest des übrigen Platzes belegen Bilder vom Leben in Familie. Zuletzt wird es auch noch ein paar ausgewählte Bilder geben, die Wunder der Natur nahebringen können.
– Ähnlich wie es in früheren Teilen war, erfüllen alle Illustrationen auf dieser WEB-Site hauptsächlich die Rolle ‘um der Unterbrechung willen’ beim Lesen: um die Mühe beim Lesen ein wenig zu mildern. Daher ist die Anzahl der ‘Farben’ auf den einzelnen Bildern aus Internet-Gründen meistens auf ein Minimum reduziert.


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Erstes Kapitel


TAGE DER BRAUTZEIT:
GESEGNETE GABE
DER HEISSEN PROBE

*       *       *
Jesu, Erlöser!
Kannst Du auf dieser Stufe unseres Lebens
im Heiligen Geist verweilen
in uns und mit uns ?

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Wir stehen und gehen miteinander ...

In Aufwallung von Aufrichtigkeit stellen junge Leute manchmal ungemein offen ihre grundlegende Frage auf: Wie sollen eigentlich die gegenseitigen Verhaltensweisen auf der Stufe des Brautseins schöpferisch gestaltet werden, zumal diese beiden sich schon einander gut beobachtet haben und beginnen ganz seriös die Tage abzuzählen, die sie von ihrer Hochzeit trennen? Ungeachtet der vielen Sachen, die mit materiellen und vielfältigen anderen Vorbereitungen zur Hochzeit enge verbunden sind, drängt sich in den Vordergrund die Frage auf ihrer beiderseitigen Verhältnisse zur Stunde, wenn sie allein miteinander – und füreinander sein können. Sollte es ihnen nicht erlaubt sein, sich einander die gegenseitige Liebe mit spontan aufkommender Liebkosung zu erweisen und sich aneinander anzuschmiegen? Sollte es irgendwelche Grenzen geben, die um keinen Preis überschritten werden sollten?

Und was gilt es zu tun, wenn die moralische Schwäche zur beinahe dauernden Belästigung des Gewissens dieser beiden sowohl in Gottes Augen, wie auch in Augen ihrer beiden selbst geworden ist? Wenn trotz des gut gekannten und anerkannten Gottes Gebotes – vorangeschobene Intimitäten, oder vielleicht selbst der Verkehr seit längerer Zeit zum täglichen Brot geworden ist, und diese beiden können keine Kraft von sich herausschlagen, um sich von dieser sich gut bewusstgewordenen sittlichen Niederlage ihrer Liebe zu heben? Ob sie auch in solcher Lage trotz allem einen radikalen Schnitt machen müssen, um einander reinen, freudevollen Auges anblicken imstande zu sein, indem es die Anwesenheit Jesu Christi des Lebendigen im Herzen strahlt?

Denn der Erlöser selbst ist mit der moralischen Niederlage seines lebendigen Ebenbildes: Mann und Frau – niemals einverstanden. Jesus Christus wartet auf diese beiden dauernd von neuem. Er möchte sie im Kampf um die Bewahrung ihrer Würde als Personen – und so zugleich Gottes Kinder stärken. Auch dann, wenn es ihnen vorkommen sollte, dass sie sich von der NICHT-nach-Gottes-Art einander erwiesenen Liebe geradeaus unmöglich zurückziehen können, oder dass es zumindest überaus schwer sein wäre.

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A.   VON LÄNGERER GESCHICHTE EINES BRAUTPAARS

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1. Sofie und Georg: das Ringen in ihren Brauttagen

Ein würdiges Erleben der gegenseitigen Nähe in der sich bisweilen verlängernden Brautzeit zieht des Öfteren viele Probleme nach sich. Es gibt Paare, die zur Ehe ohne Gewissenskonflikte gelangen. In anderen Fällen müssen Brautpaare harte innere Kämpfe führen, um nicht zur Situation zuzulassen, dass sie in eigenen und Gottes Augen herabgesetzt werden müßten.

Um in das Klima der jetzt ablaufenden Erwägungen einzuführen, greifen wir auf umfangreiche Fragmente eines langen Briefaustauschs. Wie üblich, wechseln wir die eigentlichen Namen – hier in: Sofie und Georg. Dagegen die in ihren Briefen erwähnten ihre nächsten Bekannten – in Irenäa und Christof.

Die Briefe fingen an ab einer Begegnung mit Christus, bei der der hier Schreibende Autor vermittelte. In zwei Jahren danach kam ein Brief an:

Anfangszeit der gegenseitigen Zuneigung

[Brief 1: XI.1981] „... Im Ablauf einer Diskussion [beim Nach-Oase-Treffen des 2.Grades] wandte sich unser Kapelan an mich und meine Freundin mit folgenden Worten: ‘Dass ihr vor Gott für diese eure Oasen nicht einmal Rechenschaft ablegen müsst’ !
– Damals, d.h. vor 4 Jahren, haben mich diese Worte erschüttert, obwohl ich mir um ihren Sinn nicht allzu sehr bewusst geworden war. Jetzt, nach so vielen Jahren, verfolgen mich die Worte unseres Priesters auf jedem Schritt. Ich werde mir immer mehr bewusst, dass ich was auszuführen, zu erfüllen habe... Denn es geht nicht nur um diese Oasen, sondern auch um verschiedene Exerzitien, um die Teilnahme an der Studentenseelsorge, drei Akademische Warschauer Pilgerwanderungen ...
– Wozu hat das alles genutzt, wenn mein geistiges Leben immer ärmer wird? Was ist daraus geworden, wenn ich sehe, dass das alles für mich nichts getaugt hat? Ich selbst habe keinen Nutzen davongetragen und habe den anderen nichts übermittelt. Wenn ich aber was den anderen beigebracht habe, finde ich mich Jetztzeit unbehaglich, denn mein Benehmen gestaltet sich sehr irdisch. Ich gehe immer seltener zur Beichte, weil ich weiß, dass ich sowieso weiter sündigen werde, selbst wenn es mir für kurz vorkommt, dass ich mich zumindest ein wenig verbessere.
– Vor zwei Jahren ... bei dieser Beichte, habe ich an die Frage des vorehelichen Verkehrs angeknüpft. Ich war an dieser Frage interessiert, obwohl sie für mich damals kein Problem darstellte. Ich erinnere mich wohl, Sie haben mir die Frage gestellt: ‘Wird es für Dich möglich sein, die Zeit des Brautseins rein zu erleben?’ Meine Antwort lautete damals: ‘Jawohl’! Das wird ganz gut möglich sein. – So war meine damalige Ansicht.
– Jetzt, indem ich seriös einen Jungen habe, klingt mir diese Antwort lächerlich. Wir verkehren miteinander. Ich weiß aber auch, dass es unmöglich ist, damit abzubrechen. Nur ich weiß wirklich bis Jetztzeit nicht, warum das Sünde ist? Das beinhaltet doch so viel Schönes!... Ich bin mich um meine Plumpheit bewusst, aber was soll ich anfangen, wenn das alles stärker wird als ich? Wozu haben also die Oasen gedient, die Exerzitien, die Diskussionen, die Pilgerwanderungsmühe? ... Bitte, sagen Sie mir, ob ich schon verloren bin? Und ob mir Gott niemals meine ‘Oasen’ verzeiht ...?”

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Erklärung

Einige Zeit nachher kam die nächste Post an:

[Brief 2: I.1982] „In den Stunden, wann ich mit Georg gerade verkehrt habe, hat mich mein Gewissen sehr verfolgt. Eben deswegen habe ich an Sie, Herr Pater, geschrieben. Ich wusste, dass etwas Böses geschieht und dass ich damit was machen muss. Die Antwort ist zu erforderlicher Stunde angekommen. Das, was Sie, Herr Pater, geschrieben haben, hat dazu beigetragen, dass ich nach der Versöhnung mit Gott gesucht habe. Ich habe den Brief ... und dieses Skriptum ... [= frühere Redaktion eines Bestandteiles der hiesigen WEB-Site] aufmerksam gelesen. Ich bin zum Schluss gekommen, dass es tatsächlich möglich ist, ein neues Leben anzufangen.
– In der Zeit der Ferien haben wir einander täglich begegnet. Eines Abends habe ich den Vorsatz getroffen, mit Georg darüber zu sprechen, und dass ich ihm dieses Ihr Buch zeige. Georg wunderte sich sehr und war mit meiner unerwarteten Änderung überrascht. Ich fragte ihn, ob es für ihn möglich wird mit dem bisherigen Leben abzubrechen. – ‘Die Enthaltsamkeit wäre wohl möglich – hat er gesagt – würden wir früher nichts unternommen haben’. Jetztzeit scheint es ihm wunderlich, dass wir damit abbrechen, was es schon Tat gewesen war.
– Selbstverständlich man könnte nicht mehr verkehren, aber warum sollte man sich völlig isolieren, wenn das sehr nahe bringt?
– Glauben Sie mir, bitte, dass das alles, was Sie geschrieben haben, sehr schön und offensichtlich war – bis zum Augenblick, da ich Georg begegnet bin. Das soll aber nicht bedeuten, dass diese Worte ihren Wert für mich jetzt verloren haben. Nein! Diesen Worten steht ein riesiger Wert zu. Doch wie schwer ist es, sie auch ins Leben zu einverleiben! Im Leben ist es schwieriger, als es in theoretischen Voraussetzungen aussieht.
– Herr Pater, es ist uns beiden schwer. Nicht nur Georg, sondern mir auch. Dabei sehe ich, dass ich ein kleiner Mensch bin, weil doch meine Schwächen stärker sind als ich.
– In 10 Tagen ... begegne ich dem Georg wiederholt. Er kommt zu mir gefahren. Und ich weiß schon jetzt, dass wir trotz allem zusammen schlafen werden. Es kommt offenbar zu keinem Verhältnis, denn das haben wir schon festgesetzt.
– Bitte, erachten Sie meine Ausführungen nicht als totale Nicht-Beachtung aller Räte bzw. Grundsätze. Es ist mir wirklich schwer und ich weiß auch, dass meine Versöhnung mit Gott an Weihnachtstagen keinen Sinn gehabt hat. Sollten Sie so gut sein und an mich noch einmal schreiben, werde ich sehr dankbar und glücklich sein. Vielleicht gibt es noch die Möglichkeit für eine Veränderung. Vielleicht werde ich dank Ihrer Vermittlung wenn auch nur in 30% Gottes Kind sein können ...”.

Wie viel Aufrichtigkeit scheint hier aus dem Bekenntnis um die eigene innere Schwäche durch! Übrigens dieser 2.Brief beginnt mit dem Bekenntnis:

„Ist es Kennzeichen eines jeden Menschen, dass er mit seinem Glauben und seinen Vorsätzen einmal die Berge emporzuheben vermag, ein anderes Mal aber sich selbst unter ganz kleinen eigenen Schwächen duckt? Warum kann man den einmal unternommenen Vorsatz nicht völlig in die Tat umsetzen?”

Es würde nicht mit der Wahrheit übereinstimmen, sollte jemand behaupten, dass der erfahrene innere Kampf zwischen Gut und Böse (Röm 7,14-25) eine ‘nicht erwünschte Folge’ der christlichen Erziehung darstellt. Es gibt keine Religion, die den Verkehr vor der Ehe empfehlen sollte. Zweifellos besteht die Tatsache, dass die Empfindlichkeit des Gewissens infolge der christlichen Erziehung im Vergleich zu diesen Menschen stärker wird, die keine tiefere Einsicht in die Kriterien gewonnen haben, dank denen sie das Gute vom moralischen Übel zu unterscheiden imstande sind. Dennoch die Gebote Gottes sind in jedem Menschenherz immer auf gleich Art und Weise eingeprägt: sowohl bei Heiden, wie bei Christen.

Eines der Zeugnisse des allgemeinmenschlichen Phänomens der ‘Gewissensstimme’ ist der heidnische Tempel, der in Japan aufgebaut wurde gelegentlich des „25. Jubiläums” der Liberalisation der Gesetzgebung betreffs des Schwangerschaftsabbruchs. Dieser Tempel wird andauernd von ganzen Reihen von Frauen und Männern besucht, die nicht Christen sind. Es wäre überhaupt schwer, in Japan einen größeren Einfluss des Christentums zu vermuten, wenn es doch in Japan eine kaum beachtete religiöse Minderheit darstellt.

Auch mit Bezug auf Geschlechtskontakte gibt Gott sich selbst kennen lernen. In jedem Gewissen spricht Er eindeutig über die Friedensordnung der Liebe, wie sie der Person würdig ist – ganz unabhängig von bekannter Religion. Die Zehn Gebote Gottes haben die Hebräer unter dem Berg Sinai Mitte des 13.Jh. vor Christus bekommen. Allerdings ab Anbeginn der Existenz des Menschen, bis heutzutage ist der Dekalog im Herzen eines jeden als die Stimme des Gewissens eingeprägt (s. Röm 2,15f.; Klgl 6; DeV 43; VSp 54. – S. dazu genauer auch ob.: Intimität: sollte sie der Ethik nicht unterliegen? samt der ganzen weiteren Folge; und noch: Auf der Suche nach Jesus Christus – heute – mit ganzer weiteren Folge bis zum Ende des Kapitels: Teil 2, Kap. 2).

Leidvolle Fälle aber auch Siege

In zwei Monaten nach den früheren Briefen schreibt Fr. Sofie:

[Brief 3: III.1982] „Das Schreiben dieses [heutigen] Briefes an Sie, Herr Pater, lag mir sehr am Herzen. Ich habe aber so lange nicht geschrieben, weil ich nicht konnte; nicht als ob ich nicht imstande wäre, sondern einfach ich konnte es nicht. Ich wusste, dass ich schreiben muss. Ich wollte schreiben, aber konnte es nicht. Ich habe mich geschämt ..., dennoch ich habe mich überwunden. Wie gut, dass das ‘Schreiben vor Scham nicht rot wird ...’
– Im letzten Brief hat mich sehr ein Satz getroffen, den Sie geschrieben haben: ‘Jesus könnte das nicht segnen. Er könnte es nicht. Maria ebenfalls’. Damals haben wir den Verkehr aufgegeben, aber nicht für lange. Ich wollte und will es sehr, dass das, was ich tue, dem Herrn gefällt [vgl. identische Worte beim Hl. Paulus: „Deswegen suchen wir ... Ihm zu gefallen, ob wir daheim oder in der Fremde sind ...”: 2 Kor 5,9; 1 Thes 4,1]. Leider ich weiß, dass es so niemals sein wird. Ich bin so hinfällig!
– Aber so verstanden ... haben wohl nur die wenigsten Ehepaare den Segen Jesu und Mariä erlangt. Z.B. bei der Heirat meines Bruders. Meine Brudersfrau war schon schwanger, es war zwar der erste Monat, aber es war schon. Der Geistliche hat sie im Namen Gottes gesegnet. Wozu gab es also dieses ganze Spiel vor dem Altar, wenn sie doch von Gott nicht gesegnet wurden?
– Jetztzeit tritt jedes zweite Brautpaar in den Ehebund, wenn sie nicht mehr rein sind. Jedes zweite Mädchen ist schon schwanger. Sollte Gott diesen Ehepaaren seinen Segen niemals erteilen? Was taugt dann die Beichte?
– Und wir ... verkehren weiter. Ich habe es wirklich nicht mehr gewollt. Es ist für mich kein Problem, damit ein Ende zu machen, doch ich tue es um des Georgs willen. Georg bereut es sehr, dass es so geworden ist, dass wir überhaupt angefangen haben. Aber das ist geworden und jetzt ist es ihm sehr schwer ... Wir treffen selten zusammen: einmal pro 2 Wochen. Es kann sein, dass wenn ich nicht hier wohnen würde ... und sollte ich zu Hause sein, würde es dieses Problem nicht geben. Ganz sicher nicht! Indessen hier gibt es so gute Voraussetzungen dafür!
– Ich wohne hier am Dorf, zusammen mit meiner Freundin – der Irenäa. Wir sind Lehrerinnen. Oftmals, sehr oft erfahre ich Gewissensbisse vor den Kindern. Die Kinder glauben, sind sicher, dass die ‘Frau Lehrerin’ alles weiß, alles gut tut. Es ist aber im Grunde genommen keinesfalls so.
– Ich möchte so sehr, dass die Zeit kommt, wann ich Ihnen, Herr Pater, schreiben werden kann: ‘Es ist schön’. Schön – so wie es Jesus Christus lehrt und erwartet. Ob solche Stunde einmal in Erfüllung kommt ...!?”

Dieses Mal war die Antwort des Paters kräftig. Er hat die beiden zum Bewusstsein gerufen, dass sie solches Stadium erreicht haben, in dem sie schon keine, den Verstand betreffenden Argument annehmen. Das Einbezogensein in Verkehr ist schon so weit ihre ‘zweite Natur’ geworden, dass man sich im Namen Christi sagen soll: ‘Schluss mit allem Verstandesvorgang, der nicht mehr anspricht, sondern schlechterdings: Stopp! Verkehr: Nein!’ – Ohne weitere Diskussion!

Zu diesem Brief ist die weitere Korrespondenz von Frau Sofie angekommen:

[Brief 4: V.1982] „Zum ersten Mal hat sich jemand an mich auf solche Art und Weise gewandt. Sie haben, Herr Pater, so herzensvoll geschrieben, so gutmütig, und dabei eindeutig, konkret: Nein! In der Schule hat man sich an uns ebenfalls konkret gewandt, aber des Öfteren nur böswillig, in Form eines Befehles. Jetzt gib es auch Anordnungen. Sie müssen erfüllt werden ...
– Wir haben die Entscheidung schon getroffen: das ‘Nein’ ! Offenbar, wir tun es nicht nur deswegen, dass Sie uns so zu tun heißen, oder auch darum, dass daraufhin in uns die Liebe entsteht.
– Unser Denkgang mag vielleicht einen wunderlichen Anschein haben, er ist aber etwas anders als dieser von Ihnen. Wir lieben uns. Nicht erst jetzt, als wir diese Entscheidung treffen; wir lieben uns schon sehr lange – drei Jahre lang. Alles fing von Freundschaft an, wann es vom Verkehr keine Rede gegeben hat, es kam uns überhaupt nicht in den Kopf. Ob Leute, die füreinander und miteinander eine Freundschaft schließen, sich nicht lieben? Alles ist auch weiter, wie es früher war. Sollte es nicht die Liebe gegeben haben, würden wir jetzt wohl voneinander weggehen, oder auch wir würden diese Entscheidung nicht unternommen haben. Es würde wohl keine Gewissensbisse geben, alles wäre normal. Aber die Liebe ist doch da. Sie muss da sein, wenn wir fähig genug sind, sie zu vervollkommnen. Wir sind imstande auf den Verkehr zu verzichten – auf diese Sache, die uns viel kostet, mit der es uns zu brechen – schwer fällt.
– Dank gerade Gottes, dank der Liebe, und dank Ihrer, Herr Pater, haben wir verstanden, dass man anders leben kann: besser, schöner. Wir haben es verstanden. Wir haben verstanden: aber ob wir verharren?
– Wir haben vor, unsere Ehe in Czestochowa zu schließen, am letzten Tag der Pilgerwanderung. Ich erfahre Gewissensbisse, dass wir nicht mit reinem Herzen zu unserer Lieben Frau von Jasna Góra [anderer Name: ‘Heller Berg = Clairmont’, anstatt Czestochowa: der Ort selbst] gehen werden. Nur aber mit dieser Pilgerwanderung möchten wir um Verzeihung bitten, und wir möchten eben vor Ihrem Antlitz ...
– Schon in 3 Monaten sollen wir Ehepaar werden. Und ich habe Angst und bin besorgt. Ich fürchte vor allem: den neuen Bedingungen, vor etwaigen unerwarteten Fragen. Und am meisten bange ich, dass irgendetwas unter uns zutage kommen kann, auch wenn Jetztzeit nichts darauf hinzuweisen scheint. Sind doch fast alle Brautpaare freudig und glücklich. Woher also dann so viele Missverständnisse, Konflikte, Scheidungen?
– Wir sprechen jetzt miteinander so viel über unsere Zukunft und sind uns dessen bewusst, was sich ereignen, erfolgen kann. Wir freuen uns offenbar, dass wir endlich zusammen sein werden, doch es besteht irgendeine Beängstigung: beim Georg eine geringere – in mir eine große ... Beim Gespräch mit Älteren erfahren wir nur von Ehekonflikten, bzw. schlechterdings von Familientragödien. Frauen, die schon ein paar, oder über zehn Jahre Leben in Ehe hinter sich haben, sagen uns: ‘Wozu sich so eilen? Es gibt nichts dazu! Wozu schon so früh Kummer zu haben?’ – Andere sagen selbst: ‘Ich selbst, sollte ich noch einmal jung sein, würde solche Entscheidung nicht unternehmen. In der Brautzeit ist es immer rosa, und nachher ...?
– Ich möchte mich selbstverständlich mit diesen Aussagen nicht suggerieren lassen, und doch steckt in ihnen so viel verdrießliche Wahrheit, dass man die Augen darauf nicht schließen kann. Ich habe übrigens ein Beispiel in eigener Familie. Familie? Ich habe überhaupt keine Familie. Es hat sich irgendwie so ergeben, dass niemand von uns: weder Irenäa, noch Christof (Bräutigam von Irene), noch auch Georg, ich ebenfalls – wir haben niemals ein wahres Haus gehabt. Wir träumen alle von einer wahren, behaglichen Ecke, wo Freude und Liebe herrschte und wo jeder zum gemeinsamen Herd Holz dazuwerfen würde.
– Ob ich das schaffen kann? Ob wir das auch zu erreichen wissen, wenn keiner von uns das Beispiel vom Zuhause mitbekommen hat ...!?”

Die letzte Phase vor der Ehe und die darauffolgenden Tage

Zwei Monate später kommt ein weiterer Brief von Frau Sofie an:

[Brief 5: 6.VII.1982] „Nicht wegen Trägheit, noch Vergessen. Nur es haben sich einfach so viele Sachen angesammelt, Beschäftigungen, kleinerer und größerer Kummer. Das alles hat dazu gebracht, dass ich nicht geschrieben habe. Und doch möchte ich Ihnen, Herr Pater, so vieles schreiben, sagen ...
– Unsere Entscheidung wird in Kürze zur Wirklichkeit. Wir sind glücklich, auch wenn voller Befürchtungen, Angst, die wohl niemals vorübergeht. Das ganze Leben ist doch voller unerwarteter Vorfälle und Situationen.
– Unsere Ehe wird leider nicht auf Jasna Góra stattfinden, wie wir es geplant haben, wir werden sie in meiner Familienstadt schließen. Alles einzig infolge von Organisationsgründen.
– Was die Pilgerwanderung angeht, planen wir selbstverständlich wiederholt in der Warschauer Pilgerwanderung mitzugehen, in der Gruppe ‘13’.
– Das ist alles, was ich wollte, was ich zu schreiben wünschte und noch schreibe. Aber erst nach unserer Heirat. Jetzt lässt die fieberhafte Zeit zu vielen Sachen nicht zu. Aber wir werden schreiben.
– Herzliche Grüße. Vielen Dank für Ihr Gedenken. Unseren Dank erwidern wir im Gebet. Sofie und Georg”.

Zwei Tage vor der Eheschließung schickt Fr. Sofie ihren weiteren Brief:

[Brief 6: 22.VII.1982] „Zwischen uns legt sich alles gut. Jetzt, nach der letzten Beichte – dieser ersten [= vorehelichen] – ist es selbst sehr gut. Ich muss aufrichtig feststellen, dass es immer so gut unter uns einander sein konnte, wenn wir öfter, oder selbst sehr oft beichteten.
– Beschäftigungen habe ich eine Menge. Jetzt sind wir hier, in ... Wir sind hier wegen der ... Enten für die Hochzeit hergekommen! Die Leute haben sie uns offenherzig angeboten, ohne Geld. Sie sind herrlich! Sie alle!!
– Von allem, was wir erlebt haben, werden wir schreiben, wir geben Bescheid – nach der Hochzeit. Sofie und Georg.
PS. Die Briefe können sie zu Ihren Veröffentlichungen benutzen”.

Brief in zwei Monaten nach der Trauung:

[Brief 7: IX.1982] „Es ist kaum ein Jahr, als ich an Sie, Herr Pater, meinen ersten Brief geschrieben habe. In dieser Zeit hat sich so vieles geändert. Damals habe ich nicht einmal gedacht, dass ich in einem Jahr Ehefrau sein werde, dass ich ein Kind erwarten werde. Alles hat sich mittlerweile gewendet und gleichsam ein anderes Ausmaß bekommen.
– Ich bin schon wirklich mit Georg zusammen und bin wirklich glücklich. Ich habe noch keine eheliche Erfahrung, und doch möchte ich Ihnen meine gegenwärtigen Empfindungen mitteilen. Kurzum, das Leben in Ehe ist doch schöner als in der Brautzeit. Damals noch, als ich in X gewohnt habe, und Georg in Y, war es mir schwer, als er wieder wegfahren musste. Ich lebte in dauernder Unsicherheit um ihn. Ich habe mich gekümmert, ob er nicht hungrig ist, ob er nicht etwa Probleme erlebt, die er mir nicht mitteilen konnte, weil ich weit war.
– Jetzt kann ich um viele Sachen und Angelegenheiten selbst bedacht sein. So kann ich sicher bleiben, dass es gut ist. Wir können uns fast jeden Moment alles sagen. Zusammen lachen, und zusammen betrübt sein. Wie auch zusammen den Ausgang finden in schwierigeren Lagen.
– Diese ersten Monate widmen wir dazu, dass wir uns reibungslos zusammenspielen. Sich in jeder Hinsicht einspielen. Wir haben gelernt offenherzig zu bleiben. Wir sagen uns von allem, sollte es auch verdrießlich und schmerzhaft sein. Wir haben auch schon gelernt, uns sich gegenseitig zu verzeihen, selbst jede dumme Kleinheit. Wir möchten, dass das in Zukunft schon nur unbedingter Reflex bleibt. Dass wir uns nach jedem nichtigen Missverständnis (und selbst nach diesem schlimmsten und großen) zum Lächeln aufraffen, zum angenehmen Wort und zu unbedingtem Vergessen.
– Es hat schon ein paar wirklich dumme und blöde Verfehlungen gegeben, es ist uns aber gelungen sie zu überwinden. Wir möchten die Kunst des Verzeihens gut beherrschen.
– Wir wohnen am Dorf ... In unserer schlichten Wohnung finden wir uns gut. Es sind neue Pflichten dazu gekommen, doch diese schaffen uns keine Last. Es freut uns alles.
– Dennoch unsere größte Freude ist es, dass ich schwanger bin. Ich bin schon im fünften Monat. Es ist also schon vor der Hochzeit geworden. Und doch ist es geworden. ... Ich will nicht so sehr und zutiefst auf diese Sachen zurückkommen, doch eines will ich Ihnen, Herr Pater, schreiben. Und zwar ich bin damals schwanger geworden, als unser Verhältnis nicht bis zum Ende unternommen worden ist, es waren aber Tage der Fruchtbarkeit. Es ist also richtig, dass man auf solche Art und Weise zur Schwangerschaft kommen kann ...
– Wir finden uns angesichts Gottes schuldig, aber jetzt wollen wir alles tun, dass wir Ihn jetzt nicht mehr so beleidigen. Wir wollten und sei es auch nur teilweise eine Genugtuung leisten, als wir bei der Warschauer Pilgerwanderung mitgegangen waren. Wir waren es auch. Wir sind auch dahingekommen. Das war für mich nicht die beste Zeit, um auf so lange und schwere Reise aufzubrechen, aber ich habe Czestochowa erreicht. Ich fand mich prächtig. Vielleicht hat die Liebe Frau von Jasna-Góra für uns bei Ihrem Sohn Fürsprache gehalten, dass Er uns zumindest teilweise verzeihe? Georg hat den ganzen Weg in der Gruppe Gitarre gespielt. Wir mit Irenäa (sie ist auch mitgegangen, mit Christoph) haben etwas beim Mikrofon gesungen. Die Pilgerwanderung hat in diesem Jahr ihren eigenartigen Charakter gehabt, sie war große Sache [NB.: Jahr 1982: der polnisch-polnische Krieg!!]. Wir bedauern, dass es zu unserer Begegnung mit Ihnen, Herr Pater, nicht gekommen ist ...”

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2. Jetzt schon als Sakramentale Ehe

Rückblick auf die letzte Zeit vor der Heirat

Hier der nächste Brief, nach zwei weiteren Monaten:

[Brief 8: XI.1982] „Der Herbst, trotz seinen Farben, wird immer mehr grau. In meinem Saal, wo ich meine Beschäftigungen halte, ist es aber warm, lustig und gemütlich. Die Kinder spielen. Jetzt führe ich einen Vorschuls-Herd. Die Kinder sind sehr lieb. Allerdings ich werde mit ihnen nicht bis zum Ende sein, weil ... Ende Januar unser Kindlein geboren wird. Es ist schon jetzt sehr lieb. Der Kleine treibt Spaß: er stoßt, hopst. Wunderbar sind diese Weilen, wann wir so beisammen, zu dritt sein können, und uns freuen ...
– Zu unseren letzten Beschäftigungen gehört das Einkaufen mit dem Gedanken an dieses Kleine Persönchen. Wir freuen uns mit jeder Kleinigkeit und stellen uns schon jetzt vor, wie das sein wird, wenn der Kleine schon mit uns sein wird. Ich erlebe ab und zu solche Weilen, wann es mir vorkommt, dass ich vom Geschick benachteiligt bin, weil es mir übel ist, oder schwer. Solche Zustände suchen mich aber selten heim und in wenigen Minuten bin ich wieder stolz Mutter zu werden. Georg hilft mir diese Zeit zu überstehen.
– Vielleicht ist er sich selbst darüber nicht voll bewusst, aber er hilft mir. In seiner Gesellschaft bekomme ich die grauen Gedanken nicht, bin nicht trübe. In schwierigen Weilen tröstet er mich, und da fühle ich mich geborgen. Ich muss Ihnen, Herr Pater, zugeben, dass ich noch in der Brautzeit nicht einmal gedacht hätte, Georg werde so gut sein. Am meisten bin ich dann glücklich, wenn ich sehe, wie Georg sich darauf freut, dass wir Eltern sein werden. Das gibt mir ungemein viel Mut.

Ich habe Ihnen, Herr Pater, einmal zu schreiben versprochen, wie es unter uns in den letzten Tagen des Brautseins gewesen war. Nun, es waren ziemlich hektische Tage (man kann sich das leicht vorstellen). Das hing mit allerleien Vorbereitungen zur Hochzeit zusammen. Diese Hochzeit hat uns meine Taufpatin vorbereitet. Wir schulden ihr so vielen Dank! Denn ungeachtet der materiellen Hilfe hat sie uns so viel Herz geschenkt. In dieser Zeit waren wir ziemlich verloren, wir haben eine Menge verschiedenartige Probleme gehabt. Die Tante hat sich für uns geöffnet und uns ihre Zeit zu Gesprächen gewidmet. Diese waren bisweilen sehr lange. Sie hat uns auf Schwierigkeiten eingestellt, Räte gegeben, hat uns getröstet. So ist es übrigens bis heute. Aber damals haben wir niemanden näheren gehabt.

Wie war es aber unter uns? Nachdem wir zur ersten Beichte gekommen sind, hat sich vieles geändert. Wir haben schon keinen Verkehr gehabt, und doch verhielten wir uns zueinander mit sehr zarter Herzlichkeit. Wir haben mit Herzklopfen diese Weile erwartet, wann wir wirklich zusammen sein werden.
– Das größte Erlebnis ist aber damals gekommen, wann wir aus der Hochzeitskutsche ausgestiegen waren ... und in die Kirche eintraten. Dort warteten schon auf uns die Bekannten, Verwandten, Freunde. Unseren Ehebund hat unser nahe Freund gesegnet – Herr Kapelan Johannes. Zu diesem Fest haben wir uns schon früher mit unserem Geistlichen vorbereitet. Wir haben die Liturgie besprochen, unter uns die Lesungen verteilt, wir haben uns zum geistigen Erleben dieser Heiligen Messe vorbereitet. Worte, die Kapelan Johannes an uns in der Zeit der kurzen Homilie gerichtet hat, waren sehr eigenartig. Es sprach uns jemand an, der uns gut gekannt hat, der uns versteht und unser Glück wünscht.
– Trotz dieser ganzen Umrahmung: des Orgelspiels, Glanzes der Leuchter, haben wir uns klein, still gefunden. Wir haben Ihn gespürt und wünschten, Er möge mit uns für immer bleiben.
– Bei dieser ganzen Festlichkeit haben wir kein großes Lampenfieber gehabt, weil wir vorbereitet waren, eingestellt, wir wussten, was und wann wird. Das waren wunderbare Weilen!
– Wir haben auch an Sie, Herr Pater, gedacht, sind wir doch Ihnen gegenüber einen großen Dank schuldig. Vor allem ich selbst. Sollte es nicht diese Worte gegeben haben, die Sie zu mir (zu uns) geschrieben haben, wäre der Kampf mit dem Gewissen schwer. Jetztzeit, auch wenn ich weiß, dass ich dem Herrn so viel Übel zugetan habe, finde ich Ihn überall wieder, auf jedem Schritt, im Straßenstein, und selbst im Lächeln des Kindes.
– Ich schicke Ihnen, Herr Pater, offenherzige Grüße und wir vergewissern Sie um unser Gedenken und Gebet. Sofie und Georg”.

Zeit nach dem ersten Kind

Der Briefaustausch mit dem zurzeit schon Ehepaar Sofie-Georg dauert weiter an [bis heute: 2017]. Hier ein paar weitere Fragmente aus den vielen Briefen von Fr. Sofie. So manche ihre Bemerkung kann künftigen Eheleuten-Eltern von Nutzen werden. U.a. die Kundgebung mit Bezug auf das Kommen in die Welt des erwarteten Kindleins:

[Brief 10: I.1983] „... Am 7. Januar ... ist uns unser Sohn geboren. Er ist früher geboren. Es kann sein, wegen dem Umzug ... Dank Bekanntschaften meiner geliebtesten Tante, haben sich alle Ärzte um mich interessiert ... In dieser Zeit, da ich lag, haben zwei Frauen geboren – das war für mich ein schauerliches Erlebnis, weil die erste eine Zangengeburt gehabt hat und die Geburt unter Narkose erfolgte; die zweite hatte eine provozierte Geburt. Sie hat 15 Minuten vor mir geboren. Was sie nun getrieben hat, war furchtbar. Sie schrie auf, sie stöhnte ... Unmöglich zu beschreiben. Der Arzt und die Hebamme waren unheimlich aufgeregt. Aus ihrem Mund fielen Worte: ‘Frau, brülle nicht, das ist eine Geburt, kein Zirkus’ !
– Ich habe mir schon seit langem ins Bewusstsein den Gedanken eingeprägt, dass ich mit vollem Bewusstsein gebären muss (wenn alles gut gehen wird). So ist es auch geworden. Alles geschah ordnungsmäßig (nur dass ich geschnitten wurde). Der Arzt hat mir zur Belohnung für das gute Benehmen solche Lokalanästhesie bereitet, dass ich die Wundnaht überhaupt nicht gefühlt habe. Er wunderte sich, dass ich Lehrerin bin. Im Krankenhaus, Obstetrik-Abteilung, herrscht solche Überzeugung, dass es am schlimmsten mit Lehrerinnen ist: diese schreien am meisten ...
... Heute ist es schon der 12. Tag nach der Geburt. Rafael schläft so niedlich und murmelt ab und zu durch den Traum ... Ich stille ihn mit der Brust. Vorläufig habe ich Nahrung genug.
– Ich hoffe, so wird es möglichst lange sein ... Ich kann mir das noch nicht ins Bewusstsein einkodieren, dass das wirklich mein Kind ist. Ich bin so glücklich! Georg freut sich ebenfalls sehr ... Er macht alles bei ihm. Er windelt ihn, gibt ihm Tee ..., wäscht die Windeln. Ein Bisschen schwer fällt es ihm, sich an das Aufstehen in der Nacht zu gewöhnen. Er ist aufgeregt, aber wenn er ihn in seine Hände nimmt, geht ihm die Wut gleich vorbei. Er spricht ihn gleich süß an und küsst ihn auf die Stirn ...!”

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Erklärung

[Brief 11: III.1983] „... Der kleine Rafael wächst in Augen... Spricht man ihn an, lächelt er niedlich und macht komische Mienen ... Er ist so lieb! Manchmal könnte ich ihn ‘aufessen’ ... Es ist ein kleiner Vielfresser. Ich stille ihn weiter mit der Brust.
– ... Am 20. Februar wurde Rafael getauft. Es hat eine sehr schöne Heilige Messe gegeben. Die Paten waren Zeugen bei unserer Ehe. Ab dieser Zeit gehen wir jeden Sonntag zur Heiligen Messe mit ihm ...
– ... Ich weiß nicht, ob ich Ihnen geschrieben habe, dass die Irenäa schwanger geworden ist. Sie wurde mit großen Schwierigkeiten schwanger, weil sie Rückwärtsbeugung der Zervix hat. In der 12. Woche der Schwangerschaft begann sie zu bluten ... Es folgte eine Fehlgeburt ... Die Frucht war schon seit 5 Wochen tot. Jetzt ist Irenäa zu Hause und erlebt es sehr. Als ich einmal mit Rafael bei ihr war, hat sie ihn die ganze Zeit bei sich gehalten ...
– ... Ich muss alles zusammenpacken und mit Rafael zum Georg fahren. Da hilft nichts anderes ... Wir werden wohl bis zum Ende solche Nomaden sein: wir ändern immer wieder den Aufenthaltsort – wegen der Arbeit meines Mannes ...”.

[Brief 12: V.1983] „... Es war immer mein Wunsch, dass in meinem Haus Eintracht herrschte ... Trotz allem kam es zu Konflikten – und das aus irgendwelchem Grund. Nicht oft, aber es war schon so. Dennoch es ist uns immer schnell gelungen, den Kontakt wieder aufzunehmen und wir haben den Wortstreit vergessen ... Es kommt zu Konflikten auf dem Hintergrund unseres kleinen Stöpsels! Das kommt meistens wegen der übermäßigen Georgs und meiner Besorgtheit. Manchmal gibt es auch andere Gründe. Es ist aber anders als es am Anfang war. Wir sind offenbar nicht verzankt, aber ich habe bemerkt, dass unser Gerede nach solchem ‘Wortaustausch’ sehr amtliches Gepräge annimmt. Es fehlt dann die Herzlichkeit. Das geht vorüber, aber ich befürchte, dass es einmal – dort in Zukunft, zu sog. leisen Tagen kommen kann. Muss es schon so sein, dass im Maß der ablaufenden Jahre irgendwas versaut und sich verstimmt? ...
– Ich habe einen Brief von Irenäa und Christof bekommen ... Der Brief der Irenäa ist voller Bitterkeit. Sie schreibt: ‘Du erinnerst Dich an ... meine furchtbare Vorahnung, und zwar ich habe Angst gehabt, ich ahnte, dass ich kein Kind haben werden kann ... Ich werde alles machen, dass ich ein Kind bekomme. Mein eigenes. Aber: sollte es nicht gelingen? Was wird es dann? Ich habe Angst von der Zukunft zu denken. Mein Glauben ist schwach. Ich kann die Mädchen nicht verstehen, die die Schwangerschaft abschaffen, ihre Kinder töten ...”

Das Ehe- und Familienleben läuft weiter. „Aus amtlichen Gründen, wegen der Arbeit meines Mannes – sind wir immer wieder ‘auf dem Weg’, indem wir ein Zigeunerleben führen.”

[Brief 14: III.1984] „...Jetzt habe ich den Erziehungsurlaub ... Und nachher? ... Wir denken jetzt seriöse an ein zweites Kind. Denn wir möchten zwei haben. Aber nicht alles ist so einfach. Die größte Frage bildet unsere Wohnung ... Sie ist zu klein, um noch ein Kinderbett, oder selbst einen Kinderwagen dazu zu stellen ...
– In der letzten Nummer der Zeitschrift ‘Zorza’ [Morgenrot] habe ich im Artikel über die Schwangerschaftsunterbrechung gelesen:
Ähnlich ist es mit dem größten Teil der Kontrazeptionsmittel, die ihrem Wesen nach frühabortierende Mittel sind ... Das Wesen des Phänomens beim Schwangerschaftsabbruch – und bei Anwendung von Verhütungsmitteln ist dasselbe. Der Unterschied beruht allein auf dem Grad der Brutalität der verrichteten Tötung’.
– Ich habe darüber nachgedacht und es kommen mir welche Zweifel auf, da man nämlich in vielen Zeitschriften spricht, diese Mittel sollen vor der Befruchtung sichern. Ich weiß selbst nicht, was ich darüber denken soll.
– Wir wenden keine Mittel an, obwohl mir bei meiner letzten Visit beim Arzt, die Gynäkologin von allein vorgeschlagen hat, ob ich nicht ein Mittel wünschte. Ich habe ihr gesagt, dass nein. Wir können uns irgendwie ohne irgendwelche Mittel Rat holen. Erklären Sie mir, bitte (ich frage weil ich neugierig bin), wie das in Wahrheit aussieht ...
– Der kleine Rafael wächst uns und richtet immer mehr Unwesen an ... Wir lachen wegen seinen Sprach-Undingen ...
– In letzten Tagen Januar hat die Irenäa ein Töchterchen geboren: mit dem Kaiserschnitt. Sie ist so sehr glücklich! ...”

Frau Sofie und ihrem Mann Georg hat sich eine Gelegenheit aufgetan, ein eigenes Haus zu bauen:

[Brief 16: XII.1985] „... Wir haben den Entschluss gefasst, ein Häuslein zu bauen ... – Der Rafael geht in die Vorschule. Am 7. Januar wird er 3 Jahre alt. Er ist sehr selbständig. Wir gehen am Morgen des Öfteren zur Heiligen Messe ...
– Ich bin sehr besorgt (schon seit langem) wegen der Haltung des Georg, der die Notwendigkeit nicht verspürt, an der Sonntagsmesse teilzunehmen. Wenn er am betreffenden Sonntag nichts geplant hat, wenn es z.B. kein Fußballspiel oder eine andere Sportveranstaltung oder ein Fernsehprogramm gibt, gehen wir zusammen und Georg meint, es ist unsere normale Pflicht. Sollte aber was von diesen Sachen am Sonntag stattfinden, weist Georg die Kirche immer zurück – so gehe ich also mit dem kleinen Rafael allein. Ich kann keinen Einfluss auf ihn fassen. Er hütet seine eigene Meinung darüber ...”

Probleme mit der Anleitung der ehelichen Keuschheit

Es beginnen Probleme mit ehelichem Verkehr zu erscheinen: Schwierigkeiten mit zeitweiliger Abschaltung der Annäherungen wegen der Empfängnisplanung. Es ist nicht gut, wenn Eheleute die unumgänglichen Verhaltensweisen nicht vor der Ehe erarbeitet haben. Diese sollten in der Ehe die Frucht der inneren Freiheit bringen!

[Brief 17: I.1987] „... Ich bin die ganze Zeit mit Ihrem Büchlein betroffen: ‘Liebe offen für´s Leben[= eine der nicht erschienenen Bücher von P. PL]. Zwar bin ich damit noch nicht zu Ende ... Aber das, was ich gelesen habe, hat mir vieles zum Nachdenken über das bisherige Leben und die ehelichen Verhaltensweisen gegeben ... Ich muss offen sagen, dass mein bisheriges Wissen bezüglich des Verkehrs sehr geringfügig war. Jetzt, nach der Lektüre dieser ... Seiten, hat es sich gezeigt, dass unser bisheriger Verkehr sündig war. Wir haben keine Verhütungsmittel angewandt und wenden sie weiter nicht an, allerdings des Öfteren unternehmen wir unterbrochenen Verkehr. Überrascht sind wir damit, dass auch ‘Ersatz’-Kuscheleien sündhaft sind.
– Beim Religionsunterricht wurde uns solches Wissen nicht vermittelt. Bei dem Brautunterricht wurde diese Frage auch nicht so genau beleuchtet, wie ich es jetzt nach dem Lesen dieses Werkes verstanden habe.
– Jetzt, wenn ich mit dieser Sünde abbrechen möchte (denn bis jetzt war der Verkehr ziemlich oft sündhaft), sind Probleme entstanden. Ich kann keine gemeinsame Sprache mit Georg finden. Es ist mir schwer darüber zu schreiben, ich möchte lieber, dass er selbst seine Beobachtungen an Sie, Herr Pater, darstellt ... Wir sehen einander (mit meinem Mann) wenig. Selbst die Nächte erlebt er außerhalb des Hauses – auf Wegen. Wenn er spät Abend zurück ist, ... reicht für uns manchmal keine Zeit für ein Gespräch mehr. Es ist mir schwer mit diesem Bewusstsein zu leben, dass ich diese Frage ‘allein trage’. Unser Gespräch über dieses Thema endet gewöhnlich mit der Feststellung vonseiten Georg: ‘Das interessiert mich nicht. Dafür habe ich keine Zeit’.
– Diese Tatsache kümmert mich, denn Georg ist ein guter Mann. Warum er mir aber darin nicht helfen will – das weiß ich nicht. Wenn ich mit anderen Leuten über diese Lektüre spreche, muss ich feststellen, dass auch ihr Wissen nicht das beste ist. Ein paar Leute möchten das lesen. Ob aber ihr Leben geändert wird? Und ich? Ich weiß nicht, wie ich daraus finde. Ich will, aber ich weiß nicht – wie. Bitte, helfen Sie mir ... Ich danke jeden Tag Gott, der auf meinen Weg Sie, Herr Pater, gesetzt hat. Ich bin glücklich, dass es jemanden gibt, der meine verdunkelte Vernunft aufhellt. Aber es ist mir jetzt damit schwieriger zu leben ...”.

Mittlerweile ist das zweite Kind geboren – die Sabina. Fragen mit dem ehelichen Verkehr tauchen ganz von neuem auf:

[Brief 18: IV.1987] „... Ab diesem Brief von Ihnen, Herr Pater ... gehe ich mit diesen meinen Fragen und es ist mir sehr schwer. Wenn ich mit meinen Freundinnen oder anderen nahen Leuten rede, zeigt es sich, dass ich nicht vereinsamt bin. Ein paar Leuten habe ich selbst den Brief von Ihnen gezeigt ...
– Diesen Brief hat aber Georg nicht gelesen. Noch bevor ich ihn erhalten habe, versuchte ich mit ihm zu sprechen. Ich weiß nicht, ob ich die Gabe des Erklärenkönnens nicht habe, oder auch habe ich nicht Kraft genug? Oder vielleicht steckt die Schuld in meiner Verhaltensweise?
– Ich muss Ihnen, Herr Pater, schreiben, dass unsere sexuelle Nähe nicht mehr so aussieht wie sie früher war. Ich bin nach dem ganzen Tag ... so abgespannt, dass ich keine Lust habe, dem Georg nahe zu werden. Ich liebe es bei ihm zu sein, empfinde aber keinen Bedarf nach geschlechtlichem Verkehr. Diese meine Einstellung zum Verkehr hat sich schon nach der Geburt des Rafaels geändert. Ich weiß nicht, ob es krankhaftes Symptom ist, aber seit der damaligen Zeit bis heute ist der Verkehr für mich nur Erfüllung der Pflicht Georg gegenüber geworden.
– Nachdem ich die Schrift gelesen habe: ‘Liebe offen für´s Leben’, habe ich erfahren, dass das anders aussehen soll. Ich möchte dieses unser verwickeltes Leben in Ordnung bringen, es ist mir aber schwer. Jetzt aber, da ich die kleine Sabina mit der Brust stille (geb. 17.X.1986), habe ich keine Periode und ich weiß nicht, wie es mit dieser Fruchtbarkeit aussieht. In den mir zugänglichen Schriften kann ich darüber nichts finden, d.h. man kann darin das lesen, dass die Zeit des Bruststillens die Unfruchtbarkeit nicht garantiert und man soll Verhütungsmittel anwenden. – Wir wenden keine Mittel an und daher unternehmen wir unterbrochenen Verkehr. So schüttele ich also all diese Probleme wieder von mir und belästige mit ihnen Sie, Herr Pater ...”

Es kommt zum entscheidenden Gespräch über den ehelichen Verkehr:

[Brief 19: IV.1987] „... Ich fange wohl mit der Osterbeichte an. Ich habe den Vorsatz gefasst, dass es ab jetzt die Sünde nicht mehr geben wird. Abends, als wir mit Georg beisammen waren, begann ich mit ihm zu sprechen. Es hat sich gezeigt, dass er (er ging auch zur Beichte) den unterbrochenen Verkehr nicht gebeichtet hat. Da kam es unter uns zu einer stürmischen Diskussion. Georg hat sie folgender zusammengefasst: ‘Ich werde dazu gezwungen, dass ich mir jemand anderen finden muss’. Ich wandte mich von ihm rückwärts und habe dazu nichts gesagt. Im Geist betete ich zu Gott: ‘Willst Du nicht, dass ich sündige, erleuchte ihn Du, o Gott. Wenn er das nicht verstehen wird, möge er also weggehen, denn ich werde sowieso auf meinem bestehen’.
– Mit leichter Seele bin ich eingeschlafen. Georg hat mich aber in gewisser Weile an sich geschmiegen und sagte: ‘Verzeihe mir, bitte’! Ich fragte, ob er einverstanden ist, weiter nicht mehr zu sündigen? – Er hat eingewilligt und sagte, er werde noch einmal zur Beichte gehen. Ich war sehr glücklich.
– Ich habe mir vorgenommen, jeden Tag morgens die Temperatur abzumessen. Und doch bin ich die ganze Zeit im Zirkelschluss, denn ich weiß wirklich nicht, wann Tage der Fruchtbarkeit da sind ...
– Alles war gut bis zu gestern. Am Abend sagt Georg zu mir mit ungeduldiger und zorniger Stimme: ‘Wie lange soll ich noch also warten? Meine Kollegen würden mich auslachen, sollten sie wissen, was für eine Situation hier bei uns da ist’. – Ich habe versucht ihm ruhig zu erklären, aber das hat nicht geholfen. Zum Ende unserer Diskussion hat Georg festgestellt: ‘Sollte es nicht die Kinder gegeben haben, hätte ich nicht wozu nach Hause zurückzukehren’. Heute am Morgen ging er vom Hause ohne Abschiedsgruß.
– Ich sehe, dass in all dem meine Schuld steckt. Es hat mir einmal die Standhaftigkeit gefehlt. Jetzt weiß ich aber, dass ich nicht erliege. Indessen ich weiß wirklich nicht und habe keine Gewissheit betreffs des Verkehrs. Am 17.April sind es 6 Monate seit der Geburt abgelaufen und ich habe keine Periode ... Ob jetzt, wenn ich die ganze Zeit mit der Brust stille und keine Periode erscheint, es möglich ist, dass wir aufgrund dieser Aufschreibungen Tage der Unfruchtbarkeit finden können und zu verkehren beginnen ...?
– ... Meine Notizen sehen folgender aus [NB.: sie schickt Aufschreibungen nach der Temperaturmethode – und zugleich nach der Billings-Methode]. Sie sind dürftig. Ich dachte die ganze Zeit, dass wenn ich keine Periode habe, taugen sie zu nichts. Erst nach der Beichte am 16. April begann ich mit Notizen ... Die Temperatur messe ich in der Mundhöhle. Soll ich Notizen auf solche Art und Weise führen? Wie soll ich Tage der Unfruchtbarkeit erkennen? Jetzt zähle ich auf Ihre Hilfe, Herr Pater. In der Literatur, über die ich verfüge, finde ich überhaupt keine Rede von der Zeit, wenn die Frau das Kind bruststillt ... Ungeduldig warte ich auf einen Brief und Ihre Anweisungen ... Ich gedenke Ihrer im Gebet”.

Der Kampf um die eheliche Keuschheit hält an:

[Brief 20: 14.VIII.1987] „... Danke für den Brief. Ihre Briefe flößen mir die Kraft ein und festigen sehr im Glauben. Ab April notiere ich fleißig die Beobachtungen des Schleimsymptoms (nach der Billings-Ovulations-Methode). Seit der Osterbeichte, wann ich die Entscheidung geschlossen habe: die ‘Sünde wird es nicht mehr geben’ – verkehren wir nur an Unfruchtbarkeitstagen. Am schwierigsten ist es in weiterer Folge mit Georg fertig zu werden. Es gibt Tage, wenn er sich für das ‘JA’ erklärt – ein andermal aber, an Tagen der Fruchtbarkeit, stellt er von neuem seine Gründe dar. Ich finde aber damals in mir so viel Kraft (ich weiß selbst nicht, woher das kommt), dass ich hartnäckig bei meinem verharre: ‘Keine Sünde mehr’ ! In der vorgestrigen Nacht haben wir mit Georg sehr lange gesprochen, weil er wieder empört war. Er sagte, dass ich ihn nicht verstehen kann. Er behauptet fest, dass er solchen Verkehr anzunehmen nicht imstande ist. Er hat sich auf alle bekannten Ehepaar berufen, die sich damit ‘keine Probleme machen’. Im Laufe des Gesprächs hat er mir versprochen, dass er zu unserem Herrn Pfarrer gehen wird und sich mit ihm über dieses Thema unterhalten wird. Er meint, der Geistliche ... kann ihn verstehen und dass seine Anschauungen nicht so sehr rigoros sein werden. ... – Jeden Tag gedenke ich Ihrer beim Rosenkranzgebet ...”

Sieg in Jesus Christus

Die Standhaftigkeit im Kampf um den Lebendigen Jesus Christus im Herzen bringt Früchte:

[Brief 21: 19.XII.1988] „... Ich habe wohl schon ein halbes Jahr geschwiegen. Und doch gedenke ich jeden Tag Ihrer, Herr Pater, beim Beten des Rosenkranzes. Viele Wahrheiten, Grundsätze, die uns über Sie übermittelt worden sind, gelingt es mir ins Leben zu einverleiben. Manche habe ich anderen mitgeteilt. Bei uns ist so vieles geworden! In der Ferienzeit haben wir das Glück erlebt, dass wir an der Familien-Oase teilnehmen konnten ... Wir haben dort 15 herrliche Tage erlebt unter herrlichen Leuten: wir waren 12 Familien. Dort haben wir die Gegenwart Gottes von neuem wiedergefunden. Die Gegenwart in jeder Weile. Georg konnte mit uns nur 7 Tage weilen ...
... Seit September gehören wir zum Familienkreis in unserer Pfarrgemeinde ...
– Nach der Rückkehr von der Oase, hat mir unser Pfarrer die Anteilnahme am Kursus der Vorehelichen Beratung vorgeschlagen. Ich besuche diesen Kursus schon den zweiten Monat ...
– Zuletzt noch die wichtigste Nachricht: ich bin im 5. Monat der Schwangerschaft. Der Rafael und die kleine Sabina können den Kleinen kaum erwarten. Schon jetzt fragen sie des Öfteren: ‘Schläft jetzt das Kindlein, oder hopst es im Bäuchlein der Mama?’ ... Ich bin mir bewusst, dass es uns schwer und enge in diesem einen Zimmerchen sein wird, aber ich glaube, dass die Freude, die der Kleine in unser Haus mitbringt, alle Schwierigkeiten überhüllt ...”

Der nächste Brief, nach der Geburt des 3. Kindes. Man kann auch darüber erfahren, wie es bei der Geburtshilfe nicht sein soll. Der Mutter und dem Kind steht das unabdingbare Recht zu bei-einander-zu-sein, angefangen von der Geburt selbst. Das Kind soll gleich nach der Geburt zur Brust der Mutter finden: aus medizinischen Gründen, und um so mehr aus psycho-physiologischen Gründen. Die Mütter sollen das ihre Recht und das ihres Kindes abverlangen, dass es diese Nahrung erhält, die Gott gut ersonnen hat – dem zuwider, was den Müttern manche Ärzte, bzw. manche Hebammen einzureden suchen.

[Brief 22: 2.IV.1989] „... Wir sind den dritten Tag beide zu Hause. Unser erwünschte kleine Sohn Wojtek ist in die Welt am 28.März gekommen ... Die Geburt hat sehr kurz gedauert ... und um 15.20 konnte ich schon unseren Sohn sehen und ihn an mich schmiegen. Freilich das dauerte nur ein paar Sekunden. Ich wurde auf ein anderes Bett umgesetzt und wir wurden für 2 Stunden in die Ecke geschoben ... Diese 2 Stunden und nachher noch weitere haben sich für mich in Unendlichkeit gezogen. Ich habe mich geistig so schlecht gefunden ... Wir wurden bis zu 24.00 getrennt
– ... Als ich schon nach 17.00 im Nachgeburtssaal war, habe ich die Krankenschwester gebeten, dass sie mir mein Kind bringt. Sie hat meine Bitte abgelehnt. Ich habe dann das Weinen der Kinder gehört und konnte nicht ruhig bleiben. Ich musste ‘vorschriftsmäßig’ bis zu 24.00 abwarten. Nachher waren wir schon dauernd beisammen ... Als ich ihn an meine Brust gelegt hat, wollte er sich nicht lostrennen – für etwa 2 Stunden ... Jetzt sind wir zu Hause. Der Rafael und die Sabina möchten ihn allein umkleiden, tragen ...”.

Dienst in der Eheberatung

„ ... Ich muss Ihnen jetzt von meinen Beschäftigungen in der Familienberatung schreiben ... Der Kursus wurde mit einer Prüfung in zwei Stufen beendet ... – Gemäß meinem Gewissen und diesen Kenntnissen, die ich von Ihnen, Herr Pater, bekommen habe – rede ich von Billings als der meist spezifischen Methode. Ich selbst war anfangs des Kursus mutlos, denn es wurde uns die Aufgabe gestellt, Aufschreibungen zu gleicher Zeit in drei Methoden. Ich war schwanger ...
– Ich spreche von Billings. Was die übrigen Methoden angeht, verweise ich auf Broschüren und die Literatur (falls sie darüber etwas mehr gern erfahren möchten) ...
– Trotz meiner Lässigkeit gedenke ich Ihrer täglich beim Rosenkranzgebet ... Sofie, Georg und die Kinder: Rafael, Sabina, Wojtek”.

Noch ein Brief, der zurzeit stark in Beschäftigungen der Familienberatung engagierten Frau Sofie:

[Brief 23: 28.VII.1989] „... Ich danke für alle Briefe und Stoffe ... Ich weiß nicht warum es mir immer so schwer ist, dass ich mich zum Schreiben zusammenpacke. Und doch ich richte immer so viel Gedanken an Sie, Herr Pater. Es gibt so viele Momente, da es mir vorkommt ..., dass mir jemand zu Hilfe kommt, jemand sich für mich einsetzt ... Ich bedanke mich von Herzen ... Gerade Jetztzeit bedarf ich immer öfter nach solcher Gebetshilfe, geistiger Unterstützung. Es scheint mir des Öfteren, dass alle Probleme sich jetzt irgendwie zusammengeballt haben, dass sich alles auf uns gestürzt hat: die enge Wohnung [ein Zimmer für 5 Personen], der Bau des Hauses in so schwierigen Zeiten, die schwere finanzielle Lage (ich kann jetzt keine Arbeit unternehmen) und meine Stellung in der Familienberatung ... Ich bin mir bewusst, dass die Last dieser allen Pflichten uns viel Glück bringt, viel Freude, auch wenn sie vielleicht von den Kümmernissen stark überschleiert ist: der kleine Wojtek hat das Bettchen von Sabina besetzt. Es gibt mehr Wäsche, und man muss dauernd bei ihm sein. Aber wie viel Freude er in dieses enge Zimmer beigebracht hat! Er ist sehr, sehr niedlich (herrlich!) und sehr, sehr artig. Manchmal ist es mir um ihn wirklich Schade, weil er immer wieder nur liegt und liegt. Er fordert von uns nicht viel. Gleichsam als ob er unsere Lage verstehe, weil ich doch Zeit brauche, um Einkäufe zu machen, Wasche zu verrichten, das Essen zu vorbereiten – nicht nur für uns, sondern auch für die Maurer beim Bau ... All diese Arbeiten beim Bau ziehen sich ins Unendliche. Nach jedem Maurer muss man gehen, ihn bitten ... Noch schwieriger ist es mit Baumaterial ...
– Meine Arbeit in der Familienberatung macht auch eine gewisse Belästigung aus. Der Herr Pfarrer hat mich zwar von der Pflicht freigesprochen, Zusammentreffen mit Brautpaaren zu führen. Diese aber kommen zu mir. – Die Paare kommen irgendwie gern gerade zu mir. Ich könnte ihnen nicht absagen. Die jungen Leute kommen zu uns, in unser Haus, weil ich doch die Kinder nicht nehmen kann, um im Pfarrbüro Dienst zu halten. Meistens verabrede ich mit ihnen um die Zeit nach 20.00 Uhr. Die Kinder schlafen dann schon gut. Diese Zeit wäre mir sehr nötig: zum Waschen, Bügeln u.dgl., aber ich weiß auch, dass mir diese Zeit von Gott geschenkt wird. So bitte ich Ihn, Er möge diese meine Mühe annehmen. Es gibt so vieles, wofür ich um Verzeihung bitten soll. Vor jedem Zusammentreffen bete ich zum Heiligen Geist. Jedes Brautpaar ist anders. Wir haben Entwürfe für drei Zusammentreffen mit Brautpaaren. Aber diese betreffen ideale Bedingungen (die Brautpaaren sollen 3 Monate vor der Heirat kommen, mit reinem Herzen ...). Das Leben ist aber anders. Die Mädchen sind schon schwanger. Ich habe auch einen Fall eines jungen Paars mit 2 Monate altem Kind gehabt, die eine Woche vor der Heirat gekommen sind. Ich bin nicht falsch entrüstet, da ich doch selbst eine von solchen gewesen bin.
– Mein Problem (wie auch meiner Kolleginnen, die in der Beratung zusammen betätigt sind) beruht darauf, dass man uns für solche Situationen nicht vorbereitet. Ich merke eine Weisung unserer Instruktorin: ‘Sollte die Braut schwanger sein, da soll man schon dieses Thema der Liebe übergehen, und mit ihr von der Fruchtbarkeit nach der Geburt sprechen’. Ich erinnere mich an meine Brautzeit und meine Probleme. Gut, dass damals Sie mit mir waren, Herr Pater. Gut dass wir jemanden gehabt haben, an den wir uns wenden konnten. Auch ich möchte jetzt zu Hilfe stehen, allerdings nicht nur im Sinn, dass ich die Methode der Empfängnisregelung erkläre. Ich möchte diesen Jungen Leuten Gott nahe bringen. Indessen sie kommen meistens mit solcher Einstellung und Bitte: ‘Wäre es möglich, dass Sie diesen Stempel geben?
– Ich sehe ein, was für eine große Aufgabe Gott vor mich gestellt hat und was für ein kleiner Mensch ich bin, um dazu auch gerecht werden imstande zu sein. Ich will mein Gewissen nicht mit dem ‘Erledigen des Stempels’ belasten. Ich möchte diese meine Aufgabe möglichst am besten erfüllen. Aber ich selbst benötige (vielleicht mehr als je einmal) Stärkung im Glauben, geistige Unterstützung ...
– Wir grüßen. Danken für alles. Ich gedenke im Gebet...”.

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Erklärung

So viel aus der Briefreihe des früheren Brautpaars – jetzt Familie geworden. Im Laufe der Jahre sind die Briefkontakte zwar lockerer geworden. Aber dieses Ehepaar selbst gewinnt an geistiger Vitalität. Bei ihnen gedeiht immer mehr das geistige Ausmaß der Ehe, gelebt als Sakrament – parallel zur Frage der Erziehung der Kinder und des engagierten Dienstes zum Wohl der von Gottes Vorsehung Anvertrauten.

Die Briefe offenbaren ab und zu gespanntes Ringen mit der Schwäche und dem fehlgeschlagenen Begriff der Liebe aus der Zeit der Verlobung. Anfangs, in der Brautzeit, gilt als Liebe nicht selten die Lage, dass sich diese beiden gegenseitig die Selbstbefriedigung mit Hilfe dieses anderen sichern. Später erscheinen teilweise ähnliche Probleme in der Ehe. Aber parallel zu Zeiten der Schwäche kommt allmählich die Überwindung der schmerzhaft erlebten Weilen des Hinfallens in Gottes Augen zutage, wie auch angesichts der Würde der beiderseitig einander gelobenen Liebe.

Wir sehen ein immer reineres Begreifen und Erleben der Liebe dank dem Sieg, der im Herzen dieser beiden Jesus Christus und Maria davonträgt, denen diese beiden ‘in ihren Taten gefallen möchten’. Beide reifen im beschleunigten Tempo zur Rolle nicht nur der Eheleuten, sondern auch immer mehr der ... Eltern heran.
– Sie nehmen schöpferisch das grundlegende Ausmaß des Lebens in Personen-Kommunion auf sich: die Erarbeitung des Reflexes, sofort verzeihen zu verstehen.
– Es entwickelt sich die Freude in gastfreundlicher Aufschließung für die herankommenden Kinder. Dabei kann man so viel demütiges Erbitten um Gottes Verzeihung beobachten, wie auch des Schutzes vonseiten Christi und Mariä!

Aus den Briefen von Frau Sofie kann auch ein weiteres, ermutigendes Kennzeichen herausgelesen werden: die Offenherzigkeit der Umgebung solchen zweien gegenüber, die sich in gewisser Zeit sehr verloren finden können. Wir sehen die Hilfe, die diesen zweien vor ihrer Heirat von ‘zufälligen’ Nächsten geleistet wurde, vor allem vonseiten dieser lieben Taufpatin. Eine tätige, wohlwollende Liebe, die es versteht, die entrüstete Verwunderung beiseite zu schieben, wird wunderbare Arznei und Dienst, der letztlich Christus selbst erwiesen wird (Mt 25,40). Dabei kann erfahren werden, wie die dauernde Empfindsamkeit auf Gottes Anwesenheit im Herzen zum Dankerweis führt für die erfahrene Barmherzigkeit – über den engagierten Dienst den Nächsten zugute in Sachen, die mit dem Erleben der Liebe und der künftigen Elternschaft verbunden sind.

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B.   GOTTES GEBOTE:
IST DAS EIN ‘ETWAS’ – ODER ES IST EIN ‘JEMAND’ ?

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1. Gottes Stil bei erlassenen Befehlen

Voraussetzung zur Einführung: soll angesichts der moralischen Schwäche kapituliert werden?

Nach dieser Reihe inhaltsreicher Bekenntnisse ist es angewiesen, auf einige darin vorkommende, mehr charakteristische Formulierungen zurückzukommen. Zuerst aber ziemt es sich noch eine wichtige Erklärung heranzuziehen.

Sollte die angeführte, mit schöner Sprache geschriebene, lange Briefaustauschreihe etwa besagen, dass der Autor voraussetzt, dass der schon vor der Heirat unternommene Geschlechtsverkehr letztlich schon eine gut stabilisierte ‘Norm’ darstellt? Diese Norm wird schon niemand und nichts ändern können. Man muss damit letzten Endes einverstanden werden und aus dieser Tatsache keine Tragödie machen. Es ist umsonst ein Ideal zu unterhalten, nach dem sich sowieso niemand richtet. Angesichts des Tatsachenzustandes ist es schlechterdings angebracht, auf die Kapitulation zuzustimmen und Gewissenskonflikte bei jungen Leuten nicht vervielfältigen. Weiteren Jungen zweien dürfte etwa folgende Lösung angeraten werden:

Sollte es euch schwer sein die voreheliche Keuschheit zu bewahren, geht ruhig auf Verkehr über. Zwar ist solche Lösung nicht die wunderbare, aber ... indem eben sowieso alle auf diese Art und Weise handeln, dürft auch ihr auf solche Praxis eurer gegenseitigen Nähe umschalten. Es reicht, wenn ihr in einer Zeit, wann ihr darin einigermaßen schon eingeübt seid, selbst zur Erkenntnis kommt, es wäre immerhin am besten, wenn ihr euch seit Anfang an nach dem Gottes Wort richtet: ‘Du sollst nicht die Ehe brechen’ – und mit dem Verkehr vor der Ehe nicht anfängt. Allerdings jetzt, wenn die Unternehmung des Verkehrs schon vollbrachte Tatsache geworden ist, muss man sich selber sagen: ‘Schade! Es ist schon Tat geworden! Das kann nicht mehr geändert werden! Man muss damit schlechterdings einverstanden werden ...’.
– Jedenfalls vielleicht erst im Laufe der Zeit beginnt ihr allmählich selbst eure Lage in geeigneterer Art und Weise zu verstehen. Vielleicht rafft ihr euch selbst im Laufe der weiteren Monate auf, nach bisher regelmäßig unternommenem Verkehr, die Fähigkeit zum Herrschen über sich selbst zu gewinnen. Ihr überzeugt euch selbst, dass wenn untrügliche Bremsen nicht erarbeitet werden werden, es schwierig sein wird, auf übereinstimmiges Miteinanderleben in Zukunft der Ehe zu zählen. In solcher Lage fällt es nicht mehr schwer, die erforderte Keuschheit zu erarbeiten – gemäß dem Gebot Gottes, sollte es auch vielleicht erst nach einer lange anhaltenden Reihe des Sündigens miteinander geschehen.
– Die davongetragenen Niederlagen und Fälle, dann aber die errungenen Siege – ziehen praktisch eine ‘Gleichung zum Nullpunkt’ der bisherigen negativen Billanz eurer Gewissen vor Gott. Demzufolge braucht man sich deswegen nicht allzu sehr erschüttern lassen, indem doch Gott dem Sünder sowieso verzeiht. Wenn ihr euch nur aufrichtigen Herzens entschuldigt und Ihn um Verzeihung bittet, wird Er sie euch ganz bestimmt gewähren. Er zeigt auch ganz gewiss Verständnis mit euren Sündenfällen, die Folge der inneren Schwäche waren, der ihr euch bei bestem guten Willen nicht widersetzen konntet. Wenn euch aber Gott verzeiht, nimmt Er euch auch an und schenkt euch die Fülle weiterer Reichtümer seiner Erlösung ...

Dennoch, der nicht entstellte ‘Glaubens-Sinn’ schiebt anderes vor. Wenn auch Gott wahrhaft jeden Sünder annimmt und wenn: „... beim Herrn ist Erbarmen, bei Ihm ist reiche Erlösung” (Ps 130 [129],7), könnte die dargestellte Haltung im Antlitz Gottes Barmherzigkeit leicht zur Sünde gegen den Heiligen Geist umschalten (s. ob.: Sünden gegen den Heiligen Geist). Eine dieser Art Sünden beruht darauf: „Vermessen zu sündigen in Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit”.
– Dagegen hinsichtlich der Sündigenden hauptsächlich wegen ihrer ‘menschlichen Schwäche” ist es wohl gut, dass man sich an eine maßgebende Äußerung Johannes Paul II. aus seiner Enzyklika Veritatis Splendor [‘Glanz der Wahrheit’: 1993] erinnert:

„... Während die Haltung dieses Menschen sehr menschlich ist, der, nachdem er gesündigt hat, seine Schwäche anerkennt und um Verzeihung der Schuld bittet, kann man auf keinen Fall der Vernunftsfolgerung dessen zustimmen, der aus eigener Schwäche das Kriterium der Wahrheit von Gut macht, so dass er sich von sich selber gerechtfertigt fühlt, ohne zu Gott und seine Barmherzigkeit Zuflucht zu nehmen. Solche Haltung führt zur Zersetzung der Sittlichkeit der gesamten Gesellschaft, weil sie überhaupt die Objektivität des Sittengesetzes in Zweifel setzt und den absoluten Charakter der moralischen Verbote verneint, die bestimmte menschliche Handlungen betreffen, und letzten Endes im Bereich aller Werturteile Verwirrung einführt” (VSp 104).

Mit anderen Worten man kann aus eigener ‘moralischen Schwäche’ keine maßgebende Richtschnur für das eigene sittliche Verhalten machen, indem man von vornherein im Angesicht der Versuchung kapitulierte, sich ihr ergebe und mit der Entschuldigung rechtfertigte: ‘Ich bin schwach und von vornherein gewiss, dass ich sowieso hinfalle. So verzichte ich also überhaupt auf jeden Kampf’.
– Wenn man auf der Kriegsfront keine Sperre gegen die feindlichen Armeen aufstellt, wenn man keinen Stacheldraht anlegt, keine Verteidigunsgraben schachtet usw., reißt der Feind ganze Landstreifen ohne Kampf an sich. So wäre die Verhaltensweise einer von vornherein angenommen Kapitulation vor dem Drang der Versuchungen.

Noch schlimmer, wenn diese beiden nicht nur keine gut überlegte Schranke aufstellen würden, die vor der Bedrohung der Versuchung und Niederlage schützte, sondern umgekehrt – Situationen eines nah werdenden Falls untereinander bewusst erzeugten. Verliebte sind sich um diese Frage völlig bewusst. Sie wissen auch besten Bescheid, wie die Bekleidungsweise die Versuchung aufzudrängen vermag, vor der man sich dann schwer wehren kann. Sie sind sich bestens bewusst, wie gewisse Beweise von Zärtlichkeiten beinahe mit 100% Gewissheit zum ‘noch weiter-und-noch-weiter’ führen. Sie wissen sehr gut, was für ein Anschmiegen und welche Situation des Alleinseins miteinander fast mit Gewissheit zum Anfang wird einer weiteren moralischen Niederlage ihrer beiden in Gottes Angesicht – und ihrer Selbst. Wenn sie über diese Situationen nicht nachdenken, oder noch schlimmer: sie wollen nicht dazu lassen, um vor ihnen irgendwelche ‘Abschirmssperre’ aufzustellen, d.h. sie unternehmen keine Entscheidung, tatsächlich keine Sünde mehr zu begehen, findet ihre Schwäche in Gottes Angesicht – und sich gegenseitig gegenüber – keine Ausrede.

In Sache der ‘Reue für die Sünden’ beim Herantreten zum Sakrament der Versöhnung und der ‘Entscheidung nicht mehr zu sündigen’, u.a. bei empfundener tatsächlicher eigener moralischer Schwäche, verweisen wir hier darauf, was schon früher auf der hiesigen Homepage dargestellt wurde – beim Besprechen der Bedingungen für eine gute, gültige heilige Beichte (s.ob.: Die Entscheidung nicht mehr zu sündigen – und die ganze weitere Folge dieses Abschnitts). Das bedeutet, dass diese beiden gut überlegte Entscheidungen fällen müssen und sich allein mit ‘gutem Willen um des guten Willens halber’, der letztlich nicht allzu sehr verpflichtete, nicht befriedigen können. Sollten sie anderseits fast 100% sicher sein, dass sie in der gefällten wirklichen Entscheidung wahrscheinlich nicht lange aushalten. Es muss ein tatsächlicher Kampf unternommen werden, der jedenfalls trotz der schmerzvoll erfahrenen Schwäche – auf die eigene Schwäche nicht zustimmt. Unmöglich kann solches Verhalten angenommen werden, wenn es eine passive Kapitulation bedeutete, die überhaupt nichts zu tun heißt, um die Sünde auf wirksame Art und Weise auszuschließen.

In dieser Lage sollte noch einmal die früher gestellte Frage unternommen werden: ob wirklich alle Brautpaare geschlechtlichen Verkehr üben, was bedeuten sollte, dass man daraus ‘keine Tragödie tut, und umgekehrt: diese Tatsache mit aller Ruhe annimmt, indem man von vornherein auf die menschliche Schwäche zustimmt’?
– Die Antwort auf die so gestellte Frage wird noch in der weiteren Folge des hiesigen Kapitels erscheinen. Aber schon jetzt kann im Voraus gesagt werden, dass selbst wenn in einer Brautgruppe, oder Gruppe von Freundschaften, ausnahmslos alle Paare geschlechtlichen Verkehr vor der Eheschließung praktizieren würden, folgerte aus dieser Tatsache überhaupt nichts, was sich um das weiterhin völlig aktuelle Gebot Gottes handelt. Es ist kein Gebot der Kirche, noch der Geistlichen, noch des Papstes.

Es bleibt auch nur noch eine Anmerkung übrig: Gott ist wirklich Liebe. An diesen Gedankenfaden gehen wir noch gleich im Folgenden über. Denn das betrifft auf sehr besondere Art und Weise gerade die zurzeit besprochene Problematik. Man soll Gott anvertrauen – auch in diesen, schwierigeren Lösungen. Gott weiß nur allzu gut, was und warum Er was vorschlägt – darunter auch diesen beiden.

Die Gebote Gottes sind immer nur dringende Vorschläge und innigste Bitten, die Gott an sein Geliebtes lebendiges Ebenbild: Mann und Frau richtet, dass sie die Lösung Gottes annehmen. Gott wird aber sein Geschöpf außer jeden Zweifel niemals nötigen, dass es seine Gebote erfüllt. Er verordnet und befiehlt nur – und bittet. Er zeigt auch ehrlich die Folgen – die ewigen Folgen der Annahme bzw. Zurückweisung seiner Lösungen, die von Liebe getragen werden.
– Alles Übrige ist Sache nicht mehr Gottes, sondern des Menschen: dieser beiden. Samt allen Folgen ihrer bewussten und freiwilligen Wahl.


Als Ergänzung möchte noch der Geistliche – in diesem Fall der Autor, der diese Worte schreibt, angesichts der Brautpaare folgendes bekennen – mit völliger Aufrichtigkeit des priesterlichen Herzens, dem aus Gottes Güte immer wieder die Möglichkeit gegeben ist, den Dienst im Sakrament der Versöhnung zu verrichten. Es besteht offenbar das Geheimnis der Heiligen Beichte [sigillum confessionis] – und dieses wird auch voll bewahrt. Dennoch das, was es freudiges gibt, kann der Priester auf anonyme Weise sagen. Zur Erquickung der Herzen von vielen, und auch zu eigener Freude, wie auch zum Dank angesichts des Erlösers, und auch Mariens, der Mutter des Erlösers.

Ferner, dieser hier schreibende Pater möchte die Verehrten Leser auch darüber vergewissern. Sollte nämlich ein Beichtkind bei der Heiligen Beichte u.a. gerade solche Sünde bekennen: des geschlechtlichen Verkehrs, wird der Beichtvater zweifelsohne deswegen niemals Anstoß nehmen. Er wird sich nicht wundern, noch entrüstet er sich. Der Priester ist im Beichtstuhl nicht dazu, dass er an menschlicher Sünde ‘Anstoß’ nimmt. Er wird dagegen auf sakramentale Art und Weise – mehr als in anderem Fall seines Auftretens als ‘Priesters’, zur Identifizierung mit dem Erlöser selbst, Jesus Christus, zugelassen. Es ist immer seine Freude als Priesters, wenn er im Beichtstuhl zum Vermittler des Reichtums der vom Gottes Sohn Jesus Christus vollbrachten Erlösung werden darf. Der Beichtvater wird auch ganz sicher alles tun, dass die Heilige Beichte gültig und wirksam wird. Er tut alles, dass das Tribunal der Barmherzigkeit zum ‘Kuss des Friedens’ vonseiten Jesus als des Guten Hirten wird, mit dem Er das verlorene, verwundete Schäflein, oder auch den verlorenen Sohn beschenken möchte.

Das alles vorausgesetzt, bekennt der Priester vor dir, Du Werter Leser, was gerade folgt. Glaube, bitte, dass z.B. zum Beichtstuhl u.a. gerade dieses hier schreibenden Paters immer wieder Brautpaare herantreten, wobei es dieses Mal um eine Beichte geht, die ganz direkt der Trauung vorangeht. Sie stellen mit sie beinahe zersetzender aufrichtiger Freude und großem Dank fest, sie verabredeten sich beide ab Anfang an, dass sie den ganzen Bereich der geschlechtlichen Intimität, d.h. nicht nur den Verkehr an sich, Un-angetastet sein lassen, indem sie ihn für Tage erst nach dem geschlossenen sakramentalen Ehebund vorbehalten.

Solche Paare stellen keinesfalls einen vereinsamten Fall dar. Der hier schreibende Geistliche erlebt das ihm dargeschenkte Sakrament des Priestertums schon ziemlich viele Jahre (Priesterweihe: 1956-2017). Wie viel schwungvolle Verwunderung und aufrichtige Freude erlebt er zu solcher Stunde zusammen mit diesen Brautpaaren, indem er dann die Gnade Gottes und die Mitarbeit dieser zweien mit ihr anbeten und preisen kann.

Solche Stunden werden zugleich jedes Mal zum Start für ein umso mehr inniges Gebet in Anliegen derjenigen, die ihrer Schwäche erlegen sind und jetzt die Kraft entbehren, um wieder aufzustehen. Wir haben es schon erwähnt, was wir Jetztzeit noch einmal wiederholen möchten: erliegen die Jungen Leute der Versuchung vor der Heirat, bereiten sie sich mit fast 100% Gewissheit eine Niederlage ihres geschlechtlichen Lebens nach der eingegangenen Ehe. Das wirkt sich bedrohlich sehr wahrscheinlich vor allem, leider, auf der Frau aus, die dann schon zur Ehefrau und Mutter geworden ist. Der Mann wird von ihr sehr leicht abfordern – mit Berufung auf ihr Erliegen VOR der Ehe, dass sie ihm die Praxis der Selbstbefriedigung erlaubt, die über das Frauenkörper attraktiver abläuft. Die Ehefrau fällt in seinem Eheleben auf die Rolle der ‘so genannten’ Ehegattin herab, die er aber schon früher gar nicht geliebt hat, noch sie umso mehr jetzt als Menschen-Person liebt. Der Mann hat sie auf die Rolle des leicht zugänglichen lebendigen weiblichen Leibes herabgeführt. Dieser Leib besteht nur dazu, dass er ihm als dem Mann, alle möglichen ‘Sex-Dienste’ erfüllt. So kann er ein Maximum eigener, das heißt rein selbstsüchtiger und daselbst sündhafter sexueller Angenehmlichkeit erfahren. Seine intimen Beziehungen haben mit irgendwelcher Liebe nichts zu tun ...

Möge diese so eindeutige Beurteilung der Akte, die der Mann seiner Frau vorzustellen sucht als seine – ihr erwiesene ‘heiße Liebe’, die Würde des Mannes als Menschen, noch der Ehefrau, nicht beleidigen. Übrigens, die Frau ist sehr oft auf solche oder andere Art und Weise an solchem Eheleben mitschuldig (sieh dazu noch einmal u.a.: Heilige Beichte der Eheleute, Brautpaare und Partnerschaften mit Sünden beim Erleben der Intimität). Der eine, wie der andere der Brautleute behandeln sich doch gegenseitig bei vor-ehelicher Intimität typisch nur ‘instrumental’.

Keiner kann leugnen, dass aller unterbrochene Verkehr, aller Verkehr mit Anwendung irgendwelcher gegen-elterlicher Betätigungen, jedes Petting, und umso mehr alle entarteten sexuellen Betätigungsformen – mit Liebe nichts zu tun haben. Es ist jedesmalig Betreiben allein einer Masturbation. Nur dass diese ‘Selbstbefriedigung-Onanie’ zusätzlich umso mehr ‘attraktiv’ ausgekostet werden kann, wenn es gelingt sie vermittels des Leibes dieses anderen zu erreichen. Die Person der ‘Ehefrau’ bleibt hier nur um so mehr ‘bequem’, weil der Mann sie als ‘kontrakthaft gebundenes Werkzeug’ trachtet: es ist leicht und immerwährend zugänglich. Falls Nicht-Subordination versteht er es einzuschüchtern und ihre Ergebenheit mit Androhung abzunötigen.

Aufgrund der Natur des Menschen als Gottes Ebenbildes herauswachsendes Erfordernis

Höchste Zeit, dass von der oben angeführten Reihe der Brautzeit-Bekenntnisse (s. ob.: Sofie-Georg. Die Anfangszeit der gegenseitigen Zuneigung) einige besonders charakteristische Bezeichnungen herausgeschält werden. Sie warten auf Annahme eines Standpunktes, eventuell erwarten eine tiefere Deutung.
– Eine von den besonders merkwürdigen ist die wohl nicht vereinzelte folgende Feststellung und Frage zu gleicher Zeit:
– „Warum sollte man sich völlig isolieren, wenn das sehr nahe bringt” ? (Brief 2. – s.ob.: warum sollte man sich völlig isolieren, wenn das sehr nahe bringt?).

Es geht um das urewige Problem der jungen Leute: ob der Verkehr und andere Erweise geschlechtlicher Intimität – diese beiden auf vor-ehelicher Stufe zueinander wahrlich ‘... nahe bringen?’ Aufgrund der bisherigen Erwägungen unsere WEB-Site kommt man immer wieder zum Schluss, dass voreheliche Verhältnisse trotz allem kein Erweis der Liebe-als-Gabe darstellen. Sollten auch diese beiden voller Eifer behaupten, es wäre direkt umgekehrt. Mit dieser Frage haben wir uns schon an mehreren Stellen der vorigen Teile verhältnismäßig umfassend beschäftigt, besonders aber – in konkretisierter Form – in zwei Kapiteln des dritten Teiles, und dann noch umso mehr im ganzen 3.Kapitel des siebenten Teiles (s. ob.:  „Wir lieben uns! – Nur ... dieses Kind ... !” – das ganze Kapitel; und noch: „Vorehelicher Verkehr: Ist´s wirklich Liebe ?”). – Sieh außerdem VII.Teil, 3.Kapitel (besonders § G: Auf Probe ausgesetzte Keuschheit in Verhaltensweisen der Jungen. – Ebd., VII.Teil, 3.Kapitel, § J: Auf Probe ausgesetzte Keuschheit in Verhaltensweisen bei Mädchen. – Und noch ebd., VII.Teil, 3.Kap., § L: Auf der Stufe, die der Ehe: dem Sakrament der Ehe, vorangeht).

Allem Anschein zuwider, der voreheliche Verkehr ist nicht imstande darin zu vereinigen, was das Wesen der wahren Liebe bildet: „Hingabe der Person – an die Person(BF 11; genauer sieh vom VII.Teil, 3.Kapitel: Noch einmal Erwägungen Papst Wojtyla’s zum Thema ‘Liebe’). Unternehmen die beiden Intimitäten vor der Ehe, bieten sie sich einander ihren Sexus. Sie sind sich dabei bewusst, dass sie zu dieser Stunde eine Diebstahl der Frucht begehen, die nicht ihr Eigentum darstellt. Sie wissen, dass sie sich von dieser Diebstahl bis zum Groschen abrechnen werden müssen. Das Streben ihrer Experimente drängt nach eigensüchtiger Aneignung sexueller Erfahrungen, sollte es auch bei beiderseitigen Zustimmung geschehen, wozu sie aber kein Recht haben.

Ihre Handlungsweisen haben außer Zweifel mit Hingabe der eigenen Person, der ganzen eigenen Person – an die Person dieses anderen: zu ihrem letztlichen Wohl, nichts zu tun. Sollte es zu wahrer Vereinigung ihrer beiden Personen kommen können, müsste sie mit sperrangelweit aufgeschlossener elterlicher Potentialität einhergehen. Indessen diese wird grundsätzlich vonseiten ihrer beiden entschieden ausgeschlossen. Daselbst bahnen sie nicht diese Wirklichkeit ein, deren großer Name die Ganzheitlichkeit der Person-GABE füreinander sein soll.

So ist die grundsätzliche Erklärung der Nicht-Liebe im Fall, wenn zwei nicht-Ehe-Partner sich einander ihren Körper freistellen. Es geht u.a. deutlich um Brautpaare auch schon auf der Stufe ihres entschiedenen Strebens nach Ehepaar-Werden.
– Um diesen Gedankengang zu verstehen ist weder der ‘Glaube’ nötig, noch das Christentum. Es reicht hier ein wenig Ehrlichkeit in der Denkweise.

Die wahre Liebe wird im Maß ‘sie Selbst’, wie sie den Stil des Liebens abspiegelt, den Jesus Christus, der zugleich Sohn seiner Jungfräulichen Mutter Maria ist, mit seinem Leben dargestellt hat.
– Es ziemt sich einmal mehr zu bemerken, dass es hier nicht darum geht, irgendjemandem die christliche Religion mit Kraft aufzuzwingen. Wir bleiben dagegen angesichts der objektiven Feststellung stehen, die direkt der personalen Natur des Menschen entspringt: aus der Wahrheit des Seins, das heißt, dass der Mensch niemals ‘Sache’ ist, sondern Person, die vielfältig gerufen und berufen wird. Trotzdem es schwer zu leugnen ist, dass das alles dank dem Glauben wesentlich leichter begriffen werden kann.

Der Mensch wurde nicht anders erschaffen, sondern als Ebenbild Gottes-der-Liebe – Gottes-des-Lebens. Negativ formuliert bedeutet das, dass es keinen Menschen gibt, der in seinem Existieren nicht Gottes Ebenbild wäre. Folglich ist es von vornherein unmöglich, dass der Mensch ‘er Selbst’ sein kann in Situation, wenn er durch die Sünde mit diesem Gott abbricht, dessen Ebenbild er ist und es ihm erlaubt ist, Ebenbild Gottes zu sein: dieses Gottes, an Dem er ‘hängen bleibt’. Es geht einerseits um den unabtrittbaren Gottes Schöpfungsakt, und anderseits um das dringende Bräutliche Angebot Gottes, der den Menschen um seine Annahme bittet, wie auch dass er die bewusste Mühe unternimmt, im Gottes-Ebenbild-Sein: Gottes Braut sein-zu-dürfen, auch weiter heranzuwachsen.

Diese Tatsache besteht ganz unabhängig davon, ob der betreffende Mensch darum Bescheid weiß oder nicht; ob er daran glaubt, oder nicht. Anders gesagt, die Bindung der ‘Liebe’ an Jesu Christi ‘Stil des-Liebens’ – als Ganzheitlichkeit der Hingabe der eigenen Person [und nicht allein des Körpers] – an die Person dieses anderen und zu seinem Wohl im Sinn der definitiven Sachen, betrifft ausnahmslos alle Menschen. Diese nicht ausgenommen, die von Jesus Christus niemals gehört haben, oder es wurde ihnen ein entstelltes Bild vom Menschgewordenen Gott, Jesus Christus, eingeprägt. Denn auch in ihrem Herzen-Gewissen spricht eindeutig gerade Er: der Sohn Gottes, Er – das Wort Gottes. Sollte auch jemand diese Stimme zu übergehen suchen, oder sie geradeaus in sich offen zum Schweigen nötigen.

An solche Situation knüpft in der bekannten Aussage der Hl. Paulus, der Völkerapostel an:

„Sie zeigen damit [= die Heiden, die die Offenbarung Gottes nicht kennen], dass ihnen die Forderung des Gesetzes [= das ethische moralische Naturgesetz = der Dekalog] ins Herz geschrieben ist, ihr Gewissen legt Zeugnis davon ab, ihre Gedanken klagen sich gegenseitig an und verteidigen sich – an jenem Tag, an dem Gott ... das, was im Menschen verborgen ist, durch Jesus Christus richten wird ...” (Röm 2,15f.; vgl. DeV 43).

Gebote: zuerst die Person-die-Liebe – nachher Empfehlungen

Wir fragen also: Auf welche Art und Weise hat selbst Jesus Christus als Gottes Fleischgewordener Sohn – geliebt, indem Er in seiner Liebe die Ihm vom Vater aufgetragene Aufgabe in die Tat umgesetzt hat?
– Im Maß, wie wir Jesus Christus betrachten, können wir uns nur verwundern, wie sehr Er ganz mit seinem Vater benommen war. Gleichsam erst sekundär, über das Ihn liebende ‘Herz’ seines Vaters, ist Er, der Reihe nach, mit Seinem Willen benommen (Joh 4,34). Jesus lebt das Bewusstsein, dass sein Vater Ihn liebt (Joh 5,20). Der Vater liebt Ihn also auch in den schauderhaft furchtbaren Stunden, die auf dem Weg der Erfüllung der Ihm aufgetragenen Aufgabe: des Erlösungs-Werkes, aufgestellt sind.

In Antwort auf die Liebe, mit der sein Vater Ihn beschenkt, liebt jetzt der Reihe nach Er – der Sohn – seinen Vater gegenseitig über sein eigenes Leben. Jesus ist immerwährend mit dem Blick auf das Antlitz seines Vaters eingenommen. Allein in diesem Licht sieht Er seine Wünsche und Anordnungen:

„Meine Speise ist es, den Willen Dessen zu tun,
Der Mich gesandt hat, und Sein Werk zu Ende zu führen ...” (Joh 4,34).

Im Zeugnis seiner erwiderten Liebe nimmt Er den ungemein schwierigen Willen des Vaters an: den Menschen zu erlösen. Dem Preis, um welchen es geschehen soll, zeichnet Er keine obere Grenze ab (vgl. Joh 10,17f.).

Daselbst zeigt Jesus seinem lebendigen Ebenbild: Mann und Frau – den maßgebenden Prüfstein aller Liebe. Es ist das grenzenlose Anvertrauen auf Gottes Liebe in allen Umständen: sowohl diesen leichten, wie auch diesen vielleicht überaus schwierigen. Zum unerschütterlichen Beweis des tatsächlichen Anvertrauens an die Liebe des Vaters wird die liebende Erfüllung Seines Gebotes.
– Gerade solche Haltung: der unbeugsamen In-Tat-Setzung jedes der Gebote des Vaters, zeigt Jesus ohne Verschweigungen als Voraussetzungspunkt, um das ewige – Leben zu erreichen. Daran wurde auf unserer Homepage des Öfteren angeknüpft. Der Wille des Vaters ist aber immer derselbe: bei Vater und beim Sohn, wie auch beim Heiligen Geist. Es ist der Wille des Drei-Einigen Gottes, dessen Natur die eine einzige ist.

So verstehen wir auch, dass bevor Jesus seinen Zuhörern den Inhalt irgendeines der Zehn Gebote Gottes zur Erinnerung bringt, ruft Er nachdrücklich Gott als Person heran. Als Liebe – ist Gott dieser „Einzige Gute(Mt 19,17). Jedes menschliche ‘Gut’ ist nur und allein Anteilnahme am Guten-der-Liebe, die der Dreieinige ist. Das bedeutet daselbst, dass wenn dieser „Einzige Gute” irgendetwas empfiehlt, gebietet oder verbietet, ist es von vornherein unmöglich, Er wollte und wäre imstande dem Menschen irgendwelchen Schaden zuzufügen.

Beispielshalber vier ‘Gebote’ Christi

Mögen zur Erinnerung dieser grundlegenden Feststellung ein paar Aussagen Christi selbst dienen, des Erlösers von Mann und Frau. Wir sehen in ihnen unzweideutig zuerst diesen Gott, der keine ‘Sache’ ist, d.h. Gott ist kein ‘Etwas’, sondern Er ist Person – ein Jemand, oder genauer: Er ist Person-die-Liebe. Das bedeutet, dass Er sich immer zuerst als Person vorstellt, die außer jeden Zweifel liebt. Erst sekundär, in Form gleichsam der Schlussfolgerung, die aus der Tatsache folgert, dass Er als Liebe außer Zweifel keinen Schaden zufügt, legt Er eine Anordnung vor, die es zu erfüllen gilt. Hier ein paar solche Situationen:

a) „Es kam ein Mann zu Jesus und fragte:
‘Meister, was muss ich Gutes tun, um das ewige Leben zu gewinnen’?
Er antwortete: ‘Was fragst du Mich nach dem Guten? Nur Einer ist ‘Der Gute’.
Wenn du aber das Leben erlangen willst, halte die Gebote.
Darauf fragte er Ihn [der reiche Junge Mann]: ‘Welche’?
Jesus antwortete: ‘Du sollst nicht töten, du sollst die Ehe nicht brechen, ...’ ...” (Mt 19,16f.).

Jesus richtet die Aufmerksamkeit des Jungen Mannes beinahe grell zuerst auf Gott als Person dessen, der der Alleinige der ‘Gute’ ist. Genauer gesagt, indem die Frage des Jungen Mannes eben auf Ihn ausgerichtet war – auf Jesus, und Jesus bezieht sich deutlich auf die Vernunftfolgerungsweise des Jungen Mannes, stellt Er ihm die Person seiner Selbst als Gottes vor, d.h. als desjenigen, der der „Einzige allein der Gute”  ist.
– Erst in solcher Situation, nachdem gleichsam der ‘Grund unter den Füßen’ gewonnen wurde, zeigt Er die Folge der gewonnenen Bewusstseinsstufe: „... halte die Gebote”.

Noch weitere solche Beispiele:

b) „Wenn jemand Mich [= Person] liebt, wird er an Meinem Wort festhalten [= Gebot];
mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.
Wer Mich nicht Liebt, hält an Meinen Worten nicht fest.
Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von Mir, sondern vom Vater, Der Mich gesandt hat” (Joh 14,23f.).

c) „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist:
‘Du sollst nicht die Ehe brechen’.
Ich aber sage euch:
Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen” (Mt 5,27f.).

d) „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als Mich, ist Meiner nicht würdig.
Und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als Mich, ist Meiner nicht würdig ...” (Mt 10,37).

Die Beobachtung, auf die wir die Aufmerksamkeit zu richten suchen, ist bezeichnend. Gottes Gebote, darin auch die ‘Zehn Gebote Gottes’, sind in keinem Fall ‘Befehle-um-der-Befehle’ willen. Sie sind kein Ausleben des Allmächtigen Gottes auf dem wehrlosen ‘Stäubchen’ im Kosmos, wie es der Mensch darstellt. In der Religion der Offenbarung gibt es keinen Platz für Befehle-Verbote als seelenlose Vorschriften. Es gibt hier auch kein willenloses Erliegen des Menschen Befehlen der ihn überwältigenden Kräfte der ‘Natur’, d.h. Nicht-Personen.

Sooft auch Gott-die-Liebe irgendein Gebot auferlegt, erpresst Er niemals seine Befolgung. Gott ehrt der erste – bis zum Letztlichen – die Vernünftigkeit und Freiheit des Willens seines lebendigen Ebenbildes: des Menschen. Gott bittet dagegen dringend, dass das vorgeschlagene Gebot angenommen und ins Leben umgesetzt wird. Zugleich bringt Er die definitiven Folgen zum Bewusstsein falls der Nicht-Befolgung des Gebotes. Aber auch dann stellt Er sich immer in der Haltung desjenigen, „der steht und an der Tür des Herzens eines jeden Menschen anklopft” (DiM 8e). Er wartet geduldig auf die Entscheidung seines freien Willens.

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RE-Lektüre: VI.Teil, 1.Kapitel, Datei ‘a’.
Stadniki, 10.XII.2014.
Stadniki, 18.X.2015.
Tarnów, 9.IX.2016.
Tarnów, 25.IX.2016.
Tarnów, 30.III.2017.

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Sechster Teil. „EINER ORDNE SICH DEM ANDERN UNTER
IN DER GEMEINSAMEN EHRFURCHT VOR CHRISTUS... ” (Eph 5,21).
In Gnade des Sakramentes für den Alltag


Einführung in den Sechsten Teil
Übersicht über die Titel der Kapitel des VI. Teiles
In diesen Teil eingefügte Bilder

1. Kap. TAGE DER BRAUTZEIT: GESEGNETE GABE DER HEISSEN PROBE.
Jesu, Erlöser! Kannst Du auf dieser Stufe unseres Lebens
im Heiligen Geist verweilen in uns und mit uns ?


Wir stehen und gehen miteinander ...

A. VON LÄNGERER GESCHICHTE EINES BRAUTPAARS

1. Sofie und Georg: das Ringen in ihren Brauttagen
Anfangszeit der gegenseitigen Zuneigung
Warum sollte man sich isolieren, wenn das sehr nahe bringt?
Leidvolle Fälle aber auch Siege
Die letzte Phase vor der Ehe und die darauffolgenden Tage

2. Jetzt schon als Sakramentale Ehe
Rückblick auf die letzte Zeit vor der Heirat
Zeit nach dem ersten Kind
Probleme mit der Anleitung der ehelichen Keuschheit
Sieg in Jesus Christus
Dienst in der Eheberatung

B. GOTTES GEBOTE: IST DAS EIN ‘ETWAS’ – ODER ES IST EIN ‘JEMAND’ ?

1. Gottes Stil bei erlassten Befehlen
Voraussetzung zur Einführung: soll angesichts der moralischen Schwäche kapituliert werden?
‘... Das bringt sehr nahe ...’
Aufgrund der Natur des Menschen als Gottes Ebenbildes herauswachsendes Erfordernis
‘... Warum sollte man sich isolieren, wenn das sehr nahe bringt ...’
Gebote: zuerst die Person-die-Liebe – nachher Empfehlungen
Beispielshalber vier ‘Gebote’ Christi


Bilder-Fotos

R6-1. Erster Auftritt des Kard. Karol Wojtyla als Johannes Paul II.
R6-2. Jodler in Tirol: Verwunderung für das Vieh
R6-3. Der erste Segen von der Logge nach dem Konklave