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VERMERK: Abkürzungen zur angeführten Literatur s. Literatur


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2. Wettlauf allein in Liebe

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Möchte sich also eine Ehe und Familie mit dem Merkmal ‘Haus-Kirche’ auszeichnen, muss sie restlos mit der ‘Großen’ Kirche Christi integriert bleiben. Die Kirche Christi ist immer nur die Eine Einzige. Es kann keine Rede von irgendwelcher Trennung sein, beziehungsweise von Verselbständigung von der ‘Großen’ Kirche, noch umso mehr von Widersetzung der ‘Haus-Kirche’ – dieser Kirche, die Universal ist, Apostolisch, Heilig: dieser Kirche, deren einziger Herr und Besitzer Jesus Christus ist.
– Ausgeschlossen muss alle irgendwelche ‘Konkurrenz’ im Verhältnis zur ‘Großen’ Kirche sein – sei es in der Lehre des Glaubens, sei es in sittlichen Verhaltensweisen.

Dagegen völlig offen bleibt immer ein einziger ‘Bereich’, auf dem eine bestimmte ‘Haus-Kirche’, oder irgendwelches Individuum der bestimmten Gläubigen, ruhig auf schöpferische Art und Weise selbst mit der ‘Großen’ Kirche und ihren Vertretern ‘wetteifern’ kann und darf.

Diese Frage greift zuständig vor allem Johannes Paul II. auf – in seinem Apostolischen Brief Mulieris Dignitatem (Würde und Berufung der Frau; 1988), obwohl seine Worte in diesem konkreten Fall den Posten der ‘Frau’ im Vorhaben Gottes betrifft, den Menschen zu erlösen. Es ist erwünscht, auch nur ein Fragment seiner längeren diesbezüglichen Erwägung vom erwähnten Apostolischen Brief zum Marien-Jahr (1987-1988; MuD 28-30) anzuführen. Dieses längere Fragment müsste im Gebetsklima erwogen werden – wiederholt, und mit tiefem Nachdenken:

„Wenn die Würde der Frau von Liebe zeugt, die sie empfängt, um ihrerseits zu lieben, scheint das biblische Urbild der ‘Frau’ dazu zu sagen, wie die eigentliche Ordnung der Liebe ist, welche die eigentliche Berufung der Frau darstellt. ....
– Die moralische Kraft der Frau, ihre geistige Macht, hängt mit dem Bewusstsein zusammen, dass Gott ihr in irgendwelcher besonderen Weise den Menschen anvertraut. Natürlich vertraut Gott jeden Menschen allen Menschen und jedem einzeln an. Doch dieses Anvertrauen betrifft in besonderer Weise die Frau – eben wegen ihrer Fraulichkeit – und es entscheidet in besonderer Weise auch über ihre Berufung ...
– Die Frau ist stark im Bewusstsein des Anvertrauens, stark damit, dass Gott ‘ihr den Menschen anvertraut’ immer und überall, selbst unter Bedingungen der gesellschaftlichen Diskriminierung, unter denen sie sich finden kann ...
– In diesem Sinne erwarten vor allem unsere Zeiten auf die Offenbarung jenes ‘Genius’ der Frau, der die Sensibilität für den Menschen unter jedem Umstand sicherstellt: eben weil er Mensch ist. Und auch deswegen, weil ‘die Liebe die größte ist’ [1 Kor 13,13]...
– Wenn der Mensch in besonderem Maß von Gott der Frau anvertraut ist, bedeutet das etwa nicht zugleich, dass Christus in ihr die Erfüllung jenes ‘königlichen Priestertums’ [1 Petr 2,9] erwartet, das den Reichtum darstellt, den er den Menschen gegeben hat? Dasselbe Erbgut bietet Christus, der oberste und einzige Priester des Neuen und Ewigen Bundes, als Bräutigam der Kirche, fortwährend dem Vater durch den Heiligen Geist dar, damit Gott ‘alles in allen’ [1 Kor 15,28; LG 36] werde. Dann erfüllt sich auch bis zum Letzten die Wahrheit, dass ‘die größte die Liebe ist’ [1 Kor 13,13](MuD 30).

Die angeführten Päpstlichen Worte betreffen das, was er selbst gern als den „Genius der Frau” nannte, den Gott der Frau als Frau eingeprägt hat. Er bestimmt die besondere Würde und Berufung der Frau: „... Die Würde der Frau wird an der Ordnung der Liebe gemessen, diese ist aber ihrem Wesen nach Ordnung der Gerechtigkeit und Liebe” (MuD 29; hier wird der Hl.Augustinus angeführt, De Trinitate, L.VIII, VII, 10 - X,14). Der Heilige Vater fügt noch hinzu: „Die Sünde des ‘Anfangs’ hat diese Ordnung nicht zunichte gemacht, sie hat sie nicht unwiederbringlich durchstrichen. Das wird von biblischen Worten des Protoevangeliums bezeugt [vgl. Gen 3,15](MuD 30).

Abgesehen von der Tatsache, dass diese Worte in diesem Fall die Frau betreffen, der die Vorsehung Gottes auf besondere Weise den Menschen anvertraut hat – u.a. im Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes, sehen wir, dass Johannes Paul hier den einen und selben Offenbarungs-Faden erblickt, der die erste ‘Frau’ vom Genesisbuch – mit der „Frau, mit der Sonne bekleidet, unter ihren Füßen der Mond und auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen [Offb 12,1](MuD 30), verbindet.

Außerdem erblickt hier Johannes Paul II. die Erfüllung in ihr und durch sie des „königlichen Priestertums”, zu dessen Ausübung auf ganz besondere Art und Weise jedesmalige Eheleute in ihrer ‘Haus-Kirche’  berufen werden. Gerade hier lassen sich die Eheleute „... sich selbst als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen” (1 Petr 2,5; s. LG 10; PO 2).

Die erwähnten Merkmale bestimmen im eminenten Sinn die Bestandteile sowohl dieser Wirklichkeit, die die Ehe bildet, wie auch die von ihr herkommende Familie. Der Ehemann wird auf unwiederholbare Weise der Ehefrau anvertraut, und die Ehefrau dem Ehemann. Es sollten die weiteren Worte Johannes Paul II. au seinem ‘Mulieris Dignitatem’ angeführt werden. Dieses Fragment schöpfen wir von der Erwägung des Heiligen Vaters über die Frau, die beim Ehebruch ertappt wurde:

„Ist etwa sein Bewusstsein... [von Jesus; die Frau die beim Ehebruch ertappt wurde: Joh 8,3-11] nicht auch hier im Geheimnis des ‘Anfangs’ versunken, als der Mensch als Mann und Frau erschaffen wurde, und die Frau mit ihrer fraulichen Andersheit, auch mit ihrer potentiellen Mutterschaft, dem Mann anvertraut worden ist? Auch der Mann wurde vom Schöpfer der Frau anvertraut. Sie wurden einander anvertraut, der eine dem anderen – als Personen die nach dem Ebenbild und Ähnlichkeit Gottes selbst erschaffen wurden.
– Solches Anvertrauen stellt das Maß der Liebe dar, der bräutlichen Liebe: Um ‘uneigennützige Gabe’ der eine für den anderen zu werden, ist es nötig, dass die beiden das Empfinden der Verantwortung für die Gabe haben. Dieses Maß ist – von ‘Anfang an’ für sie beiden: Mann und Frau, bestimmt ...” (MuD 14).

Beide Eheleute, vielleicht schon als Familie und daselbst als eine voll konstituierte ‘Haus-Kirche’, werden in Analogie zur ‘Großen’ Kirche – ‘Braut’ des Gottes Bräutigams-vom-Kreuz. Daselbst lernen sie aber auch von Ihm, was das heißt, ‘Anvertraut-zu-sein’: sie beiden dem Erlöser-vom-Kreuz, und zugleich sie beiden, samt ihrer Familie – sich gegenseitig: „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt, und sich selbst für sie hingegeben hat” (Eph 5,25).

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3. Lebendiges Band zu Petrus

Wir konnten schon früher bemerken, dass nach dem Zeugnis der Apostel-Briefe beinahe als Grundsatz die Frau, bzw. die Frauen die führende Rolle in den von ihnen erwähnten ‘Haus-Kirchen’ erfüllt haben.
– In diesem Augenblick möchten wir aber unsere Aufmerksamkeit auf einen anderen Aspekt der ‘Haus-Kirche’ richten. Sollte es nämlich tatsächlich ‘Haus-Kirche’ in Christi Begriff sein, muss sie sich ganz mit der Wirklichkeit der ‘Großen’ Kirche decken, so dass sie nur eine Zelle unter allen anderen ihren vitalen Zellen bildet.

Deutlicher gesagt, die ‘Haus-Kirche’ kann auf keinen Fall zu einer eigenartigen alternativen Lösung im Verhältnis zur Kirche Christi werden, also dieser Kirche, die die: Eine, Heilige, Universale, Apostolische Kirche bildet.

Soll sich eine Ehe und die mit ihr verbundene Familie als ‘Haus-Kirche’ entwickeln, muss sie ein unbedingt lebendiges Band im Bekenntnis des Glaubens und der moralischen Lehre mit Petrus der aktuellen Zeiten unterhalten. Sie muss sich im Gehorsam dem Glauben der hierarchischen Verfassung dieser Kirche unterordnen, deren Teilchen sie als ‘Haus-Kirche’ bildet. Die Übermittlung des Glaubens und der moralischen Haltung muss sich ohne irgendwelche Abänderung mit all dem decken, was von der Universalen Kirche gelehrt wird, die im selben Glauben und in selber Lehre mit ‘Petrus’ verbleibt, in kollegialem Band mit den zu ihm in Einheit verbleibenden Bischöfen der ganzen Welt, d.h. mit dem Lehramt eben dieser Kirche.


Unter den früher angeführten Beispielen sei es von der Apostelgeschichte, sei es von Apostel-Briefen, finden wir immer wieder die Bestätigung eben dieser Hinsicht bei jeder der dargestellten ‘Haus-Kirchen’.

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Erklärung

Führendes Beispiel in dieser Hinsicht bleibt Bericht des Lukas über die geschichtlich erste ‘Haus-Kirche’, zu der jener „große Saal im Obergemach, für das Festmahl hergerichtet und mit Polstern ausgestattet”  wurde (vgl. Mk 14,15; Lk 22,12; Joh 20,19). Hier hat zuvor die erste Eucharistie der Sohn Gottes selbst, der zugleich Sohn seiner Jungfräulichen Mutter Maria war, gefeiert (s. ob.:  Die erste ‘Kirche’ im Saal im ‘Obergemach’).

Wir bemerken ohne irgendwelche Überschweigungen, dass die führende Rolle als das undiskutabele ‘Haupt’ jener ‘Haus-Kirche’ Petrus spielt, und nicht die Besitzer des Hauses – in diesem Fall sehr wahrscheinlich Maria, die Mutter des Johannes-Markus, des künftigen Evangelisten, samt ihrem Ehemann (s. z.B. Apg 12,12). In dieser ‘Haus-Kirche’ lenkt Petrus auf verbindliche Art sowohl die allmählich sich abzeichnende rechtliche Ordnung der Jungen Kirche, wie auch außer Zweifel er die Liturgie organisiert.
– Petrus tritt selbstverständlich in kollegialer Einheit mit den übrigen Aposteln auf. Trotzdem behält er undiskutabel den Jurisdiktions-Primat, sooft es um irgendeinen Inhalt geht, der unter unsere Erlösung in Christus fällt. Diese Aufgabe erfüllt er im Gehorsam des Glaubens (vgl. Röm 1,5; 16,26) angesichts des solchen Willens Jesu Christi selbst (ausführlicher s. ob.: Jesus Christus in der Stimme des ‘Petrus’).

Niemand beanstandet die Jurisdiktions-Autorität des Petrus als verbindlich – sei es hinsichtlich des Inhalts des verkündeten Wortes Gottes, sei es der erlassenen Anordnungen im Maß, wie dogmatische Fragen auftauchten (z.B. die Frage der Beschneidung; der Unterscheidung zwischen reinen-unreinen Speisen; usw.), wie auch der seelsorglichen Bedürfnisse dieser vorläufig sehr jungen Kirche. In ihm – als dem Petrus-Fels, sehen alle und anerkennen es völlig im Geist des „Gehorsams dem Glauben” (Röm 1,5; 16,26) das Fundament des Glaubens und der moralischen Lehre – gemäß des deutlichen Willens Jesu Christi (s. z.B. Apg 15,7; Lk 22,31f.).

So war es u.a. im Zusammenhang mit der öffentlichen Lüge, die von Hananias und Saphira hervorgebracht wurde (s. ob.:  Hananias und Saphira: freiwillige Verteilung der Habe). In einer Zeit danach kam es zum Versuch der ‘Symonie’, als sich an Petrus und Johannes in Samarien der bekehrte Simon gewandt hat, der „Zauberei trieb und das Volk Samariens in Erstaunen setzte, indem er sich für einen großen Mann ausgab ...” (Apg 8,9.13). Er bat, dass die Apostel auch ihm – um einen entsprechenden Preis, „... die Macht geben, ... den Heiligen Geist zu verleihen” (Apg 8,18f.).

In dieser Hinsicht bemerken wir keinen geringsten Widerspruch vonseiten sowohl der anderen Apostel, wie auch der übrigen, die an Christus geglaubt haben. Niemand auch hält es dem Petrus vor, dass er so unlängst, um die Stunden, da Jesus zum Tod verurteilt wurde, eine unter Schwur geäußerte, ihn selbst so sehr schändende Verleugnung irgendwelcher Bände zu Christus zum Ausdruck gebracht hat (s. ob.:  Text: Petrus ... „weinte bitterlich”). Auch der Auferstandene Jesus Christus selbst hat es nicht getan. Im Gegenteil, Jesus hat den einmal Petrus versprochenen Jurisdiktions-Primat mit Bezug auf die von Ihm gegründete Kirche nur bestätigt (vgl. Joh 21,15ff.).

Wir sehen dabei auch, dass den Primat und die Jurisdiktions-Macht Petri, d.h. seine unbestreitbare, entscheidende Rolle in jener ersten ‘Haus-Kirche’ des Abendmahles, in keiner Hinsicht die im Grund genommen die ganze Zeit hindurch dort anwesende Maria, die Mutter des so unlängst Gekreuzigten, Jetztzeit Auferstandenen ihres Göttlichen Sohnes, beanstandet hat. Sie ist die erste, die sich im „Gehorsam dem Glauben” (Röm 1,5; 16,26) den Anordnungen des Petrus und der Apostel unterordnet. Sie ist auch die erste, die am meisten von Händen Petri den konsekrierten Leib und das Blut dieses Jesus empfängt, den sie als Kleinkind zu Betlehem in die Welt gebracht hat (s. ob.:  Maria beim Empfangen der Eucharistie von Händen des Petrus und der Apostel).

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4. Die Stellung Mariens, der Mutter der Kirche – in der ‘Haus-Kirche’

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a. Die Auserwählte vor der Gründung der Welt

Gerade erst haben wir an Maria, die Mutter des Sohnes Gottes, aber auch wahrhaften ihres Sohnes, angeknüpft. Es besteht kein Zweifel, dass Maria fortwährend ihren Göttlichen Sohn begleitete, zumal in der Zeit seiner öffentlichen Tätigkeit – bis zu seinem „Es ist vollbracht”  am Kreuz (Joh 19,30). Maria hat sich mit ihrer Anwesenheit nicht aufgedrängt. Insofern es nur möglich war, hielt sie sich immer nur ‘im Hintergrund’, als die „Magd des Herrn – des Gottes Dieners” (s. MuD 5).

Ihre Rolle und ihre Stellung im Erlösungs-Werk wird – in Ausführung der tiefen Reflexion über dieses Thema auf dem II.Vatikanischen Konzil (besonders in der Konstitution über die Kirche, LG 52-69), von Johannes Paul II. in seiner Enzyklika zum Marien-Jahr (1987-1988): „Redemptoris Mater – Die Mutter des Erlösers” (1987) aufgegriffen. Er bringt u.a. zur Erinnerung:

„Im Geheimnis Christi ist sie bereits ‘vor der Gründung der Welt’ gegenwärtig als diejenige, die der Vater zum Gebären seines Sohnes in der Menschwerdung ‘erwählt’ hat – und zusammen mit dem Vater hat sie auch Ihr Sohn erwählt und sie urewig dem Geist der Heiligkeit anvertraut. Maria ist auf eine ganz besondere und einzigartige Weise mit Christus verbunden. Sie ist zugleich geliebt in Diesem, von Ewigkeit her Geliebten, dem Vater wesensgleichen Sohn, in dem die ganze ‘Majestät der Gnade’ zusammengefasst ist” (RMa 8).

„Durch den Glauben hat sie sich ‘vorbehaltlos Gott überantwortet’, und zugleich ‘widmete sie ganz sich selber, als Magd des Herrn, der Person und dem Werk ihres Sohnes [LG 56](RMa 13).

Man kann unmöglich das Geheimnis der Menschwerdung des Wortes Gottes, der Zweiten Person der Allerheiligsten Trinität, verstehen, ohne sich zuvor auf die Tatsache der Göttlichen Mutterschaft Mariens berufen zu haben. Das hat seinen unauslöschbaren Ausdruck im Apostolischen Glaubensbekenntnis gefunden:

„... Und an Jesus Christus, seinen Eingeborenen Sohn unseren Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus ...” (Worte des Credo).

Johannes Paul II. fügt dazu:

„... Wenn es nämlich ... wahr ist, dass das ‘Geheimnis des Menschen sich wahrhaft erst im Geheimnis des Fleischgewordenen Wortes aufklärt’, ... dann muss dasselbe Prinzip in höchst besonderer Weise auf jene außerordentliche ‘Frau’ angewandt werden, die die Mutter Christi geworden ist. Allein im Geheimnis Christi klärt sich voll und ganz ihr eigenes Geheimnis.
– So hat es übrigens die Kirche von Anfang an abzulesen versucht: das Geheimnis der Menschwerdung hat es ihr ermöglicht, das Geheimnis der irdischen Mutter immer voller zu ergründen und aufzuhellen ...
– Maria ist die Mutter Gottes (= Theotókos), weil sie durch den Heiligen Geist in ihrem jungfräulichen Schoß Jesus Christus, des Vaters wesensgleichen Sohn Gottes empfangen und zur Welt gebracht hat. ‘Der Sohn Gottes (...) geboren aus Maria, der Jungfrau, ist wahrhaft einer von uns geworden’, er ist Mensch geworden. Durch das Geheimnis Christi leuchtet also am Horizont des Glaubens der Kirche das Geheimnis seiner irdischen Mutter voll auf ...” (RMa 4).

Wir sind uns bewusst, dass Maria, beständig in den Anhauch des Heiligen Geistes hinhörend, indem sie „das Wort Gottes hörte und danach handelte” (Lk 8,21), zugleich „... die erste ‘Jüngerin’ Ihres Sohnes war, die erste, der Er zu sagen schien: ‘Folge Mir nach’, noch bevor Er diesen Ruf an die Apostel oder an jemand anderen richtete” (RMa 20).

Der Sohn aber hat ihr Inneres ... im Heiligen Geist – ganz öfter tiefschneidend gemeißelt (s. dazu z.B. die schmerzbringenden Worte des 12jährigen Jesus:  Wo ist Jesus? - und die ganze Folge dieser Erwägung). Er hat sie systematisch von seiner physischen Nähe losgerissen, indem Er ihre Mutterschaft immer mehr auf die Mutterschaft zuguten seines Mystischen Leibes, d.h. der Kirche, deren Er Bräutigam-vom-Kreuz ist, übertrug:

„Wenn Maria durch den Glauben die leibliche Mutter des Sohnes geworden ist, den ihr der Vater in der Kraft des Heiligen Geistes gegeben hat, wobei sie ihre Jungfräulichkeit unversehrt bewahrte, so hat sie in demselben Glauben jenes andere Ausmaß der Mutterschaft wiedergefunden und angenommen, das ihr Sohn während seiner messianischen Sendung geoffenbart hat. ...
–... Im Maß, wie sich vor ihren Augen und in ihrem Geist die messianische Sendung des Sohnes aufgetan hat, öffnete sie sich selbst als Mutter für diese ‘Neuheit’ der Mutterschaft, welche ihr Anteil an der Seite des Sohnes werden sollte ...” (RMa 20).

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b. Die Mutterschaft, die Vermittlung geworden ist

Zu bahnbrechender Stufe der sich ausweitenden Mutterschaft Mariens wurde ihre Mütterliche Intervention beim Göttlichen Sohn zu Kana von Galiläa. Hier begann sich das neue Ausmaß ihrer Mutterschaft zu offenbaren. Es wird immer an Tiefe zunehmen, und der Heilige Geist wird im Maß des „Gehorsams dem Glauben” vonseiten Mariens die Kapizität ihres Herzens ausweiten und Maria mit sicherer Hand zum Einverständnis auf Mutterschaft im Heiligen Geist der ganzen Kirche – der ganzen Erlösten Menschen-Familie gegenüber, führen:

„Im johanneischen Text der Darstellung des Ereignisses von Kana zeichnet sich das ab, worin sich diese neue Mutterschaft nach dem Geist, und nicht nur nach dem Fleisch, konkret erweist. Sie kommt also in der Sorge Marias um die Menschen zum Vorschein, im Entgegengehen zu ihnen in der weiten Skala ihrer Bedürfnisse und Nöte.
– Zu Kana in Galiläa wurde nur eine konkrete Abänderung der menschlichen Bedürftigkeit gezeigt, scheinbar nur klein und nicht von größter Wichtigkeit ... Ihr steht aber eine symbolische Bedeutung zu: Jenes Entgegengehen den Bedürfnissen des Menschen bedeutet zugleich, sie in den Bereich der Messianischen Sendung und erlösenden Macht Christi zu einbeziehen.

Es ist also Vermittlung: Maria stellt sich zwischen Ihren Sohn und die Menschen in der Situation ihrer Entbehrungen, Bedürfnisse und Leiden. Sie stellt sich ‘dazwischen’, d.h. sie vermittelt, nicht als Fremde, sondern vom Standpunkt aus der Mutter, bewusst, dass sie als Mutter dem Sohn von den Bedürfnissen der Menschen sprechen kann – oder selbst mehr: ‘ihr steht dazu das Anrecht zu’.
– Ihre Vermittlung hat also den fürsprechenden Charakter : Maria ‘setzt sich für’ die Menschen ein.
– Aber nicht nur das: als Mutter möchte sie zugleich, dass sich die Messianische Macht Ihres Sohnes offenbart. Es ist aber erlösende Macht, die darauf bedacht ist, der menschlichen Bedürftigkeit abzuhelfen, vom Bösen zu befreien, das in verschiedener Form und in verschiedenem Maß auf dem menschlichen Leben lastet ...
– Ein anderes wesentliches Element dieser Mütterlichen Aufgabe Mariens bringen die Worte zum Ausdruck, die sie an die Diener richtet: ‘Tut alles, was Er euch sagt’. Die Mutter Christi wird angesichts der Menschen Sprecherin für den Willen des Sohnes, indem sie auf diese Erforderungen hinweist, die erfüllt werden müssen, damit sich die Erlösungs-Macht des Messias offenbaren kann... In Kana erscheint Maria als die ‘Glaubende an Jesus’ : Ihr Glauben führt zum ersten ‘Zeichen’ und trägt dazu bei, dass in den Jüngern der Glauben geweckt wird” (RMa 21).

Wir können zugleich ganz ruhig bleiben, dass Maria ihren Göttlichen Sohn und seine Erlösungs-Sendung mit eigener Person auf keinen Fall zu verhüllen sucht:

„... ‘Marias mütterliche Aufgabe gegenüber den Menschen verdunkelt oder mindert diese einzige Mittlerschaft Christi in keiner Weise, sondern zeigt ihre Wirkkraft’, denn ‘Jesus Christus ist der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen’ [vgl. 1 Tim 2,5f]. Diese mütterliche Rolle fließt ... ‘aus dem Überfluss der Verdienste Christi hervor, stützt sich auf seine Mittlerschaft, hängt von ihr vollständig ab und schöpft seine ganze Wirkkraft aus ihr’. ...
– ... Diese Mutterschaft Mariens in ‘Ordnung der Gnade’ ist aus ihrer Göttlichen Mutterschaft selbst hervorgegangen. Indem sie nach Einsetzung der Göttlichen Vorsehung Mutter-Ernährerin des Erlösers war, ‘ist sie (...) in einzigartiger Weise vor den anderen edle Gefährtin und demütige Magd des Herrn’ geworden, die ‘beim Werk der Erlösung durch Glauben, Hoffnung und brennende Liebe mitgewirkt hat zur Erneuerung des übernatürlichen Lebens der menschlichen Seelen’.
– Diese Mutterschaft Mariens dauert in der Ordnung der Gnade unaufhörlich fort (...) bis zur ewigen Vollendung der Erlösung aller Auserwählten” (RMa 22)

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c. Maria, die Mutter zu Füßen-des-Kreuzes: ‘Die Frau ...’

Zu grundsätzlicher weiterer Stufe und in Unendlichkeit laufender Ausweitung der ‘Mutterschaft’ Mariens sind die Ereignisse der Erlösungs-Passion Christi geworden, deren Krönung der Bräutliche Bund zwischen Gott und der Menschen-Familie auf dem Berg Kalvaria wurde.
– Es schreibt Johannes Paul II. – im Anschluss an die Worte, die Jesus-vom-Kreuz zu seiner Mutter und zu Johannes gesagt hat:

„Zweifellos muss in diesem Ereignis Ausdruck der besonderen Sorge des Sohnes um seine Mutter gesehen werden, die Er in so tiefem Schmerz zurückließ.
– Allerdings das ‘Testament Christi vom Kreuz’ besagt über den Sinn dieser Sorge noch mehr.
– Jesus hebt ein neues Band zwischen der ‘Mutter’ und dem ‘Sohn’ hervor. Dieses Band wird in seiner ganzen Wahrheit und Wirklichkeit feierlich bestätigt. Man kann sagen, dass – wenn die Mutterschaft Mariens gegenüber den Menschen bereits früher abgerissen war, wird sie nun deutlich bestimmt und eingesetzt: sie tritt nämlich aus der ganzen Reife des Pascha-Geheimnisses des Erlösers hervor. Die Mutter Christi, die in der unmittelbaren Reichweite dieses Geheimnisses steht, das den Menschen – jeden einzelnen und alle umfasst, wird dem Menschen, jedem und allen – als Mutter gegeben.
– Dieser Mensch zu Füßen des Kreuzes ist Johannes, ‘der Geliebte Jünger’. Aber nicht er allein. In Anlehnung an die Tradition zögert das Konzil nicht, Maria als Mutter Christi und Mutter der Menschen zu nennen. Sie findet sich nämlich ‘mit allen Menschen (...) in der Nachkommenschaft Adams verbunden’, und noch mehr, sie ist ‘überhaupt Mutter der Glieder (Christi; ...) denn sie hat mit ihrer Liebe mitgewirkt, dass die Gläubigen in der Kirche geboren würden’ [LG 54.53].
– So ist also diese ‘neue Mutterschaft Mariens’, aus dem Glauben gezeugt, Frucht der ‘neuen’ Liebe, die in ihr durch ihre Teilnahme an der erlösenden Liebe des Sohnes zu Füßen des Kreuzes ihre endgültige Reife erlangt hat”  (RMa 23).

Jesus umfängt von der Höhe des Kreuzes: der Jetztzeit schon vollbrachten Erlösung, die Geschichte der Sünde und Erlösung ab dem Paradies bis zum Ende der Zeiten. Hier steckt die Begründung der verwundernden Worte, mit denen sich Jesus an seine Mutter als zur „Frau” wendet, ähnlich wie Er sich an sie auch schon in Kana von Galiläa gewandt hat (Joh 2,4).
– Hier wieder ein weiteres Fragment aus der Lehre Johannes Paul II.:

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Erklärung

„Wir befinden uns so zugleich im Zentrum selbst der Verwirklichung der Verheißung, die im Protoevangelium enthalten ist: ‘Der Nachkomme der Frau wird der Schlange den Kopf zermalmen’ [Gen 3,15]. Jesus Christus besiegt ja in der Tat mit seinem Erlösungstod das Übel der Sünde und des Todes an der Wurzel selbst.

Es ist bezeichnend, dass Er, als Er sich vom Kreuz herab an die Mutter wendet, sie als ‘Frau’ nennt und zu ihr sagt: ‘Frau, siehe, dein Sohn’. Mit dem gleichen Wort hatte er sie ja auch in Kana von Galiläa angesprochen [Joh 2,4].
– Kann man bezweifeln, dass besonders jetzt, – auf Golgota – diese Wendung tiefer in das Geheimnis Mariens vordringt und ihre einzigartige ‘Stellung’ in der ganzen Ordnung der Erlösung berührt? Das Konzil lehrt: ‘Zusammen mit Ihr, der erhabenen Tochter Zion, ist nach langer Erwartung auf Erfüllung der Verheißung, die Fülle der Zeit gekommen und es beginnt die neue Ordnung der Erlösung, als der Sohn Gottes die Menschennatur aus ihr annahm, um durch das Geheimnis seines Fleisches den Menschen von der Sünde zu befreien’.

Die Worte, die von der Höhe des Kreuzes ausgesprochen worden sind, sagen davon, dass die Mutterschaft der Mutter Christi ihre ‘neue’ Weiterfolge in der Kirche und durch die Kirche findet, gleichsam symbolisch anwesend und vertreten vonseiten des Johannes. Auf solche Weise bleibt Jene, die als die ‘Voller Gnade’ in das Geheimnis Christi eingeführt worden ist, um seine Mutter zu werden, also die Heilige Gottes Gebärerin, durch die Kirche in diesem Geheimnis zugegen als jene ‘Frau’, auf die am Anfang das Buch Genesis hinweist [Gen 3,15], dagegen am Ende der Heilsgeschichte das Buch der Offenbarung [Offb 12,1].
– Nach dem urewigen Vorhaben der Vorsehung, soll sich die Göttliche Mutterschaft Mariens der Kirche mitteilen, wie die Aussagen der Tradition darauf hinweisen, wonach die Mutterschaft Mariens hinsichtlich der Kirche Widerspiegelung und Verlängerung ihrer Mutterschaft hinsichtlich ihres Gottes Sohnes darstellt.

Schon die Stunde selbst, da die Kirche geboren wird, ihre volle Offenbarung vor der Welt, lässt nach dem Konzil diese fortdauernde Mutterschaft Mariens erkennen: ‘Da es aber Gott gefiel, das Sakrament des menschlichen Heils nicht eher feierlich zu verkünden, als bis er den verheißenen Heiligen Geist ausgegossen hatte, sehen wir die Apostel vor dem Pfingsttag ‘einmütig im Gebet verharren mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern’ [Apg 1,14], auch Maria, die mit ihren Gebeten die Gabe des Geistes erfleht, der sie schon bei der Verkündigung überschattet hatte [LG 59].
– Es gibt also in der Ordnung der Gnade, die sich unter dem Wirken des Heiligen Geistes vollzieht, eine einzigartige Entsprechung zwischen dem Augenblick der Menschwerdung des Wortes – und jenem Moment der Geburt der Kirche. Die Person, die diese beiden Momente verbindet, ist Maria: Maria in Nazaret – und – Maria im Abendmahlssaal des Pfingstfestes. In beiden Fällen ist ihre diskrete, aber zugleich ausdrucksvolle Gegenwart ein Hinweis auf den Weg der ‘Geburt vom Heiligen Geist’.
– So wird also Maria, die im Geheimnis Christi als Mutter gegenwärtig ist, ebenfalls gegenwärtig – nach dem Willen des Sohnes und in Kraft des Heiligen Geistes – im Geheimnis der Kirche. Es bleibt weiter die Mütterliche Gegenwart, wie es die am Kreuz gesprochenen Worte bestätigen: ‘Frau, siehe, dein Sohn’; ‘Siehe, deine Mutter’ ...” (RMa 24).

Und ein weiteres Fragment von der Lehre Johannes Paul II., das dieses Mal die ersten Stunden der entschieden begonnenen „Zeit der Kirche” am Tag des Pfingstfestes betrifft. Zusammen mit den Aposteln verharrte damals im Gebet, in Vorbereitung auf den verheißenen Heiligen Geist – Maria. Sie ist voller Vertrauen an ihren Göttlichen Sohn, und führt so die Versammelten auf dem Weg des Glaubens voran:

„Gerade auf diesem Weg, dem Pilgerweg der Kirche durch Raum und Zeit, und noch mehr über die Geschichte der menschlichen Seelen, ist Maria zugegen als diejenige, die ‘gebenedeit ist, weil sie geglaubt hat’, als diejenige, die ‘in der Pilgerschaft des Glaubens voranging’, indem sie wie kein anderes Geschöpf am Geheimnis Christi teilnimmt.
– Das Konzil lehrt weiter: ‘Maria ..., da sie zuinnerst in die Heilsgeschichte eingegangen ist, verbindet in sich und widerspiegelt die wichtigsten Inhalte des Glaubens’ [LG 65]. Sie ist inmitten aller Gläubigen gleichsam ein ‘Spiegel’, in dem sich ‘die Großen Taten Gottes’ [Apg 2,11] aufs tiefste und einfachste widerspiegeln ” ...(RMa 25).

In weiterer Folge führt Johannes Paul II. fort:

„... Unter denen, die im Abendmahlssaal im Gebet verharrten und sich darauf vorbereiteten, ‘in die ganze Welt’ zu ziehen, nachdem sie den Heiligen Geist empfingen, hat Jesus manche allmählich berufen ...
Elf von ihnen hat Er als Apostel eingesetzt...: ‘Wie mich der Vater gesandt hat, so sende Ich euch’ [Joh 20,21] – ... Dagegen vierzig Tage später, vor seiner Rückkehr zum Vater, hatte Er ihnen noch hinzugefügt: ‘Wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt, (...) werdet ihr meine Zeugen sein (...) bis an die Grenzen der Erde’ [Apg 1,8]. ...
Die Kirche wird geboren und wächst nun durch das Zeugnis, das Petrus und die Apostel von Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, ablegen [vgl. Apg 2,31-34; 3,15-18; 4,10ff.; 5,30ff.].

Maria hat nicht direkt diese apostolische Sendung empfangen. ... Dagegen im Abendmahlssaal, wo sich die Apostel darauf vorbereiteten, diese Sendung mit dem Kommen des Geistes der Wahrheit zu übernehmen ... war Maria mit ihnen. In ihrer Mitte war sie ‘beharrlich im Gebet’ als die ‘Mutter Jesu’ [Apg 1,13f]...
– Diese erste Versammlung derer, die im Licht des Glaubens ‘Jesus, den Urheber des Heils’ gesehen haben, war sich bewusst, dass Jesus der Sohn Mariens war, und sie seine Mutter. Und als solche war sie vom Augenblick der Empfängnis und Geburt an eine besondere Zeugin des Geheimnisses Jesu: jenes Geheimnisses, das sich vor ihren Augen im Kreuz und Auferstehung ausgeprägt und bestätigt hatte.
– Die Kirche ‘schaute’ also vom ersten Augenblick an auf Maria durch Jesus, wie sie auch auf Jesus durch Maria ‘schaute’. Sie war für die Kirche von damals und bleibt für immer eine einzigartige Zeugin der Kindheitsjahre Jesu, seines verborgenen Lebens in Nazaret, da sie ‘alles bewahrte, was geschehen war, und in ihrem Herzen darüber nachdachte[Lk 2,19.51].
– Für die damalige Kirche und die Kirche aller Zeiten war Maria und bleibt vor allem jene, die ‘gebenedeit ist, weil sie geglaubt hat’ : sie hat als erste geglaubt. Vom Augenblick der Verkündigung und der Empfängnis an ... folgte Maria Jesus Schritt für Schritt auf ihrer mütterlichen Pilgerschaft des Glaubens. ...
Sie folgte Ihm vor allem über die schaudererregende Erfahrung von Golgota. Jetzt, da Maria am Beginn der Kirche mit den Aposteln im Abendmahlssaal von Jerusalem weilte, findet ihr Glaube, der aus den Worten der Verkündigung geboren war, seine Bestätigung. ...
Die gerade zurückliegenden Ereignisse von Kalvaria hatten diese Verheißung [des Engels: über das Königtum Jesu] ins Dunkel gehüllt, und doch ist auch unter dem Kreuz ‘der Glaube Mariens nicht erloschen’. Sie war dort immer jene, die ... ‘gegen alle Hoffnung voll Hoffnung’ geglaubt hat [Röm 4,18].
– Und siehe, nach der Auferstehung hatte die Hoffnung ihr eigentliches Antlitz enthüllt, und die Verheißung hatte begonnen, Wirklichkeit zu werden. Tatsächlich hatte Jesus ja, ehe Er zum Vater zurückkehrte, den Aposteln gesagt: ‘Geht zu allen Völkern und lehrt alle Völker (...) Siehe, Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt’ [Mt 28,19n]. So hatte derjenige gesprochen, der sich durch seine Auferstehung als Sieger über den Tod erwiesen hatte, als Herrscher des Reiches, das nach der Ankündigung des Engels ‘kein Ende haben wird’ ...” (RMa 26)

„An der Schwelle der Geburt der Kirche, am Beginn dieses langen Weges durch den Glauben, ... war Maria mit allen zusammen, die den Keim des ‘neuen Israels’ bildeten.. ... Die Kirche verharrt zusammen mit ihr im Gebet und zugleich ‘schaut auf Sie im Licht des Wortes, das Mensch geworden ist’. ...
Wenn die Kirche stets ‘tiefer in das erhabenste Geheimnis der Menschwerdung eindringt’, betrachtet sie dabei in tiefer Verehrung und Frömmigkeit auch die Mutter Christi. Maria gehört untrennbar zum Geheimnis Christi – und so gehört sie auch zum Geheimnis der Kirche von Anfang an, seit dem Tag von deren Geburt.
An der Grundlage dessen, was die Kirche von Anfang an ist – dessen, was sie von Generation zu Generation inmitten aller Nationen der Erde unaufhörlich werden soll ... befindet sich Jene, die ‘geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ’ [Lk 1,45]. Gerade dieser Glaube Mariens, der den Beginn des Neuen und Ewigen Bundes Gottes mit der Menschheit in Jesus Christus bezeichnet – dieser heroische Glaube Mariens ‘geht’ dem apostolischen Zeugnis der Kirche ‘voran’ und bleibt beständig in ihrem Herzen... –
– Alle ... haben gewissermaßen Anteil am Glauben Mariens” (RMa 27).

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d. Das Zugegensein Mariens anfangs im ‘Hintergrund’

Man kann gut verstehen, dass Maria zu ihrer Lebenszeit immer möglich ganz im Schatten bleiben wollte, dauernd auf Ihren Göttlichen Sohn blickend, dessen Geheimnisse sie beständig betrachtet und in ihrem Herzen erwogen hat. Die Kirche aller Jahrhunderte war und ist sich dessen bewusst, wenn sie Maria über die Geheimnisse des Heiligen Rosenkranzes verehrt.

Ihr wesentlicher Sinn, der zu immer tieferer Erkenntnis des Vorhabens Gottes um die Erlösung des Menschen: Mann und Frau durch das schmerzhafte Opfer Ihres Göttlichen Sohnes am Kreuz führt, gekrönt mit der Auferstehung, Himmelfahrt und Herabsendung des Heiligen Geistes, kann in unseren modernen Zeiten bedeutend tiefer verstanden werden, als es in vergangenen Zeiten war – dank dem ungemein ‘warm’ geschriebenen Apostolischen Brief von Johannes Paul II.: „Rosarium Virginis Mariae – Der Rosenkranz der Jungfrau Maria(2002).

Dennoch es besteht kein Zweifel, dass die ursprüngliche Kirche sich vortrefflich um Ihre Rolle und Ihre Fürsprache bei Gott bewusst war – auch schon die ganze Zeit ihres irdischen Lebens lang, bis sie von Ihrem Sohn zu sich genommen worden ist, in das „Haus des Vaters”, und Er sie zur Königin des Himmels und der Erde erhöht hat.

Es hat wohl vor allem der Hl.Paulus, der Völker-Apostel, seinen ergebenen Gefährten vieler Apostolischen Reisen – Lukas, den Griechen, den Arzt, ab und zu – zu Maria geschickt, die viele Jahre hindurch im steinernen Haus bei Ephesus gewohnt hat – mit der Anempfehlung, er möge von Maria möglichst viele Einzelheiten sammeln, die sei es das Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes betrafen, sei es die weiteren Jahre seines Lebens. Eben dieser Lukas wurde Autor sowohl eines der ‘Evangelien’, wie dann der ‘Apostelgeschichte’. Nicht umsonst trägt er am Anfang seines Evangeliums ein:

„Nachdem es schon viele unternommen haben, einen Bericht über die Ereignisse abzufassen,
die sich in unserer Mitte erfüllt haben ... habe auch ich mich entschlossen,
allem von Anfang an sorgfältig nachzugehen und es für dich, bester Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben,
damit du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre, in der du unterwiesen wurdest, überzeugen kannst”.
(Lk 1,1-4).

Spur solcher Auskünfte stellen einige charakteristische Einträge in den Apostel-Briefen des Hl.Paulus hinsichtlich Christus und seine Geburt (s. vor allem: Gal 4,4) dar.

Die Himmelaufnahme Mariens wurde in keinem Fall zur Beendung ihrer Rolle als Gottes-Gebärerin und Fürsprecherin, sie aktivierte sie dagegen in vollem Ausmaß – Jetztzeit von der Stellung her der schon triumphierenden Kirche. Erst jetzt erfüllt Maria diese ihr anvertraute Aufgabe in vollem Ausmaß:

„Die mütterliche Rolle Mariens gegenüber den Menschen verdunkelt oder mindert diese einzige Mittlerschaft Christi in keiner Weise, sondern zeigt ihre Wirkkraft: es ist Mittlerschaft in Christus [LG 60] ...
... Die Kirche weiß und lehrt, dass ‘jeglicher heilsame Einfluss der seligen Jungfrau auf die Menschen aus dem Wohlgefallen Gottes kommt und aus dem Überfluss der Verdienste Christi hervorgeht, sich auf seine Mittlerschaft stützt, von ihr vollständig abhängt und aus ihr seine ganze Wirkkraft schöpft. In keiner Weise verhindert sie die unmittelbare Verbundenheit der Gläubigen mit Christus, sondern umgekehrt, fördert sie sogar’ [LG 60].
... Tatsächlich, die Mittlerschaft Mariens ist eng mit ihrer Mutterschaft verbunden und besitzt einen ausgeprägt mütterlichen Charakter ...
... Die Mittlerschaft Mariens ist auch Mittlerschaft durch Teilnahme ...
– Die Lehre des II. Vatikanischen Konzils stellt die Wahrheit von der Mittlerschaft Mariens dar als Teilhabe an derselben Quelle, die die Mittlerschaft Christi selbst bildet ... ‘Die Kirche zögert nicht, eine solche untergeordnete Rolle Mariens offen zu bekennen; sie erfährt sie ständig und legt sie den Gläubigen ans Herz, damit die anderen, mit diesem Mütterlichen Schutz unterstützt, noch inniger an den Mittler und Erlöser anhangen’ [LG 62]. Solche Rolle Mariens ist zugleich besonders und außerordentlich... ... Indem Maria kraft göttlicher Erwählung die Mutter des dem Vater wesensgleichen Sohnes und ‘edle Gefährtin’ im Werk der Erlösung ist, ist sie ‘für uns Mutter in der Ordnung der Gnade geworden’ [LG 61] ...” (RMa 38).

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Erklärung

Wie die Ursprüngliche Kirche keine Hemmungen empfunden hat, wenn sie sich an Maria mit der Bitte wandte, dass sie irgendwelche Gnaden bei Ihrem Göttlichen Sohn verschafft, so kann auch die Kirche in der Moderne gewiss sein, dass sie sich mit solcher Praxis dem Vorhaben der Allerheiligsten Dreifaltigkeit nicht nur keineswegs widersetzt, sondern im Gegenteil, sie beruft sich damit gerade auf den Willen des Dreieinigen:

„Die Worte: ‘Ich bin die Magd des Herrn’ bringen zum Ausdruck, dass sie von Anfang an ihre Mutterschaft angenommen und verstanden hat als die völlige Hingabe ihres Selbst, ihrer Person dem Erlösungs-Vorhaben des Höchsten. Ihre ganze Mütterliche Teilnahme am Leben Jesu Christi, ihres Sohnes, hat sie bis zum Schluss in einer Weise vollzogen, wie sie ihrer Berufung zur Jungfräulichkeit entsprach.
– Die Mutterschaft Mariens, die bis in die Tiefe mit bräutlicher Haltung der ‘Magd des Herrn’ durchdrungen ist, bildet das erste und grundlegende Ausmaß jener Mittlerschaft, welche die Kirche mit Bezug auf Sie [Maria] bekennt und verkündet und sie ‘dem Herzen der Gläubigen fortwährend’ auf besondere und außergewöhnliche Weise empfiehlt, weil sie in ihr eine große Hoffnung setzt.
– Man muss aber zusagen, dass vor allem Gott selbst, der Ewige Vater, der Jungfrau von Nazaret anvertraut hat, indem Er Ihr seinen Sohn im Geheimnis der Menschwerdung angeboten hat. Diese Ihre Erhebung zum höchsten Amt und Würde der Mutter des Sohnes Gottes – in ontischem Sinn [insofern es aus dem Sein selbst hervorwächst] – bezieht sich auf die Wirklichkeit selbst der Vereinigung der beiden Naturen in der Person des Wortes (hypostatische Union). Diese grundlegende Tatsache, Mutter des Sohnes Gottes zu sein, ist von Anfang an völlig offen für die Person Christi und sein Werk, für seine ganze Sendung. Die Worte: ‘Ich bin die Magd des Herrn’ bezeugen dieses Aufgeschlossensein des Geistes Mariens, die in sich auf vollkommene Weise die der Jungfräulichkeit eigene Liebe und die mütterliche Liebe verwirklicht, die miteinander verbunden und gleichsam in ein eins verschmolzen sind” (RMa 39).

Die Macht der Vermittlerschaft Mariens allein kann mit keiner anderen Vermittlung bei Gott verglichen werden. Maria war nicht nur „Mutter-Nährerin” des Menschen-Sohnes, sondern hat am Erlösungswerk, das Ihr Sohn vollbracht hat, aktiv teilgenommen. Und zwar Maria:

„.. ‘schritt in der Pilgerwanderung des Glaubens voran’, ... und in dieser Pilgerwanderung bis zu Füßen des Kreuzes vollbrachte sich zugleich ihre Mütterliche Mitwirkung mit der gesamten Sendung des Erlösers, mit seinem Werk und seinem Leiden.
– Auf dem Weg solcher Mitwirkung mit dem Werk des Sohnes-Erlösers erfuhr die Mutterschaft Mariens selbst gleichsam eine eigenartige Umgestaltung, indem sie sich immer mehr mit ‘glühender Liebe’ zu allen anfüllte, an die sich die Sendung Christi richtete. Durch solche ‘glühende Liebe’, die in Einheit mit Christus auf ‘übernatürliche Erneuerung des Lebens der Menschenseelen’ hingeordnet war, ist Maria auf eine nur ihr eigene Art in die einzige Mittlerschaft ‘zwischen Gott und den Menschen’ eingetreten, die die Mittlerschaft des Menschen Jesus Christus darstellt.
– Wenn sie selbst als die erste die übernatürlichen Auswirkungen dieser einzigen Mittlerschaft an sich ... als die ‘voller Gnade’ erfahren hat, war sie dank ... dieser Fülle von Gnade und übernatürlichen Lebens besonders zur ‘Mitwirkung’ disponiert mit Christus, dem einzigen Vermittler der menschlichen Erlösung ....
– Im Fall Mariä ist diese Mittlerschaft besonders und außerordentlich, indem sie auf der ‘Fülle der Gnade’ beruht...
– Jesus Christus hat Sie immer mehr dazu vorbereitet, dass sie ‘Mutter der Menschen in Ordnung der Gnade werde’. ...” (RMa 39).

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e. Mutter der Menschen in Ordnung der Gnade

Maria ist die Rolle der Mutter aller Menschen in Ordnung der Gnade sofort angetreten, als sie von Ihrem Göttlichen Sohn, von der Höhe des Kreuzes, auf diesem Posten hinsichtlich Johannes und der Kirche eingesetzt worden ist. Diese Funktion erfüllt Maria auf ganz besondere Weise an Tagen der Erwartung auf die Herabsendung des Heiligen Geistes:

„Als Maria ... mit den Aposteln in Erwartung des Pfingstfestes den Abendmahlssaal betrat, war sie dort zugegen als Mutter des verherrlichten Herrn. Sie war nicht nur Diese, die ‘in der Pilgerwanderung des Glaubens schritt und ihre Vereinigung mit dem Sohn bis zum Kreuz treu bewahrte’, sondern zugleich auch diese ‘Magd des Herrn’, die der Sohn der geboren werdenden Kirche als Mutter zurückgelassen hatte: ‘Siehe, deine Mutter’.
– Es begann sich ein besonderes Band zwischen dieser Mutter und der Kirche zu bilden. Diese geboren werdende Kirche war ja Frucht des Kreuzes und der Auferstehung Ihres Sohnes. Maria, die sich von Anfang an vorbehaltlos der Person und dem Werk des Sohnes dahingab, konnte diese mütterliche Hingabe unmöglich nicht von Beginn an auf die Kirche übertragen.
– Ihre Mutterschaft bleibt nach dem Weggehen des Sohnes in der Kirche als Mütterliche Mittlerschaft bestehen: indem sie für alle ihre Kinder eintritt, wirkt die Mutter im Erlösungswerk des Sohnes mit, des Erlösers der Welt. Das Konzil lehrt nämlich: ‘Diese Mutterschaft Mariens in Gnadenordnung dauert unaufhörlich fort (...) bis zur ewigen Vollendung der Erlösung aller Auserwählten’ [LG 61]. Dieses universale Ausmaß hat die Mütterliche Mittlerschaft der Magd des Herrn samt dem Erlösungstod Ihres Sohnes erlangt, weil das Werk der Erlösung alle Menschen umfängt ...
– ‘Denn ... in den Himmel aufgenommen, hat sie diese Erlösungs-Aufgabe nicht aufgegeben, sondern verschafft uns durch ihre vielfältige Fürsprache die Gaben des ewigen Heils’ [LG 62].
In dieser Beschaffenheit der ‘Fürsprache’, die sich zum ersten Mal zu Kana in Galiläa gekennzeichnet hat, besteht die Mittlerschaft Mariens in der Geschichte der Kirche und der Welt weiter. Wir lesen, dass Maria ‘dank ihrer Mütterlichen Liebe Sorge trägt für die Brüder ihres Sohnes, die noch auf der Pilgerschaft sind und in Gefahren und Bedrängnissen leben, bis sie zur seligen Heimat gelangen’. So dauert die Mutterschaft Mariens in der Kirche unaufhörlich als fürbittende Mittlerschaft fort. Die Kirche bekundet ihren Glauben an diese Wahrheit, indem sie Maria als ‘Fürsprecherin, Helferin, Beistand, Mittlerin’ nennt ...” (RMa 40).

Der Heilige Vater fügt im Anschluss an die Lage Mariä als in Himmel Aufgenommenen hinzu – in Weiterfolge des Konzils-Gedankes:

„Im Geheimnis der Aufnahme in den Himmel kommt der Glaube der Kirche zum Ausdruck, dass Maria mit Christus mit einem engen und untrennbaren Band’ verbunden ist, denn wenn die jungfräuliche Mutter bei seinem ersten Kommen mit Ihm in einzigartiger Weise verbunden war, wird sie es durch ihr fortwährendes Mitwirken mit Ihm auch in der Erwartung seiner zweiten Ankunft sein; ‘im Hinblick auf die Verdienste ihres Sohnes auf erhabenere Weise erlöst’, hat sie jene Aufgabe gerade als Mutter und Mittlerin der Gnade auch bei dieser endgültigen Ankunft, wenn alle zum Leben erweckt werden, die Christus angehören, und ‘der letzte Feind, der entmachtet wird, der Tod sein wird’ [1 Kor 15,26].
– Mit solcher besonderen und außergewöhnlichen Erhöhung der ‘erhabenen Tochter Zion’ durch ihre Aufnahme in den Himmel ist das Geheimnis ihrer ewigen Herrlichkeit verbunden. Die Mutter Christi erfährt nämlich die Verherrlichung ‘als Königin des Alls’ ...
... Ihre königliche Erhöhung hört nicht auf Herrlichkeit des Dienens zu bleiben: in den Himmel aufgenommen, gibt sie jenen Erlösungs-‘Dienst’ nicht auf, in dem ihre mütterliche Vermittlung zum Ausdruck kommt, ‘bis zur ewigen Vollendung der Erlösung aller Auserwählten’ ...”  (RMa 41).

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f. Personales Anvertrauen an Maria: die Mutter

Ergänzung zu den Erwägungen, die wir von der Enzyklika Johannes Paul II. über die ‘Mutter des Erlösers’ geholt haben, sind die besonders rührenden Worte, die das persönliche Verhältnis zwischen Maria und jedem einzelnen der Ihrem Mütterlichen Herzen Anvertrauten Kinder betreffen, d.h. eines jeden Erlösten. Der Heilige Vater spricht nämlich weiter:

„Es gehört zum Wesen der Mutterschaft, dass sie sich auf die Person bezieht. Sie wird immer von diesem einzigen und unwiederholbaren Band der Personen bestimmt: der Mutter zum Kind und des Kindes zur Mutter. ... –
Jedes der Kinder ... wird auf eine einzige und unwiederholbare Weise geboren ... – Jedes wird auch auf eine einzige und unwiederholbare Weise mit jener mütterlichen Liebe umfangen, auf der seine Erziehung und Reifung im Menschsein beruht.
– Man kann sagen, dass die ‘Mutterschaft in Ordnung der Gnade’ eine Analogie dazu darstellt, was ‘in Ordnung der Natur’ das Band der Mutter zum Kind kennzeichnet. In diesem Licht wird es verständlicher, dass im Testament Christi auf Golgota diese neue Mutterschaft seiner Mutter in der Einzahl, auf einen Menschen, adressiert war: ‘Siehe, dein Sohn’.
– Man kann ferner sagen, dass in denselben Worten außerdem das voll dargestellt worden ist, was über das Marianische Ausmaß des Lebens der Jünger Christi entscheidet. Nicht nur des Johannes, der zu jener Stunde zusammen mit der Mutter seines Meister unter dem Kreuze stand, sondern jedes Jüngers Christi, jedes Christen.
Der Erlöser vertraut seine Mutter dem Jünger an, und zugleich gibt Er sie ihm zur Mutter. Diese Mutterschaft Mariens, die zum Anteil des Menschen wird, ist Gabe: eine im höchsten Grad persönliche Gabe Christi selbst für jeden Menschen. Inwiefern der Erlöser Maria dem Johannes anvertraut, insofern vertraut Er gleichzeitig den Johannes Maria an.

Zu Füßen des Kreuzes hat jenes besondere Anvertrauen des Menschen an die Gottesgebärerin seinen Anfang, das im Lauf der Geschichte der Kirche auf verschiedene Weise unternommen und zum Ausdruck gebracht wurde. Wenn derselbe Apostel und Evangelist nach den Worten, die Jesus vom Kreuz an die Mutter und an ihn selbst gerichtet hat, hinzufügt: ‘Und von jener Stunde nahm sie der Jünger zu sich’ [Joh 19,27] – besagt dieser Satz ganz gewiss, dass dem Jünger damit die Rolle des Sohnes übertragen worden ist und er die Sorge für die Mutter des geliebten Meisters übernommen hat.
Indem aber Maria ihm selbst zur Mutter gegeben worden ist, wird mit den obigen Worten – zumindest mittelbar – das alles besagt, womit das innere Verhältnis eines Sohne zur Mutter zum Ausdruck gebracht wird. Dies alles kann mit dem Wort ‘Anvertrauen’ umfangen werden.
Vertrauen heißt Antwort auf die Liebe der Person, insbesondere aber auf die Liebe der Mutter.

Das Marianische Ausmaß des Lebens eines Jüngers Christi kommt in besonderer Weise durch ein solches kindliches Anvertrauen zur Gottesmutter zum Ausdruck, das seinen Ursprung im Testament des Erlösers auf Golgota hat.
Indem der Christ sich – wie der Apostel Johannes – Maria kindlich anvertraut, ‘nimmt er die Mutter Christi’ zu sich und führt sie ein in das alles, was sein eigenes inneres Leben bildet, was gleichsam sein menschliches und christliches ‘Ich’ ausmacht: ‘Er nahm sie zu sich’. Er sucht auf diese Weise in den erlösenden Bereich dieser ‘mütterlichen Liebe’ einzutreten, durch die die Mutter des Erlösers ‘Sorge für die Brüder ihres Sohnes trägt’ und ‘bei deren Geburt und Erziehung sie mitwirkt’ nach dem Maß der Gabe, die jedem in Kraft des Geistes Christi eigen ist. So verwirklicht sich auch jene Mutterschaft nach dem Geist, die Anteil Mariens unter dem Kreuz und im Abendmahlssaal geworden ist (RMa 45).

Diese kindliche Beziehung – dieses Sichanvertrauen eines Kindes an die Mutter – hat nicht nur in Christus seinen Anfang, sondern man kann sagen – dass es letztlich auf Ihn hingeordnet ist. Man kann sagen, dass Maria fortfährt, uns allen dieselben Worte zu wiederholen, die sie zu Kana in Galiläa gesagt hat: ‘Was Er euch sagt, das tut’.... –
Je mehr diese Kinder in diesem Anvertrauen verharren und darin fortschreiten, desto näher führt sie Maria zu den unergründlichen ‘Reichtümern Christi’ hinein [Eph 3,8]. Desto besser erkennen sie auch in ihrer ganzen Fülle die Würde des Menschen und den letztlichen Sinn seiner Berufung: denn ‘Christus macht den Menschen dem Menschen selbst voll kund’ ... ” (RMa 46).

In diesem Augenblick geht Johannes Paul II. noch auf eine sehr besondere Verpflichtung angesichts jeder Frau über – als die Schwester gerade dieser Maria:

„Dieses Marianische Ausmaß des christlichen Lebens findet seinen besonderen Ausdruck in der Beziehung zur Frau und ihrer sozialen Position. In der Tat, die Fraulichkeit bildet ein besonderes Band zur Mutter des Erlösers. ...
– ... Die Gestalt der Maria von Nazaret wirft ein Licht auf die Frau als solche schon allein durch die Tatsache , dass Gott in diesem erhabenen Geschehen der Menschwerdung seines Sohnes sich dem freien und aktiven Dienst einer Frau anvertraut hat.
– Man kann daher feststellen, dass die Frau, indem sie auf Maria blickt, in Ihr das Geheimnis entdeckt, wie sie ihr Frausein und die wahre Realisation ihrer Selbst würdig leben soll.
Im Licht Mariens erblickt die Kirche in der Frau den Abglanz der Schönheit, die die erhabensten Gefühle widerspiegelt, deren das menschliche Herz fähig ist: die vorbehaltlose Opferwilligkeit der Liebe, die Kraft, die die größten Leiden zu ertragen vermag, die grenzenlose Treue, unermüdliche Aktivität, die Fähigkeit die tiefergründende Intuition mit dem Worte des Trostes und der Ermutigung zu verbinden” (RMa 46).


Wenn wir hier so umfangreiche Fragmente von der Enzyklika Johannes Paul II. über die Mutter des Erlösers und ihre Rolle dargestellt haben – in ihrer Lebenszeit und Jetztzeit im Himmel, wo sie mit Leib und Seele verweilt, haben wir diese Wirklichkeit im Auge, wie sie jede Ehe und jede Familie als die ‘Kirche-in-Miniatur’ bildet, die ebenfalls ‘Haus-Kirche’ genannt wird. Soll nämlich die ehelich-familiäre Kommunion von Personen zur lebenden und lebendigen Zelle der ‘Großen’ Kirche werden, der Mystischen Braut Jesu, des Bräutigams-vom-Kreuz, kann in ihr das kindliche Anvertrauen an die Mutter dieses Jesus, des Sohnes Gottes und Menschen-Sohnes nicht fehlen.

Um allen möglichen Zweifel zu zerstreuen, mögen wir hier wiederholt auch wenn nur die folgenden Worte Johannes Paul II. anführen:

„Man muss aber anerkennen, dass vor allem Gott selbst, der Ewige Vater der Jungfrau von Nazaret anvertraut hat, indem Er Ihr seinen Sohn im Geheimnis der Menschwerdung dargegeben hat. Diese Ihre Erhebung zum höchsten Amt und Würde der Mutter des Sohnes Gottes – in ontischem Sinn – bezieht sich auf die Wirklichkeit selbst der Vereinigung der beiden Naturen in der Person des Wortes (Hypostatische Vereinigung: personale Vereinigung). Diese grundlegende Tatsache, Mutter des Sohnes Gottes zu sein, ist von Anfang an völlig offen für die Person Christi und sein Werk, für seine ganze Sendung” (RMa 39).

Und noch:

„... Die Gestalt der Maria von Nazaret wirft ein Licht auf die Frau als solche schon allein durch die Tatsache, dass Gott in diesem erhabenen Geschehen der Menschwerdung seines Sohnes sich dem freien und aktiven Dienst einer Frau anvertraut hat ...” (RM 46).

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5. Das Liturgisch-Sakramentale Leben
der Ehe und Familie

Es kamen zweifelsohne Ehepaare und Familien vor, wo die Angehörigen an Jesus Christus als Gott und Erlöser zwar geglaubt haben und sich auf den Empfang des Sakraments der Heiligen Taufe entschieden haben, dennoch sie haben sich im Prinzip damit zufrieden gegeben. Solche Einzelne, Ehepaare und Familien, hat es sowohl im Altertum gegeben, wie heutzutage. Sie beschränken ihren Kontakt zu Gott auf die Erfüllung eines Minimum der Erfordernisse, von denen das Erlangen des ewigen Heils abhängen wird.

Dennoch die beträchtliche Mehrzahl der Ehepaare und Familie, die vor allem in der Zeit der ursprünglichen Kirche, aber auch alle späteren Jahrhunderte hindurch, nach der Teilnahme an lebendiger Verkündigung eines der Apostel oder Diener des Wortes ihren Wunsch äußerten, den Glauben zu bekennen und die Heilige Taufe zu empfangen, sind wohl eifrige Jünger Christi geworden.
– So war es besonders in Zeiten der anhaltenden Verfolgungen der Christentums, als die Entscheidung selbst, die Religion zu wechseln und sich für Christus zu erklären, grundsätzlich mit der Bereitschaft einherging, das eigene Leben um der Treue Christi willen dahinzulegen.
Solche Ehen und Familie haben sich daselbst auf sehr seriöses Trachten des Entschlusses entschieden, von nun an Christus auf dem Weg nachzufolgen, den Er in den „Acht Seligpreisungen” auf dem Berg verkündet hat (Mt 5,3-12), und daselbst auf folgerichtige Umsetzung ins Leben des gesamten Dekalogs.

Solche Ehepaare wurden spontan, samt ihren Familien, zu wahren ‘Haus-Kirchen’. Alle Einwohner dieses Hause, unter der Führung des Vaters und der Mutter der Familie, waren folgerichtig um die Vertiefung ihrer Kenntnisse in Religion, wie auch um ihre bestehende, immer enger werdende persönliche Vereinigung zu Christus besorgt. Das ganze Haus war sich um den Radikalismus des Evangeliums bewusst, mit dem der bisherige Lebensstil in Sünde unmöglich vereinbart werden konnte. Dasselbe galt für das bisherige Nicht-Nachdenken an den Sinn des Lebens, noch an die unvermeidlichen Fragen des Menschenlebens, auf die der Kultus der heidnischen Gottheiten keine befriedigende Antwort zu finden imstande war.

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Erklärung

Konsequent wurden solche Ehen und Familien, samt ihrem ganzen ‘Haus’ in weiter Bedeutung dieses Wortes, im Grund genommen zu blühenden ‘Haus-Kirchen’. Indem sie die Annahme selbst des Glaubens und der Heiligen Taufe die Barriere der Furcht um das eigene Leben zu überschreiten ließ, zumal wenn es ihnen in einem Milieu zu leben gegeben war voller aggressiver Bekenner sei es des Politheismus, sei es des Judaismus, oder anderseits – wie es später nicht selten geschah: Bekenner des Nicht-Apostolischen Christentums, die die Jünger Christi, die ihr lebendiges Band des Glaubens und der sittlichen Verhaltensweise mit Petrus der gerade ablaufenden Zeiten unterhielten – des Öfteren mit ‘Kraft-Anwendung’ an ihr abtrünniges Christentum zu bekehren gesucht haben, braucht man sich nicht wundern, dass diese Häuser wahre Oasen des Lebens Gottes der in ihnen aufblühenden ‘Haus-Kirche’ wurden.

In diesen Häusern hat sich daselbst spontan das sakramentale Leben entwickelt. Es ging nicht nur um die Vorbereitung entweder der Gewachsenen, oder schon Kinder und Kleinkinder zum Sakrament der Heiligen Taufe, sondern vor allem um die regelmäßigen Teilnahme am Sakrament der Eucharistie, und im Maß des Bedarfs am Sakrament der Versöhnung.
– Diese Familien könnten sich nicht vorstellen, dass man in entsprechender Zeit nicht auch zum Sakrament der Heiligen Firmung herantrete. Und weiter, jeden Eintritt in den Ehe-Bund haben sie spontan als möglich allein als Eheschließung „im Herrn” (s. 1 Kor 7,39) angesehen.
– In solchen Familien wurde immer alles getan, dass es keine Streitigkeiten oder gegenseitige Feindseligkeit gibt. Die nicht-christliche Umgebung musste nicht selten unwillkürlich das hohe Morale jener ‘Haus-Kirche” anerkennen, die falls Bedarf, ihre größeren Räume mit Freuden für den Bedarf ob des religiösen Kultus, oder der Katechisation und Evangelisation zur Verfügung gestellt hat.

Mit anderen Worten, möchte eine Ehe oder Familie auf den hervorragenden Titel der ‘Haus-Kirche’ verdienen, hat sich dort folgerichtig vor allem das Eucharistische Leben entwickelt, aus dem sowohl die ‘Große’ Kirche geboren wird, wie auch die ‘Kirche-in-Miniatur’.
– Das geschah parallel zu den in solchen Häusern sich kennzeichnenden übrigen Merkmalen, mit denen sich die ‘Groß’-Kirche auszeichnet, aber daselbst, aufgrund der Analogie, die Merkmale, die für das Haus und die Familie als die ‘Haus-Kirche’ maßgebend sind.

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6. Das Hören und Tun des Wortes Gottes
in der ‘Haus-Kirche’

Eine weitere Eigenschaft, die eine jedesmalige ‘Haus-Kirche’ als lebendige Zelle und Teil der ‘Groß’-Kirche kennzeichnete, galt nicht nur für das „Hören des Wortes Gottes”, sondern auch seine tatsächliche „Befolgung” (Lk 11,28). Es ist unmöglich, ein authentisches, lebendiges Teilchen der ‘Groß’-Kirche zu sein, wenn die Mitglieder der betreffenden Ehe und Familie nicht die ‘Werke der Barmherzigkeit’  für Leib und Seele in die Tat umzuschmieden suchen (s.ob.: Werke der Barmherzigkeit für den Leib – und ebd. gleich darunter die Werke für Seele). Sie werden spontane Antwort auf den von Jesus Christus vorgelebten Stil des Liebe-Tuns „wie Ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt” (Joh 13,34; 14,12; 1 Joh 3,14). Solche Nächstenliebe führt – wenn sich die Umstände so legen – dazu, dass man selbst das eigene Leben dem Guten des Nächsten gegenüber hinzugeben bereit ist:

„Größere Liebe hat niemand als die,
dass er sein Leben hingibt für seine Freunde ...” (Joh 15,13; vgl. 1 Joh 3,16).

So braucht man sich nicht wundern, dass ein wahres Haus, dessen Mitglieder ihre ehelich-familiäre Kommunion als Wirklichkeit der ‘Haus-Kirche’ zu erleben vor hatten, auch für den Empfang und die Begastung von Wanderer, Einwandern offen stand – samt allen Erfordernissen, die mit solchem Dienst verbunden waren. Sie konnten doch leicht sehr belästigend werden, nicht selten verbunden mit großem Risiko. Alles geschah aber nach der Empfehlung des Herrn selbst:

„... Denn Ich war hungrig, und ihr habt Mir zu essen gegeben; Ich war durstig, und ihr habt Mir zu trinken gegeben; Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt Mich aufgenommen; Ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; Ich war krank, und ihr habt Mich besucht; Ich war im Gefängnis, und ihr seid zu Mir gekommen ...” (Mt 25,35f.).

Einen eigenartigen Kommentar und Dazusage im Anschluss an die modernen Nöten und zeitgemäßen religiös-kulturellen Bedingungen bietet Johannes Paul II. am Ende seines „Briefes an die Familien(1994) – unter dem charakteristischen Titel: „... Ihr habt Mich empfangen” (BF 22). Johannes Paul II. stellt in diesem Fragment jenes Briefes an die Familien das Bild des Letzten Gerichts im Anschluss an den Empfang, bzw. Nicht-Empfang von Nachkommenschaft, mit der sich, als dem so manches Mal „Zurückgewiesenen”, Jesus Christus selbst identifiziert.

Der Heilige Vater spricht in diesem Fall nicht nur die einzelnen Ehen-Familien an, sondern bezieht diese Worte deutlich und namentlich auch an betreffende „soziale Institutionen, an Regierungen und internationale Organisationen” (BF 22: End-Fragment).

In strikter Folge dieses Erfordernisses, „Christus nachzufolgen” und „sich seines Selbst zu leugnen, jeden Tag das eigene Kreuz auf sich zu nehmen und Christus nachzufolgen” (vgl. Lk 9,23) steht auch die radikale Anforderung, die „Feinde zu lieben” und ihnen zu verzeihen. Mit diesem Kennzeichen, das das Merkmal der ‘Goßen’-Universalen-Kirche sein muss, muss sich nicht minder deutlich auch die ‘Kirche-in-Miniatur’ – die Haus-Kirche, auszeichnen.

Diese Anforderung wird in den Evangelien und Apostolischen Briefen sehr nachdrücklich hervorgehoben. Die diesbezüglichen Worte Jesu über die ‘Liebe der Feinde’ werden u.a. im gesonderten Fragment von Lukas (Lk 6,27-36) und Matthäus (Mt 5,43-48) angeführt.
– Zuallererst aber hat Jesus an sich selbst das unerschütterliche und unleugbare Beispiel eines solchen Stiles seinen Feinden gegenüber gegeben, indem Er nicht nur allen seinen Henkern verziehen hat, sondern dazu noch ihre Schuld vor dem Antlitz des Vaters entschuldigte (Lk 23,34).

Vielsagendes Beispiel der Umsetzung ins Leben der schwierigen Anforderung dieser ‘Evangelischen Neuheit’  stellt die Haltung des gesteinigten Stephanus dar. Er betete, indem er unter dem Haufen und Schlägen der auf ihn fallenden Steine starb:

„... ‘Herr Jesus, nimm meinen Geist auf’!
Dann sank er in die Knie und schrie laut:
‘Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an !’.
Nach diesen Worten starb er” (Apg 7,59f.).

Mit allen genannten und ähnlichen Merkmalen muss deutlich diese Ehe und Familie strahlen, die eine ‘Haus-Kirche’ werden möchte. Erst die so gelebte Ehe und Familien-Kommunion lässt sich dem betreffenden ‘Haus’ innerlich im Glanz der Gnade Christi zu entwickeln. Erst in dieser Lage erscheint in der Verhaltensweise und im Herzen der Mitglieder dieses ‘Hauses’ das, was Johannes Paul II. in ganz ausgeprägter, bewegender Feststellung und zugleich Ermutigung seiner Adhortation ‘Familiaris Consortio’ ausgedrückt hat:

„Die christliche Familie ist, vor allem heute, besonders berufen, den Pascha-Bund Christi zu bezeugen, indem sie beständig mit Freude wegen des Lieben-Könnens strahlt – und mit Gewissheit über die Hoffnungen, von denen sie Rechenschaft ablegen soll:
– ‘Die christliche Familie verkündet mit voller Stimme sowohl die gegenwärtigen Tugenden des Reiches Gottes, wie auch die Hoffnung auf das selige Leben’ [LG 35] ...” (FC 52).

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D.   KENNZEICHEN DES ANWACHSENS DER ‘GROSS’-KIRCHE
UND DER ‘HAUS-KIRCHE’

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1. Aquila mit Priszilla – und Apollos

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Ein ganz besonderes Beispiel, wie die nur Dienst-Rolle bei der Übermittlung des Inhalts des Glaubens vonseiten der ‘Haus-Kirche’ erfüllt wird, ist die wiederholt in Apostolischen Schriften genannte ‘Haus-Kirche’ der Eheleute Priszilla und Aquila. Wir sehen sie in Rom, nachher in Korinth, dann in Ephesus und in Antiochia in Syrien. Sie bezeugten mit ihrem Leben und des Offenbleibens ihres Hauses überall – ein höchstes Engagement beim Werk der Evangelisation.

Als sie einige Zeit hindurch in Ephesus wohnten, hörten sie einem aus Alexandrien herkommenden Juden zu, mit dem Namen Apollos. Dieser war vortrefflich in der Heiligen Schrift bewandert, dabei kam er auch zur teilweisen Kenntnis der Lehre Jesu Christi. Aquila und Priszilla konnten sich aber überzeugen, dass Apollos das Evangelium Jesu Christi nicht ‘bis zum Ende’ kennen gelernt hat. Lukas stellt folgender die charakteristische Verhaltensweise dieser beiden Eheleute dar, die ihre Ehe und ihr Familienleben als ‘Haus-Kirche’ in bestem Sinn dieses Worte gelebt haben:

„Ein Jude, namens Apollos, kam nach Ephesus. Er stammte aus Alexandria, war redekundig und in der Schrift bewandert. Er war unterwiesen im Weg des Herrn. Er sprach mit glühendem Geist und trug die Lehre von Jesus genau vor, doch kannte er nur die Taufe des Johannes. Er begann, offen in der Synagoge zu sprechen.
– Priszilla und Aquila hörten ihn, nahmen ihn zu sich und legten ihm den Weg Gottes noch genauer dar.
– Als er nach Achaia gehen wollte, ermunterten ihn die Brüder dazu und schrieben den Jüngern, sie möchten ihn freundlich aufnehmen. Nach seiner Ankunft wurde er den Gläubigen durch die Gnade eine Große Hilfe. Denn mit Nachdruck widerlegte er die Juden, indem er öffentlich aus der Schrift nachwies, dass Jesus der Messias ist” (Apg 18,24-28).

Der Bericht von Lukas ist sehr belehrend. Wir können uns darüber wundern, wie mächtig der Heilige Geist bei diesen zwei Eheleuten mit der ihnen verliehenen Gabe des „Glaubens-Sinnes” und der „Analogie des Glaubens”  wirkte (s. dazu ob.:  Analogie des Glaubens und Sinn des Glaubens).
– Es gab damals noch keine schriftlichen Unterlagen, auf deren Grund die Wirten einer ‘Haus-Kirche’ erfahren könnten, wie es sich in solchen Fällen zu verhalten gilt: des unkorrekt übermittelten Glaubens-Inhalts. Diese beiden verhielten sich angesichts dieses ‘Gelehrten’ und Spezialisten – im Rahmen des ihnen verliehenen „Glaubens-Sinnes” mit aller Subtilität und Nächstenliebe. Sie haben ihm keine öffentlichen Vorstellungen veranstaltet, noch haben sie ihn in Augen der Zuhörer gedemütigt. Sie haben seinen guten Namen geschont und ihm gegenüber mit tiefster Einfühlung des Glaubens gehandelt.

Diese beiden: Aquila und Priszilla – versuchten auch nicht die Rolle eines ‘Priesters’ zu spielen, indem sie doch Priester nicht waren.
– Es ist nicht ausgeschlossen, dass mehr aktiv vor allem die Priszilla selbst war. Lukas nennt ihren Namen bemerkenswert in erster Reihe (Apg 18,18.26). Im Gegensatz zur ersten Erwähnung dieses Ehepaars, die damals frisch aus Rom nach Korinth angewandert waren, nachdem Kaiser Klaudius das berühmte Edikt erlassen hat (Jahr 49), in dessen Kraft es den Juden in Rom zu wohnen nicht gestattet war (Apg 18,1f.). Die erwähnten Eheleute haben damals Paulus in Korinth – nicht nur eine Herberge angeboten, sondern sie nahmen ihn auch in die Arbeit in ihrer Werkschaft auf: bei der Herstellung von Zelten. So war es, bis Silas und Timotheus angekommen waren, so dass Paulus sich von nun an nur der Lehre widmen konnte (Apg 18,5).

Wir erinnern uns auch, dass Paulus den Frauen während der verrichteten Liturgie zu sprechen verboten hat:

„Eine Frau soll sich schweigend in aller Unterordnung belehren lassen.
Zu lehren gestatte ich einer Frau nicht. Sie soll auch nicht über den Mann herrschen wollen,
sondern sich still verhalten ...” (1 Tim 2,11f.).

Anderes war aber das von Lukas erwähnte: „... sie nahmen ihn zu sich und legten ihm den Weg Gottes noch genauer dar” (Apg 18,26). Darauf beruht eben die unersetzliche Rolle ob des Aquila, oder umso mehr der Priszilla. Diese Frau musste vielerlei begabt sein, sie war äußerst unternehmerisch, und dabei musste sie mit ihrem ganzen Selbst den „Weg Gottes” geliebt haben (Apg 18,26), d.h. das Evangelium des Sohnes Gottes: dieses Gekreuzigten – Auferstandenen, im wörtlichsten Sinn praktizieren.

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2. Tatsächliches Engagement in die Evangelisation

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a. Unerschrockenes Beispiel der Apostel und Ersten Jünger

Wir haben schon ein paarmal an das Engagement der ‘Haus-Kirche’ in das Werk der Evangelisation angeknüpft. Es gehört sich diese Hinsicht näher zu betrachten. Mit diesem Kennzeichen: dem Missionsgeist, sollen sich vor allem die beiden Eheleute auszeichnen: die Besitzer der betreffenden Haus-Kirche, d.h. diese zwei bestimmten Eheleute samt ihrer Familie.

Es ist klar, die Kinder schauen wortlos den Lebensstil ihrer Eltern an. Sind die Eheleute-Eltern voller des Geistes Gottes, zeugt ihr Leben vom „Pascha-Bund Jesu Christi, indem sie beständig mit Freude wegen des Lieben-Könnens strahlen, wie auch mit Gewissheit über die Hoffnungen, von denen sie Rechenschaft ablegen sollen” (vgl. FC 52). Die aus ihrem durchscheinenden Gewissen schlagende Freude im Heiligen Geist wirkt auf andere anziehend und wird zur Ermutigung, dass auch sie sich für denselben Christus aufschließen: den Sohn Gottes, der gekreuzigt, aber von den Toten auferstanden worden ist, und der die menschlichen Gewissen durch sein Blut von Sünden reinigt, den Sinn des Lebens bietet und folgerichtig die Hoffnung, nach der sich das menschliche Herz sehnt.

Kein Wunder, dass bei dem, der an die Liebe geglaubt und ihr anvertraut hat, in solchen Umständen ein von innen herkommendes Bedürfnis entsteht, die Gewissheit um die Hoffnung auch mit anderen, die sie nicht haben, zu teilen. Solche Haltung ist für alle Apostel Jesu Christi kennzeichnend. Würde ihr Anvertrauen an Jesus Christus nicht von tiefster Überzeugung des Glaubens herkommen, noch vom Erfahren Christi – sowohl dieses gekreuzigten, wie auch auferstandenen, würden sie doch Christus nicht verkünden, noch ihr Leben aufs Spiel bringen. Es wäre schwer das eigene Leben dahinzugeben und sich auf Folter ... um einer Utopie willen auszustellen.

Indessen diese haben wahrhaft „gewusst, wem sie geglaubt-anvertraut haben” (vgl. 2 Tim 1,12; 1 Joh 1,1ff.). Nur deswegen wurden sie fähig alles auf die Schale zu werfen: ihr Haus, ihr Besitztum, und zuletzt sich selber. Die Liebe zu Christus ist zu ihrem Leben geworden: Christus hat doch der erste für uns und unser Heil sein Leben am Kreuz dahingegeben, um nachher von den Toten zu auferstehen, um uns als Gott-Mensch das ewige Leben anzubieten.

Gerade für diesen Christus und für die von Ihm vollbrachte Erlösung möchten jetzt diese Zweien, Besitzer ihres Hauses: der Haus-Kirche, der Reihe nach andere Leute gewinnen, und schonten zu diesem Zweck keine Mühe, noch einmal Leiden. Um dieses Jesus Christus willen wurden sie fähig, ihr eheliches Band, das sie beständig „im Herrn” (1 Kor 7,39), also als Sakrament der Ehe gelebt haben, mit dem Engagement in das Werk der Verantwortung für die Evangelisation verbinden, deren gesegnete Früchte vor allem sie selbst an sich erfahren haben.

Wir können die Freude im Heiligen Geist dieser Diener des Wortes bewundern, wenn sie ‘für Christus’ imstande geworden sind, nicht nur Platz in ihrem Haus herauszuwirten, so dass sie es der bei ihnen sich versammelnden ‘Kirche Gottes’ ermöglicht haben, die Eucharistie und die Verkündigung des Wortes Gottes zu verrichten, sondern auch wann sie selbst gerade deswegen Verfolgung und Leiden erleiden konnten.

Es ist nicht ausgeschlossen (auch wenn es diesbezüglich keine Gewissheit gibt), dass diese Zweien, von denen gerade geredet wird: Aquila zusammen mit Priszilla, den Märtyrertod erlitten haben – es kann sein: in Ephesus. Es konnte im Zusammenhang bleiben bei ihrer Intervention hinsichtlich des ob ins Gefängnis geworfenem, oder lebensbedrohtem Hl. Paulus (s. das Echo dieser Ereignisse: Apg 19,23; 1 Kor 15,32; 2 Kor 1,8f.).

Eines ist sicher: Aquila und Priszilla, die selbst aus zutiefster Überzeugung des Glaubens an Christus, den Gott-Menschen und Erlöser, gewirkt haben, haben sich auf das Erleben allein ihrer eigenen Ehe und Gewinnarbeit, um die Familie zu unterhalten, nicht beschränkt. Die Liebe zu Christus hat sie gedrängt, die Verantwortung auch für dieses Teilchen des Mystischen Leibes Christi auf sich zu nehmen, in deren Kreis sie sich selbst gefunden haben (s. dazu auch die Erwägung zur Mittwochsaudienz Benedikt XVI. über Priszilla-Aquila, am: 9.II.2007: Eheleute Priszilla und Aquila – polnisch).

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Erklärung

Diese Zweien: Aquila und Priszilla, ähnlich wie alle übrigen Bekehrten: sei es vom bisherigen Judaismus, oder vom Heidentum, konnten beinahe für den Alltag den Lebensstil des Jüngers Christi aufzehren; aufgrund der Beobachtung sei es der Apostel, sei es anderer Jünger dieses ‘Meisters von Nazaret’: dieses Gekreuzigten, und doch von den Toten Auferstandenen.

Die Jünger Christi wurden in voller Bedeutung dieses Wortes zu seinen Zeugen. Angefangen von beinahe der allernächsten Tage nach dem Herabkommen auf sie des von Christus verheißenen Heiligen Geistes, wurde ihr Leben zu einem beständigen Streifen von Aussetzung selbst auf grausamen Tod – um des Zeugnisses willen der Wahrheit der Gottes Offenbarung:

„... Denn wir können unmöglich schweigen über das,
was wir gesehen und gehört haben ...” (Apg 4,20).

Der Hl. Lukas gedenkt der Haltung der Apostel, wenn sie nicht lange nach dem Pfingstfest von den Mitgliedern des Synedriums in Jerusalem einmal mehr um „Christi willen” gefangen genommen, und zuletzt auf Geißelung verurteilt wurden. Den Aposteln wurde diese ungerechte, sehr harte ‘Strafe’ versetzt trotz der vorangegangenen Intervention vonseiten des Gamaliels ihnen zugunsten:

„Sie riefen die Apostel herein und ließen [= das Gremium des Synedriums] sie auspeitschen
[das hat seinen Jüngern Jesus vorausgesagt: Mt 10,17].
Dann verboten sie ihnen, im Namen Jesu zu predigen, und ließen sie frei.
– Sie aber gingen weg vom Hohen Rat und freuten sich, dass sie gewürdigt worden waren, für seinen Namen Schmach zu erleiden.
Und Tag für Tag lehrten sie unermüdlich im Tempel und in den Häusern
und verkündeten das Evangelium von Jesus, dem Christus” (Apg 5,40f.).

Es besteht kein Zweifel, dass die Haltung der Apostel, voller heiteren Herzens, das zutiefst über Jesus Christus überzeugt war: diesen Gekreuzigten, und doch Auferstandenen, und dabei ihr Herz, das den Feinden und Häschern zu verzeihen verstand, den übrigen Jüngern Christi im Heiligen Geist Mut einzuflößen imstande war, dass auch sie sowohl Schikanen, wie Verhörungen und gleichfalls ungerechte Strafen zur Bestätigung ihres Bandes zu Christus, dem sie anvertraut haben „für das Leben, den Tod – und das, was nach dem Tod werden wird...”, gelassenen Herzens erdulden konnten.

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b. Innerlicher Drang des Saulus-Paulus zur Verkündigung
des Evangeliums

Um so mehr strahlte solche Haltung betreffs Christus beim unbeugsam hingegebenen Völkerapostel, dem Hl. Paulus. Er war sich vortrefflich bewusst, was für eine ‘Schuld’ er Christus gegenüber auf sich herabgezogen hatte, nachdem er in seinen Jugendjahren Jesus mit allem Gegen-Eifer in seinen Jüngern gefahndet und verfolgt hatte:

„... Ihr habt doch gehört, wie ich früher als gesetzestreuer Jude gelebt habe,
und wisst, wie maßlos ich die Kirche Gottes verfolgte und zu vernichten suchte
...” (Gal 1,13).

Jesus hat sich ihn ausersehen als das „auserwählte Gefäß” (Apg 9,15; so soll die Übersetzung der hebräischen Wendung lauten, die bei Lukas griechisch lautet: ‘weil dieser das Gefäß meiner Auserwählung ist’).
– In entsprechender Stunde – es geschah bei Damaskus (Apg 9,3ff.), ist ihm Jesus persönlich erschienen und ließ sich ihm kennen lernen. Diese unverhoffte, persönliche Begegnung wurde zum Wendepunkt in seinem Leben. Er kehrte auf dieses Ereignis in seinem weiteren Leben wiederholt zurück. Er stellte es u.a. noch einmal als Gefangener in seiner Verteidigungsrede vor dem König Agrippa dar (König der Juden ab 53 bis ca. 100). Es geschah in Cäsarea, wo Paulus die Appellation an das Urteil des Kaisers in Rom eingelegt hat.

Paulus sprach damals in Selbstverteidigung, in Augen des Königs Agrippa und seinen hochangestellten Gäste:

„ ... Da sah ich unterwegs ... mitten am Tag ein Licht, das mich und meine Begleiter vom Himmel her umstrahlte, heller als die Sonne.
Wir alle stürzten zu Boden, und ich hörte eine Stimme auf hebräisch zu mir sagen:
Saul, Saul, warum verfolgst du Mich? ...
– Denn Ich bin dir erschienen, um dich zum Diener und Zeugen dessen zu erwählen, was du gesehen hast und was Ich dir noch zeigen werde ... ... um ihnen [den Heiden] die Augen zu öffnen. Denn sie sollen sich von der Finsternis zum Licht und von der Macht des Satans zu Gott bekehren und sollen durch den Glauben an Mich die Vergebung der Sünden empfangen und mit den Geheiligten am Erbe teilhaben’.
– ... Ich durfte gegen die himmlische Erscheinung nicht ungehorsam sein ...” (Apg 26,13-19).

Zur Kraft, die die innere Haltung des Paulus umgestaltet hat, wurde die persönliche Begegnung mit diesem Jesus, den er bisher – in Unwissenheit dessen, Wer Jesus in der Tat gewesen war (s. 1 Tim 1,13: „weil ich aus Unwissenheit und im Unglauben gehandelt hatte”) – verbissen verfolgt hat.
– Jetztzeit hat er sich ‘am eigenen Fell’ überzeugt, dass gerade dieser Jesus – ihn, seinen unbarmherzigen Verfolger, geliebt hat.

Daher schreibt er an die Galater, die betört waren von „einigen Leuten, die euch verwirren und die das Evangelium Christi verfälschen wollen” (Gal 1,7), denen niemand die Apostelsendung verliehen hat, und bekennt von sich selbst, dass als er Jesus solchen zu sehen bekommen hat, wie ER IST, seinen bisherigen Sinn im gleichen Augenblick total ändern musste:

„Ich lebe – doch nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir.
Soweit ich aber jetzt doch noch im Fleisch lebe,
lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes,
der mich geliebt und sich selbst für mich ausgeliefert hat.
Ich verwerfe die Gnade Gottes nicht ...” (Gal 2,20f.).

Wir können uns einmal mehr überzeugen, dass die entscheidende Rolle im Leben die „Liebe” spielt. Diese, die Hingabe seiner Selbst bedeutet – bis zur Hinopferung des eigenen Lebens als Gabe für diesen Geliebten.

Aber wie es sich im Leben des Erlösers zeigt, die Hingabe seiner Selbst strebt das eine Ziel an: dass dieser Geliebte Teilnehmer werden kann am ewigen – Leben, im „Haus des Vaters” (Joh 14,2f.).
– Die Überzeugung, dass ich persönlich auf solche Weise von jemandem geliebt worden bin, löst die Energie der Liebe aus, die zur Antwort der Liebe – auf erfahrene Liebe treu wird.

Es gehört sich hier noch einmal die spontanen Worte Johannes Paul II. anzuführen, die er an versammelte Junge Leute in Krakow auf der ‘Skalka’ – bei seiner Dritten Pilgerreise in die Heimat gesagt hat (1987 – s. ob.: Befähigung zum ‘Durchringen’):

„... Ich erinnere mich, als ich so wie ihr jung war – und ich das Evangelium las, da galt für mich als kräftigster Beweisgrund für die Wahrhaftigkeit dessen, was ich gelesen habe, gerade das, dass es dort keine billige Verheißung gibt. Er teilte seinen Jüngern die völlig rohe Wahrheit mit:
– Erwartet nicht! Es wird kein Reich aus dieser Welt geben! Es wird kein Sitzen zu meiner Rechten und Linken Seite geben – im Sinn von Posten bei diesem künftigen, messianischen König.
Später verleiht euch die Auferstehung die Kraft, die Kraft wird euch vom Heiligen Geist gegeben werden, dass ihr vor der Welt von diesem Gekreuzigten Zeugnis abzulegen imstande sein werdet. Allerdings es gibt keine billige Verheißung. In der Welt werdet ihr Bedrängnis erdulden.
Mich hat das sehr überzeugt, da die Menschen normalerweise die anderen mit Versprechungen anzuziehen suchen ...

... Das ist die unendliche Gabe – die Eucharistie, Christus. Es ist zugleich die zutiefst verpflichtende Gabe ..., wodurch sie uns die Kraft zum Durchringen gewährt.
– Denn so ist schon der Mensch konstruiert. Der Mensch ist stark ... aufgrund des Bewusstseins um die Ziele, mit dem Bewusstsein um die Aufgaben, mit dem Bewusstsein um die Verpflichtung – und auch mit dem Bewusstsein bezüglich dessen, dass er geliebt wird.
Demzufolge: damit ich mich durchringen kann, muss ich die Gewissheit besitzen, dass ich geliebt werde.
– Die Eucharistie – es ist vor allem eben dieses Bewusstwerden: ich werde geliebt, es liebt mich Einer. Mich, solchen wie ich es bin. ... Es liebt mich Einer, ‘Er hat mich geliebt und sich für mich dahingegeben’, wie der Hl. Paulus geschrieben hat. Er hat mich geliebt: mich, den Paul.
– Und dieser wusste es, was für Schulden er sich angesichts Dessen zugezogen hatte, der ihn geliebt hat. Jeder von uns kann das mit Bezug auf sich wiederholen, jeder von uns kann sich auf ähnliche Weise abrechnen, indem er sagt ‘Er hat mich geliebt’.
Ich würde sagen, dass diese ‘Kraft zum Durchringen’, die euch so sehr nötig ist, mit diesem Bewusstwerden beginnt, dass Er mich geliebt hat. Wenn mich jemand liebt, da bin ich stark” (Johannes Paul II., Dritte Pilgerfahrt in die Heimat, Kraków, Zusammentreffen mit Jugendlichen auf Skalka, 10.VI.1987).

Paulus konnte mit voller Bedeckung in der Wirklichkeit seines fortwährend auf Gefahr sich aussetzenden Lebens sagen: „Künftig bereite mir niemand mehr Mühe: denn ich trage die Malzeichen Jesu an meinem Leib ...” (Gal 6,17).
Nicht nur, dass sein ganzes Leben eine beständige Aussetzung auf Lebensgefahr „um Christi willen” war – infolge der Hinterhalte und Unruhen vonseiten der Heiden, bzw. umso mehr der Juden (s. z.B.. 2 Kor 11,23-28), so musste er noch wiederholt die Stirn immer neuen hinterlistigen Betätigungen und Anklagungen vonseiten vermeintlicher Jünger Christi bieten, die alles getan haben, um seine Apostolische Autorität herabzusetzen (s. z.B. 2 Kor 11,13ff.26; Phil 1,15-18; usw.).

All dessen ungeachtet schreibt derselbe Paulus, der schon so viele Male ‘um Christi willen’ im Gefängnis verhaftet war und so viele Folter um Seinetwillen zu erlitten hatte, vom Mamertinischen Gefängnis in Rom – ganz wahrscheinlich kurz vor seinem Märtyrertod (ca. 67), voller innerer Ruhe und in Empfindung seiner erfüllten Berufung als Völkerapostels:

„... Denn mein Blut soll schon zum Opfer vergossen werden, und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe.
Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten.
Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter,
an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen,
die sehnsüchtig auf sein Erscheinen warten” (2 Tim 4,6ff.).

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Erklärung

Als Paulus noch voller Kräfte war, drückte er den ihn gleichsam im Inneren leitenden Imperativ aus, das Wort Gottes zu verkünden ungeachtet des damit zusammenhängenden Risiko, das Leben auf Gefahr auszusetzen, mit folgenden Worten:

Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde! ...” (1 Kor 9,16).

Diese Worte waren in keinem Fall Zeugnis eines äußeren Zwanges, sondern Ausdruck der inneren, aus Liebe der Hingabe fließenden Bedürfnisses des Herzens, die erfahrene Gnade: des Kennenlernens Christi – mit anderen zu teilen. Von diesem Christus konnte er nur das eine sagen:

„Denn für mich ist das Leben – Christus,
und das Sterben – Gewinn” (Phil 1,21).

Paulus lebte mit dem Bewusstsein, dass Christus ihn für sich ... auf so drastische, und zugleich voller Liebe Weise – ‘erobert’ hat:

„Doch was mir damals ein Gewinn war, das habe ich um Christi willen als Verlust erkannt ...
um der unüberbietbar großen Erkenntnis Christi Jesu willen, meines Herrn.
Um seinetwillen habe ich alles preisgegeben und halte es für Dreck, um Christus zu gewinnen und in Ihm zu sein – nicht im Besitz meiner eigenen Gerechtigkeit ..., sondern jener, die aus dem Glauben an Christus kommt, der Gerechtigkeit aus Gott aufgrund des Glaubens –
Ihn will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung, und die Gemeinschaft mit seinen Leiden ...
Nicht, als hätte ich es schon ergriffen oder als wäre ich bereits vollendet,
aber ich jage ihm nach, um zu ergreifen, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin ...” (Phil 3,7-12).

Ein anderes Mal schreibt er von sich in Antwort an diese, die man niemals zufriedenstellen kann:

„... Denn waren wir von Sinnen, – so geschah es für Gott,
sind wir vernünftig – so geschieht es für euch.
– Denn die Liebe Christi drängt uns, wenn wir dies bedenken:
Einer ist für alle gestorben, also sind alle gestorben.
Und zwar ist Er für alle gestorben, damit die Lebenden nicht mehr für sich selbst leben,
sondern für den, der für sie gestorben und auferweckt worden ist ...” (2 Kor 5,13ff.).

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c. Innerer Evangelisations-Drang bei Besitzern einer Haus-Kirche

Was wir voller Verwunderung und entzückt beim Völkerapostel beobachten, erlebten nach ihrer Art jedesmalige Eheleute und ihre Hausbewohner, als ihr Haus eine ‘Haus-Kirche’ geworden war. Denn auch sie lebten in tiefstem Glauben an diesen Christus, dem sie sich „ergreifen-erobern” ließen (vgl. Phil 3,12), wie das treffend Paulus in seinem Brief an die besonders von ihm geliebte Christliche Gemeinde zu Philippi ausgedrückt hat.

Philippi war die einzige Lokal-Kirche, der es gleichsam ‘genehmigt’  war, Paulus auch materiell zu Hilfe kommen zu dürfen. Paulus hat offenbar nirgends so sehr offene und aufrichtige Herzen gefunden, wie gerade bei den Philippern – ungeachtet gerade dort erfahrenen Ungerechtes vonseiten der Römischen Machthaber (Apg 16,19-40). Allerdings die dort erfahrenen Beleidigungen und Leiden haben nur zu umso inniger gegenseitiger Verbundenheit beigetragen. Daher schrieb er an sie:

„Darum, meine geliebten Brüder, nach denen ich mich sehne,
– meine Freude und meine Krone, – steht fest im Herrn, ihr Lieben!
... Ich habe nämlich gelernt, mich mit meiner Lage abzufinden. Ich weiß arm zu sein, und ich weiß reich zu sein. In alles und jedes bin ich eingeweiht: ins Sattsein und Hungerleiden, ins Reichsein und Mangelhaben. Alles vermag ich in Dem, der mich stärkt.
– Dennoch habt ihr gut daran getan, dass ihr an meiner Bedrängnis Anteil genommen habt. Ihr wisst ja selbst, Liebe Philipper, dass ... keine Gemeinde auf Geben und Nehmen mit mir stand als ihr allein. Ihr habt mir nämlich schon nach Thessalonich das eine und andere Mal etwas zu meiner Unterstützung gesandt.
Nicht als ob ich die Gabe suchte, sondern ich suche den Gewinn, der euch daraus gutgeschrieben wird ...” (Phil 4,1.11-17).

Wenn die Jünger Christi – sei es die gerade erst Bekehrten, sei es die schon länger im Glauben an Jesus Christus Befestigten, bei den Aposteln eine so ganzheitliche Hingabe an die Evangelisation gesehen haben, braucht man sich nicht wundern, dass auch sie den Mut gefasst haben, die Gute Botschaft in dieser Umgebung zu verkünden, wo sie von Gott eingesetzt waren. Das gilt von einzelnen Jüngern Christi – wie z.B. von Apollos aus Alexandrien (Apg 18,24-28; 19,1), wie auch u.a. von Ehepaaren, die sich selbst und ihr Haus Jesus Christus anvertraut haben, indem sie zugleich ihren Raum für die entstehende Christliche Gemeinde zugänglich gemacht haben.

Zu solchen, besonders mutigen Jüngern Christi, gehörten die früher schon aufgrund der Berichte in der Apostelgeschichte von Lukas und den Apostolischen Briefen erwähnten immer andere Ehepaare – samt ihrer ‘Haus-Kirche’. Mit vielen von ihnen war u.a. Paulus mit tiefem Band der Freundschaft und Einheit im Heiligen Geist verbunden.
– Unter ihnen hat sich besonders das Ehepaar Priszilla und Aquila ausgezeichnet. Diese beiden siedelten einigermaßen auf Spuren des Paulus über, indem sie ihn begleiteten und vielerorts unterstützten – sei es in Korinth, sei es nachher in Ephesus (Apg 18,18).

Wenn Paulus am Ende seines Briefes an die Korinther, den er in Ephesus geschrieben hat [wahrscheinlich ca. 52; s. Apg 18,18], Grüße übermittelt u.a. vonseiten der beiden: Aquila und Priszilla und ihrer Haus-Kirche, muss es wohl als Zeugnis eines besonders großartigen Engagements im Evangelisationswerk gelten:

„Es grüßen euch [Ende des Ersten Briefes an die Korinther] die Gemeinden in der Provinz Asien.
Aquila und Priska – samt der Gemeinde in ihrem Haus, senden euch viele Grüße im Herrn.
Es grüßen euch alle Brüder. Grüßt einander mit dem Heiligen Kuss ...” (1 Kor 16,19f.).

Diese Zweien: Aquila mit seiner Gemahlin Priszilla, berufsmäßig Hersteller von Zelten, haben sich ganz und gar der Sache Christus gewidmet. Sie waren sich um das Risiko bewusst, auf das sie sich aussetzten, sowohl wegen der Verkündigung über Jesus Christus, wie als sie die verschiedenen Aspekte der Wahrheit der Göttlichen Offenbarung erklärt haben, wie auch indem sie ihr Haus für liturgische Zwecke bereitgestellt haben.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass sie selbst den Mut gefasst haben, sich direkt auf Lebensgefahr auszusetzen, als sie für Paulus, den Völkerapostel, ihren geliebten Meister, eingetreten waren. Es kann sein, dass sie eben in Ephesus den Märtyrertod erlitten haben, als sie Paulus bei dem Wirrwarr zu verteidigen gesucht haben, der von den Händlern der Figuren der ‘Großen Artemis von Ephesus’ ausgelöst worden ist (Apg 19,34; s. über diese Aufruhr: Apg 19,24-34. – Und auch ob.: Unerschrockenes Beispiel der Apostel und Ersten Jünger - gegen das Ende dieses Fragmentes).

Am Ende des Briefes an die Römer schreibt Paulus von Korinth aus von Priszilla und Aquila u.a. direkt:

„Grüßt Priska und Aquila, meine Mitarbeiter in Christus Jesus,
die für mich ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt haben;
nicht allein ich, sondern alle Gemeinden [bekehrten] der Heiden sind ihnen dankbar.
Grüßt auch die Gemeinde, die sich in ihrem Haus versammelt ...” (Röm 16,3ff.).

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RE-Lektüre: VII.Teil, Kapitel 2, ad ‘c’.
Stadniki, 30.VIII.2015.
Tarnów, 10.VII.2017.


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2. Wettlauf allein in Liebe
3. Lebendiges Band zu Petrus
4. Die Stellung Mariens, der Mutter der Kirche – in der ‘Haus-Kirche’
a. Die Auserwählte vor der Gründung der Welt
b. Die Mutterschaft, die Vermittlung geworden ist
c. Maria, die Mutter zu Füßen-des-Kreuzes: ‘Die Frau ...’
d. Das Zugegensein Mariens anfangs im ‘Hintergrund’
e. Mutter der Menschen in Ordnung der Gnade
f. Personales Anvertrauen an Maria: die Mutter
5. Das Liturgisch-Sakramentale Leben der Ehe und Familie
6. Das Hören und Tun des Wortes Gottes in der ‘Haus-Kirche’

D KENNZEICHEN DES ANWACHSENS DER ‘GROSS’-KIRCHE UND DER ‘HAUS-KIRCHE’
1. Aquila mit Priszilla – und Apollos 2. Tatsächliches Engagemenet in die Evangelisation
a. Unerschrockenes Beispiel der Apostel und Ersten Jünger
b. Innerlicher Drang des Saulus-Paulus zur Verkündigung des Evangeliums
c. Innerer Evangelisations-Drang bei Besitzern einer Haus-Kirche


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Abb.1. Japan, April 2011: Tsunami
Abb.2. Japan: nach dem Tsunami: April 2011. Schaden
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