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VERMERK: Abkürzungen zur angeführten Literatur s. Literatur


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F.   DIE HEILIGSTE TRINITÄT IM LEIDEN
DES SOHNES GOTTES

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1. Gott der Vater im Leiden seines Eingeborenen Sohnes

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Der Tod des Sohnes Gottes infolge der grauenhaften Martern und Kreuzigung musste für den Dreieinigen selbst zum eigenartigen Schmerz-über-alle-Schmerzen werden. Das Geschöpf wird das Geheimnis dessen, was auf seine, für das Geschöpf unzugängliche Gottes Art, die Allerheiligste Dreifaltigkeit selbst ‘erlebte’, nie ergründen können.

Wie konnte es möglich geworden sein, dass das Geschöpf zu gewisser Stunde seinen Schöpfer selbst richten konnte? Und ... Ihn dann zu Tode verurteilte: zum Tod unter raffinierten Martern?!
– Der Versuch, um über diese Tatsache nachzudenken, müsste den Menschen heißen, ins Nichts zu versinken – infolge des Gedankens allein, dass so etwas in der Geschichte des Weltalls und des Menschen tatsächlich stattgefunden hat. Allerdings: das Zerfließen in das ‘Nichts’ eines einmal empfangenen Mensch gibt es schlechterdings nicht – und wird es auch nie geben.

Was hat also bei dem Leiden des Sohnes Gottes die ganze Allerheiligste Trinität ‘erlebt’?
– Wir können nur einen menschlichen Versuch der Überlegung unternehmen über die Tiefen der Natur dieses Gottes, der Liebe – IST. Diese Liebe zu zeigen ist der Sohn Gottes gekommen. Fähig dazu war allein Er, der Sohn:

„... Niemand kennt den Sohn, nur der Vater;
und den Vater kennt niemand, nur der Sohn,
und der, dem der Sohn es offenbaren will” (Mt 11,27; s. Joh 1,18; 5,20; 7,29; usw.).

Wir haben aber außerdem noch die Gabe Christi, des Bräutigams-vom-Kreuz, empfangen: die ganz außergewöhnlich Gabe, die eingesetzt ist „... gewissermaßen in den Wunden seiner ... [Jesu] Kreuzigung” (DeV 24).

Es ist der Heilige Geist. Er aber ist das Eins-Sein des Vaters und des Sohnes – und umgekehrt. Er ‘sieht’ auch gut den Schmerz des Herzens sowohl des Vaters, wie des Sohnes, wegen der Sünde des Menschen:

„Denn uns hat es Gott durch den Geist offenbart [= Erlösung: für die, die Gott ‘lieben’].
Denn der Geist erforscht alles, sogar die Tiefen Gottes. ...
... So erkennt auch keiner, was in Gott ist, als nur der Geist Gottes.
Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott stammt,
damit wir erkennen, was uns von Gott geschenkt worden ist ...” (1 Kor 2,10ff.).

Wir müssen uns klar bewusst werden, dass die Leiden der Martern, der Kreuzigung und des Todes persönlich zwar allein der Menschgewordene Sohn Gottes: Jesus Christus – in seiner menschlichen Natur erduldet hat.
– Dennoch: die ‘Natur’ äußert ihr Tun über die Person, die Weile auf Weile die Verantwortung für alles Tun auf sich nimmt, was von den Tiefen der Natur unternommen wird.

Die Person Jesu ist nur und ausschließlich Gottes Person – nicht menschliche Person. Demzufolge steht dem Tun Jesu ein unendlicher Wert zu: als Handlungen der Zweiten Person der Allerheiligsten Trinität, obwohl sie in seiner Menschlichen Natur verrichtet worden sind. Erst so wurde die Vollbringung des Werks der Erlösung möglich.

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Erklärung

Aber: das Werk der Erlösung an sich, d.h. das Werk des bräutlichen ... Bundes Gottes mit dem Menschen, ist letztlich Werk der ganzen Allerheiligsten Dreifaltigkeit: sowohl des Vaters, wie des Sohnes-Erlösers-Bräutigams, wie auch des Heiligen Geistes.

Wir möchten nicht vom Jetztzeit erwogenen Aspekt weglaufen, der Gegenstand des jetzigen siebenten Teiles unserer WEB-Site ist. Von der Allerheiligsten Trinität und den ungemein ‘verwickelten’ Fragen im Zusammenhang mit der Tatsache, dass Jesus Christus in ZWEI, völlig separaten Naturen existiert: der Gottes Natur und des Menschen Natur, wobei Er nur eine einzige Person ist: die Gottes Person als die Zweite Person der Trinität, haben wir schon ausreichend viel so manches Mal in früheren Erwägungen gesprochen (Sie besonders z.B. im V.Teil, 5.Kapitel: Gott der Leidende-Betrübte-Erfreute; ebd., V.Teil, 4.Kapitel: Zwischen Gerechtigkeit und Barmherzigkeit; ebd., V.Teil, 1.Kapitel, der ganze Abschnitt ‘A’: A. Die Tiefe des Geheimnisses Gottes kennen lernen; usw.).

Von seinem Vater sagt einmal bündig, ganz hinreißend, Jesus selbst:

„Denn so sehr hat Gott [d.h.: der Vater] die Welt geliebt,
dass Er seinen Eingeborenen Sohn dahingegeben hat,
damit jeder, der an Ihn glaubt, nicht verloren gehe,
sondern ewiges – Leben habe” (Joh 3,16).

Sollte etwa der Vater das Leiden und die Foltern des Sohnes gewollt haben?
– Offensichtlich: NEIN. Er wollte dagegen, gemäß dem Vorhaben der Trinität, den Menschen: Mann und Frau – mit seiner bräutlichen Liebe beschenken. Dass dieser Mensch, diese Geliebte, „... nicht verloren geht, sondern das – ewige Leben hat”  (Joh 3,16).

Blutige Opfer von Menschen zur Sühne wegen der Sünden und Schmähungen, die Gott zugefügt worden sind, hat Gott niemals gewollt. Er hat das ein für allemal zu verstehen gegeben, indem Er im letzten Augenblick Abraham verhinderte, der wohl in bester Meinung seinen einzigen Sohn Isaak als Opfer zu Ehren Jahwéh darbringen wollte (Gen 22,11-18). Er „hatte bedacht, dass Gott sogar imstande ist, von den Toten zu erwecken – von wo er ihn dann auch gleichnishaft zurückerhielt” [Angleichung an den Tod und die Auferstehung Christi] (Hebr 11,19).

Allerdings derselbe Jahwéh, der auf keinen Fall auf menschliche Sühneopfer einwilligte, bringt gleichsam ohne seine Augen zusammen zu zwicken sich selbst als Sühneopfer dar für die Sünden seines treulosen Ebenbildes: Mann und Frau. Ankündungen dieses Opfers – in den damaligen Zeiten noch nicht allzu eindeutig, haben ihren charismatischen Schrifteintrag vor allem beim Deutero-Jesaja gefunden, im „Vierten Lied vom Diener Jahwéh”.
– In den vorigen Erwägungen haben wir schon ein paarmal Fragmente dieses Teiles des Propheten Jesaja angeführt.

Hier noch einmal ein paar sprechende Ausdrücke von diesem Geschriebenen-Wort-Gottes:

„... Aber unsere Krankheiten hat Er getragen,
unsere Schmerzen hat Er auf sich geladen ...
Doch wir hielten Ihn für einen Geschlagenen, den Gott getroffen und gebeugt hat.
Er wurde durchbohrt um unserer Sünden willen ...
Aber Jahwéh ließ Ihn treffen die Schuld von uns allen ...
Aber Jahwéh fand Gefallen an seinem Zerschlagenen ...
– Er rettet den, der sein Leben als Sühnopfer hingab
... und das Vorhaben Jahwéh wird durch Ihn gelingen ...
Darum will Ich ihm die Vielen als Anteil geben ...
dafür, dass Er sein Leben in den Tod dahingegeben hat ...
während Er doch die Schuld der Vielen trug und für die Sünder eintrat” (Jes 53,4-12).

Von den Äußerungen der Evangelien gehört es sich in diesem Zusammenhang die voller Zärte Worte des Vaters zum Sohn anzuführen – sowohl bei der Taufe Jesu im Jordan (z.B. Mk 1,11), wie am Berg Tabor (z.B.. Lk 9,35). Und auch von der Stunde, als die Delegation der Heiden, beinahe am Vortag seiner Passion, mit Jesus zusammentreffen wollte (Joh 12,28).

Ungemein charakteristisch sind in dieser Hinsicht jetzt, der Reihe nach, die Worte Jesu selbst von seinem Vater im Anschluss an die herannahende Hingabe des eigenen Lebens für seine menschlichen Brüder und Schwestern:

„Deshalb liebt mich der Vater, weil Ich mein Leben hingebe,
um es wieder zu nehmen.
Niemand nimmt es Mir, sondern Ich gebe es freiwillig hin.
Ich habe Vollmacht, es hinzugeben, und Ich habe Vollmacht, es wieder zu nehmen.
Diesen Auftrag habe Ich von Meinem Vater empfangen” (Joh 10,17f.).

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Mit diesem Beispiel, oder genauer: im ganzen Drama der hier dargestellten Wirklichkeit, kann der entschiedene, unmöglich miteinander zu vergleichende Gegensatz beobachtet werden des Stiles, wie Gott ‘liebt’, und was beim Bösen vorgeht: Satan.

– Satan ist unfähig, lieben zu können. Er ist un-Fähig sich-selber-‘für’ irgendjemanden dahinzugeben. Satan versteht nur zu ... verschlingen!

– Umgekehrt, Gott gibt sich selbst dahin – zur ‘Zerreißung und Verzehrung’. Gott vergießt niemals fremdes Blut. Er gibt dagegen – als Gabe der bräutlichen Liebe, sein eigenes Blut – und seinen eigenen Leib: zur Nahrung, zum Trank für die Seine, Geliebte, seine Braut!

(0,2 kB)  Wieso werden also in Schriften des Neuen Testamentes diese zwei schauderhaften, schon ein paarmal von uns angeführten Aussagen vom Vater gefunden:

„Er [= Gott der Vater], der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont,
sondern Ihn für uns alle hingegeben hat,
Wie sollte Er uns mit Ihm nicht alles schenken?” (Röm 8,32).

Und noch:

„Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht,
damit wir in Ihm Gerechtigkeit Gottes würden” (2 Kor 5,21).

Eine erschöpfende Antwort auf diese Frage wird der Mensch wohl nie erwarten können. Es ist Geheimnis der so angenommenen, folgerichtigen Liebe – der bräutlichen Liebe des Dreieinigen zum Menschen: Mann und Frau.

So ist die Gottes „hémet” : Wahrheit-Treue dem einmal dem Menschen gegebenen und versprochenen Wort, noch ganz fern „vor der Grundlegung der Welt” (Eph 1,4):


Du Meine!
Ich liebe Dich!

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Ich mache alles, dass Du
Leben
hast!
Dass Du es ... in Fülle hast!

(vgl. Joh 10,10)

Siehe da die ‘Liebe’! Die – wahre „Liebe” sein möchte!

So ist auch der Titel unserer WEB-Site:


  „Der Liebe – menschliche und Gottes Lösungen”  


Gott wird das einmal ‘gelobene’ Wort beim Eingehen des Ehe-Bundes mit dem Volk seiner Auserwählung außer Zweifel niemals zurückziehen. Unabhängig von der Würde oder Un-Würde dieser Seinen. Gott sagt nie und nimmer von seinem mit dem Menschen geschlossenen Bund, es wäre „Liebesabenteuer, zeitweiliges Erlebnis, einmalige Erfahrung”. Gott, und im Neuen Testament der Sohn des ‘Königs’, der sein Vater ist, sagt niemals, die Vereinigung mit seinem Volk wäre „zeitlich begrenztes”  Experiment, Verhältnis „auf Probe... ”, sondern Vereinigung, die „treu bleibt für die ganze Ewigkeit”  (vgl. FC 80).

In dieser Lage beginnen wir einmal mehr besser zu verstehen, wie der Stil vonseiten Gottes des ‘Liebens’ ist. Gott zieht das einmal gegebene Wort – niemals zurück. Sollte ein ähnliches Wort vonseiten des Menschen zurückgezogen werden, wird Gott, um seiner Standhaftigkeit-Unbeugsamkeit-Treue [= hebr.: hémet] willen – sofort zu seinem Erlöser. Als Erlöser legt Gott auf die Waagschale immer den höchstmöglichen Preis. Indem Liebe – die Person-Liebe ist, also in diesem Fall Gott selbst als Liebe, gibt Gott zum Lösegeld, um den Menschen von dem ihm drohenden Verlust des ewigen Lebens herauszureißen, schlechterdings sich selbst Ganzen dahin. Niemals gibt Gott für den ‘Menschen’ irgendwelche ‘Sache’. Daher das Wort Jesu:

„Ein neues Gebot gebe Ich euch: dass ihr einander liebt,
damit, wie Ich euch geliebt habe,
auch ihr einander liebt ...” (Joh 13,34).

„Größere Liebe hat niemand als die,
dass er sein Leben hingibt für seine Freunde” (Joh 15,13).

Allerdings mit diesem grundsätzlichen Unterschied in Bezug auf die Liebe vonseiten Gottes zu seiner Geliebten – zum Menschen:

„Gott aber beweist seine Liebe zu uns dadurch,
dass Christus für uns starb,
als wir noch Sünder waren ...” (Röm 5,8).

So verstehen wir besser die Worte Johannes Paul II von seinem Dives in Misericordia (1980) – über Gottes Barmherzigkeit:

„Denn wenn auch die Wirklichkeit der Erlösung
durch ihr menschliches Ausmaß die unerhörte Würde des Menschen enthüllt,
qui talem ac tantum meruit habere Redemptorem [= dem ein solcher, so großer Erlöser beschieden war],
so erlaubt uns doch zugleich das Göttliche Ausmaß der Erlösung
auf eine gleichsam unüberbietbar empirische und ‘geschichtliche Weise
die Tiefe jener Liebe zu enthüllen,
die nicht vor dem erschütternden Opfer des Sohnes zurückweicht,
um der Treue [= Gottes ‘hémet’: Treue-Standhaftigkeit-Wahrheit]
des Schöpfers und Vaters zu den Menschen gerecht zu werden,
die nach Seinem [= des Sohnes; vgl. Röm 8,29] Ebenbild erschaffen
und ‘von Anfang an’ in diesem Sohn
zur Gnade und Herrlichkeit berufen worden sind” (DiM 7d).

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2. Teilnahme des Heiligen Geistes am Leiden
des Sohnes Gottes


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Erklärung

Es gehört sich ein paar Augenblicke der Teilhabe des Heiligen Geistes am Bräutlichen Opfer des Sohnes Gottes am Kreuz zu widmen.

In den Evangelien gibt es des Öfteren Erwähnungen betreffs des Heiligen Geistes, der gleichsam ‘Hand in Hand’ Jesus Christus, die Zweite, Menschgewordene Person der Allerheiligsten Trinität, begleitet, und Ihn mit sicherer Hand zur vollen Verwirklichung des Werks führt, das Ihm zu erfüllen der Himmlische Vater aufgetragen hat.

Die Teilnahme des Heiligen Geistes am ganzen Werk der Erlösung wird ungemein tief und im Gebetsklima vor allem in der Enzyklika Johannes Paul II. Dominum et Vivificantem (1986) dargestellt.

Sollten wir eine genauere Analyse der Teilnahme des Heiligen Geistes bei der Verkündigung übergehen (Lk 1,35; Mt 1,18), wie auch bei den übrigen Ereignissen des Evangeliums der Kindheit Jesu, genügt es dass wir die aktive Präsenz des Heiligen Geistes an der Schwelle selbst der öffentlichen Tätigkeit Jesu erwähnen:

„Danach wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt,
um vom Teufel versucht zu werden ...” (Mt 4,1).

Der Heilige Geist ist für Jesus Christus Freude und Unterstützung. Man kann schwer die charakteristische Aussage bei zwei Evangelisten übergehen:

„In derselben Stunde rief Er [= Jesus; die erfreuten Apostel kommen gerade von ihrer Apostolischen Tätigkeit zurück: Lk 10,17-20] voll Freude, vom Heiligen Geist erfüllt:
‘Ich preise Dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde,
dass Du dies vor Weisen und Klugen verborgen,
Unmündigen aber offenbart hast.
Ja, Vater, so hat es Dir gefallen ...” (Lk 10,21; s. Mt 11,25).


Ganz offen offenbarte Jesus den Heiligen Geist als Person vor allem in der letzten Phase seines irdischen Lebens. Er erwähnt bei Gelegenheit immer weitere Eigenschaften und gleichsam ‘Aufgaben’, die der Heilige Geist erfüllen wird.
– Und zwar nach dem Kreuzestod Jesu, d.h. nach seinem „Weggehen” zum Vater, überreicht Er das Werk der Erlösung und die Ausspendung der Gnaden, die Er mit dem Kreuzestod verdient hat, eben dem Heiligen Geist:

„Die Erlösung, vom Sohne Gottes vollbracht in den Ausmaßen der irdischen Geschichte des Menschen – vollbracht in seinem ‘Fortgehen’ durch Kreuz und Auferstehung – wird zugleich in ihrer vollen erlösenden Kraft dem Heiligen Geist übertragen:
Er wird von dem Meinigen nehmen ...’ [Joh 16,14].
Die Worte des Johanneischen Textes weisen an, dass gemäß dem Vorhaben Gottes, das ‘Fortgehen’ Christi unerlässliche Bedingung ist für die ‘Sendung’ und das Kommen des Heiligen Geistes; sie weisen auch auf den neuen Anfang der erlösenden Mitteilung Gottes im Heiligen Geist” (DeV 11).

Wir haben ein paarmal die Worte Johannes Paul II. angeführt vom Heiligen Geist im Schoß der Allerheiligsten Trinität selbst, dass nämlich Er es ist, als Geist-Liebe-Person, der die Sünde des Menschen in das Erlösungs-Vorhaben umgestaltet :

„In Gott gestaltet der Geist-die-Liebe die ... Sache der menschlichen Sünde
in neue Beschenkung mit Erlösungs-Liebe um.
Aus Ihm [= dem Heiligen Geist], in Einheit des Vaters und des Sohnes,
wächst jene Erlösungs-Ökonomie hervor [= Vorhaben der Erlösung],
die die Geschichte des Menschen mit Gaben der Erlösung erfüllt ...” (DeV 39).


Jesus ist in gewisser Weile entschieden in die „Seine Stunde”  eingetreten (s. Joh 2,4; 12,23; 13,1). Indem Er fortwährend auf den Vater und seinen Willen hinblickt, d.i. auf das Vorhaben der Erlösung des Menschen, sollte es selbst um den höchsten Preis vollbracht werden, lässt Er sich im Rahmen der ‘Geographie des Willens des Vaters’ vom Heiligen Geist führen. Übrigens Dieser, der Heilige Geist, „kommt doch her” vom gegenseitigen Hauch des Sohnes – und des Vaters.
– Das wird deutlich im Brief an die Hebräer angedeutet:

„Christus ... ist nicht kraft des Blutes von Böcken und Kälbern, sondern kraft seines eigenen Blutes
ein für alle Mal in das Heiligtum hineingegangen und hat so eine ewige Erlösung vollbracht.
Denn wenn schon das Blut von Böcken und Stieren ... durch Besprengung die Unreinen so heiligt,
dass sie leibliche Reinheit gewinnen, um wie viel mehr wird das Blut Christi,
der sich selbst kraft des ewigen Geistes als makelloses Opfer Gott dargebracht hat
unser Gewissen von toten Werken reinigen, damit wir dem lebendigen Gott dienen ...” (Hebr 9,11-14).

Johannes Paul II. macht auf die von Jesus hervorgehobene Aufgabe des Heiligen Geistes aufmerksam hinsichtlich der „Überweisung der Leute über die Sünde, über die Gerechtigkeit und über das Gericht” (Joh 16,8; DeV 39f.). Es ist dieser Heilige Geist, der von den Wunden der Kreuzigung Christi gegeben wird „... zur Vergebung der Sünden” (Apg 10,38).

Der Heilige Geist, dessen Führung sich Jesus mit vollem Bewusstsein unterzieht, gestaltet das Menschsein Jesu um – „... in vollkommenes Opfer durch den Akt seines Todes als Brandopfers der Liebe am Kreuz” (DeV 40). Jesus bringt dieses Opfer allein dar, und zugleich „durch den Ewigen Geist. Das bedeutet, dass der Heilige Geist in besonderer Weise in dieser absoluten Selbst-Hingabe des Menschen-Sohnes mitgewirkt hat, um das Leiden in erlösende Liebe zu verwandeln” (DeV 40).

In weiterer Folge knüpft Johannes Paul II. an das „Feuer vom Himmel” an, das auf das Opfer niedergefallen ist und es verzehrte, das einst der Prophet Elias auf dem Berg Karmel dargebracht hat.
– Der Heilige Vater sieht eine weit gehende Analogie zwischen den Opfern des Alten Testamentes – und dem gegenwärtigen Opfer des Sohnes Gottes:

„... In Analogie dazu kann gesagt werden, dass der Heilige Geist das ‘Feuer vom Himmel’ ist, das in der Tiefe des Geheimnisses des Kreuzes wirkt.
Siehe, vom Vater herkommend, lenkt er das eigene Opfer des Sohnes zum Vater hin, indem Er es in das Göttliche Ausmaß der Trinitarischen Kommunion einführt.
Wenn die Sünde das Leiden hervorgebracht hat, so gewinnt jetzt der Schmerz Gottes – gerade dieses Leiden – durch den Heiligen Geist – seinen letztlichen menschlichen Ausdruck im Gekreuzigten Christus.
Siehe da das paradoxale Geheimnis der Liebe: In Christus leidet Gott, der von seinem Geschöpf zurückgewiesen wird: ‘Sie glauben nicht an Mich’ !
Und zugleich holt der Geist aus der Tiefe dieses Leidens – und indirekt: aus der Tiefe dieser Sünde, dass sie ‘nicht geglaubt haben’ – ein neues Maß der Beschenkung des Menschen und der Schöpfung von Anfang an.

In der Tiefe des Geheimnisses des Kreuzes wirkt die Liebe, die den Menschen erneut zur Teilhabe am Leben bringt, das in Gott selbst ist.
Der Heilige Geist als Liebe und Gabe dringt gleichsam in das Herz des Opfers hinein, das am Kreuz dargebracht wird. Mit Bezug auf die biblische Tradition kann gesagt werden: Er verbrennt dieses Opfer mit dem Feuer der Liebe, die den Sohn mit dem Vater in der Trinitarischen Kommunion vereint.
Indem dieses Kreuzesopfer gleichzeitig in vollem Sinn dieses Wortes eigene Tat Christi ist, ‘empfängt’ Er auch er in diesem Opfer den Heiligen Geist. Er empfängt Ihn auf solche Weise, dass Er Ihn dann – und nur Er allein zusammen mit Gott dem Vater – den Aposteln, der Kirche, der Menschheit ‘geben’ kann. Er allein ‘sendet’ Ihn vom Vater [J 15,26] ...” (DeV 41).

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3. Der Sohn Gottes im Erleben der Gabe-seiner-Selbst
am Kreuz des Bundes

Wie hat jetzt, der Reihe nach, seine Passion der Sohn Gottes und Menschen-Sohn selbst in seiner einzigen – Gottes Person erlebt?

Es ist klar: die physische Wahrnehmung der zugefügten Wunden, der Geißelung, Krönung mit Dornen – musste unvorstellbar schmerzhaft sein. Hat Jesus geschrien? Hat Er gestöhnt? Die Evangelien verhüllen seine Passion mit dem Schleier eines beinahe völligen Schweigens. Sie signalisieren nur einige, hauptsächliche Stufen der Ihm zugefügten Martern, ohne in Einzelheiten einzudringen.

Es kommt wohl unmittelbar von Petrus die Erwähnung an ein charakteristisches Detail, das schon nach der Geißelung Jesu stattgefunden hat, und zwar dass Jesus mit Stöcken auf den Kopf geschlagen wurde, dass die Dornenkröne tiefer eindringe:

„Die Soldaten führten Ihn in den Palast, das heißt in das Prätorium, hinein
und riefen die ganze Kohorte zusammen.
Dann zogen sie Ihm einen Purpurmantel an, flochten einen Dornenkranz
und setzten ihn Ihm auf.
Dann fingen sie an, Ihn zu grüßen: ‘Heil Dir, König der Juden!’.
Sie schlugen Ihn mit einem Rohr auf den Kopf, spien Ihn an,
beugten die Knie und huldigten Ihm ...” (Mk 15,16-20).

Diese Folter allein musste grauenhaft sein. Manchen Mystikern ließ Jesus Anteil haben am Schmerz eines einzelnen Dornes. Die Hl.Faustyna Kowalska hat in dieser Marter vor Schmerz beinahe sofort ihr Bewusstsein verloren (TgF 348f.759.1399).

Ob Jesus ... geschrien hat? Die Prophezeiungen sagen:
Wie ein Lamm, das man zur Schlachtbank führt,
wie ein Schaf vor dem Scherer verstummt,
so öffnete auch Er nicht seinen Mund”
(Jes 53,7; Jer 11,19).

Der Hl. Petrus übermittelt uns in seinem Ersten Brief ein Wort der Ermutigung zum Ausharren in Liebe, mit Berufung auf den Leidenden Christus:

„Als Er geschmäht wurde, schmähte Er nicht wieder;
als Er litt, drohte Er nicht, sondern überließ alles Dem, der gerecht richtet.
Er hat unsere Sünden selbst an seinem Leib auf das Holz hinaufgetragen,
damit wir, der Sünde gestorben, der Gerechtigkeit leben.
Durch seine Wunden wurdet ihr geheilt ...” (1 Petr 2,23f.).

Das Turiner Tuch ist ein durch Jahrhunderte hindurch laut sprechendes Zeugnis des Unmaßes an Foltern, die dem Sohn Gottes zugefügt wurden (s. ob.: Mit dem Blick auf Jesus Christus den Gekreuzigten – ebd. ein wenig unterhalb. vom ‘Tuch’; angeführt nach: EWIG [3-4, 1994] 6f, mit Photos). Detaillierte Analysen ließen 363 Risswunden aufzählen, die mit Peitschen mit 3 Bleikugeln mit Stacheln zugefügt wurden.

Die Juden haben gewöhnlich 40 Hiebe zufügen gelassen (Dtn 25,3; vgl. 2 Kor 11,24). Hier waren als Häscher Römische Soldaten angestellt, die die ihnen eigenen ‘Techniken’ angewandt haben, und anstelle „40x weniger eins[so haben die Juden gerechnet, um die Zahl ‘40’ nicht zu überschreiten] Hiebe, waren es im Fall Jesu 121 Schläge mit drei Endungen der Peitschen mit Doppel-Henkeln-Kugeln am Ende. Die Schläge wurden von einem Häscher kleinerer Statur ausgeführt, und einem zweiten mit größerer Körpergröße.

Dass Jesus diese Marter überlebt hat, ist großes Geheimnis! Und dass Er nach dieser entsetzenden Geißelung, zusätzlich auch schon mit der Dornenkröne auf dem Kopf, fähig war sich noch einmal vor Pilatus zu stellen (Joh 19,5), und nachher „selbst das Kreuz getragen hat” (Joh 19,17), muss außer Zweifel als Gottes Kraft angesehen werden, die dem Mensch-Sein Jesu die Kräfte vermehrte, dass Er den Kelch der Ihm zugefügten Foltern bis zum Boden trinken konnte.

Schwer zu ahnen, dass Jesus unter diesen Qualen kein Stöhnen ausgestoßen hätte. Dagegen hat Er zweifellos nicht verflucht, hat den Himmel nicht um Rache für die Übeltäter gebeten, hat auf niemanden einen Fluch geworfen. Wiewohl gerade solche Reaktionen der Verurteilten zumindest als ‘Norm’ gegolten haben. Und sie waren bei solchen Umständen auch völlig verständlich!

Die Art der Verhaltensweise Jesu die ganze Zeit hindurch der Ihm zugefügten Foltern und Niedertretung seiner menschlichen, und was erst Gottes Würde – konnte den Häschern unmöglich keine Gedanken machen. Es kann doch nicht bezweifelt werden, dass im Gewissen ebenfalls seiner Häscher, in jener „verborgensten Mitte und dem Sanktuar im Menschen, wo er allein ist mit Gott, dessen Stimme in diesem seinem Innersten zu hören ist ...” (DeV 43), die ganze Zeit hindurch unabänderlich Gott gesprochen hat. Es ist unwahrscheinlich, dass Gott den Häschern nicht eine für sie genügende Auserkenntnis gewährt hat, dass sie erfahren, worum es hier eigentlich geht.

Echo dieser Tatsache ist das Bekenntnis des Glaubens des Hauptmanns des Exekutionskommandos. Es ist dieser Soldat, der dem schon gestorbenen Jesus seine Lanze in die Seite gestoßen hat, demzufolge sofort Blut und Wasser herausgeflossen ist (Joh 19,34):

„Als der Hauptmann, der Ihm gegenüberstand, Ihn so sterben sah, sagte er:
Dieser Mensch war in Wahrheit Gottes Sohn’ ...” (Mk 15,39; sieh genauer Mt 27,54: ‘... Der Hauptmann und die, die mit ihm Jesus bewachten ...’; Lk 23,47ff.: Der Hauptmann ... und die ganze Volksmenge ... schlug sich an die Brust... und kehrte zurück ...).

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4. Der Bräutigam-vom-Kreuz
im voller Liebe Gebet des Leidens

Eines ist sicher, wenn es um die ‘Haltung’ Jesu, des Sohnes Gottes und Menschen-Sohnes – die ganze Folge hindurch der Ihm zugefügten, entsetzenden Quälereien geht. Und zwar Jesus hat ununterbrochen ... gebetet. Dies war – und ist es weiter – ganz verwundernd.

Das Gebet kann bei einer leichten Unpässlichkeit verhältnismäßig leichter verstanden werden. Aber bei starken Schmerzen, die furchtbar sind, wird irgendwelches ‘Denken’ infolge des Unmaßes der Schmerzen praktisch unmöglich gemacht. Es rechnet dann nichts anderes mehr, als nur das Ertragen der ... entsetzlichen, furchtbaren Schmerzen und die Unternahme weniger oder mehr chaotischer, hoffnungsloser Bemühungen, um den Schmerz loswerden. Der Schmerz wird stärker als der Mensch.

Indessen bringen wir uns noch einmal die Worte Johannes Paul II. zum Bewusstsein:

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Erklärung

„Jesus Christus, der Sohn Gottes – hat als Mensch – im inbrünstigen Gebet seines Leidens, dem Heiligen Geist, der sein eigenes Menschsein schon bis zur Tiefe selbst durchdrungen hat, gewährt, dass es [sein eigenes Menschsein] durch den Akt seines Todes als Brandopfers der Liebe am Kreuz, in vollkommenes Opfer umgestaltet werde ...” (DeV 40).

Das Gebet Jesu ist eine große Liebe-Kommunion mit dem Dreieinigen, der Liebe – IST. Diese Gottes Liebe ist aber zum Menschen, der in seinem Betrogensein vonseiten des Bösen die Liebe Gottes zurückweist und blindlings seinem ewigen Verlorensein entgegenstrebt – Erweis der beständigen, großen Barmherzigkeit und Gottes bräutlichen, unentwegt treuen Liebe.

Sie gibt ohne zu zögern einen schauderhaft hohen Preis zur Besinnung der Braut und ihrer Rettung vor der ihr unumgänglich drohenden ewigen Verdammnis.

Wenn also Jesus gebetet hat – und hierin besteht kein Zweifel, da hat Er daselbst ... geliebt ! Es gibt kein Gebet ohne aufrichtige Verzeihung, selbst den Feinden gegenüber. Die Evangelien führen deutlich die rührenden Worte der Verzeihung und Liebe Jesu von der Höhe des Kreuzes an (Lk 23,34. – S. ob.:  Vater, vergib ihnen ...).


Wir sind uns bewusst, dass das Herz Jesu bis zum Äußersten mit geistigem Schmerz, diesem moralischen gesättigt war – unabhängig von den entsetzenden, erfahrenen physischen Qualen.

Schmerz seines ‘Herzens’ war die empfundene Zurückweisung vonseiten derer, die Er so sehr uneigennützig geliebt hat. Diese Seine, Geliebte, Braut – hat seine Liebe völlig verschmäht. In der Verurteilung Jesu zum Kreuzestode hat sie diese Wahl gegen Ihn bestätigt – Jetztzeit, ganz so wie es schon seit der Erscheinung des Menschen auf Erden war, und wie es weiter sein wird über alle Jahrtausende, vielleicht Millionen Jahre des Existierens des lebendigen Ebenbildes Gottes angesichts des Weltalls.

Diese Wahrnehmung musste für den Sohn Gottes und Menschen-Sohn unvorstellbar tiefschneidend wirken. Jesus hat diesen ‘Herzens-Schmerz’ gleichsam ‘nicht aushalten’ können.
– So hat Er ihn in den letzten Tagen seines irdischen Lebens enthüllt, als Er bewies, dass Er „fortgehen” muss. Zugleich hat Er stark hervorgehoben, dass Er um den Preis seines „Fortganges”  den „Heiligen Geist” senden können wird:

„Gehe Ich aber [= Leiden-Tode-Kreuz], so werde Ich Ihn [den Heiligen Geist] zu euch senden.
Und wenn Er kommt, wird Er die Welt überzeugen
über die Sünde, über die Gerechtigkeit und über das Gericht.
Über die Sünde – weil sie an Mich nicht glauben ...” (Joh 16, 8f.).

Früher haben wir schon mehrmals die tiefen Worte Johannes Paul II. angeführt im Anschluss an diese Aussage Jesu und die Rolle, die der Heilige Geist bei der ‘Überführung’ des Menschen über die Sünde erfüllen wird. Es wäre gut an diese Worte noch einmal – mit eingeschärfter Aufmerksamkeit, anzuknüpfen:

„Wenn die Sünde das Leiden hervorgebracht hat, so gewinnt jetzt der Schmerz Gottes – jenes Leiden, durch den Heiligen Geist – seinen endgültigen menschlichen Ausdruck im Gekreuzigten Christus.
Siehe da das paradoxale Geheimnis der Liebe: In Christus leidet
Gott, der von seinem Geschöpf zurückgewiesen wird: ‘Sie glauben nicht an Mich’ !
– Zugleich aber holt der Geist aus der Tiefe dieses Leidens – und indirekt: aus der Tiefe dieser Sünde, dass sie nämlich ‘nicht geglaubt haben’
– ein neues Maß der Beschenkung des Menschen und der Schöpfung von Anfang an.
– In der Tiefe des Geheimnisses des Kreuzes wirkt die Liebe,
die den Menschen erneut zur Teilhabe am Leben bringt, das in Gott selbst ist ...” (DeV 41)

Bemerken wir vielleicht, dass unsere ganze Kontemplation, die sich auf Jesus in seinem Leiden sammelt, zumal auf Jesus als Er am Kreuz ausgespannt ist, Schritt um Schritt die Erlebnisse seines Göttlich-Menschlichen Herzens offenbart, das der „Feuer-Herd der Liebe”  ist? (eine der Anrufungen der Litanei zum Herzen Jesu).

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5. Treue Jesu zu der Ihm aufgetragenen schweren Sendung
... bis zum Kreuz

Voller Bewunderung, aber umso mehr des Glaubens – stellen wir fest, dass die ganze Zeit hindurch der erfahrenen entsetzenden Qualen, ‘Herr’ über die Lage weder die Schächer sind, noch jene Qualen und Schmerzen an sich, sondern Er in seinem Göttlich-Menschlichen Herzen. An diese verwundernde Tatsache haben wir schon vorher angeknüpft (s. ob.:  Völliges Bewusstsein – Herrschen über die Situation des Bräutigams-vom-Kreuz). Keine Schändung seiner Göttlich-Menschlichen Würde und kein physischer Schmerz wird ‘größer’ als Er selbst. Gerade hier, unter den grauenhaften Leiden, erscheint das eigentliche ‘Antlitz’ Jesu, des Gott-Menschen. Er ist Erlöser, weil Er Bräutigam seiner Ihn kreuzigenden Braut ... ist.

Jesus hat den so äußerst schwierigen Willen des Vaters angenommen, d.h. das Erlösungs-Vorhaben des Dreieinigen dem Menschen gegenüber, diesem lebendigen Ebenbild Gottes. Mit was für einer Fügung an gerade diesen Willen des Vaters, voller Liebe, äußerte Er das in der Zeit seiner öffentlichen Tätigkeit:

„Meine Speise ist es, den Willen Dessen zu tun,
der Mich gesandt hat, und sein Werk zu Ende zu führen” (Joh 4,34).

Eben unter diesen äußersten Umständen beginnt dieses Vorhaben zu strahlen als Gottes Barmherzigkeit dem bedrohten Menschen zugute. Wobei aber diese ‘Barmherzigkeit’ nur ‘Frucht’ ist (vgl. TgF 949) der vorher bei Gott gelebten Liebe zu diesem ‘Menschen’. Die ist aber keine andere Liebe, sondern die ... bräutliche.

Jede andere Art und Weise der ‘Liebe’ kommt überhaupt nicht in Rechnung. Diese Liebe ist beim Sohn Gottes so stark, d.h. sie ist so sehr ganz Gott-Liebe, obwohl selbstverständlich auch Mensch-Liebe: als dieser Jesus Christus, dass Er von Sekunde auf Sekunde der schauderhaften Foltern unabänderlich treu [= Gottes hémet !] bestätigt:

Von dem – EINMAL gegebenen Wort,
das Ich dem bräutlich geliebten Menschen gegeben habe,
den Ich zur Teilhabe am eigenen, Gottes Leben
und an eigener, Gottes Liebe einlade,
ziehe Ich Mich niemals zurück.

Solche ‘Liebe’ kann nur unter Brautleuten entstehen, die sich einander lieben bis zum Heroismus einer tatsächlichen Hingabe des eigenen Lebens für diesen anderen, der dieser Geliebte ist.

Erst das heißt ‘Liebe’: „Gabe der Person – für die Person” (BF 11) zu sein. Erst jetzt, in der Stunde der tatsächlichen „Niedertretung des Weizenkornes in der Erde, das scheinbar völlig abstirbt”  (vgl. Joh 12,24), erklärt sich in ganzer verwundernder Beweiskraft das Wort, das Jesus gesagt hat von seiner Haltung angesichts des Jetztzeit schon rasch nahe werdenden:
Er wurde herausgerissen aus dem Land der Lebendigen, ...
Er wurde zu Tode getroffen
(vgl. Jes 53,8).

Jesus hat nämlich mit verwunderndem Nachdruck festgestellt:

„... Ich gebe mein Leben hin, um es wieder zu nehmen.
Niemand nimmt es Mir, sondern Ich gebe es freiwillig hin.
Ich habe Vollmacht, es hinzugeben, und Ich habe Vollmacht, es wieder zu nehmen.
Diesen Auftrag habe Ich von Meinem Vater empfangen” (Joh 10,17f.).

Jesus hat vortrefflichen Bescheid gewusst – und hat es offen in Abständen wiederholt festgestellt, dass seine Sendung des „Gesandten vom Vater” – mit seiner Erhöhung auf dem Kreuz ihr Ende haben wird (Joh 3,14; 8,28; 12,32; Mk 8,31ff.; 9,30ff.; 10,32ff.).

Man könnte da fragen: Konnte sich Jesus etwa von seiner tödlich schweren Sendung zurückziehen? Selbstverständlich: – JAWOHL!
Noch bei der Gefangennahme im Ölgarten sagte Er zu Petrus, der Ihn mit dem Schwert verteidigen wollte:
Oder glaubst du nicht, Ich könnte meinen Vater bitten und Er würde mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel zur Seite stellen? Wie aber würde dann die Schrift erfüllt, dass es so geschehen muss?” (Mt 26,52ff.).

Es kann hier, selbstverständlich, keine Rede sein von irgendeinem blinden ‘Fatum’, dem einer willenslos unterliegen sollte, und auf den Jesus keinen Einfluss ausüben könnte. Jesus will schlechterdings dem Ihm vom Himmlischen Vater aufgetragten Werk treu bleiben: der Offenbarung Gottes als Wahrheit-Treue in seiner Liebe, die ganz Bund ist.
– Allerdings dieser Bund ist anspruchsvoll: er wendet sich doch an den freien Willen des Geschöpfes seiner Vorliebe: den Menschen.

So zieht sich auch Jesus von der Verkündung der Wahrheit der Offenbarung nicht zurück, auch wenn Er vortrefflichen Bescheid weiß, dass sowohl seine Worte, wie seine Taten, einem heftigen Widerstand Stand halten müssen, der in Kürze zu seinem „Ausreißen aus dem Land der Lebendigen”  führen wird (Jes 53,8).
– Beweggrund, um das ‘Selbst’ zu bleiben und in der Erfüllung der Ihm aufgetragenen undankbaren Sendung zu verharren, ist die Treue-in-Liebe: sowohl zum Vater, wie auch seiner bräutlich Geliebten, der Er den Weg zum „Haus des Vaters” (vgl. Joh 14,2f.) zu bahnen gekommen ist.

Anders gesagt: Jesus wird in keinem Fall nach Foltern ‘suchen’ ! Diese werden Ihm aber zugefügt! Er hat sich nicht selber um das Leben gebracht. Er wurde dagegen verurteilt, gemartert, getötet.

Allerdings es bleibt Tatsache, dass sich Jesus mit seiner Sendung des Sohnes Gottes unter solchen Umständen gefunden hat, und wurde im Prinzip provoziert, die Wahrheit der Offenbarung auf solche Art und Weise auszudrücken, die für die Zuhörer dieses Wortes Gottes schockierend war.
– Anderseits aber, Jesus konnte nicht anders sprechen, als nur eben als Zweite Person der Allerheiligsten Trinität. Das hat die Zuhörer entrüstet, dagegen bei den religiösen Führern: den Pharisäern und Saduzäern, bei den Schriftgelehrten, hat solche Redeweise gewaltige Reaktionen und Anklage Jesu wegen Blasphemien ausgelöst.

Es muss aber auch mit aller Aufrichtigkeit angesichts der Wahrheit dazugesagt werden, dass es der führenden geistigen Sphäre des damaligen Israels im geringsten Maß um Suche nach Wahrheit der Offenbarung ging. Sie haben dagegen verbissen den eigenen sozial-politischen ‘Status’ verteidigt, auch wenn es grundsätzlich in Hülle des stark manipulierten Wortes Gottes der bisherigen Heiligen Schrift geschah.

An der Quelle der Tatsache, dass Jesus sich vor Leiden und Tod nicht gedrückt hat, auch wenn es offenbar in seiner Macht lag, lag und liegt weiter seine Trinitarische, und zugleich Göttlich-Menschliche Liebe zu seiner Braut. Zu dieser, die Ihm zurzeit so grausame Marter zufügt. Mit der – mit Tat, selbst unter so grauenhaften Umständen erwiesenen Liebe-Gabe, sammelt Jesus seine Aufmerksamkeit dauernd nur auf dieser Geliebten, die Ihm „nicht geglaubt hat” (vgl. Joh 16,9) – und von Satan betrogen, Ihn ermordet hat.

Er aber liebt sie weiter! Er beweist es mit der Tatsache, dass Ihm niemand das Leben ‘nimmt’. Selbst diejenige nicht, die Ihn in dieser Stunde töten. Jesus bleibt auch in diesem Bereich ‘Herr’ über die Lage: Er gibt sein Leben freiwillig – als Gabe hin: seinen Leib und sein Blut bis zu ihrem völligen Verguss in der Stunde, wenn seine Seite mit der Lanze durchbohrt worden wird – kurz nach seinem Tod (Joh 19,34).

Das lebendigste, von Tiefen seines Wesens als Gottes und Menschen sprudelnde ‘Verlangen’: „Ich habe Durst” (Joh 19,28) sammelte sich außer Zweifel auf seinem Willen, der nur nach dem einem ‘verlangte’: dass diese Seine, diese Geliebte, die Braut, so betört – nicht verloren geht, sondern das ewige – Leben hat!
– Und dass dem Vater die Freude bereitet werden kann, wenn Er auch dieses „Schaf” zu Ihm herbeiführt. Dass auch dieses Schaf dort findet, „wo auch Ich bin”  (Joh 14,3; 17,24).

Wir lesen also diese Worte noch einmal ab. Wir sehen in ihnen schon Jesus den Verherrlichten – in seiner „Erhöhung-auf-dem-Kreuz”. Hier, in dieser Position, indem Er zwischen Himmel und Erde aufgehängt ist, „... zieht Jesus-der-Bräutigam alle an sich”  (vgl. Joh 12,32):

„... Niemand nimmt es Mir [das Leben], sondern Ich gebe es freiwillig hin.
Ich habe Vollmacht, es hinzugeben,
und Ich habe Vollmacht, es wieder zu nehmen ...” (Joh 10,17f.).

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G.   HOCHZEITSMAHL JESU
DES GOTTES BRÄUTIGAMS-VOM-KREUZ

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1. Beharrlich bestätigter Status des ‘Bräutigams’

Es gehört sich jetzt, gegen das Ende der Betrachtungen über Jesus, den: Messias, Gottes Lamm, Bräutigam-vom-Kreuz, als Er „gegeißelt, mit Dornen gekrönt wird, als Er an das Kreuz genagelt wird und auf ihm unter grauenhaften Qualen den Geist übergibt(DiM 7f.), noch einmal den immer wieder beiseite geschobenen, und doch in Gottes Vorhaben gleichsam prioritär zugengenden Aspekt zu unternehmen: des Geheimnisses des Kreuzes als Hochzeitsmahls, das ausgerichtet worden ist gelegentlich des in dieser Stunde geschlossenen bräutlichen Bundes des Sohnes Gottes mit der Braut: der Kirche – und jedem der Erlösten.

Zweifelsohne, solcher Gedanke selbst: sich zu freuen, wenn jemand „unter grauenhaften Qualen” stirbt – kann als Erweis entarteter Psyche lauten. Mit Bezug aber auf den Sohn Gottes in seinem Sterben am Kreuz scheint ein solcher Gedanke selbst als etwas in höchstem Grad Unangebrachtes, wenn nicht als Blasphemie zu sein.
– Wir möchten aber auch in dieser Hinsicht die Erwägungsanregungen unternehmen, die unabänderlich von Jesus selbst vorgeschoben werden.

Einmal mehr werden wir uns also bewusst, dass Jesus, der Sohn Gottes und zugleich Menschen-Sohn – allzu gut gewusst hat, was Er sagt und lehrt. Seine wiederholt aufgegriffenen Anknüpfungen und Gleichnisse-Allegorien von Mahlfesten, zumal vom Hochzeitsmahl, das der König seinem Sohn ausgerichtet hat (Mt 22,1-11), und dabei seine Anwesenheit am Hochzeitsfest in Kana in Galiläa an der Schwelle der öffentlichen Tätigkeit (Joh 2,1-11), seine unzweideutige Aussagen vom Hochzeitszug der Jungfrauen, die auf den Jungen Mann, den Bräutigam gewartet haben (Mt 25,1-12), die völlige Annahme der prophetischen Aussagen Johannes des Täufers von Ihm als dem Messias-Lamm und Bräutigam, und endlich die Präsentation seiner Selbst als des Jungen Ehemanns (Mk 2,18-20; im Bericht des Markus spricht Jesus in diesen zwei Sätzen bis 3x von sich als dem ‘Jungen Bräutigam-Ehemann’) – können nicht als Worte anerkannt werden, die ‘in den Wind’ geredet worden sind.

Mit umso mehr hervorragend religiösem Hochzeits-Merkmal, bei aller Feierlichkeit der sich hier ereignenden Geheimnisse, hat sich die Versammlung der allernächsten Jünger noch einmal vor seinem Leiden selbst – wohl samt mehreren Frauen und seiner Mutter Maria – zum „Letzten Abendmahl” ausgezeichnet. Es wurde ungemein feierlich vorbereitet. Alles geschah in Stimmung des Jüdischen Pascha, und zugleich des Pascha des Neuen und Ewigen Bundes, dessen Inauguration Jesus bei diesem Festmahl um einen ganzen Tag vorgegriffen hat – mit Einsetzung der Eucharistie und des Priestertums.

Freilich, die Apostel waren nicht imstande, der Tiefe der Geheimnisse, deren sie fortwährend Zeugen waren, Schritt zu halten und ihnen nachzukommen. Sie werden sie erst nach der vollbrachten Erlösung tiefer verstehen: nach dem Tod des Meisters, nach seiner Auferstehung, Himmelfahrt, und vor allem nach der Sendung des Heiligen Geistes, den ihnen Jesus der Auferstandene bringt „in den Wunden seiner Kreuzigung und Ihn ihnen gibt ‘zur Vergebung der Sünden’ ...” (DeV 40; ebd., 24). Er wird es sein, der Heilige Geist, der die Jünger Christi „... erinnern”  wird „an alles, was Ich euch gesagt habe” (Joh 14,26) und der „euch zur vollen Wahrheit führen wird ...” (Joh 16,13).

Wenn Jesus beim Letzten Abendmahl so feierlich und nachdrucksvoll festgestellt hat: „Ich habe mich sehr danach gesehnt, vor Meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen ...” (Lk 22,15), musste Er bei diesen Worten ganz strahlend aussehen, dass Er diese so sehr ersehnte Stunde Jetztzeit endlich erwartet hat. Es geht hier um diese zwar erwartete, aber schaudererregende, auch wenn zugleich hinreißende Stunde: die Krönung der Sendung, die Ihm der Himmlische Vater zu erfüllen aufgetragen hat: der König – seinem Königs-Sohn.


In Berichten des Matthäus und Lukas vom Letzten Abendmahl bemerkt man wiederholt u.a. Worte der „Danksagung”  [griech., als Verb: eucharisteín], die in dieser Stunde gewöhnlich zu Gott erhoben wurde (Lk 22,19; Mk 14,23; Mt 16,27). Aus diesem Grund wurde die theologische Bezeichnung geformt: Eucharistie, d.h. Sakrament der Danksagung.

Spricht Jesus von ‘Danksagung’, bedeutet das, dass bei ganzem Bewusstbleiben, dass in wenigen Stunden die grauenvolle Passion anfängt, in seinem Herzen Frieden und Freude herrscht.
– Es ist Freude wegen des erfüllten Zieles seiner Ankunft in die Welt.
– Es ist zugleich umso größere Freude, weil Jesus in dieser Stunde den Neuen und Ewigen Bund „zur Vergebung der Sünden” einsetzt (LK 22,20; vgl. Mt 26,28; Mk 14,24; Hebr 13,20).

Dieser Bund ist – kraft allein seines Lautworts, Akt des Ehe-Konsensus des Sohnes Gottes als des Bräutigams-vom-Kreuz – mit der Braut, die Er in dieser Stunde, als ihr Erlöser, zur Ehebraut annimmt. Jede andere Art irgendeines ‘Bundes’ zwischen Gott und dem Menschen: Mann und Frau, kann nicht in Rechnung kommen.

Einmal mehr müssten wir uns zur Erinnerung bringen: wir wenden dauernd die Sprache der ‘Analogie’  an: der Ähnlichkeit-in-Un-Ähnlichkeit. Wir suchen danach, in menschlicher Sprache das auszudrücken, was und wie mit dieser Bezeichnung Gott selbst versteht.
– Es gibt hier keine irgendwelche Rede von Sexualität. Es gilt dagegen von Ganzheitlichkeit Gottes in seiner Hingabe an den Menschen: eine so ganzheitliche und so starke Hingabe, dass die nächst liegende Abspiegelung ihrer Wahrheit in menschlicher Sprachweise die Wirklichkeit des „Zwei-in-einem-Fleisch” darstellt, wie sie Mann und Frau in ihrer ehelichen Hingabe verbindet.

Selbst auch Jesus bringt in diesen ‘ehelichen’ Bund die Mitgift hinein. So kommt Er daselbst seiner Geliebten, seiner ‘Ehe-Frau’ zuvor.
– Und zwar Er selbst wird für sie die Mitgift : die allerteuerste von allem Möglichen. Er gibt nämlich für sie seinen Leib zur Nahrung, sein Blut zum Trank des Lebens – des ewigen Lebens. Sie bringt in diesen ‘ehelichen Bund’ wörtlichst nichts hinein – außer ihrer totalen Unwürdigkeit. Aber auch ihren Willen, diesen ehelichen Bund vom Bräutigam-vom-Kreuz ... anzunehmen.

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2. Hochzeits-Freude um die Stunde der Verherrlichung
des Bräutigams-vom-Kreuz

Gerade diese Hinsicht: der beim Letzten Abendmahl gegründeten Eucharistie, des unblutigen Opfers dessen, was am nächsten Tag blutig vollbracht werden wird durch das Leiden und die Kreuzigung des Sohnes Gottes: des Bräutigams-vom-Kreuz, ist – im Gottes Ausmaß dieses sich hier ereignenden Geheimnisses des Glaubens – ein einziger großer Grund zur Hochzeitsfreude: im Himmel und auf Erden.

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Erklärung

Denken wir nach dem Vorhaben der Allerheiligsten Trinität, frohlockt der ganze Himmel infolge des im Kreuzestod des Sohnes Gottes eingegangenen Bundes. Zwar ist die Tatsache allein der Menschwerdung des Sohnes Gottes, und nachher ihrer Ergänzung im Geheimnis der Erlösung, die in seinem Blut am Kreuz vollbracht worden ist – etwas das kühnste Denken über Gott so sehr überragendes, dass Johannes Paul II. in seiner Apostolischen Bulle Aperite Portas Redemptori (1982) schreiben wird:

„Wahrhaft, die alle, die die Göttliche Erwählung beantwortet haben zum Gehorsam an Jesus Christus, zur Abwaschung mit seinem Blut und Teilhabe an seiner Auferstehung, glauben,
dass die Erlösung von der Knechtschaft der Sünde Erfüllung der ganzen Offenbarung Gottes darstellt, weil es in ihr zur Wirklichkeit geworden ist, was kein Geschöpf je hätte denken noch tun können,
– nämlich dass Gott der Unsterbliche sich für den Menschen in Christus als Opfer am Kreuz dargebracht hat und dass die sterbliche Menschheit in Ihm auferstanden ist.
– Sie alle glauben, dass die Erlösung die höchste Erhebung des Menschen bedeutet, weil sie es bewirkt, dass er dazu für die Sünde stirbt, um Teilnehmer am Leben Gottes selbst zu werden ...” (APR 10).

Indem aber das, was so sehr unwahrscheinlich war, Wirklichkeit geworden ist, bleibt die Freude des Himmels und der Erde. Von da her die Freude, die den Hirten in Betlehem von Engeln verkündet worden war (Lk 2,10), wie auch die Freude, von der Jesus Christus selbst berichtet:

„... Ich sage euch: Ebenso wird im Himmel
mehr Freude sein über einen Sünder,
der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte,
die der Umkehr nicht bedürfen” (Lk 15,7).

Im vorigen Teil haben wir bündig das Bild des Geschriebenen-Wortes-Gottes angeführt über die Hochzeit des Lammes mit seiner Braut, die sich wie zur Hochzeit geschmückt hat (s. ob.:  Das Bild der Braut des Gottes BRÄUTIGAMS im Buch der Offenbarung).

Der ganze Himmel und die Erde sind sich bewusst, wie der Preis jener ‘Hochzeit’ war und ist. Bräutigam, der diesen Ehebund eingeht, ist der Sohn Gottes Jesus Christus:
Die Wurzel und der Stamm Davids ...” (Offb 22,16; 5,5), „der Treue Zeuge, ... der uns liebt und uns durch sein Blut von unseren Sünden erlöst hat” (Offb 1,5) und erlaubte, dass wir unsere „... Gewänder gewaschen ... und im Blut des Lammes weiß gemacht haben” (vgl. Offb 7,14).


Die Freude der Jetztzeit erlebten Hochzeit des ‘Lammes’ umwandelt sich einmal in ewige Freude. Ganz kurz vor dem Hohepriesterlichem Gebet erinnert Jesus an die Lage einer Frau, einer Mutter, die die Zeit erfährt, bevor sie ihr Kind zur Welt bringt. Jesus spricht von ihren Schmerzen, aber auch von der Freude, die die Frau nach der Geburt des Kindes zu erleben hat.

Ein Bild, das gleichsam vom Mittelpunkt selbst des ‘Lebens’ einer Ehe-Familie geschöpft wird. Und doch, Jesus spricht auch dieses Mal ... von sich! Hier seine Worte:

„Wenn die Frau gebären soll, ist sie traurig, weil ‘ihre Stunde’ gekommen ist.
Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Bedrängnis
vor Freude darüber, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist.
Auch ihr seid jetzt traurig. Aber Ich werde euch wiedersehen.
Da wird sich euer Herz freuen, und eure Freude nimmt euch niemand weg” (Joh 16,21f.).

Es könnte den Anschein haben, dass Jesus, wie üblich, von sich nur beiläufig spricht. Und doch, diese kurze Aussage ist voller unmittelbarer Anknüpfungen an die Stufen seines eigenen Lebens und seiner Erlösungs-Sendung!

Mit dramatischem Inhalt geschwollen ist die scheinbar spontan im Zusammenhang mit der gebärenden Frau sich aufdrängende Erwähnung vom Kommen „ihrer Stunde”. Indessen es besteht kein Zweifel, dass Jesus hier unter dem Bild der gebärenden ‘Frau’ und ‘ihrer Stunde’ – von sich selbst spricht. Und dass die in diesem Zusammenhang verwandte Bezeichnung von „ihrer Stunde” die präzise Bestätigung der scharfen Zäsur darstellt, die nach seinen eigenen, immer häufiger wiederholten Aussagen, sein Leben in zwei ungleiche Abschnitte teilt:

„Meine Stunde ist noch nicht gekommen” (Joh 2,4)

In gewisser Weile ändert Jesus entschieden den Klang seiner bisherigen Aussagen und präzisiert:

„Die Stunde ist gekommen,
dass der Menschen-Sohn verherrlicht wird” (Joh 12,24; vgl. 13,1).

Jesus heißt als „Stunde der Verherrlichung” die Stunde der Vermählung des Menschen-Sohnes, für den der König das Hochzeitsmahl ausgerichtet hat. Um diese Stunde verherrlicht der Vater, der König – seinen Eingeborenen Sohn, den Er „hingegeben hat, dass jeder, der an Ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat”  (Joh 3,16). Diese Stunde wird zu seiner Verherrlichung angesichts des Kosmos – und der ganzen Menschen-Familie: Mann und Frau.

Zu dieser Stunde wird die Stunde des Leidens, Sterbens und Todes Jesu am Kreuz. Es wird die Stunde sein, in der der Dreieinige – im Sohn Gottes als dem Bräutigam-vom-Kreuz – den Neuen und Ewigen Bund mit der Menschen-Familie, vertretet durch die Kirche, seine Braut, eingehen wird.

Hier auch, am Kreuz, geht das weitere Wort Jesu in Erfüllung, das Er kurz vor dem Letzten Abendmahl gesagt hat:

„Und Ich, wenn Ich über die Erde erhöht bin,
werde alle zu Mir ziehen” (Joh 12,32).

Wir sehen, dass alles, was nur Jesus sagt und tut, zum Geflecht einer verwundernden Gänze wird, in der es kein einziges Wort gibt, das ‘in den Wind’ geworfen wäre.

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3. Trauer die sich in Freude umwandelt

Damit sind wir aber noch nicht am Ende. In der gerade angeführten kurzen Aussage Jesu, die Johannes der Evangelist kennzeichnend zwischen dem Letzten Abendmahl und dem Hohepriesterlichen Gebet Jesu setzt, d.h. dem Ölgarten und der tatsächlichen Passion des Sohnes Gottes, erwähnt Jesus zweimal die ‘Trauer’ :
– Es ist die die Trauer der Frau, „... weil ihre Stunde gekommen ist” (Joh 16,21).
– Jesus fügt aber hinzu, dass die Frau, die Mutter, nach der Geburt nicht mehr an die ‘Trauer und Bedrängnis denkt’ – „vor Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist” (Joh 16,21).

Im nächsten Satz wendet Jesus selbst die angeführte Analogie sowohl der ‘Trauer’, wie der ‘Freude’ – auf sich selbst und seine Jünger an:

„Auch ihr seid jetzt traurig ...” (Joh 16,22).

Wir können unmöglich diese Jesu Aussage von der Stunde kurz vor Beginn seines Leidens nicht damit zusammenknüpfen, was Jesus selbst von sich gesagt hat, als Er seine Jünger vor den voller Ärgernis Jüngern Johannes des Täufers verteidigte wegen des nicht gehaltenen ‘Fastens’.
– Merkwürdig, dass Jesus in diesem Zusammenhang von sich selbst sehr eindeutig als dem Jungen Mann, dem Bräutigam – der Hochzeitsfeier spricht:

„Können die Hochzeitsgäste trauern [bei Markus und Lukas steht an dieser Stelle: ‘fasten’: Lk 5,34; Mk 2,19],
solange der Bräutigam mit ihnen ist?
Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein.
Dann werden sie fasten” (Mt 9,15).

Diese Worte stellen den besten, völlig treffenden Kommentar zu diesem Aspekt dar, der hier gerade erörtert wird.

An diese Hinsicht knüpft auch deutlich Johannes Paul II. in seinem Brief an die Familien an (BF 11).

Einerseits bleiben wir angesichts der Qualen Jesu stehen: in seinem Leiden und seiner Kreuzigung, was selbstverständlich nicht nur ‘Trauer’ bringt, sondern auch wirklichen, unvorstellbaren ‘Schmerz’ bedeutet.
Anderseits wird Frucht gerade dieser Qual der Kreuzigung, die in höchstmöglicher Liebe als Gabe seiner Selbst für die sündige Geliebte erduldet und erlebt wird – die Erlösung. Diese Frucht ist der Neue und Ewige Bund Gottes mit der Menschen-Familie, der Mystischen Braut des Lammes.

Die Tatsache der Erlösung um so unwahrscheinlichen Preis reißt aus dem voller Dankbarkeit Herzen – die Reue und Demut hervor, aber zugleich umso mehr Freude: den ungestümen Gesang des hochzeitsgestimmten „Halleluja” (Offb 19,3-9). Denn: die Braut, also die Kirche, und in ihr ausnahmslos jeder Erlöste, wir alle wurden zur Mystischen Vermählung eingeladen der Vereinigung des Bräutigams-vom-Kreuz mit uns.

In dieser Vermählung vereinigt sich der Sohn des Königs, Jesus Christus, das Lamm und zugleich der Bräutigam-vom-Kreuz, mit uns so zuengst, dass wir aus Gottes Gabe ein eigenartiges, auf Gottes Art begriffenes Zwei-zu-einem-Fleisch werden.
– In dieser restlosen Hingabe ernährt uns Jesus-der-Bräutigam als die über das eigene Leben Geliebte Braut – mit seinem Leib, und tränkt uns mit seinem Blut: dem Preis des ewigen – Lebens.

Siehe da die Hochzeit des Lammes-am-Kreuz, des Erlösers-vom-Kreuz ! Demzufolge gibt es hier – aus diesem Grund, keinen Platz für ‘Trauer’, für ‘Schmerz’ und Tränen. Es bleibt die Freude der Dankbarkeit wegen der vollbrachten Erlösung, die uns ‘ganz umsonst’  geschenkt worden ist:

„Auch euch, die ihr tot ward infolge euerer Vergehen,
und weil euer Leib ‘unbeschnitten’ war,
euch hat Er zusammen mit Ihm [mit Jesus] lebendig gemacht
und uns alle Vergehen verziehen.
Er hat den uns belastenden Schuldschein mit seinen Forderungen gelöscht und beseitigt
[es geht hier wahrscheinlich um die Sünde, die zusammen mit Christus ans Kreuz angenagelt wurde],
indem Er ihn ans Kreuz nagelte ...” (Kol 2,13f.).

„Wir waren von Natur aus Kinder des Zorns, wie die anderen auch.
Gott aber, der reich an Barmherzigkeit ist,
hat um seiner vielen Liebe willen, mit der Er uns liebte,
auch uns, die wir tot waren durch Übertretungen,
mit Christus zusammen lebendig gemacht.
Aus Gnade seid ihr gerettet” (Eph 2,3ff.).

„Denn alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren.
Ohne es verdient zu haben, werden sie gerecht dank seiner Gnade,
durch die Erlösung in Christus Jesus.
Ihn hat Gott öffentlich hingestellt,
um Sühne zu schaffen im Glauben durch sein Blut,
zum Erweis seiner Gerechtigkeit ” (Röm 3,23ff.).

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4. Freude um die Gewissheit der gewonnenen Erlösung

Wir sind uns bewusst, wie unvorstellbar viel Gott selbst, im Sohn Gottes Jesus Christus, unsere Erlösung ‘gekostet’ hat. Sie wurde gleichbedeutend mit der Vermählung im Neuen und Ewigen Bund – Gottes mit der Menschen-Familie.

Aber auch gerade dieses Bewusstsein: dass die Erlösung uns „umsonst” (Eph 2,8) zuteil geworden ist, und doch um einen Preis, den kein irgendwelches Geschöpf zu begreifen imstande ist, weckt im Herzen der Mystischen Braut des Gottes Lammes – bei ganzer Empfindung um die eigene Unwürdigkeit und Befleckung mit fortwährend wiederholt begangenen Sünden, das Gefühl von Faszination und freudevoller Dankbarkeit.
– In Jesus Christus, dem Sohn Gottes, bietet der Dreieinige selbst jedem Menschen: Mann und Frau, gleichsam immer wieder von neuem den ‘Vermählungs-Ring’. Zu gleicher Zeit stärkt er ihn, dass er von nun an tatsächlich in Treue zum Bräutigam-vom-Kreuz verharrt, wie auch Er unbeugsam in Wahrheit-Treue währt.

Als „treuer Zeuge, ... der uns liebt und uns durch sein Blut von unseren Sünden erlöst” hat (Offb 1,5), hat der Sohn Gottes Jesus Christus am Kreuz die Ganzheitlichkeit der Hingabe seiner Selbst an seine Mystische Braut „bis zum Ende”  vollbracht (Joh 13,1). Es ist die von Ihm gegründete Kirche, und in ihr jeder einzelne seiner menschlichen Brüder und Schwestern – ab der Erscheinung des ersten Menschen auf Erden bis zu diesem letzten vor der Beendung der ‘Zeiten’.

Die Gabe seiner Selbst am Kreuz wurde von Gottes Seiten gleichbedeutend mit dem geschlossenen und mit eigenem Blut des Sohnes Gottes besiegelten – Neuen und Ewigen Bund zwischen Gott und dem Menschen.
– Ein anderer ‘Name’ desselben Bundes ist die Bezeichnung: des in dieser Stunde zum Ausdruck gebrachten Ehe-Konsensus zu dieser Vermählung – im religiös-rechtlichen Sinn.

Gott verhält sich zum Geschöpf seiner Vorliebe: Mann und Frau, seinem lebendigen Ebenbild angesichts des Kosmos, von Anfang an auf bräutliche Art und Weise – in Gottes Sinn dieses Wortes. Der Sohn Gottes wird seinen, dort – am Kreuz, geäußerten Konsensus für diesen Bund niemals zurückziehen. Auch dann nicht, wenn diese Seine, Geliebte, Ihn weiterhin verraten wird, indem sie sich ... dem Bösen hingibt.

Der Bräutigam-vom-Kreuz wird immer geduldig und mit seiner ganzen Gottes Demut warten – jederzeitig bereit, ihren Verrat zu verzeihen. Er wird immer bereit sein, seine Geliebte von neuem zur Teilhabe an seinem Gottes Leben und seiner Gottes Liebe anzunehmen, wenn diese nur die Herzensreue wegen der begangenen Sünden und des Verrates der gegenseitig ‘gelobenen’ Liebe äußert.

Johannes Paul II. bemerkt im Endteil seiner Enzyklika über die Barmherzigkeit Gottes, dass ähnlich wie jede andere Eigenschaft Gottes unendlich ist, so ist auch die Barmherzigkeit bei Gott unendlich.
– Zu ihrem Grundboden wird der unendliche Wert des Opfers des Sohnes Gottes am Kreuz. Demzufolge gibt es keine Sünde, die gleichsam ‘größer’ wäre als die ‘Möglichkeiten’ der Barmherzigkeit Gottes. Hier die Worte des Heiligen Vaters:

„Das Erbarmen als solches ist als Vollkommenheit des unendlichen Gottes auch selbst unendlich.

(0,2 kB)  Unendlich und unerschöpflich ist daher die Bereitschaft des Vaters, die verlorenen Söhne aufzunehmen, die zu seinem Hause zurückkehren.
(0,2 kB)  Unendlich ist die Bereitschaft und die Macht der Vergebung, die unablässig aus dem unaussprechlichen Wert des Opfers des Sohnes hervorgeht.
(0,3 kB)  Keine menschliche Sünde kann diese Macht überhöhen, noch kann sie sie beschränken.

Vonseiten des Menschen kann sie nur mit dem Mangel an gutem Willen, Mangel an Bereitschaft zur Bekehrung,
Mangel an Buße, Verharren im Widerstand und Widerspruch gegen die Gnade und Wahrheit einschränken,
besonders angesichts des Zeugnisses des Kreuzes und der Auferstehung Christi” (DiM 13).

Sollte die Überzeugung, die für jeden Menschen zum nicht versiegenden Quell der Gewissheit wird, dass es für den Bräutigam-vom-Kreuz selbst keine größere Freude gibt, als wenn Er für den nächsten Sünder: seine vielleicht schon ganz und gar befleckte, höchsten Abscheu weckende Braut – sich einmal mehr als Erlöser und gerade Bräutigam-vom-Kreuz (vgl. TgF 378) erweisen kann – nicht etwa die Grundlage für Freude schaffen wegen der neuerlich errungenen Frucht des Blutes dieses Sohnes Gottes, des Bräutigams-vom-Kreuz?

Es ist dieses Lamm-Gottes, dieser Bräutigam-vom-Kreuz, der von sich durch Johannes den Apostel im Buch der Offenbarung gesagt hat:

„... Fürchte dich nicht! Ich bin es, der Erste und der Letzte – und der Lebendige.
Ein Toter bin Ich gewesen, doch bin Ich Lebendig in alle Ewigkeit
und habe die Schlüssel des Todes und der Unterwelt ...” (Offb 1,17f.).

Und noch:

„Schreibe!
Selig, die zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen sind’ ...” (Offb 19,9).

In diesem Sinn wurde das erschütternde und schaudererregende Geheimnis des Leidens und der Kreuzigung des Sohnes Gottes am Kalvarienberg, das möglich geworden ist einzig als Gabe vonseiten des Himmlischen Vaters für die ganze Menschen-Familie: Mann und Frau, die Gott „von Anfang an” mit bräutlicher Liebe geliebt hat und mit denen Er in seinem Eingeborenen Sohn den Neuen und Ewigen Bräutlichen Bund eingegangen ist – vom Gesichtspunkt des Menschen Grundlage für eine mit nichts getrübte, übernatürliche Freude.

Gott selbst hat sich mit der von Ihm gegründeten Kirche vermählt! Jesus Christus schaut auf seine Kirche – darin auch auf mich, mit dem Blick des Bräutigams-vom-Kreuz.

Als sein Bruder oder Schwester, mit dem sich Jesus Christus – wie mit jedem Menschen – „durch seine Menschwerdung irgendwie vereinigt hat” (GS 22), kann ich auf Ihn immer zählen und Ihm mich selbst anvertrauen „im Leben, im Sterben, und auf alles, was nach dem Tod folgt” (s. ob.:  Tägliche Erneuerung des Anvertrauens an Gottes Barmherzigkeit).

Umso mehr hinreißende Wirklichkeit wird die Tatsache des Bräutlichen Bundes, den Jesus Christus mit seiner Braut, der Kirche, und daselbst mit jedem-der-Erlösten eingegangen ist, wenn es die beiden Ehegatten angehen wird, die kraft des empfangenen Sakramentes der Ehe – ‘Kirche-in-Miniatur’ geworden sind.

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5. Der Bräutigam-vom-Kreuz im unaufhörlichen Gebet
der Vergebung und Gnade

Es bleibt uns noch einmal unseren Blick auf Jesus den Gekreuzigten zu richten. Es kann keinen Zweifel geben, dass Jesus das volle Bewusstsein beibehalten hat, dass Er durch sein Leiden und die Kreuzigung den Bund mit der Menschen-Familie – und einem jeden einzelnen der Menschen besiegelt.

Er war sich als Gott und Mensch vollbewusst, dass Er am Kreuz den Bund schließt in der Art des bräutlich-ehelichen Bundes – offenbar in Gottes Bedeutung dieses Wortes. Jesus, der am Kreuz Sterbende, scheinbar verlassen von seinem Vater, den Er mit so zarter Liebe der ganzheitlichen Hingabe als Sohnes geliebt hat, und umso mehr zu dieser Stunde vonseiten dieser Seinen, Geliebten – verlassen, für deren Leben und Heiligung „Er sich heiligt, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind” (Joh 17,19), stirbt unter entsetzlichen Qualen.

Und doch, Er betet ... und betet ununterbrochen! Jesus, der am Kreuz ausgespannte, liebt – und vergibt auch am und vom Kreuz! Das Gebet Jesu in seinem Leiden und am Kreuz ist so kristallartig rein-durchscheinend gerade deswegen, weil Er in dieser unvorstellbaren Schändung seiner menschlichen und Gottes Würde, unter unbeschreibbaren Martern, die Ihm zugefügt werden vonseiten ... seiner Geliebten, dieser Braut, die „auf Ihn nicht glaubt” (vgl. Joh 16,9), weiter mit sich selbst ganzen liebt, verzeiht, entschuldigt.

Wenn wir schon die anderen von den Sieben ‘Worten’ vom Kreuz übergehen (s. ob.: Worte Jesu vom Kreuz: Er Herr vom Kreuz), die von den Evangelisten aufgezeichnet wurden, ist besonders erschütternd, aber umso mehr rührend, dieses sein Wort der Verzeihung und Entschuldigung den Schächern seiner Martern gegenüber im Angesicht des Vaters.

Dieses Detail hat – wie üblich in solchen Gegebenheiten, Lukas übermittelt, der Arzt, Grieche, mit seiner so vortrefflichen Empfindsamkeit für Akzente der Barmherzigkeit und des ‘Herzens’, mit denen sich Jesus kennzeichnete:

„Als sie an den Ort kamen, der ‘Schädelstätte’, genannt wird,
kreuzigten sie dort Ihn [= Jesus] und die Verbrecher,
den einen zur Rechten und den anderen zur Linken.
Jesus aber betete:
Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun’ ...” (Lk 23,34).

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Erklärung

Wenn Jesus, am Kreuz ausgespannt, ganz in Blut, verunstaltet, bespuckt, in Dornenkrone, ganz wahrscheinlich mit einem mit einem Dorn durchstochenen Auge [Bericht: minutiöse Untersuchung des Turiner Tuches, die von drei Professoren Augenärzten unternommen wurden], von der Höhe des Kreuzes mit ganzem Frieden des Herzens noch zu sprechen imstande war, wobei Er wegen der bis zum Äußersten ausgespannten Händen erstickte und die Luft mit dem Rest der Kräfte schnappte, wahrscheinlich unter Aufstoß und Konvulsionen seiner durchnagelten Füße und Hände, zeugt allein dieses Detail von Gottes Macht, die die rasch sich ausschöpfenden Kräfte seiner menschlichen Natur unterhielt.

Wir sind einmal mehr verwundert, dass Jesus kein Wort irgendeiner Verurteilung hervorbringt. Er verwünscht nicht, wirft keine Verfluchung. Selbst in dieser, so äußersten Stunde, setzt Jesus, das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt (Joh 1,29) seine Sendung nicht eines Richters, sondern Erlösers fort:

„Denn Gott [= der Vater] hat Seinen Sohn nicht in die Welt gesandt,
damit Er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch Ihn erlöst wird” (Joh 3,17).

Bei Jesus verwundert das völlige Nicht-Denken an sich selbst! Und das wäre gerade ganz verständlich. Jesus verifiziert an seinem Selbst beständig auf präzise Weise die Definition selbst der ‘Liebe’: „In ihrer tiefsten Wirklichkeit ist die Liebe ihrem Wesen nach Gabe ...(FC 14).

Tatsächlich, Jesus ist in seinem Leiden und am Kreuz eine einzige Abwendung der Aufmerksamkeit von seinen Schmerzen und Martern. Seine Aufmerksamkeit sammelt sich dagegen die ganze Zeit hindurch auf diesen Seinen, auf dieser Seinen – dieser Geliebten, für die Er „Sühneopfer”  geworden ist (1 Joh 2,2), aber umso mehr ihr den Bräutlichen Bund angeboten hat.

Es kommen die Worte in Erinnerung, die Jesus von sich durch die Hl. Schw. Faustyna Kowalska gesagt hat:

„Als Ich am Kreuz im Sterben war, dachte Ich nicht an Mich,
– sondern an die armen Sünder und betete zum Vater für sie ...” (TgF 324; vgl. Lk 23,34).

Erst unter solchen Umständen – in diesem Fall der schreienden Ungerechtigkeit, kraft der der Sohn Gottes gerichtet, verurteilt wurde, und das Todesurteil durch Kreuzigung an Ihm vollbracht wurde, zeigt es sich, wie viel wert die Fähigkeit ist, verzeihen und selbst die Feinde lieben zu können.
– Aber auch in diesem Ausmaß heißt Jesus seinen Jüngern nichts, was Er nicht zuerst an sich selbst verifiziert hätte.

Wir sind uns bewusst, dass erst die innere Gesinnung einer aufrichtigen Vergebung auch den Feinden gegenüber den Weg öffnet, irgendwelche Gnaden für sich von Gott zu erlangen. Nicht umsonst hat Jesus in den zweiten Teil des Gebetes „Vater unser” die Worte einverleibt:

„... Und vergib uns [Vater] unsere Schuld,
wie auch wir unsern Schuldern vergeben haben ...” (Mt 6,12).

Es gehört sich wiederholt hervorzuheben, dass im griechischen Text des Evangeliums nach Matthäus dieses Fragmentes das Verbum im schon vollendeten Perfekt steht. Der Gedanke, der in dieser Bitte des ‘Gebets des Herrn’ enthalten ist, ist also der folgende, und demzufolge sollte die Übersetzung selbst dieses Gebetes entsprechend unbedingt korrigiert werden:

„... wie auch wir unseren Schuldnern – jetzt wann wir beten,
schon vergeben haben ...”
[gr.: hos kai hymeís aphékamen (von: aphéimen) tois opheilétais hymón].

Mit anderen Worten, jemand, der beten möchte, doch zuvor, bevor er das Gebet begonnen hat, seinem Feind nicht verziehen hat, würde sich selber die Erhörung seiner Bitten bei Gott völlig blockieren und kann die Verzeihung von Gott unmöglich selbst empfangen (s. auch schon ob.: Verzeihung).

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RESÜMEE
JESUS DER BRÄUTIGAM-VOM-KREUZ

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Im Resümee der Erwägungen über Jesus, den Bräutigam-vom-Kreuz seiner Mystischen Braut, müssen wir feststellen, dass wir wegen der kristall-reinen Haltung und der Absichten des Sohnes Gottes am Kreuz betroffen sind.

(0,36 kB)  Bei den Martern seiner Kreuzigung ist Er ganz und gar Nicht-Denken an sich selbst.
Er ist lauter Gebet und Gottes Frieden, den die „Welt nicht geben kann” (vgl. Joh 14,27).

(0,37 kB)  Jesus am Kreuz ist Liebe, Verzeihung und Entschuldigung den Schächern gegenüber im Angesicht seines Vaters.

(0,35 kB)  Er ist Bräutigam, der sich selbst in Ganzheitlichkeit der Gabe an seine Geliebte dahingibt.
In geringstem Maß lenkt Er seine Aufmerksamkeit an irgendeinen eigenen Nutzen, noch umso mehr irgendwelche eigene Annehmlichkeit.

Seine Göttliche und Menschliche Aufmerksamkeit sammelt sich die ganze Zeit hindurch:

(0,18 kB)  Einerseits selbstverständlich auf dem Vater und seinem Vorhaben:
den Neuen und Ewigen Bund mit der ganzen Menschen-Familie zu schließen.

(0,2 kB)  Aber anderseits sammelt sich seine Aufmerksamkeit so sehr auf dem Wohl seiner Geliebten,
der fortwährend Untreuen Braut, so dass dieses Anliegen Ihm nicht erlaubt noch an irgendetwas anderes zu denken.

(0,18 kB)  Jesus ist für sie ganz Gabe seines Leibes, Gabe seines Blutes der Erlösung und des Bundes.
Dass sie nur ... „nicht verloren geht, sondern das ewige – Leben hat”  (vgl. Joh 3,16).
Und dabei dass sie nur – gerade als seine Braut: „heilig und makellos”  wird (vgl. Eph 5,27).

So ist die vom Himmlischen Vater – dem Volk Gottes dargebotene Festlichkeit der unwiderruflichen, definitiven Vermählung des Sohnes Gottes mit seiner Braut: dem Volk des Neuen und Ewigen Bundes. Gott bietet für diese „Hochzeit’ nicht jemanden ersten besten dar, sondern seinen eigenen, Eingeborenen Sohn: sein Wort.

Zu gleicher Zeit fordert Er keine ‘Hochzeits-Mitgift’ vonseiten der Jungen Frau, der Braut. Die Mitgift stellt Gott selbst auf – der angenommenen Hochzeitssitte entgegen.
– Jesus, der Sohn Gottes und Menschen-Sohn, legt auf die Schale nicht irgendwelche ’Sache-Besitztum’. Im Gegenteil, Er gibt zur ‘Hochzeits-Mitgift’ anstelle der dazu verpflichteten Jungen Frau, der Braut – sich selber hin.

Dies wird eine ‘Hochzeits-Mitgift’  nach dem Maß der Größe und Würde des Sohnes Gottes sein:
des „Königs der Könige und Herrn der Herren,
der allein die Unsterblichkeit besitzt
...” (vgl. 1 Tim 6,15f.).

Es zeigt sich, dass diese Gabe:
„... Mein Fleisch für das Leben der Welt”
sein wird (Joh 6,51).
Und dazu sein Blut als das Blut der Erlösung.

Die Verzehrung dieses Gottes Leibes und das Trinken seines Blutes ist Voraussetzung für das ewige Leben:

„Wer Mein Fleisch isst und Mein Blut trinkt,
hat das ewige – Leben,
und Ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag” (Joh 6,54).

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RE-Lektüre: VII.Teil, Kapitel 1, ad ‘c’.
Stadniki, 28.VIII.2015.
Stadniki, 18.X.2015.
Tarnów, 1.IX.2016.
Tarnów, 9.VII.2017.

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F. DIE HEILIGSTE TRINITÄT AM LEIDEN DES SOHNES GOTTES
1. Gott der Vater im Leiden seines Eingeborenen Sohnes
Tabelle. Du Meine! Ich mache alles, dass Du Leben hast ...!
2. Teilnahme des Heiligen Geistes am Leiden des Sohnes Gottes
3. Der Sohn Gottes im Erleben der Gabe-seiner-Selbst am Kreuz des Bundes
4. Der Bräutigam-vom-Kreuz im voller Liebe Gebet des Leidens
5. Treue Jesu der Ihm aufgetragenen schweren Sendung bis zum Kreuz

G. HOCHZEITSMAHL JESU, DES GOTTES BRÄUTIGAMS-VOM-KREUZ
1. Beharrlich bestätigter Status des ‘Bräutigams’
2. Hochzeits-Freude um die Stunde der Verherrlichung des Bräutigams-vom-Kreuz
3. Trauer die sich in Freude umwandelt
4. Freude um die Gewissheit der gewonnenen Erlösung
5. Der Bräutigam-vom-Kreuz im unaufhörlichen Gebet der Vergebung und Gnade

RESÜMEE. JESUS DER BRÄUTIGAM-VOM-KREUZ


Bilder-Fotos

Fot7a11. Ein Mädchen umarmt Johannes Paul II.
Fot7a12. Ätna: Lava in Glut vom Vulkan
Fot7a13. Äthiopien: Hungersnot und verhungernde, sterbende Kinder
Fot7a14. Erste Heilige Kommunion des Sohnes in Familie von Gebirglern, Polen
Fot7a15. Lächelnde Fräuleins in Indien