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VERMERK: Abkürzungen zur angeführten Literatur s. Literatur


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2. Im Ansturm von Versuchungen und Keuschheit-Liebe-Proben

Grenzlinie zwischen Brautzeit und Ehe

Wir kehren von neuem auf das Erleben der gegenseitigen Nähe an Tagen der Brautzeit zurück. Als Prinzip bei der Gestaltung der gegenseitigen Beziehungen soll die oben erwähnte Suggestion gelten: eines liebenden, allerdings entschiedenen ‘NEIN’ betreffs des ganzen Genitalbereichs: Berührung und Anschauen der Geschlechtsorgane (s. ob.: Unüberschreitbare Grenzen – und die ganze weitere Folge dieses Abschnitts). Es besteht kein Zweifel, dass so der Wille Gottes ist. Zeugnis davon ist das liebend, vonseiten Gottes zum Wohl gefasste Gebot des Dekalogs: „Du sollst nicht die Ehe brechen”. Die Genitalsphäre, die strikt mit dem Geheimnis des Lebens und der Liebe zusammengebunden ist, hat der Herr in seiner Weisheit und Liebe für die Ehe – und nur die Ehe vorbehalten. Er selbst führt dort auch die zwei Leute hinein – nicht früher, als erst im Augenblick, wenn sie angesichts bevollmächtigter Zeugen sowohl vonseiten Gottes, wie auch des Gottesvolks, den unwiderruflichen Bund der Kommunion von Liebe und Leben im Sakrament der Ehe schließen.

Gott entzieht selbstverständlich niemanden den ihm zur Stunde seiner Schöpfung geschenkten freien Willen, noch sein Bewusstsein. Daher kann jemand in Kraft seiner Selbst-Bestimmung und seines Selbst-Bewusstseins – Gottes Gebot übersehen, den Dekalog selbst verschmähen und handeln „ohne Gott, wenn nicht direkt Gott zum Trotz” (RP 14). Gott zieht sich dann gehorsam und sofort vom menschlichen Herzen zurück: der Mensch – diese beiden – bleiben ab dieser Stunde allein. Genauer gesagt, sie bleiben ab diesem Moment an mit dem Bösen, den sie sich zu ihrem ‘Vater und Herrn’ anstelle des bisherigen Gottes, der Liebe – ist, wählen. Denn samt dieser Sünde nimmt den Platz Gottes herrisch Satan ein, wie es bei dem Letzten Abendmahl im Fall Judas war: „Nach dem Bissen [Verzehren des Brotes] fuhr der Satan in ihn ...” (Joh 13,27).

Brautpaare müssen lernen eine Fülle von Glück erfahren zu können vom allein Miteinander- und Beieinander-Sein-zu-dürfen – ohne geschlechtlichen Verkehr, noch irgendwelche Liebeleien unternommen zu haben. Die Aufmerksamkeit soll sich dauernd um die PERSON dieses anderen und das gemeinsame Endziel sammeln – mit bewusster Verlegung aller Intimitäten auf die Zeit der erwarteten Ehe.

Mit Glück erfüllt allein schon die Möglichkeit, aufeinander schauen zu können, miteinander zu gehen und sich Hand an Hand zu halten.
– Weiteres Glück strömt aus gemeinsamer Lektüre, gemeinsamer Fortbildung im Bewusstwerden um die religiösen Aspekte der Ehe und in Suche nach Lösungen beim Zusammenleben, bei dem Aufbau des Familiennestes, bei Gestaltung der Beziehungen zu Eltern, Geschwistern, bisherigen Freundschaften.
– Beide können gemeinsam die Schönheit der Natur erleben, ein andermal gemeinsam beten – u.a. um die Gabe der ‘schönen Liebe’ und tatsächlichen Treue bis zum Tod.

All das ist möglich und in keinem Fall schwer. Die Zeit des Braut-Seins wird dann zur Lebensphase der inneren Zunahme an Tiefe und des gelebten reinen Glücks. Der Geschlechtsverkehr in der Brautzeit, bzw. andere Formen, mit denen diese beiden das Gebiet der Intimität betreteten, würde nur eine zeitweilige Pseudo-Freude bringen. Sie wäre irreversibel mit Gewissensbissen betrübt, sollten diese auch von ihnen beiden bewusst abgestumpft werden. Das ganze Gebiet der eigentlichen inter-personalen Beziehungen würde unberührt bleiben. Sie beiden würden sich auf die Ehe einstellen und würden zugleich nicht einmal Bescheid wissen, oder eher: so möchten wohl keinen Bescheid darüber wissen wollen, was die wahre Liebe heißt. Diese Hinsicht wird mit starken Worten von Johannes Paul II. hervorgehoben:

„... Auch die Eheleute können Teilnehmer dieser Liebe sein, dieses ‘Großen Geheimnisses’ [= s. Eph 5,31f] – nur wenn sie ‘bis zur Vollendung’ lieben.
– Entweder werden sie zu ihren Teilhabern, oder auch sie wissen überhaupt nicht, was das Liebe ist. Sie wissen nicht, was sie sich einander geloben haben, wozu sie sich gegenseitig verpflichtet haben, sie wissen nicht, wofür sie gemeinsam verantwortlich sind. Und das stellt für sie immer eine große Bedrohung dar ...” (vgl. BF 19).

Bei Versuchung

Wie soll man sich verhalten, wenn die Vernunft und die Vorstellungskraft zum Schlachtfeld sich aufdrängender Gedanken werden, und selbst Wünsche nach Betätigungen gegen die Keuschheit erscheinen?

Es kommt vor, dass allein das Halten der Hand dieses anderen stark erregend wirken kann, was sich spontan bis zum Höchsterlebnis einschließlich entfalten kann.
– Allerdings was ohne absichtliche Teilnahme des Willens geschieht, und wenn diese Zweien keine beabsichtigten Betätigungen in dieser Richtung unternehmen, wird es nicht als Sünde angerechnet, noch Unwürdiges des Menschen. Sünde kommt dann zutage, wenn die Betätigung bewusst und vorsätzlich unternommen wird.
– Sind sich aber diese beiden erfahrungsgemäß bewusst, dass ihr allzu vertrautes und gelöstes Verhalten solche Zustände herbeizuführen pflegt, sollen sie wachsam um ihre Reaktionen bedacht bleiben, um keine Zweifelslage für das Gewissen herbeizuschaffen. Besonders umsichtig muss das Mädchen sein. Ihre Rückwirkungen können bei ihr keine oder nur kaum bemerkbar ablaufen, indessen die Erregbarkeit ihres Geliebten kann in selben Zeiten ganz hochgespannt bleiben. Es kann selbstverständlich auch Umgekehrtes vorkommen.

Tieferer Beweggrund zur Annahme der Wachsamkeitshaltung soll Liebe sein, die das wahre Gut – sowohl seiner Selbst, wie dieses des anderen berücksichtigt. Weder er, noch sie – möchten doch für diesen anderen zum Hindernis werden, das die Erfahrung der Freude bei Gottes Zugegenheit im Herzen vereitelte. Die so gelebte bräutliche Nähe wird Weg des Heranreifens zum Erleben der Liebe in künftiger Ehe auf Gottes und des Menschen würdige Art und Weise.

Eine Versuchung auf dem Gebiet sei es gegen den Glauben, ein andermal gegen die Nächstenliebe o.dgl., ist Signalanzeige, dass „... euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge” (1 Petr 5,8). Umso mehr ist dann aber nahe des Menschen der Erlöser des Menschen. Wo aber Jesus Christus da ist, ist zweifelsohne auch Maria da, „die sich von Anfang an vorbehaltlos der Person und dem Werk des Sohnes zur Verfügung gestellt hatte” (RMa 40). Sowohl Christus, wie Maria möchten in den Brautleuten den Sieg davon tragen und ihnen die Gabe der Freude einhändigen: „Jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgestoßen ...” (Joh 12,31). Voraussetzung für den Sieg ist der lebendige Glauben: „Widersteht ihm [dem Teufel] fest im Glauben”  (1 Petr 5,9).

Gerade in Versuchung soll der junge Mann und das Mädchen – genau wie auch jeder Priester, der doch ebenfalls Schwierigkeiten beim Einhalten der Keuschheit erleben kann, den Willen aufrechterhalten bei der „Einhaltung des Wortes, das Christus und der Kirche” gegeben worden ist (P-1979,9). Jeder Christ gibt Christus sein Wort, er werde die Gebote Gottes befolgen; er werde Gott und die Nächsten lieben.
– So geschieht es zuerst bei der Heiligen Taufe. Nachher bestätigt er diese Entscheidung des Öfteren – z.B. sooft er zum Sakrament der Versöhnung herantritt, zur Eucharistie, wenn er das Sakrament der Firmung empfängt. Das Christus gegebene Wort darf nicht zurückgezogen werden! Man kann in der Stunde der Versuchung nicht sagen, das einst gegebene Wort solle als verpflichtend gelten solange es zufällig ‘keine Versuchung gibt ...’ !

Es drängt sich noch ein anderes Fragment auf vom Ersten Brief Johannes Paul II. an die Priester. Die Worte des Heiligen Vaters beziehen sich in diesem Fall auf die Treue im priesterlichen Zölibat. Dennoch dieser Inhalt gilt allgemein für jedes Gott einst gegebene Wort:

„Das alles nimmt eine ganz besondere Deutlichkeit an, wenn das Einhalten des Wortes, das Christus gegeben wurde in bewusster und freiwilliger Verpflichtung zum Zölibat das ganze Leben hindurch [NB.: in der Brautzeit: zur vorehelichen Keuschheit] auf Schwierigkeiten trifft, wenn es auf Probe ausgesetzt, mit Versuchung gefährdet ist, was alles doch vor dem Priester nicht weicht, ähnlich wie es auch jedem anderen Menschen und Christen nicht erspart wird.
– In dieser Lage muss jeder seine Stütze in umso inbrünstigerem Gebet suchen. Er muss mit ihrer Hilfe in sich eine solche Haltung von Demut und Aufrichtigkeit Gott und seinem eigenen Gewissen gegenüber finden, die geradeaus Quelle ist für die Kraft zum Aufrechterhalten dessen, was in Wanken gerät. Dann erwächst auch die Zuversicht, die dieser gleicht, wie sie der hl. Paulus in Worten zum Ausdruck gebracht hat: ‘Alles vermag ich in Dem, der mich stark macht’  [Phil 4,13; korrigiert nach dem griech.Originaltext] ...
– Ihre Annahme [dieser Prinzipien, wie auch der bekannten Wahrheiten] wird zur Grundlage für jene Treue zum Wort, das Christus und der Kirche gegeben worden ist. Sie bildet auch den Prüfstein der echten Treue sich selber gegenüber, seinem Gewissen, seinem Menschsein, seiner Würde ...
– An all das gilt es vor allem in Stunden der Krise zu denken ... [Es geht hier] vor allem um eine tiefe Frage des Gewissens und um die Probe auf das Menschsein. Gott steht ein Recht zu auf eine solche Probe gegenüber einem jeden von uns, ist doch das irdische Leben für jeden Menschen Zeit der Probe. Zu gleicher Zeit will aber Gott, dass wir aus diesen Proben siegreich hervorkommen. Er kommt uns auch dabei zu Hilfe” (P-1979,9; vgl. RH 21).

Gott selbst lässt Situationen von Krisen-Proben zu. Gott steht das Recht zu, die Aufrichtigkeit im Streben nach dem ewigen – Leben zu verifizieren. Auch selbst der Mensch hat das Recht, dass er schwierigeren Lagen unterzogen wird. Erst so kann er sowohl vor sich selbst, wie auch vor Gott beweisen, dass er tatsächlich zur Erlösung zu gelangen vor hat. Gott erwartet vom Menschen, dass er von jeder Probe siegreich davongeht – und schenkt ihm jedes Mal Kraft dazu, dass er in dieser Situation Sieger werden kann. Nur dass der Mensch in der Tat kämpfen wollte – und in Gnade zu verharren vor hat (Sieh zum Thema der notwendig zu unterziehenden Probe auf die Qualität der Liebe z.B.: Unumgänglich erforderte Probe auf die Qualität der Liebe – im zuvorgehenden und folgenden Zusammenhang).

Aus Vorschlägen des Glaubens zum Kampf mit Versuchungen

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Erklärung

Wie soll man sich verhalten, wenn die Probe gerade die Qualität der bräutlichen Keuschheit, wie auch eben die Liebe angeht?

(0,2 kB) Man soll selbstverständlich innigst beten – deutlich um die Gabe der Keuschheit. Brautpaare sollen sich gegenseitig um Hilfe im Gebet deutlich in dieser Meinung bitten: dass die gerade gelebte Zeit des Brautseins in Keuschheit verbracht wird, wie sie von ihnen vom Herrn erwartet wird. Solchen Dienst können sie sich gegenseitig ab der Zeit an der sich erst bindenden Freundschaft erweisen.

Um sich für Zeiten der vorauszusehenden Versuchungen abzusichern, müssen sie sich einen entsprechenden unbedingten Reflex erarbeiten, indem sie von vornherein wachsam bleiben. Und zwar beginnt sich eine Versuchung zu melden, sollte sie den Reflex einer sofortigen Hinwendung an die Unbefleckte wecken, sollte es auch nur mit einem Blitzgedanken des Bewusstseins erfolgen. Die Bitte um Ihre Hilfe und Ihren Eingriff könnte folgender formuliert sein – das benötigt keine ‘Zeit’, nur gleichsam eines Bewusstseinblitzes:

Maria! Mutter!
Ich bin da, – ich gedenke, – ich wache ...!”


Immer bereit! Immer wach!” (s. Johannes Paul II., Zweite Pilgerreise in die Heimat, Jasna Góra, Apell für Jugendliche: 18.VI.1983, Pkt.5; Vierte Pilgerreise in die Heimat, 2. Teil: 14-15.VIII.1991, Jasna Góra.).

Du Junge, Du Mädchen! Lass dich der Versuchung nicht unterkriegen, noch mit ihr überraschen! Übe dich, dass du insofern selbstbewusst bleibst, dass du in der Zeit der Versuchung nicht zur Betätigung ‘unter Zwang des Leibes’ überschlägst! Finde dich sofort zurecht, dass dies ein Angriff der Versuchung ist – und nichts mehr, wenn auch nichts weniger. Satan benutzt die Taktik, dass seine Person selbst nicht ernst genommen wird. In dieser Lage hat er freie Hände und kann frei handeln.

(0,2 kB) Anders gesagt, die Erscheinung einer Versuchung soll Signal werden, dass Jesus Christus etwas von mir – von uns, erwartet. Man muss sich in diesem Augenblick zu Ihm und zu Maria gleichsam hinausreißen und es tun mit dem Bewusstseinsblitz und der Bewegung des Herzens, das gleichsam ruft:

Jesus! Maria!
Wie sehr ich Dir, Gott, danke, dass Du mich als Mann – als Frau erschaffen hast!
Ich bin also fähig, Vater zu werden! Ich verspüre es deutlich in meinem Körper.
Ich werde Mutter werden können! Ich bemerke es an so vielen, mir geschenkten Anzeichen!
Gib, o Gott, dass ich würdig dieser großen Sachen werde, zu denen Du mich – uns berufst: zur Vaterschaft, Mutterschaft, zur Bräutlichkeit!

Aber auch: Jesu Christe, und Du, Mutter Jesu, meine – unsere Mutter!
Solange Du uns, o Gott, nicht bevollmächtigst, gehen wir auf Auslösung der Kräfte,
mit denen Du uns von vornherein ausgestattet hast, nicht über!
Wir bitten voller Vertrauen:
Hilf uns, Jesu, das Dir gegebene Wort zu halten!
Hilf uns in Keuschheit zu verharren!
Bereite uns, Maria, zu den Aufgaben vor, die Gott uns zu anvertrauen vor hat !”

Eine so gelebte Versuchung bringt nicht nur keine Beeinträchtigung an körperlicher und geistiger Gesundheit, sondern löst das innere Heranwachsen aus:

Alles vermag ich in Dem,
Der mich stark macht
...” (Phil 4,14).

Denn:

Wer in Mir bleibt und in wem Ich bleibe, der bringt viel Frucht,
denn ohne Mich könnt ihr nichts tun
(Joh 15,5).

(0,2 kB) Sollte eine Versuchung ganz plötzlich erscheinen, so dass der Mensch sich in dieser Lage nicht einmal umschauen kann, ist es am besten nach dem Rat der Hl. Schw. Faustyna Kowalska zu handeln. Sie war aber ‘Sekretärin’ der Barmherzigkeit Gottes, wie sie von Jesus selbst so genannt wurde. Sie schreibt:

„Es gibt Angriffe, die der Seele keine Zeit zum Nachdenken,
Rateinholen oder zu sonst etwas belassen. Dann muss man kämpfen auf Leben und Tod.
Manchmal ist es gut – ohne ein Wort gesagt zu haben – zur Wunde des Herzens Jesu zu flüchten.
Der Feind ist schon daselbst besiegt.” (TgF 145).

(0,2 kB) Übrigens auch Christus selbst gibt über diese heilige Schwester ein paar Weisungen:

„... Erstens, kämpfe mit der Versuchung nicht allein, sondern enthülle sie sofort vor dem Beichtvater, dann verliert die Versuchung ihre ganze Kraft.
Zweitens: während dieser Prüfungen verliere die Geduld nicht, erlebe Meine Anwesenheit, bitte Meine Mutter und die Heiligen um Beistand.
Drittens: sei sicher, dass Ich auf dich schaue und dich stütze.
Viertens: fürchte dich weder vor geistigem Gefecht, noch vor Versuchungen, denn Ich stütze dich, mögest du nur kämpfen wollen, wisse, dass der Sieg immer auf deiner Seite ist.
Fünftens: Wisse, dass du Mir durch einen tapferen Kampf große Ehre erweist und für dich selbst Verdienste gewinnst. Die Versuchung gibt Gelegenheit, Mir Treue zu erweisen” (TgF 1560).

Sollte doch jemand Versuchter den Vorschlägen Christi gehorchen und sie seinem Beichtvater offenbaren, dass er auf diese oder jene Versuchung ausgesetzt ist! Das Bloßlegen selbst der Versuchung an jemanden, der zu dieser Stunde Vermittler wird zwischen Gott und dem Menschen, wird zum entschiedenen Arzneimittel gegen die Versuchung, die daselbst ihre ganze Schärfe verliert.
– Es gibt solche, die mit großem Vertrauen und indem sie eben den Hinweisungen selbst Jesu Christi anvertrauen, den Mut haben ihrem Beichtvater mit aller Schlichtheit des Geistes zu bekennen, wie sie auf eine bestimmte Versuchung ausgesetzt sind. Wie sehr gefällt dem Herrn solches kindliche Vertrauen, gekennzeichnet mit dem Mal des Gehorsams. Mit ihm gekräftigt, können sie sich eines großen Friedens des Geistes freuen.


(0,3 kB) Eine noch andere Suggestion für Stunden der Schwierigkeiten und Versuchung besteht darin, dass man sich in solchem Augenblick von der drohenden Gefahr – wörtlich, ohne nachzudenken und ohne Bedauern, sofort herausreißt und den Herrn herbeiruft. Das soll ein Schreireflex zum Erlöser sein, wie Petrus auf dem See Genezaret in Gefahr des Ertrinkens schrie:

„... Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu.
Als er aber den starken Wind wahrnahm, ergriff ihn Furcht.
– Er begann zu sinken und schrie: ‘Herr, rette mich!’
Sogleich streckte Jesus die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm:
‘Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?’ ...” (Mt 14,29-31).

An dieses Bruchstück des Evangeliums haben wir auf unserer WEB-Site schon ein paarmal angeknüpft. Es dürften nur noch einmal die Worte in Erinnerung gebracht werden, mit denen diese Probe des Glaubens Petri Johannes Paul II. bei seiner V. Pilgerfahrt in die Heimat gedeutet hat:

„... ‘Komm[Mt 14,28f]. Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu. Er ist schon Christus nahegekommen, als er – angesichts des Anschlags eines starken Windes mit Furcht ergriffen wurde. Als er zu untersinken begann, schrie er auf: ‘Herr, rette mich!’ [Mt 14,30]. Sogleich streckte Jesus die Hand aus und ergriff ihn: Er hat ihn vor Ertrinken gerettet und sagte: ‘Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?’ [Mt 14,31].
– Dieses Geschehen des Evangeliums ist voller tiefen Inhalts. Es betrifft das wichtigste Problem des menschlichen Lebens: den Glauben an Jesus Christus. Petrus hatte ganz sicher den Glauben, den er nachher herrlich bei Cäsarea Philippi bekannt hatte, allerdings in diesem Moment war er noch nicht eingewurzelt. Als ein starker Wind wehte, begann Petrus zu untergehen, weil er gezweifelt hat.
Nicht der Wind hat Petrus in der Tiefe des Sees untersunken, sondern Mangel an Glauben. Seinem Glauben hat das wesentliche Element gemangelt – das ganzheitliche Stützen auf Christus, das ganzheitliche Anvertrauen auf Christus in der Stunde einer großen Probe, es hat ihm das ganzheitliche Legen auf Ihn seiner Hoffnung gefehlt.
– Der Glauben und die Hoffnung zusammen mit der Liebe bestimmen das Fundament des christlichen Lebens, dessen Grundstein Jesus Christus ist” (Johannes Paul II., Fünfte Pilgerfahrt nach Polen, Poznan 3.VI.1997, 2).


(0,2 kB) Hier noch eine andere Suggestion für Stunde der Versuchung, die wir vom Tagebuch der Hl. Schw. Faustyna schöpfen:

O Jesu, ich verschließe mich in Deinem barmherzigsten Herzen,
als in einer uneinnehmbaren Festung gegen die Geschösse der Feinde”
(TgF 1535).

Solche Lösung schlägt übrigens durch die Hl. Faustyna auch Jesus selbst vor in Worten:

„... Verhandle nie mit der Versuchung.
Schließe dich sofort in Meinem Herzen ein und bei der nächsten Gelegenheit
enthülle sie vor dem Beichtvater” (TgF 1760).

In ähnlichen Worten kann man sich selbstverständlich auch an Maria, die Mutter Gottes und unsere Mutter, wenden. Sie ist außer Zweifel immer dort zugegen, wo es um das Geschick Ihres Sohnes im Herzen irgendjemandes von Ihren Kindern geht:

Maria! Verberge mich schnell, und uns beide – in Deinem Unbefleckten Herzen.
Anders falle ich hin! Anders werden wir erliegen ... !”

Und dann offenbar alle Manipulation mit Händen ausschließen. Die Hände an etwas stabiles legen, wie es schon früher suggeriert wurde.
– Und noch eines: schlechterdings über-dauern, ohne auf irgendwelche Handlung zu übergehen ...

Das alles bedeutet: sich selber herrschen! Fürchte dich nicht, Du Junge, Du Mädchen – dem Bösen dein entschiedenes ‘Nein’ zu sagen.
– Möge es euch nicht (ein wenig) Schade sein um die Annehmlichkeit, wie sie euch vom Bösen angeboten wird – um den Preis, dass Gott vom eigenen Herzen herausgewiesen wird. Solltest Du es nur wollen, wirst Du kein willenloses Spielzeug des ‘Zwangs des Leibes’ sein.

Die gesunde Intuition lässt vorsagen, wie groß und sofortig die Freude wegen des gerade davongetragenen Sieges sein wird. Wenn nicht Satan siegt, sondern ihr beide – oder eher: Christus und Maria im Herzen euer beiden.
– In der Versuchung zu erliegen, bringt weder Ruhm, noch vor allem irgendwelche Freude. Es demütig vielerlei die Würde der Person und die Liebe selbst.

Wer für die Liebe im Gottes Stil offen bleibt, verspürt, dass erst das bedeutet: Entwicklung in Liebe. Nach solcher Liebe sehnen sich doch in der Tiefe ihrer Herzen diese beiden. Diese Liebe suchte ihnen bisher auf verkehrte Art und Weise von Grund aus der Böse ... total zu entstellen.


(ANMERKUNG. Dem Thema der Verhaltensweise und des Kampfes mit Versuchungen ist eine längere Erwägung im letzten Kapitel der hiesigen Homepage gewidmet, sieh: Im Kampf um Bewahrung der Keuschheit – sieh dieses ganze §).

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3. In Freude des errungenen Sieges

Um solche Liebe betete – u.a. auch für Brautpaare, Jesus Christus, der Gottes Brätigam-vom-Kreuz, in seinem Großen Hohepriesterlichen Gebet kurz vor der Gefangennahme im Ölgarten:

„Vater, ...
damit die Liebe, mit der Du – Mich geliebt hast,
in ihnen sei
und Ich in ihnen”
(Joh 17,26)

Nicht irgendwelche andere Liebe soll im Herzen Wurzeln fassen, sondern diese, die Gott-der-Vater – ist. Diese Liebe, d.h. Gott der Vater selbst, über den uns liebenden Erlöser, im Heiligen Geist – möchte auch im Herzen jedes der Brautleute weilen: „... und Ich in ihnen” (Joh 17,26).

Was hier dargestellt wird, ist keine anmutige ‘Utopie’, sondern reales Angebot, mit dem vor jedem Brautpaar der Erlöser des Menschen stehen bleibt.

Er selbst ist zugleich Bräutigam der von Ihm gegründeten Kirche – und eines jeden seiner menschlichen Brüder und Schwestern. Er ist auch IHR Bräutigam – selbstverständlich auf nur eine Art und Weise: als Bräutigam-vom-Kreuz. Die so verwirklichte Braut-Liebe ist zugleich Umsetzung-ins-Leben der Wirklichkeit, die von Johannes Paul II. so gern als ‘Zivilisation der Liebe’ bezeichnet wird. Er schreibt von ihr vor allem in seinem Brief an die Familien für das Jahr 1994 [Internationales Jahr der Familie]:

„Ja, die Zivilisation der Liebe ist möglich und ist keine Utopie. Allerdings sie ist möglich nur über einen ständigen und lebendigen Bezug zu ‘Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, von Dem jede Vaterschaft im Himmel und auf der Erde seinen Namen erhält’ [vgl. Eph 3,14f.; korrigiert nach griech. Originaltext], von Dem jede menschliche Familie hervorgeht” (BF 15 – Endsatz).

Die so ins Leben umgesetzte Brautliebe wird zur völlig neuen Wirklichkeit, wenn diese beiden schon nach dem empfangenen Ehe-Sakrament das „Zwei-zu-Einem-Fleisch”  werden. Denn schon die Braut-Liebe soll sich für die Chance aufschließen, wie sie diesen Zweien der Erlöser über die grundsätzliche Entfaltung der Gnade der Heiligen Taufe erschafft. Sie erfahren das, wenn sie zum Sakrament der Liebe werden – um den Preis der Mitarbeit mit der Gnade des Sakraments, das sie schon auf der Stufe ihrer Braut-Zeit erwarten:

„... Als Fortführung der Taufe vom Wasser und dem Geist – stellt die Ehe vor christlichen Eheleuten das Gesetz der Liebe vom Evangelium von neuem auf, und prägt sie, samt der Gabe des Geistes, tief in ihre Herzen ein.
Ihre Liebe, geläutert und erlöst, ist Frucht des Geistes, der in den Herzen der Gläubigen wirkt, indem sie für sie zugleich das grundsätzliche Gebot des sittlichen Lebens darstellt, das nach verantwortlicher Freiheit verlangt ...” (FC 63).

Der davongetragene Sieg geht immer mit Freude einher. Solche Freude erscheint u.a. in unmittelbarer Folge einer konsequent aufrechterhaltenen bräutlichen Keuschheit. Eine solche Freude ist untrennbare Spur der Tatsache, dass hier der Herr nahe ist. Diese Freude ist eine der Früchte des Heiligen Geistes, der in den Herzen dieser beiden verweilt. Sie beiden bemühen sich um den Segen des Göttlichen Bräutigams-unter-ihnen-Brautleuten – für ihre bräutliche Liebe (vgl. Gal 5,22). Es ist also der Heilige Geist selbst: die Liebe-Person. Er verweilt in ihren Herzen wie in seinem Tempel:

„Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der In euch da ist,
den ihr vom Gott habt, und dass ihr somit nicht mehr euch selbst gehört?
Um einen großen Preis seid ihr erkauft. Preist also Gott in eurem Leib”! (1 Kor 6,19f.; mehrfach nach dem griech. korrigiert).

Auf den Seiten des Gottes-Geschriebenen-Wortes wird des Öfteren die Freude erwähnt. Hier eines der Beispiele:

„Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit lauter Freude und Frieden im Glauben,
damit ihr überströmt an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes” (Röm 15,13; korrig. nach griech. Original).

Von Freude spricht Jesus Christus – u.a. unter unwahrscheinlichen Umständen, weil ganz kurz vor seinem Todeskampf im Ölgarten und den unbeschreiblichen, Ihn erwartenden Foltern:

„Das habe Ich zu euch gesagt,
auf dass Meine Freude in euch sei
und Eure Freude
vollkommen werde ...” (Joh 15,11).

Auf dieselbe Wirklichkeit weist seiner Art Johannes Paul II. hin:

„... Die Zukunft der Evangelisation hängt großenteils von der Haus-Kirche ab. Diese Apostolische Sendung der Familie wurzelt in der Heiligen Taufe, allerdings durch die Gnade des Sakraments der Ehe bekommt sie eine neue Kraft, um den Glauben zu übertragen, um die heutige Gesellschaft nach Gottes Vorhaben zu heiligen und verändern.
– Die christliche Familie ist, vor allem heute, besonders berufen, den Pascha-Bund Christi zu bezeugen, indem sie beständig mit Freude wegen des Lieben-Könnens strahlt und mit Gewissheit um die Hoffnungen, von den sie Rechenschaft geben soll” (FC 52; s. ebd.: 15.21; LG 11; und noch EV 37f.76.80f.83-86).

Auch an Brautpaare sollten Worte angewandt werden, die für Missionare gelten, die zum Gottes Volk gesandt werden, das vom wahren Gott vielleicht noch nicht gehört hat:

„Indem er die Seligpreisungen lebt, erfährt der Missionar und erweist auf konkrete Art und Weise, dass das Reich Gottes schon angekommen ist und von ihm angenommen wurde.
Markantes Kennzeichen des authentischen Lebens eines Missionars ist die innere Freude, die aus dem Glauben herkommt. In einer von so vielen Problemen gepeinigten und niedergedrückten Welt, die zum Pessimismus neigt, soll der Verkünder der Frohen Botschaft ein Mensch sein, der in Christus die wahre Hoffnung wieder gefunden hat. ” (RMi 91; ebd., Nr. 36).

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I.   WEG ZUR KOMMUNION UNTEREINANDER
UND MIT DEM DREIEINIGEN

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Liebe: Ausrichtung auf Gabe-Sein

Die Liebe Gottes ist Gabe, die imstande ist, früher nicht vorhergeahnte Energien der Person auszulösen. An dieser Gabe freuen sich diejenigen, deren Blicken sowohl für Gott, wie die Menschen durchscheinend ist: „Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen” (Mt 5,8). Diese Worte dürften mit einer anderen Aussage desselben Gottes, Jesus Christus, zusammengebunden werden:

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Erklärung

„Das ist der Wille Meines Vaters, dass jeder,
der den Sohn sieht und an ihn glaubt,
das ewige Leben habe ...” (Joh 6,40).

Jesus hebt hervor, dass Voraussetzung für das ewige Leben, dessen Grundlage das Leben in Gnade schon auf Erden ist, das Blicken reinen Herzens auf den Menschen-Sohn ist.

Es ziemt sich, dass – um mit eigenen Kindern einmal auf würdige Art und Weise über die bräutliche Liebe reden imstande zu sein, man sich selbst, sei es auch über viel Mühe, zum keuschen Erleben der gegenseitigen Beziehungen in der Brautzeit durchringt. Das ist übrigens auch gar nicht schwer. Der junge Mann und das Mädchen müssen schlechterdings wollen – auf viele Arten und Weisen beieinander und miteinander zu weilen – und es doch auf reine Art und Weise zu vollziehen.

Die Brautzeit ist eine der Abänderungen der Nächstenliebe, nur dass diesmalig mit wesentlicher Anknüpfung an die Fraulichkeit und Männlichkeit. Stellen sich doch diese Zweien eindeutig auf Ehe und Familie ein. Aber auch gerade deswegen ist es nötig, dass sie miteinander mit gesegneter Feinfühligkeit verkehren, so dass sie mit keiner Gebärde die Sachen verunreinen, zu denen sie sich Jetztzeit erst vorbereiten.

Die Zeit des Brautseins schafft eine ausgezeichnete Gelegenheit zur Übung im Bereich all dessen, das einst Liebe im Alltag sein wird. Die Lage der Verlobung führt schon jetzt zu diesem Leben, das diese Beiden in der Ehe und Familie verbringen werden:

„... Alle Mitglieder der Familie tragen, jedes nach seiner eigenen Gabe, die Gnade und die verantwortliche Pflicht, Tag für Tag die Personen-Kommunion aufzubauen, indem sie aus der Familie eine ‘Schule des reicheren Mensch-Seins’ bilden. Das geschieht durch die Gnade und Liebe zu den Kindern, den Kranken und den Älteren, durch den täglichen Dienst aller, durch das Teilen der Güter, der Freuden und der Leiden” (FC 21).

Der geschlechtliche Verkehr wird in der Ehe gewiss eine einzigartige Rolle spielen – als bevorzugter Erweis des Bandes, das Mann und Frau miteinander verbindet. Die Gesamtheit der übrigen Beziehungen zwischen den Gatten und Kindern wird sich nicht mehr so unmittelbar auf der Basis der geschlechtlichen Unterschiedlichkeit gestalten. Die eheliche Liebe wird dann zum eintönigen Weg der Nächstenliebe für den Alltag. Und doch wird es geradeaus diese Liebe sein, nach der Jesus Christus diese beiden schon jetzt, und nachher am Jüngsten Tag, als die ‘Seinen’ erkennt: „Daran erkennen alle, dass ihr Meine Jünger seid, wenn ihr untereinander Liebe habt” (Joh 13,35).

Die so begriffene ‘Liebe’ setzt einen lebendigen Glauben voraus. Aber auch: die Ehe ist niemals laische Institution. Im Fall der Getauften ist die Ehe Sakrament. Die Lebensbedingungen können dahin führen, dass die Liebe der Eheleute eher Liebe-vom-Kreuz-her werden wird, als lauter Freude: „Ein Neues Gebot gebe Ich euch: dass ihr einander liebt so wie Ich euch geliebt habe, dass auch ihr einander liebt” (Joh 13,34; korrig. nach griech. Originaltext). Dieses von Christus eindrücklich hervorgehobene: ‘so – wie’, weist eindeutig auf die Ausrichtung und das Maß der Liebe hin, nach der Jesus Christus die Ehegatten als die Seinen erkennt. Er aber hat bis zum Kreuz geliebt, oder genauer: bis außerhalb des Kreuzes:

„Ihr Männer, liebt eure Frauen,
denn auch Christus hat die Kirche geliebt
und sich für sie hingegeben, um sie, zu heiligen ...” (Eph 5,25f. – S. auch unt.: Mann-Frau – Christus-Kirche [Graphik]. Und ein wenig weiter die nächste Graphik).

Johannes Paul II. spricht vom bräutlichen Sinn des Leibes, wie auch von seinem elterlichen Sinn, der gemäß der Wahrheit des Vorhabens Gottes auch als elterlich-erlösender Sinn des Leibes bezeichnet werden kann. Und zwar, der Leib ist empfänglich dafür, Freude zu erweisen, Annehmlichkeit beim Angeschmiegt-Sein zu erfahren, aber ebenfalls empfänglich dafür verwundet werden zu können, bisweilen tödlich. Die Bräutlichkeit ... erfreut. Die Elternschaft – freut ebenfalls, aber im Prinzip geht sie mit Schmerz und vieler Mühe einher, manchmal bis zur ‘Hingabe des Lebens’.
– Auf ähnliche Art und Weise erfreut das Geheimnis der Fleischwerdung-Bräutlichkeit Gottes mit dem Menschen. Dagegen das Werk der Erlösung wurde für den Gott-Menschen selbst zum Weg, der Ihn an das Kreuz geführt hat. So wurde das Geheimnis der Erlösung vollbracht, d.h. der Elternschaft des Gottes Lebens, das Gott den Erlösten geschenkt hat.

Mit anderen Worten, Jesus Christus hat sich in seiner Bräutlichen Liebe zur Kirche auf Kreuzigung ausgesetzt. Er liebt diese ‘Seine’: das Volk Gottes – weiter und getreu. Die ganze Zeit hindurch bereitet Er es zu seiner Braut vor – als die Seine, „herrliche, nicht mit Flecken, ohne Runzeln oder dergleichen, ... dass sie heilig und makellos sei” (vgl. Eph 5,27; vgl. 1,4; das wird noch Thema vor allem des 9.Kap. dieses VI.Teiles sein).

Liebe ist Aufgabe und Berufung. Diese Berufung ist die von Gott in das Menschsein von Mann und Frau eingeprägte „... Verantwortung für die Liebe und die Gemeinschaft” (FC 11). Liebe ist beständig gewählte Hinordnung auf „Gabe der Person für die Person” (BF 11) dieses anderen, dieser anderen. Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die aber zugleich zur Gestaltung der zentri-fugalen Dynamik mobilisiert, wie sie der wahren Liebe eigen ist. In der Liebe zählt nicht ‘meine Meinung’ – im egoistischen Sinn; noch ‘meine’ Annehmlichkeit. Die Liebe verpflichtet zum Dienen: zur Hingabe seiner Selbst als Gabe zu – Gutem dieses anderen, dieser anderen: sowohl dem irdischen, wie auch diesem ewigen Gut. Es ist eine andauernde Wachsamkeit beim Herauswachsen außerhalb des eigenen Selbst – um des wahren Guten dieser Nächsten willen, die die Liebe immerwährend in Gott zu erblicken sucht.

Für die Ehegatten bildet ihre väterliche und mütterliche Liebe das „tiefste und ihre Erziehungsaufgabe bezeichnende Element”. Diese ihre Elternliebe findet im „Werk der Erziehung die Erfüllung des vollkommenen Dienstes dem Leben gegenüber”. Und zwar:

„...Die elterliche Liebe wird von Anfang an Seele, und somit die Norm, die inspiriert und der ganzen konkreten Erziehungstätigkeit die Ausrichtung weist, indem sie sie mit solchen kostbaren Früchten der Liebe bereichert wie: Zärtlichkeit, Beständigkeit, Güte, Dienstfertigkeit, Selbstlosigkeit und Geist der Opferbereitschaft” (FC 36).

Das Leben verlieren um es zu wiederfinden

Die wahre Liebe, die in der künftigen Ehe das Werk der Erziehung inspirieren wird und die keineswegs mit allein der Geschlechtlichkeit gleichbedeutend sein wird, soll die ‘Seele’ und ‘Norm’ bei solcher Gestaltung der gegenseitigen Beziehungen von Mann und Frau werden, dass sie beiden fähig werden, sich selbst als Gabe der Liebe den Nächsten hinzugeben. Die Nächstenliebe muss unter Familienbedingungen des Öfteren, manchmal voller Schmerz, zum Sterben ähnlich werden, gleichsam des Absterbens Jesu Christi. Allerdings dieser scheinbare Tod, d.h. das Zurückziehen der eigenen Vorhaben, der Strich über die eigene Lebenskarriere und die geplanten Träume, über die Abspannung, Annehmlichkeiten usw., wird auf paradoxale Art und Weise zur Auslösung des ‘Lebens’. So hat es der Erlöser des Menschen selbst formuliert – Er, der sich selbst mit Worten bezeichnet hat: „Der Bräutigam ist ‘mit euch’ ...” (Mt 9,15):

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es für sich allein.
Wenn es aber stirbt, bringt es viele Frucht. Wer sein Leben liebhat, verliert es ...” (Joh 12,24f.; vgl. Mt 16,25).

Die Liebe wird immer mehr Dienst um der Werte willen – sowohl dieser gewöhnlichen, wie auch der höchsten. Sie wird jedem Nächsten gegenüber unternommen, den Gottes Vorsehung in ihren Bereich stellt. Die päpstlichen Worte:

„In einer Gesellschaft, die aufgrund gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Individualismen und Egoismen von Spannungen und Konflikten erschüttert und zerstritten ist, müssen die Kinder sich nicht nur ein Gespür für wahre Gerechtigkeit aneignen, die allein die Achtung der personalen Würde eines jeden Menschen gewährleistet, sondern auch und vor allem das Gespür für wahre Liebe als Haltung einer aufrichtigen Sorge und selbstlosen Dienstes für die anderen, besonders für die Ärmsten und Bedürftigsten.
– Die Familie ist die erste und grundlegende Schule der Sozialisierung: in ihr, als Gemeinschaft der Liebe, ist das Gabe-Werden seiner Selbst das Gesetz, das die Ausrichtung verleiht und das Wachstum bedingt.
– Die Gabe seiner Selbst, die die gegenseitige Liebe der Ehegatten belebt, wird zum Muster und Prinzip für das Gabe-Werden seiner Selbst, wie es sich verwirklichen soll in den gegenseitigen Beziehungen zwischen Brüdern und Schwestern und den verschiedenen, miteinander in der Familie lebenden Generationen. Sowohl die Kommunion, wie die täglich zu Hause erlebte Teilnahme, in Weilen der Freude und Schwierigkeiten, bildet die konkreteste und wirksame Pädagogie für die aktive, verantwortliche und fruchtbare Eingliederung der Kinder in das soziale Leben eines weiteren Bereiches” (FC 37).

Jeder Jüngling und jedes Mädchen sollen sich in all diesen Ausmaßen der familiären und sozialen Beziehungen systematisch üben, zumal wenn sie Brautpaar zu werden beginnen. Brautleute sollen sich in dieser Hinsicht aufmerksam einander beobachten. Denn wie der künftige Mann und die künftige Frau zurzeit für die Hausbewohner und andere Leute ist, so werden sie in Kürze im Verhältnis zu diesem anderen in Ehe werden.

Gerade das bedeutet die ‘Nächstenliebe’ für den Alltag. Nicht der Sexus, sondern das Feingefühl dem Nächsten gegenüber, ein andermal die gemäßigte Entschlossenheit, die sich nie zu beleidigenden Worten, noch Verfluchungen flieht. Einmal wird es die erarbeitete Höflichkeit sein, da wieder die Arbeitsamkeit, Weiterbildung in allem, was sich brauchbar und nützlich unter dem Blickpunkt des Lebens in Ehe erweisen wird. Anderseits aber die Empfindlichkeit angesichts der Armut, da wieder die Gastfreundschaft (FC 44) und die einander erwiesene Hilfe bei der Gestaltung des eigenen Charakters.
– Das alles bildet die Nächstenliebe und ist zugleich Einübung in die Erziehung der Kinder über die bewusste, im Gebet erfolgende Gestaltung in erster Reihe des eigenen Inneren.

Liebe in der Brautzeit beruht keineswegs hauptsächlich auf geschlechtlicher Intimität. Es ist die gewöhnliche, aber umso kostbarere Arbeit am eigenen Charakter. Mit Eifer, aber auch dem Sukzess-Willen, im Anvertrauen auf das Wort Gottes. Diese Arbeit kann samt der eingegangenen Ehe kein Ende finden. Gott bewahre, dass sich jemand einredet, der Tag der Heirat wäre der erträumte, endlich erreichte ‘letzte Tag der Arbeit am eigenen Charakter’ [= authentische Worte eines jungen Ehemannes]! Dieser Tag würde daselbst zum Anfang der Niederlage der gerade erst sich bindenden Ehegemeinschaft!

Von ermutigenden Anregungen Johannes Paul II. an Jugendliche

Es gehört sich, dass hier noch ein Wort der Ermutigung Johannes Paul II. angeführt wird. In seinem warmen Brief an die Jugendlichen in der Welt, in dem er sich 1985 an Jugendliche der ganzen Welt wandte: Christen und Nicht-Christen gelegentlich des Internationalen Jahres der Jugendlichen, knüpfte er einmal mehr an Jesus Christus an, den Schöpfer und Erlöser des Menschen. Christus ist Gottes und Menschlicher „Zeuge jener endgültigen Bestimmungen, die der Mensch in Gott selbst hat” (J-1985,5; vgl. Offb 1,5). Einerseits weilt Er als Sohn-Wort immerwährend im „Schoß des Vaters” (Joh 1,18b) im Geheimnis der Allerheiligsten Trinität. Ab dem Augenblick an, als Er vom Himmel herabgestiegen und aus seiner Unbefleckten Mutter Maria geboren ist, wurde Er daselbst Göttlich-Menschlicher „Zeuge jener endgültigen Bestimmungen, die der Mensch in Gott selbst hat” (J-1985,5).

Christus kennt nämlich aufgrund der eigenen, Göttlich-Menschlichen Erfahrung, was das heißt: Gerufenwerden zum ewigen – Leben, und was das ewige – Leben in sich ist. Dazu ist Er vom Himmel herabgestiegen und hat darüber seinen menschlichen Brüdern und Schwestern Bericht erstattet. Nachdem Er aber die Ihm vom Vater aufgetragene Erlösung erfüllt hat, kam Er am Tag der Himmelfahrt zu Ihm zurück. Zugleich machte er uns gewiss und hält weiter an dem uns gegebenen Wort, mit uns weiter zu verweilen: „Seht, Ich bin mit euch alle Tage hindurch – bis zur Vollendung der Zeiten” (Mt 28,20; korrig. nach dem griech. Originaltext).

Wenn dieser Jesus Christus, der Gott-Mensch, den Menschen: Mann und Frau u.a. den Inhalt des VI.Gottes Gebotes zur Erinnerung bringt: „Du sollst nicht die Ehe brechen”, können die jungen Leute sicher sein, dass sie von Christus nicht falsch verführt werden und dass Er sie an das Gebot Gottes nicht zu ihrem ‘Übel’ erinnert. Gerade deswegen wendet Er sich an sie mit Ermutigung zum Wohl ihrer „endgültigen Bestimmungen”, indem Er sie einlädt, dass sie Ihm auf seinen Spuren nachfolgen:

„Meine Schafe hören auf Meine Stimme, und ich kenne sie.
Sie folgen Mir nach und Ich gebe ihnen ewiges – Leben.
Sie werden in Ewigkeit nicht verloren gehen,
und niemand wird sie Meiner Hand entreißen” (Joh 10,27f.).

Derselbe Jesus Christus schlägt den Brautpaaren eine schöpferische Gabe vor, die die Entwicklung einer ihres Namens würdigen Liebe zu initiieren imstande ist. Diese beginnt ‘sie-Selbst’ zu werden, ab wann sie sich mit der zentri-fugalen Ausrichtung kennzeichnet. Sie strebt nach dem Herauswachsen außerhalb und oberhalb von ihrem Selbst. Erst das wird die eigentlich begriffene Liebe.

Ganz besonders betrifft das diese alle, die die Stufe ihres Braut-Lebens erleben. Jesus Christus ruft sie dazu, dass sie sich nicht mit einer ‘Liebe’ verführen lassen, die als Aneignung ‘gestohlener’, zeitweiser sexueller Erfahrungen begriffen wäre. Die Liebe beruht nämlich auf Gestaltung der inneren Haltung: „dem eigenen Selbst gegenüber anspruchsvoll zu sein”.

Gerade solches Programm hat Johannes Paul II. unermüdlich den jungen Leuten vorgelegt. So war es u.a. in seiner stark ausgeprägten Ansprache um die Stunde des Jasna-Góra-Appells in Częstochowa 1983 – bei seiner zweiten Pilgerfahrt in die Heimat. Voller Zuversicht zu jungen Leuten, hat er damals das folgende Ideal vorgezeichnet, das zugleich das Programm einer schöpferischen Gestaltung seiner Selbst dargestellt hat:

„Ihr Meine Teuren Freunde! Euch gehört es sich, eine entschlossene Sperre für die Demoralisation zu legen – eine Sperre für die sozialen Charakterfehler, die ich hier nicht ihrem Namen nach nennen werde, um die Ihr aber vortrefflichen Bescheid wisst.
– Ihr müsst Euch gegenüber anspruchsvoll sein, sollten selbst andere von Euch nichts gefordert haben.
– Geschichtliche Erfahrungen sagen uns davon, wie viel die zeitweilige Demoralisation das ganze Volk gekostet hat ...
– Merkt das, dass diese Gestalt [= unseres sozialen Lebens] davon abhängig ist, wie der Mensch sein wird. Daher also: Wacht immer bereit !
– Christus hat bei seinem Gebet im Ölgarten den Aposteln gesagt: ‘Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet’ ...” [Mt 26,41] (Johannes Paul II., Zweite Pilgerfahrt in die Heimat, Jasna Góra 18.VI.1983, 5).

Die so begriffene Liebe bringt die Fähigkeit das zu tun, was ihren Wesen bildet: sich selbst zur Gabe hinzugeben – zur Heiligung der Person dieses Geliebten – und seiner Selbst. Die so begriffene Brautliebe wird zu keinem Hindernis, dass Christus mit unbetrübtem Blick gesehen werden kann. Im Gegenteil: sie wird für diese beiden – Verliebten, zum Weg, der ihr beiderseitiges Band stärkt – über das Herz und die Kommunion mit dem Dreieinigen selbst (s. Eph 5,25ff.).

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J.   INBRÜNSTIGES GEBET

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Brautpaare im Gebet

Wenn überhaupt, so soll das Gebet dieser beiden in ihrer Brautzeit an seiner Intensität und Häufigkeit dauernd zunehmen.
– Gewiss, nicht immer hat der Junge, das Mädchen vom Hause her ein allzu gutes Beispiel in dieser Hinsicht davongetragen. Wie viel junge Leute müssen feststellen, dass ihr bisheriges Zuhause nur die Erinnerung an einen Alptraum dauernden Familienkrachs aufdrängt: ständiger Zankereien, vielleicht Saufgelage – vonseiten des Vaters, oder auch selbst der Mutter.

Zum Segen wird dann bisweilen die ... Oma, der Opa. Es kann sein, dass gerade sie, im Verborgenen vor der eigenen verheirateten Tochter, vor dem verheirateten Sohn oder dem Schwiegersohn usw., ihre Enkel in das Gebetsleben eingeführt haben. Sie haben viele Bemühungen unternommen, um sie zur Ersten Heiligen Beichte und zur Heiligen Kommunion zu vorbereiten, wonach sie sie daran erinnert haben und sich gekümmert haben, dass die Enkel regelmäßig die Heiligen Sakramente ins Leben umsetzen. Trotzdem eben diese Enkel im Laufe der Monate und Jahre so oft dringend bemüht sind, sich von der ‘Pflegeschaft’ der Großmutter oder des Großvaters zu entwinden und das nicht gute Beispiel entweder der eigenen Eltern, oder umso mehr der Kollegen und Freundinnen nachzuahmen, die weniger oder mehr herausfordernd in die Kirche nicht gehen und sich praktisch immer mehr von Christus distanzieren, der die Versöhnung anbietet und sein Volk mit eigenem Leib nähren und eigenem, Göttlichen Blut tränken möchte.

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Erklärung

Dennoch, gesegnet sind diese Kinder, die allen Wankens ihrer Religiosität zuwider auf gewisser Stufe ihres heranwachsenden Lebens, vom Familienhaus ein Gerippe sittlicher Prinzipien hergebracht haben, sollten diese selbst nicht von eigenen Eltern eingeprägt worden sein. Solche Kinder haben doch, vielleicht nach weniger oder mehr stürmischen Erlebnissen des Jugendalters, den Grundboden, zu dem sie ‘zurückkehren’ können. Sie erinnern sich, dass es von Gottes Friedensordnung, noch von menschlichem Frieden und Glück in Ehe und Familie keine Rede geben kann, wenn zu Hause Jesus Christus der Lebendige für den Alltag fehlt, und zusammen mit Ihm seine Gebenedeite, Unbefleckte Mutter Maria.

Es gibt Brautpaare, wo zumindest einer von ihnen mit der Kirche und der Praxis des sakramentalen Lebens tiefer verbunden ist. Möge dann eben diese mehr religiöse ‘Seite’ für den zweiten im Braut-Sein zum Faktor werden, der ihn nach oben emporhebt – zu Gott, zum Gebet, zum häufigen Herantreten zum Tribunal Gottes Barmherzigkeit und zur Eucharistie: am besten gemeinsam, zu zweit.

Möge auch gerade diese mehr religiöse Seite – ob es nun das Mädchen, oder der Junge ist – für den Alltag tatsächlich als Zeuge Jesu Christi handeln, zumal was den Begriff und die Umsetzung ins Leben der Liebe auf dieser Stufe des Lebens angeht: der Brautzeit. Sollte nämlich mit der deklarierten Religiosität nicht das Zeugnis der praktischen Befolgung des Gebotes Gottes einhergehen – u.a. in Form der unbeugsamen Haltung der Keuschheit in Gedanken und Taten bei gegenseitigen Beziehungen der Brautliebe, wäre alles Gespräch über Gott, das Gebet, die Sakramente usw., nur leeres Gerede, dem das Verhalten im Alltag als Anti-Zeugnis widersprechen würde.

Die weniger religiöse Seite könnte dann mit Recht die Frage aufstellen, wie es letztlich mit diesem Wort Christi steht: „Selig sind, die das Wort Gottes hören und es befolgen ...” ! (vgl. Lk 11,28). Sollte in selber Zeit die Keuschheit in ihrer Erwartung von Gottes Seite her gebrochen werden – und würde dabei jemand behaupten: ‘Ich bin getauft, habe die Firmung empfangen, ich gehe zu den Heiligen Sakramenten’ – bedeutete es einen Strich über die Wahrheit des anscheinend bekannten Glaubens zu ziehen.

Hier setzen wir voraus, dass beide zusammen, sollte es auch nur über diese eine Seite erfolgen, die an Christus tiefer gebunden ist, doch Bemühungen mit zunehmendem Empfinden um die hier sich meldende Verantwortung unternehmen, dass ihr Gebets-Leben wesentlich intensiver wird. Es gibt ja so vieles, das mit Gebet umfangen zu werden braucht, zumal auf dieser Lebensstufe ihrer beiden. Vor ihnen zeichnen sich Perspektiven ab, die diametral anders sind als das alles, was sie bisher erfahren haben. Sie übergehen zurzeit vom ‘Nutzziehen’ und ‘Nehmen’ dessen, was ihnen die Eltern und die nächste Familie für den Alltag zukommen ließen – auf die Stufe eines entschiedenen Wechsels der Rollen: der aktiven Beschenkung mit eigenem Selbst. Die neue Lebensstufe, deren Inauguration in Kürze ihr Ehegelöbnis werden wird, wird auf dem Leben beruhen nicht mehr für sich, sondern für diesen anderen, und beide zusammen – für die anderen, angefangen von den früher oder später erwarteten ihren eigenen Kindern.

Dessen wurden sich in immer deutlicheren Grad besonders manche der Brautpaare bewusst, deren Bekenntnisse wir schon anführen konnten. So wurde es besonders ab der Zeit an, als diese beiden die Entscheidung unter sich erarbeitet haben, Christus gegenüber treu zu bleiben, sollte es auch erst auf diesem, letzten Abschnitt erfolgen: der beinahe unmittelbaren Vorbereitungen zur Trauung.

Es wird hier jetzt über die Entwicklung des Gebets-Lebens bei Brautpaaren gesprochen. Um ihren Bedarf, oder eher ihre stark zunehmende Notwendigkeit, werden sich diese beiden vor allem dann bewusst, wenn sie nur noch die Monate, die Wochen und Tage abzuzählen beginnen, die ihnen noch vor dem Ehe-Gelöbnis geblieben sind..

Auch an diese Lage können die inbrünstigen Worte bezogen werden, mit denen Johannes Paul II. seine erste, gleichsam Programm-Enzyklika endet, die er dem Erlöser des Menschen gewidmet hat. Er schrieb in ihrem Schlusswort:

„... [Indem wir uns um die] Schwierigkeiten bewusst sind, welche sich auf [den Wegen der Kirche] ... auftürmen, ... verspüren wir umso stärker das Bedürfnis einer tiefen Bindung an Christus. Es widerhallen in uns mit starkem Echo die Worte, die Er gesagt hat: ‘Ohne Mich könnt ihr nichts tun’.
– Wir empfinden auch nicht nur das Bedürfnis, sondern geradezu einen mächtigen Imperativ zu einem großen, erhöhten und gesteigerten Gebet ... Nur das Gebet kann bewirken, dass all diese großen Aufgaben und Schwierigkeiten, die sich einander ablösen werden, nicht Anlass zu Krisen werden, sondern die Gelegenheit und gleichsam Grundlage für immer reifere Errungenschaften ...
– ... Dass wir in diesem Gebet verharren, vereint mit Maria, der Mutter Jesu...” (RH 22).

Anteilnahme am Allgemeinem Priestertum der Ehegatten-Eltern

Seitdem die Brautleute schon auf die Stufe der erwogenen Entscheidung auf die Ehe eingetreten sind, soll ihr Gebet immer ähnlicher werden wie das Gebet der schon Ehegatten. Diese aber sind in besonderer Bedeutung Teilnehmer am Allgemeinen Priestertum Jesu Christi – im Gegenteil zum hierarchischen Priestertum infolge der empfangenen gültigen Priesterweihe:

„Das allgemeine Priestertum der Gläubigen, das in der Ehe, dem Sakrament, erlebt wird, bildet für die Gatten und für die Familie in der Tat die Grundlage der Berufung und priesterlichen Sendung, die ihr tägliches Leben in ein ‘durch Jesus Christus Gott wohlgefälliges geistiges Opfer verwandelt’. Das geschieht nicht nur durch die Feier der Eucharistie und der anderen Sakramente, und durch das eigene Opfer, das zur Ehre Gottes hingebracht wird, sondern auch durch das Leben des Gebetes, durch den Gebets-Dialog mit dem Vater – durch Jesus Christus im Heiligen Geist.

– Das Familien-Gebet kennzeichnet sich mit seinen charakteristischen Merkmalen. Es ist gemeinsames Beten von Mann und Frau, von Eltern und Kindern. Die Kommunion im Gebet ist zugleich Frucht und Anspruch jener Kommunion, die durch die Sakramente der Taufe und der Ehe empfangen wurde. Auf die Glieder der christlichen Familie kann man auf besondere Weise die Worte beziehen, mit denen Christus sein Zugegensein versprochen hat: ‘...Wahrlich Ich sage euch: Wenn zwei von euch auf Erden irgendetwas übereinstimmend erbitten, wird es ihnen von meinem Vater im Himmel geschehen. Denn wo zwei oder drei in Meinem Namen versammelt sind, da bin Ich mitten unter ihnen’ ...” (FC 59; s. Mt 18,19f.).


Junge Leute, die schon nahe vor dem Empfangen des Ehe-Sakramentes bevorstehen, möchten vielleicht fragen, worum sie besonders als geradezu Brautpaar beten sollten? Man sollte wiederholt die Suggestionen Johannes Paul II. hören:

„Solches Familien-Gebet schöpft seinen ursprünglichen Inhalt vom Familienleben selbst, das in allen und verschiedenen Gegebenheiten als Gottes Berufung begriffen wird und als Antwort des Sohnes auf Seinen Anruf aktualisiert wird: Freuden und Leiden, Hoffnungen und Trauer, Geburten und Geburtstage, Jahrestage der Hochzeit der Eltern, Ausreisen, Abschiede, Trennungen und Wiedersehen, Unternehmung wichtiger und schwieriger Wahlen, Tod der Teuren Personen usw. – bedeuten das Einschreiten der Liebe Gottes in die Geschichte der Familie, wie sie auch Anlass zur Danksagung sein sollen, des Flehens und der vertrauensvollen Überantwortung der Familie an den gemeinsamen Vater, der im Himmel ist.
– Außerdem, die Würde und die Verantwortung der christlichen Familie als ‘Haus-Kirche’ können nur mit der beständigen Hilfe Gottes gelebt werden. Sie wird immer gewährt, wenn man sie sich in demütigem und vertrauensvollem Gebet erbittet” (FC 59).

Auf der Stufe des Braut-Seins soll sich das Gebet ganz besonders auf die Gabe Gottes-der-Liebe als des dauerhaften Verweilens Jesu Christi in ihrem Herz beziehen. Die Liebe, die von ihnen beiden angestrebt wird, ist doch Gott-die-Liebe. Er möchte sich dem Herzen ihrer beiden eben als Liebe mitteilen. Sie beiden können zutiefst überzeugt sein, dass Jesus Christus ihnen wirklich nichts ‘wegnimmt’. Umgekehrt, Gott beschenkt sie in Fülle mit diesen Gnaden und Gaben, die ihnen auf dieser Lebensstufe von großem Nutzen sein werden:

„Wer Mich liebt, wird Mein Wort bewahren.
Mein Vater wird ihn lieben,
und Wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen” (Joh 14,23).

„Ich in ihnen und Du [Vater] in Mir” (Joh 17,23).

„... dass auch sie in Uns – Eins sein” (Joh 17,21; korrig. nach griech. Originaltext).

Es gehört sich, dass ein jedesmalige Miteinander-Sein mit Erheben der Herzen zu Christus und Maria beginnt und endet. Dass Er selbst, zusammen mit seiner Jungfräulichen Mutter, der Mutter der „Schönen Liebe” (Sir 24,18; s. BF 20), ihre bräutlichen Zusammentreffen begleiten.

Liebe ist allein bei Gott – und nur aus Gott! Sie beiden haben wohl aufgrund der Beobachtung des Lebens, oder vielleicht selbst aus eigenen Erlebnissen erfahren, wie sehr die „alte Schlange, genannt Teufel und Satan, die ganze Welt verführt” (Offb 12,9). Und wie sich immer wieder dieselbe Methode bewahrheitet, die Satan an den Menschen als Gottes Ebenbild anwendet, angefangen vom Paradies: er übt Verlogenheit, d.h. er „verführt” – wobei er selbst nicht erkannt bleibt, um nachher umso wirksamer zu ... töten.

So hat der Menschen-Sohn Satan bezeichnet, der von sich selbst feststellt:
– „Er aber [der Fürst dieser Welt] hat nichts seines in Mir” (J 14,30; korrigiert nach griech. Originaltext; fast alle Übersetzung dieser Worte sind Kommentar, nicht aber Übersetzung).
– Und noch: „Der Fürst dieser Welt wurde gerichtet” (J 16,11; vgl. 12,31; korrigiert nach griech. Originaltext).
– Indem Jesus Satan bloßstellt, verweist Er auf seine zwei Eigenschaften: er ist Lügner – und Mörder von Anfang an (Joh 8,44).

Satan hat noch nie irgendeine ‘Spur’ von Liebe herausgeschlagen! Er ist total unfähig, diese, die auf ihn hören, damit zu beschenken, womit Gott allein beschenkt: Frieden, Freude, Segen.

Es ist sicher: niemand findet irgendwann ‘Liebe’ über die Lostrennung von Christus und die Gebote Gottes. Es besteht aber kein Zweifel, dass Satan beständig und „von Anfang an das Werk der Schöpfung benützt gegen die Erlösung ... und die Vereinigung des Menschen mit Gott” (DeV 27). Satan benützt äußerst leicht sowohl den bräutlichen, wie den elterlichen Sinn des Leibes des Menschen – gegen Gott und gegen diese beiden, u.a. als Brautpaar. Mögen sie beide fähig sein, die eigentlichen Absichten des Bösen sofort durchzuschauen und sich zu seinen Versuchungen auf solche Art und Weise zu beziehen, wie es von ihnen der Erlöser und Seine Unbefleckte Mutter Maria erwartet.

Umgekehrt aber, Jesus Christus sucht ebenso beständig – um den Preis seiner Kreuzigung, den Menschen von der drohenden Verdammung abzuschneiden:

„... [Diese Heilsökonomie Gottes] schneidet den Menschen gleichsam ab vom Gericht, das heißt von der Verdammung, mit der betroffen wurde die Sünde Satans, des ‘Herrschers dieser Welt’, der aufgrund seiner Sünde ‘Beherrscher der Welt dieser Finsternis’ geworden ist ...” (DeV 28).

Es geht um das mobilisierende Bewusstsein darum, dass Jesus Christus lebendig im Herzen ihrer beiden verweilt. Der Völkerapostel, der Hl. Paulus, fragt über die Jahrhunderte, selbst mit dem Bewusstsein bezaubert, dass Christus lebendig in ihm und in jedem von uns ist:

„Wisst ihr nicht von euch selbst, dass Jesus Christus in euch ist?
– Höchstens ihr seid verworfen. Ich hoffe aber, ihr werdet erkennen,
dass wir nicht verworfen sind!” (2 Kor 13,5f.; korrigiert nach griech. Originaltext).

Er auch ist es, Jesus Christus, der diese Zweien zusammenfügt mit dem – von Ihm und dem Vater gesandten Heiligen Geist. Als Liebe-Person im Schoß der Trinität, wird der Heilige Geist Quelle der Beschenkung der Erlösten mit Gnaden, die vom Gottes Sohn verdient worden sind.

Mögen in den Herzen der Brautleute immerwährend mit lebendigem Echo die Worte Johannes Paul II. aus seinem Brief an die Familien ertönen. Er hat ihn geschrieben in Anknüpfung an das von den Vereinten Nationen ausgerufene ‘Jahr der Familie’ – 1994:

„Man könnte fragen: Warum äußert sich Christus in der Bergpredigt auf so anspruchsvolle Art und Weise [= „... Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen”: Mt 5,27f.]?
Die Antwort ist völlig eindeutig: Christus wollte die Heiligkeit der Ehe und der Familie sichern, Er wollte die volle Wahrheit über die menschliche Person und über ihre Würde sicher stellen ...
– Alles, was die Eheleute einander geloben: ‘die Treue, die Liebe und die eheliche Ehrlichkeit und dass ich dich bis zum Tode nicht verlasse’, ist nur im Ausmaß der ‘Schönen Liebe’ möglich.
– Das zu lernen ist der moderne Mensch aus der heutigen Massen-Kultur nicht imstande. Die ‘Schöne Liebe’ kann man nur durch das Gebet lernen. Es ist nämlich immer ... irgendein inneres Verborgenwerden mit Christus in Gott [Kol 3,3] ... Nur im solchen Verborgenwerden kann der Heilige Geist wirken, die Quelle der Schönen Liebe.
– Er ist es auch, der diese Liebe ausgießt [Röm 5,5]. Wie Er sie im Herzen Mariä und Josefs ausgegossen hat, so gießt Er sie in die Herzen aller Brautleute aus, die ‘wahrhaft das Wort Gottes hören und es bewahren ...’ [Lk 8,15](BF 20).

Es gehört sich, dass beide Brautleute dem Dreieinigen des Öfteren Dank sagen für die ihnen gewährten Gaben, u.a. für allein das wunderbare und ergreifende Geschenk: der Zeit des Brautseins. Eine besondere Gelegenheit dazu bietet sich bei jedesmaligem Zusammentreffen, wenn es den beiden gut ist und sie sich darum bewusst sind, dass sie in der gegenseitigen Ehrenachtung aufwachsen, wie auch ihr Band durch das Herz des Erlösers und seine Gebenedeite Mutter Maria stärken können.

Der Bräutigam und die Braut trachten danach, die Gelegenheit ihrer nächsten Begegnung nicht zu versäumen, um sich Gott und der Mutter der Schönen Liebe zu bedanken, dass sie sich aneinander und an ihrer rein gelebter gegenseitigen Nähe freuen können. Gott vermehrt die Reichlichkeit seiner Gaben, wenn diese beiden für alles, was es bisher Gutes und Schönes gegeben hat, vollbewusst zu bedanken verstehen:

„Danket allezeit für alles Gott dem Vater –
im Namen unseres Herrn Jesus Christus” (Eph 5,20).

„Und der Friede Christi ... walte in euren Herzen ...
Und seid dankbar” (Kol 3,15).

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RE-Lektüre: VI.Teil, 1.Kapitel, Datei ‘e’.
Stadniki, 25.XII.2014.
Stadniki, 18.X.2015.
Tarnów, 10.IX.2016.
Tarnów, 20.IX.2016.
Tarnów, 5.IV.2017.


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2. Im Ansturm von Versuchungen und Keuschheit-Liebe-Proben
Grenzlinie zwischen Brautzeit und Ehe
Bei Versuchung
Aus Vorschlägen des Glauben zum Kampf mit Versuchungen
3. In Freude des errungenen Sieges
Damit die Liebe, mit der Du Mich geliebt hast, in ihnen sei (Tabelle-Gebet)

I. WEG ZUR KOMMUNION UNTEREINANDER UND MIT DEM DREIEINIGEN
Liebe: Ausrichtung auf Gabe-Sein
Das Leben verlieren um es zu wiederfinden
Von ermutigenden Anregungen Johannes Paul II. an die Jugendlichen

J. INBRÜNSTIGES GEBET
Brautpaare im Gebet
Anteilnahme am Allgemeinem Priestertum der Ehegatten-Eltern


Bilder-Fotos

R6-13. Während des Gottesdienstes beim Denkmal für NICHT Geborene. Tarnobrzeg
R6-14. Ehrenwache der Pfadfinder beim Denkmal der Nicht Geborenen
R6-15. Mutter mit kleiner Tochter - Indien