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VERMERK: Abkürzungen zur angeführten Literatur s. Literatur


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7. Satan im Sturz des Menschen – und der Dreieinige

Der Bericht des biblischen Verfassers lässt in seiner Erzählung vom Fall des ersten Menschen im Paradies keine Spur irgendwelchen Zweifels zu. Die grundlegende Rolle bei der Verführung zur freiwilligen Lostrennung von Gottes „liebender Allmacht” (DeV 33) hat Satan gespielt. Es geht um „Den Großen Drachen, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt” (Offb 12,11). Er ist es, der das Gespräch mit Eva initiiert (Gen 3,1). Er ist es auch, der als ‘Meister der Verführung’ (s. Num 31,8.16: von Bileam!) im Bewusstsein des Menschen den Glauben an Gottes Liebe rüttelt (Gen 3,4). Ist ihm der angewandte ‘Kunstgriff’ gelungen und sieht er, dass sich diese beiden auf seine Einflüsterungen – grundsätzlich ohne irgendwelchen Kampf aufschließen, sickert er in ihre Herzen – dieses Mal schon entschlossen – den „Bazillus der Widersetzlichkeit gegen Diesen, der ‘von Anfang an’ [angeblich] Gegner des Menschen – nicht aber Vater – sein soll” (DeV 38). Dieses Mal zögert Satan nicht mehr, Gott dem Menschen als seinen entschiedenen Feind zu zeigen aufgrund der Tatsache allein, Gott befürchte angeblich, der Mensch könne sein bedrohlicher Konkurrent werden, was die ‘Bestimmung von Gut und Übel’  betrifft (Gen 3,5).

Ob die ersten Eltern Satan mit ihrem Gesichtssinn gesehen haben? Der biblische Verfassen, der die genaueren Einzelheiten des Sturzes im Paradies nicht gekannt hat, schreibt anschaulich und erwähnt hier nur die „Schlange, die schlauer war als Tiere des Feldes, die Jahwéh-Elohim [Herr, der Gott] gemacht hatte” (Gen 3,1). Aber diese Hinsicht des Berichtes: das Sehen mit dem Gesichtssinn, oder nur der innere Kampf im Gewissen, tritt in die Wahrheit der Offenbarung der Heiligen Schrift nicht ein. Gott gewährt dagegen dem biblischen Bericht die Garantie seiner Selbst als Wahrheit-der-Offenbarung unter dem Aspekt der hier dargestellten Tatsache allein alles Folgende:

Das hat sich alles selbstverständlich in erster Reihe auf dem Terrain des Gewissens abgespielt: jener „verborgensten Mitte und des Heiligtums im Menschen, wo er allein ist mit Gott, dessen Stimme in diesem seinen Innersten zu hören ist ...” (GS 16). Wie sollte es der biblische Autor anders beschreiben, dass sein Bericht auch verständlich, d.h. anschaulich wäre? Anderseits, Gott hat solche Aspekte der dargestellten Tatsachen – nicht offenbaren wollen, die allein der Befriedigung der menschlichen Neugierigkeit dienen würden ...

Satan ‘greift’ den Menschen offenbar nur ‘von außen’ an. Ihm ist ein unmittelbarer Zutritt zum Gewissen selbst nicht gegeben. Es sei denn, der Mensch öffnet ihm in Kraft seiner Selbst-Bestimmung sein ‘Herz’ und lädt ihn dorthin ein, wie es im Fall des Judas war: „Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, fuhr der Satan in ihn” (Joh 13,27). Die ‘Versuchung’ an sich spielt sich auf Peripherien der geistigen Vermögen ab. Diese bestimmen die Würde des Menschen als Person. Es geht also um den Verstand und die Vernunft, um den freien Willen, und die Zurechnungsfähigkeit. An diese ‘Ebene’ des Menschen als Gottes Ebenbildes sucht der Gestürzte Engel unermüdlich zu rücken.

Mit Dank führen wir von neuem Johannes Paul II. an:

„Wenn wir die biblische Erzählung von der Stadt Babel und ihrem Turm ... lesen, ... können wir daraus kostbare Elemente für das Bewusstwerden um das Geheimnis der Sünde gewinnen.
– Dieser Ausdruck, in dem anklingt, was der hl. Paulus über das Geheimnis der Gesetzwidrigkeit schreibt [2 Thess 2,7], erleichtert uns das zu verstehen, was sich in der Sünde geheim hält, was das Finstere und Ungreifbare ist.
– Die Sünde ist zweifellos Akt der Freiheit des Menschen, aber unter seiner menschlichen Schicht wirken Faktoren, die ihn außerhalb des Menschen stellen, am Grenzbereich, dort wo sich das menschliche Bewusstsein, der Wille und die Empfindsamkeit mit Kräften des Dunkels berühren, die nach dem hl. Paulus in der Welt tätig sind und ihn beinahe beherrschen [Röm 7,7-25; Eph 2,2; 6,12](RP 14).

Der in Versuchung geratene Mensch ist sich nur allzu gut bewusst, dass er nicht erliegen muss!  Wird er fallen, fällt nicht der Versucher ‘an seiner statt’, sondern er selbst. Was konnte Gott noch dazu tun – aus Liebe zu seinem lebendigen Ebenbild: Mann und Frau, dass der Mensch nicht fällt? Gott hat den Ureltern dieses dringend formulierte Gebot, diese Anempfehlung dargeboten:

„... Doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen,
denn sobald du davon isst, wirst du sterben” (Gen 2,16f).

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Erklärung

Gott kann nur warnen – und das tut Er auch (s. ob.: Worte Gottes Warnungen). Gott wird selbst fast schreien – im inneren Heiligtum des Menschen, dass er der kommenden Versuchung widerstehe und auf Gottes Gebot höre, sollte es auch mit einiger Mühe verbunden sein.

Die Tatsache an sich einer sich verlängernden Versuchung zeugt von Gottes Wirken im Gewissen des Menschen, in diesem seinen inneren „Heiligtum”, in dem der Schöpfer selbst weilt, der sein lebendiges Ebenbild – liebt und es vom Begehen des „Übels in Gottes Augen”  abzuwenden sucht.

Es hätte eigentlich genügt, Gott um Hilfe zu bitten, dass die Versuchung überwunden werden könnte. Gott würde sie außer Zweifel reichlich gewähren. Jesus Christus, der als Gottes Wort zum Menschen schon im Paradies gesprochen hat, und umso mehr spricht, seitdem das Geheimnis der Menschwerdung der Zweiten Person der Trinität Tat geworden ist, ist immerwährend dasselbe Wort Gottes im menschlichen Gewissen. Als Jesus Christus, erinnert der Sohn – das Wort, voller Nachdruck:

Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet.
Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach” (Mt 26,41; Mk 14,38).

Im selben Geist äußert sich der hl. Jakobus der Apostel, wie auch der hl. Petrus:

„Ordnet euch also Gott unter, leistet dem Teufel Widerstand,
dann wird er vor euch fliehen ...” (Jak 4,7).

„Seid nüchtern und wachsam!
– Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher
und sucht, wen er verschlingen kann.
Leistet ihm Widerstand in der Kraft des Glaubens” (1 Petr 5,8f).

Mögen doch die Ur-Eltern im Anvertrauen an Gottes Wort beharrlich fortgedauert haben! Indessen sie haben ... aufgehört, Gott zu „glauben”, dass Er Liebe ist, wenn Er ihnen vorschlägt, vielleicht ganz dringend, aber niemals sie dazu nötigt, dass sie sein Gebot halten, das Er ihnen angeboten hat, weil nur „Er der Gute” ist (vgl. Mt 19,17). Indessen sie beiden – schon sie, und nicht erst diejenigen, zu denen Jesus Christus kurz vor seinem Tode sprach, haben zu glauben aufgehört, bzw. mehr präzise: sie haben aufgehört dem Wort Gottes zu anvertrauen, das ganz Liebe war und ist.
– Genau auf gleiche Art und Weise, wie es mit unaussprechlichem Schmerz kurz vor seiner Erlösungs-Passion Jesus Christus, das Fleischgewordene-Gottes-Wort geäußert hat:

„Und wenn Er [= der Heilige Geist] kommt, wird Er die Welt überzeugen über die Sünde ...
Über die Sünde – weil sie nicht an Mich glauben ...” (Joh 16,8f).

Wie sollte hier Johannes Paul II. nicht angeführt werden – gerade im Anschluss an diese Äußerung Jesu, die das menschliche Herz ‘zerreißt’:

„Nach dem Zeugnis vom Anfang gestaltet sich die Sünde in ihrem ursprünglichen Ausmaß im Willen – und im Gewissen des Menschen vor allem als ‘Ungehorsam’, also als Widerspruch des Willens des Menschen gegen den Willen Gottes.
– Dieser ursprüngliche Ungehorsam setzt die Zurückweisung– oder zumindest die Abschiebung der Wahrheit voraus, die im Wort Gottes enthalten ist. ... Es ist ... das Wort, das ... ‘Gott war’ und ... ‘die Welt ist durch Es [= dieses Wort] geworden’ [Joh 1,1ff.10]. Es ist das Wort, das auch das urewige Gesetz ist ...
– Spricht also Christus am Vortag seiner Passion von der Sünde jener, die ‘nicht an Ihn geglaubt haben’, ist diese seine Aussage, voller Schmerz, zugleich auch gleichsam das weite Echo jener Sünde, die sich mit ihrer ursprünglichen Gestalt finster in das Geheimnis der Schöpfung einschreibt ...

– Im Licht dieser Wahrheit verstehen wir, dass der ‘Ungehorsam’ im Geheimnis des Anfangs [= in der Sünde vom Paradies] in gewissem Sinn denselben ‘Unglauben’ voraussetzt, dasselbe ‘weil sie nicht an Mich glauben’, wie es sich gegenüber dem Pascha-Geheimnis wiederholen wird [= Jesu Leiden-Tod-Auferstehung]. Es bezeichnet nämlich die Zurückweisung, und zumindest die Ablehnung der Wahrheit, die im Wort des Vaters enthalten ist. Diese Zurückweisung äußert sich im Tun als ‘Ungehorsam, der begangen wird infolge der Versuchung, die vom ‘Vater der Lüge’ herkommt [Joh 8,44].
– An der Wurzel der menschlichen Sünde liegt also die Lüge als radikale Zurückweisung der Wahrheit, die im Wort des Vaters [= der Zweiten Person der Trinität] enthalten ist, durch das die liebende Allmacht des Schöpfers zum Ausdruck kommt ...” (DeV 33).

Gott beraubt den Menschen ganz bestimmt der ihm dargeschenkten grundlegenden Ausstattung nicht: der Gabe des Selbst-Bewusstseins, der Selbst-Bestimmung, der Befähigung, die Verantwortung zu unternehmen. Anders müsste Gott sich selbst widersprechen. Gott „will den Menschen um seiner Selbst willen” – als Menschen, nicht aber als willenlosen ‘Roboter’!

Die ersten Eltern haben sich letztlich für Gott verschlossen. Sie haben ihr „Anvertrauen” auf den „Vater der Lüge” übergetragen. Ihre Sünde wurde „eine gewisse Eröffnung derselben Freiheit – der menschlichen Erkenntnis und des Willens – auf den hin, der der ‘Vater der Lüge’ ist ...” (DeV 37).

Im selben Augenblick musste Gott daselbst ihr Herz verlassen. Diese beiden sind in dieser Stunde allein geblieben, mit ihrem ganzen Ballast der Zurechnungsfähigkeit und der einbezogenen Schuld – der ewigen Schuld, und der ebenfalls ewigen – Strafe.
– Das, was sie mit ihrer Widersetzung dem Gebot Gottes und dem in Voraussetzung definitiven Herausbitten aus ihrem Herzen Gottes der Liebe die mit Leben beschenkt, ‘errungen’ haben, hat auf folgendem beruht:

„Sie nahm von seiner Frucht und aß,
und sie gab auch ihrem Mann bei ihr, und er aß.
Da wurden ihrer beider Augen aufgetan
und sie erkannten, dass sie nackt waren! ...” (Gen 3,6f; Text: ESt).

In den vorigen Erwägungen haben wir schon an jene „Nacktheit” angeknüpft (s. ob.: Nacktheit – Ehebruch). Dieses Thema erscheint später wiederholt – mit wesentlicher Vertiefung, im letzten Kapitel unserer Seite (sieh unt.: Theologische Bedeutung der Kleidung). Es geht darum, dass von ihnen im selben Moment wie eine ‘Vorhang’ das Hochzeits-Gewand niedergefallen ist: es ist in Gottes Angesicht die Heiligmachende Gnade. ‘Nacktheit’ bedeutet den Menschen im Zustand der Tod-Sünde. Er hat den ‘Hochzeitsring’ Gottes Bräutlicher Liebe weggeworfen, den ihm die Liebe Gottes des Bundes angeboten hat. Daselbst hat er das ihm vom Dreieinigen geschenkte ‘Hochzeits-Gewand’, d.h. den Zustand der Gnade, zurückgewiesen.


Sollte man schon den zutiefst bohrenden ‘Schmerz’ des vom Menschen verschmähten Gottes übergehen, der an der empfindsamsten Saite seiner „liebenden Allmacht des Schöpfers” (DeV 33) getroffen wird, und sollte man schon übergehen, dass die Sünde „Beleidigung Gottes des Gerechten – und Barmherzigen” ist (APR 8), und dass sie dabei „Ungehorsam” gegen Gott ist als des liebenden Wortes – bleibt noch eine Hinsicht der Sünde übrig: der Dreieinige – und der Gefallene Engel: Satan, der Verführer.

Der Sturz des lebendigen Ebenbildes Gottes bedeutet die ‘Gewonnene’ der „Alten Schlange” (Offb 12,9) – Gott zum Trotze! Der Sündenfall des Menschen gleicht Satans ‘Rache’ am Gott, den Satan am Morgenrot seines eigenen Existierens ein für alle Male – mit bewusstem und freiem Akt seiner Selbst-Bestimmung zurückgewiesen hat.
– Die ganze Verbissenheit deswegen, weil es ihm folglich für alle Ewigkeit unabwendbar schlecht ist, wendet er jetzt auf den Menschen, Gottes Ebenbild, um. Satan kann vor Neid nicht aushalten, dass vor dem Menschen die Chance erscheint, in Kommunion von Leben und Liebe mit dem Dreieinigen zu weilen und ins Haus des Vaters zu gelangen. Der Fall des Menschen gleicht daselbst die Gegen-Satisfaktion für seinen satanischen Neid.

Der Fall des Menschen schließt aber dem von Jesus Christus in seinem Kreuzes-Opfer besiegten „Herrscher dieser Welt” (Joh 12,31) die Gelegenheit auf, dass er von der ‘Fülle’ dessen, worüber er verfügt: über den Tod – alle diejenigen ‘reichlichst’ belohnt, „die ihm zugehören” (Weish 2,24):

„Denn der Lohn der Sünde
ist der Tod
...” (Röm 6,23).

„Auch auf diese Weise macht Gott deutlich,
dass Er ‘keine Freude um Untergang der Lebenden hat’ [Weish 1,13].
– Nur der Teufel vermag sich darüber zu freuen:
durch seinen Neid kam der Tod in die Welt [Weish 2,24] ...
Indem er den Menschen täuscht, führt er ihn zur Sünde und zum Tod,
die er als Ziel und Frucht des Lebens
zeigt” (EV 53).

Sollte es einmal mehr erlaubt sein, einen kräftigen ‘Anthropopathismus’ bei der Ausdrucksweise über den Dreieinigen einzusetzen, dürfte gesagt werden: Gott wird im Angesicht Satans ‘schamrot’, dieses Geschöpfes seiner ursprünglichen Liebe – wegen des Sturzes des Menschen, dem Er das Vorhaben der „Kommunion” in Liebe und Leben mit seinem Schöpfer selbst angeboten hat. Satan hat diesen Gott „besiegt” – offenbar nur ‘zeitweilig’! Einmal mehr ist es Satan gelungen das zu erwirken, was er in seinem satanischen Übereifer um das Böse ununterbrochen tut:

„... [Satan] benützt das Werk der Schöpfung von Anfang an
gegen die Erlösung,
gegen den Bund
und die Vereinigung
des Menschen mit Gott ...” (DeV 27).

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C.   ‘ERTRAG’ DES GOTTES EBENBILDES ‘FÜR DIE SÜNDE’

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1. Die schwere Sünde: die Tod-Sünde

Es gehört sich auf die Wirklichkeit der Sünde jetzt, der Reihe nach, vonseiten des Menschen, Gottes lebendigen Ebenbildes, kurz hinzublicken. Hier ist es in gewissem Maß leichter, zu Wort zu kommen. Wer von den Menschen hat nicht wenig Bitterkeit wahrnehmen müssen, sobald er sich vor dem Angesicht des Dreieinigen stellen und sich von eigenen Verhaltensweisen abrechnen musste?

Die Erwägungen dieses Teiles unserer Homepage streben nach einem bestimmten Ziel: wir möchten uns bewusst werden, was da geworden ist, dass sich Gott seinem lebendigen Ebenbild immer deutlicher als Gottes Barmherzigkeit zu offenbaren begonnen hat. Deswegen wird hier vor allem von der Lage der ersten Sünde des Menschen gesprochen: dieser im Paradies. Denn hier hat sich das erste Drama zwischen dem Menschen – und dem Dreieinigen abgespielt. Ihn hat doch Gott – und nur ihn – in „seiner großen Liebe” (Eph 2,4) – „um seiner Selbst willen” (GS 24) erschaffen.

Indessen schon dieser erste Mensch: Mann und Frau – hat die Probe auf die Qualität der gegenseitigen Liebe zum Dreieinigen – nicht bestanden. Und doch, die Liebe muss sich früher oder später in Situation einer Probe wiederfinden. Anders wäre es schwer zu bekennen, dass es überhaupt ‘Liebe’ ist.
– Das Anrecht zu überprüfen, ob die Liebe des mit so großer Liebe und Güte erschaffenen lebendigen Ebenbildes aufrichtig ist oder nicht, steht vor allem Gott zu. Aber auch dem Menschen selbst steht, der Reihe nach, das Anrecht zu, sich sowohl in leichterer, wie schwierigerer Lage zu finden, wann er mit Freuden die Chance aufgreifen kann, um sich ausweisen zu können, was seine Treue in Probe der von ihm bekannten Liebe zum Schöpfer betrifft.

Die Tragik des Falls des Menschen hängt direkt mit dem Wesen des ‘Geheimnisses der Sünde’ – in diesem Fall: der schweren Sünde, bzw. der Tod-Sünde, zusammen. Diese Möglichkeit betrifft solchen Akt, der eine „schwerwiegende Materie zum Gegenstand hat und der dazu mit vollem Bewusstsein und bedachter Zustimmung begangen wird” (RP 17; KKK 1854-1864; usw.). Die Kirche lehrt:

„Die Todsünde ist – wie auch die Liebe – eine radikale Möglichkeit, die der Mensch in Freiheit wählen kann.
– Sie zieht den Verlust der Göttlichen Tugend der Liebe und der heiligmachenden Gnade,
das heißt des Standes der Gnade, nach sich ...” (KKK 1861).

Solche Wahl war der Akt der Freiheit der Ur-Eltern im Paradies. Die Todsünde, genannt auch schwere Sünde (vgl. RP 17; VSp 69f.), hat in sich was von der Unendlichkeit. Der Mensch, das seiner Natur nach sterbliche und vergängliche Wesen, unternimmt in der Todsünde eine Entscheidung, deren Auswirkungen sofort in die Unendlichkeit reichen.

Außerdem steht der Todsünde diese Eigenschaft zu, dass sie ihrer Natur nach ein definitiver Akt ist. Johannes Paul II. erinnert im Anschluss an die Diskussion über die sog. ‘Grund-Option’ [lat.: optio fundamentalis], an die Frage der ‘schwerwiegenden Materie’ der Todsünde und der Anteilnahme des Bewusstseins und der Freiheit:

„Andererseits aber ‘muss man vermeiden, die Todsünde auf einen Akt der Grundoption [lat.: optio fundamentalis] gegen Gott herabzuführen, wie man heute zu sagen pflegt, unter der man dann eine ausdrückliche und formale Verschmähung Gottes oder des Nächsten, oder auch eine mittelbare und unbewusste Zurückweisung der Liebe versteht.
– Es handelt sich nämlich um eine Todsünde auch dann, wenn der Mensch bewusst und freiwillig, aus irgendeinem Grunde, etwas wählt, was seriöse Unordnung ist.
– In der Tat enthält solche Wahl bereits eine Missachtung des Göttlichen Gebotes, eine Zurückweisung der Liebe Gottes zur Menschheit und zur ganzen Schöpfung: Der Mensch entfernt sich selbst von Gott und verliert die Liebe.
– Diese Grund-Orientierung kann also wegen der einzelnen Akte einer grundlegenden Änderung unterliegen.
– Zweifellos kann es in psychologischer Hinsicht sehr verwickelte und unklare Situationen geben, die Einfluss auf die subjektive Zurechnungsfähigkeit des Sünders ausüben. Allerdings aufgrund der Betrachtungen von der Sphäre der Psychologie darf man zum Aufbau einer theologischen Kategorie nicht übergehen, wie es eben die ‘Fundamental-Option’ darstellt – so verstanden, dass sie die traditionelle Auffassung der Todsünde objektiv ändert oder sie in Zweifel zieht’ ...” (VSpl 70).

Es ist wohl empfohlen, hier noch die folgende Dazusage aus der Enzyklika Johannes Paul II. „Veritatis Splendor” anzuführen:

„Mit der ganzen Überlieferung der Kirche nennen wir denjenigen Akt eine Todsünde, durch den ein Mensch freiwillig und bewusst Gott zurückweist, Sein Gesetz, den dem Menschen von Gott angebotenen Bund der Liebe, weil er sich lieber zu sich selbst zuwenden mag, zu irgendeiner geschaffenen und endlichen Wirklichkeit, zu irgendwas dem Göttlichen Willen Entgegengesetztes (conversio ad creaturam – Hinwendung zum Geschaffenen).
– Dies kann auf direkte und formale Weise geschehen, wie bei Sünden der Götzenverehrung, der Apostasie, des Atheismus; oder auf gleichwertige Weise, wie in jedem Ungehorsam gegenüber den Geboten Gottes bei schwerwiegender Materie” (VSpl 70; RP 17).

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2. Die Tragik der ersten – und jeder Todsünde

In der Sünde, die sich im Paradies ereignet hat, da die Ur-Eltern, bewusst dass sie in sich auf geheimnisvolle, und doch tatsächliche Art und Weise die Verantwortung des ganzen Menschen-Geschlechtes tragen für die Antwort ‘Ja’ bzw. ‘Nein’ im Angesicht des Liebe-Bundes, den ihnen die „liebende Allmacht des Schöpfers” angeboten hat, haben diese beiden in ihrer Selbst-Bestimmung die Entscheidung für das ‘Nein’ getroffen.
– Es hilft hier nichts, sich auf die damals noch nicht entwickelte Kultur-Stufe zu berufen, sollte sie auch selbst dem Zeitalter der geschlissenen Steine vorangegangen sein. Samt dem Schöpfungsakt „erschafft Gott unmittelbar jede Geistseele” (KKK 366), und zusammen mit ihr das oftmals erwähnte Heiligtum des Gewissens.

Wir können nur mit tiefster Glaubensüberzeugung das annehmen, was diesbezüglich die Kirche lehrt. Mögen hier drei Fragmente vom ‘Katechismus der Katholischen Kirchen’ angeführt werden:

„Vom Teufel versucht – ließ der Mensch in seinem Herzen das Vertrauen zu seinem Schöpfer sterben, missbrauchte seine Freiheit und gehorchte dem Gebot Gottes nicht. Darin bestand die erste Sünde des Menschen ... ” (KKK 397).

„In dieser Sünde zog der Mensch sich selbst Gott vor und missachtete damit Gott: er entschied sich für sich selbst gegen Gott, gegen die Erfordernisse seines eigenen Geschöpfseins und damit gegen sein eigenes Wohl. In einem Zustand der Heiligkeit erschaffen, war der Mensch dazu bestimmt, von Gott in der Herrlichkeit völlig ‘vergöttlicht’ zu werden. Vom Teufel versucht, wollte er ‘wie Gott sein’, aber ‘ohne Gott und über Gott, und nicht Gott gemäß’ ...” (KKK 398).

„Die Schrift zeigt die verhängnisvollen Folgen dieses ersten Ungehorsams. Adam und Eva verlieren sogleich die Gnade der ursprünglichen Heiligkeit. Sie fürchten sich vor Gott, von Dem sie sich das Zerrbild eines Gottes gemacht haben, der auf seine Vorrechte eifersüchtig bedacht ist” (KKK 399).

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Erklärung

Dieselben werden von nun an die Folgen jeder anderen Todsünde sein. Ein wenig mehr anschaulich könnte gesagt werden, die Todsünde beruht darauf, dass mit ihr alle möglichen ‘Fäden’ durchgeschnitten werden, die das Geschöpf mit dem Schöpfer verbinden. Da eine Sünde nur von einer Person begangen werden kann, gilt das von solchen ‘Fäden’ zwischen Gottes Ebenbild und Gott dem Liebe-Leben, die bei Beziehungen zwischen Personen in Bedacht kommen können, also in diesem Fall: der Personen des Dreieinigen Gottes – in seiner dem Menschen angebotenen Kommunion von Leben und Liebe.
– Der wichtigste Faden, der das Ebenbild Gottes mit dem Dreieinigen verband, war das Leben in Heiligmachender Gnade. In der Sünde wird er sofort zerrissen und vollständig – in definitivem Sinn – gelöscht.

Das ist eben die schauderhafte, und doch tatsächliche Hinsicht der Todsünde: der Tod des Gottes Lebens in der menschlichen Seele. Dem Akt der Freiheit des Menschen ist eine so große Macht eigen, dass Gott vom menschlichen Herzen sofort und für die Dauer herausgewiesen wird. Gott, der zugleich das am meisten ... seinem Geschöpf ‘gehorsame’ Wesen ist, verlässt das menschliche Herz im selben Sekundenteilchen – voller Demut, gehorsam, aber zugleich wohl mit einem lauten, ‘verzweifelten’ Schmerzes-Schrei. Nicht so sehr selbst wegen der eigenen schnöden Misshandlung, als angesichts der tödlich tragischen Wahl des Kindes seiner Liebe und seines Schmerzes. Denn das Ebenbild Gottes hat daselbst die Wahl für das Dasein in ewiger ... Verdammnis getroffen, von der es keine Rückkehr mehr gibt!

Denn das ist in der Todsünde das alles überragende „Geheimnis der Gesetzeswidrigkeit” : die menschliche Person kann alle möglichen ‘Fäden’, mit denen sie mit dem Schöpfer verbunden ist, total zerschneiden. Es bleibt aber noch ein Faden übrig: ein unzerstörbarer ‘Faden’, den niemand und nichts durchzuschneiden imstande ist: der Faden des Existierens. Es ist dieser ‘Faden’, auf diesem jede Person ... ‘hängt’. Dieser Faden wird immer von der liebenden Hand des Schöpfers gehalten:

„Hat Er doch alles zum Sein erschaffen,
und heilbringend sind die Geschöpfe der Welt.
Es ist kein verderbliches Gift in ihnen ...” (Weish 1,14; Text: JB).

„Gott hat ja den Menschen zur Unverweslichkeit erschaffen –
und ihn zum Abbild seines eigenen Wesens gemacht.
Durch den Neid des Teufels aber ist der Tod in die Welt gekommen,
und die ihm angehören, werden ihn erfahren” (Weish 2,23f.; Text: JB).

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3. Akt der Selbsttötung: Wahl für die – ewige ...
Verdammnis

Es gibt pseudo-religiöse Gruppierungen, die auf einer nicht von Gott erschaffenen ‘Religion’ stützen, sondern von einem immer anderen Menschen, dem Gründer einer bestimmten Absplitterung des Christentums, oder auch des Nicht-Christentums, und der eine ersonnene ‘Religion’ aus Gemischtem verschiedener anderer Religionen irgendwie zusammenstellt und das als ‘geoffenbarte Neu-Religion’ anzubieten sucht.
– In diesem Moment geht es vor allem um die Zeugen Jehovas, die Bibel-Forscher und manche andere ähnliche ‘Bekenntnisse’. Sie behaupten, sie stützen sich auf die Heilige Schrift, indessen mit dem echten Gottes-Geschriebenem-Wort haben sie nicht viel Gemeinsames.

Sie behaupten z.B., es gäbe keine Unsterblichkeit der Seele. Dass also der Mensch im Augenblick des Todes zunichte gemacht wäre. Dass es keine Auferstehung von den Toten gibt. Eventuell es wird einmal nur ein gewisser Teil von Menschen einzig ihrer (pseudo)-religiösen Gruppierung zur Auferstehung von den Toten gebracht werden; u.dgl.

All das sind Behauptungen, die der Lehre der Heiligen Schrift direkt widersprechen. Die Heilige Schrift spricht nämlich so klar, dass sie keinen Zweifel überlässt – u.a. darüber, dass alle vor dem Tribunal Jesu Christi stehen bleiben werden, um von ihren Taten, die sie im Leibe vollbracht haben, Rechenschaft abzulegen (Joh 5,28f; Röm 14,10; 2 Kor 5,10. – S. auch ob.:  Werbungs-Techniken in Neo-Religionen und Sekten – und den ganzen weiteren Zusammenhang; und noch: New Age – Reinkarnation).

Der Mensch ist doch das „einzige Geschöpf, das Gott um seiner Selbst willen beabsichtigt [= Gott will den Menschen für den Menschen selbst](GS 24). Der Wille des Schöpfers ist so ‘stark’, dass der biologische Tod für Ihn kein Problem darstellt.
– Daher kann es u.a. eben deswegen keine Rede von Annihilation [Zunichtebringen] geben bezüglich des einmal zum Leben berufenen Menschen: Gottes Ebenbildes – der Person. Allerdings allein der Mensch – nicht aber Gott an seiner statt, trifft mit seiner freien Wahl die Entscheidung nach einem ‘Plus’ oder auch einem ‘Minus’ nach seinem Tod, d.h. nach dem ewigen Leben in Erlösung im Haus des Vaters, oder auch nach dem Leben – ebenfalls ewigem, aber in der Verdammnis.

In dieser Lage verstehen wir die Worte Johannes Paul II. im Anschluss an die Sünde in ihrer Abwendung von Gott. Die Sünde ist demnach – im Ausmaß des geistigen Lebens – jedes Mal Akt des Selbst-Mordes, der Selbsttötung:

„Als Bruch mit Gott ist die Sünde Akt des Ungehorsams des Geschöpfes,
das wenigstens mittelbar Diesen zurückweist, von Dem es herkommt und Der es am Leben hält;
es ist somit ein selbstmörderischer Akt ...” (RP 15).

Die Sünde besteht also auf der „Zurückweisung Dessen, von Dem” der sündigende Mensch ... „herkommt”! Diese Tatsache legt die Widersprüchlichkeit der Sünde in ihrem ‘Ausgangspunkt’ selbst offen. Es ist ganz umsonst „Diesen zurückzuweisen, von Dem [das aufständische Geschöpf: der Mensch]herkommt”. Freilich: Gott verlässt im Augenblick des Menschen Herz, das es sich nicht wünscht, weiter „Heiligtum Gottes” (1 Kor 3,16) zu sein.
– Aber: was wird es dann weiter geben? Das Gottes-Geschriebene-Wort spricht darüber in schrillen Worten:

„Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?
Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben.
Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr” (1 Kor 3,16f).

Darüber haben wir schon im vorigen Teil gesprochen (s. ob.:  Zerstörung Gottes Tempels), und es wird noch so manches Mal Angelegenheiten geben, wo wir an diesen Feststellung der Heiligen Schrift wiederholt anknüpfen werden.
– Im Augenblick, in dem Gott – das mit dem Heiligen Geist gefüllte ‘Zelt’ verlässt, ausgetrieben in Kraft der Selbst-Bestimmung des Menschen in seiner Todsünde, wird der bisherige Tempel im selber Stunde Schutthaufen des schlimmsten Schmutzes und aller Unreinheit.
– Aber darüber hinaus: zu gleicher Zeit bemächtigt sich dieses Trümmerfeldes sofort ... Satan. Dieser aber kann den Menschen nicht nur nicht ‘lieben’, sondern bürdet ihm sogleich Fesseln seiner Knechtschaft auf!

Die rebellischen Schnitte durch alle ‘Fäden’, die von der „liebenden Allmacht des Schöpfers” (DeV 33) zum Gottes Ebenbild herkommen, wogegen sich dieses aber vorsätzlich auf die Verlogenheit vonseiten Satans ausgesetzt hatte, wenden sich so in selbstmörderische Entscheidung um. Die Menschliche Person wünscht es sich nicht mehr, weiter am Schöpfer zu ‘hängen’, der sie voller Liebe in ihrem Existieren und ihrem ‘Funktionieren’ erhält. Der Mensch in Sünde schneidet ‘einen Faden nach dem anderen’, die ihn mit seinem Schöpfer verbinden: und zwar die Fähigkeit des physischen und geistigen Wachstums, die Komponenten der Naturausstattung selbst der menschlichen Person: Verstand, freier Wille, Verantwortung, usw., eventuell zuletzt selbst auch noch den Faden seines physisch-biologischen Lebens. Diese Fäden kann der Mensch in der Tat zerreißen.

Wenn sie schon alle durchgeschnitten wurden, bleibt noch der eine Faden – der letzte, übrig. Doch diesen ist kein Geschöpf imstande zu zerreißen: den Faden des ... Existierens – für immer, d.h. für die Ewigkeit. Freilich, der Mensch stirbt mit dem biologischen Tod. Allerdings der Tod ... stellt nur die Schwelle zum erneuten Leben dar – dieses Mal zum ewigen Leben: für immer. Das Geschöpf ist außerstande den Schöpfungs-Akt Gottes zu ... annullieren!

Selbst aber Gott ist nur allzu ernst. Beschenkt Er sein lebendiges Ebenbild in seiner zärtlichsten Liebe einmal mit der Gabe des Daseins – als dieses „einzige Geschöpf auf Erden, das Gott um seiner Selbst willen gewollt hat” (GS 24), zieht Er sich von seinem Vorhaben niemals mehr zurück.

So mancher Sünder möchte sich ‘wünschen’, dass es besser Gott ... nicht gäbe. Das kann aber unmöglich erreicht werden. Gott ist schlechterdings ... da! Er ist dabei Liebe und Bund für sein lebendiges Ebenbild. Diese Gottes Liebe ist zugleich ‘stark’. Die Liebe, zu der Gott die menschliche Person befähigt hat, kann sich unmöglich nicht in der Lage einer Probe-auf-ihre-Qualität  finden. Anderenfalls wäre sie unwürdig ihrer selbst, unwürdig auch Gottes!

In der Todsünde verlässt Gott den Tempel des menschlichen Herzens ... mit unaussprechlichem Schmerz, aber gehorsam gegen den Willen dieses Menschen und seine Entscheidung: für immer. Der Mensch bleibt ... in Gottes Angesicht „nackt” stehen. Es fällt von ihm das „Hochzeits-Gewand” ab (vgl. Mt 22,11f). Würde ihn in solchem Zustand der biologische Tod erreichen, legt sich sein weiteres Existieren gemäß seiner vorangegangenen Wahl: in Lostrennung-von-Gott als Liebe-Leben. Darin beruht die ewige ... Verdammnis.

Gott verdammt niemals. Er bestätigt nur die letztliche Wahl seines lebendigen Ebenbildes, die unmittelbar dem Augenblick des Überganges-auf-den-anderen-Ufer vorangegangen ist. Sollte es die Wahl einer Tod-Sünde sein, stellt Gott einzig fest:

„Kind meines Schmerzes! Dir geschehe nach deinem Wort.
Verbleibe in deinem Weggang – für immer. Wie du es gewollt und gewählt hast”.

So ist das Finale einer Todsünde. Es ist ein selbstmörderischer Akt – der bewussten, beabsichtigten Lostrennung von Gott-der-Liebe-des-Lebens. Gott bewahre, dass es bei jemandem mit solcher Gewissenseinstellung beim Sterben geschieht !

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4. Soziale Ausklänge der begangenen Sünde

Nur kurz ziemt es sich zu erinnern (s. schon ob.:  Ausklänge für die Familie und Gesellschaft), dass jede Sünde, selbst diese begangen in Einsamkeit und im Verborgenen, notwendigerweise, gleichsam nach dem Grundsatz ‘verbundener Röhre’, den allgemeinen Fall der ‘Stufe’ des Gnaden-Lebens irgendwie beim ganzen Volk Gottes herbeiführt.

Unabhängig davon zieht die Sünde die Verletzung überhaupt aller Beziehungen des sündigenden Menschen nicht nur zu Gott, aber auch zu den übrigen Menschen, die mit seiner Sünde nichts zu tun haben. Der Mensch wird infolge der persönlichen Sünde in der Regel nervös, er reagiert seine innere Niederlage ab, mit der es ihm unwohl ist – auf der menschlichen Umgebung, und selbst auf unbelebter Natur, was schon überhaupt allen Begriff übersteigt.

Johannes Paul II. bemerkt (s. die ausführlichere Päpstliche Besprechung: RP 15f.):

„Weil der Mensch sich durch die Sünde weigert, sich Gott zu unterordnen, zerbricht auch sein inneres Gleichgewicht, in seinem Inneren brechen Widersprüche und Konflikte auf. Der so verwundete Mensch verletzt gleichsam unvermeidlich das Gewebe, das ihn mit anderen Menschen und mit der geschaffenen Welt verbindet.
– Das ist ein Gesetz und ein objektiver Tatbestand, der sich sehr oft in Psychologie und im geistigen Leben des Menschen bestätigt, wie auch in der Wirklichkeit des gesellschaftlichen Lebens, wo es leicht ist die Auswirkungen und Anzeichen dieser inneren Unordnung zu erblicken.
– Das Geheimnis der Sünde kommt mit dieser doppelten Verwundung zustande: der Sünder öffnet sie in sich – und in seinen Beziehungen zum Nächsten. Deshalb kann man von personaler und von sozialer Sünde sprechen ...” (RP 15: Ende).

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D.   AUSGEWÄHLTE BIBLISCHE AUSSAGEN ÜBER DIE SÜNDE

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Die Heilige Schrift, also das Gottes-Geschriebene-Wort, ist kein ‘Handbuch’ und hat auch keineswegs vor, ein Handbuch zu bilden, selbst kein Handbuch für Theologie. Es ist auch keine systematische Auslegung z.B. des Glaubens – ein Thema nach dem anderen. Kein Wunder, wenn wir eine besondere Freude – im Heiligen Geist – wahrnehmen, sooft wir irgendwelche mehr charakteristische biblische Wendungen antreffen, die zum tieferen Verständnis der Wahrheit der Offenbarung hinführen. Das betrifft auch die Wirklichkeit der ‘Sünde’.
– Hier eine Handvoll solcher Äußerungen in Form von Stichproben.

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1. Aus dem Buch Jeremia

a. Jeremia (Umbruch des 7.-6. Jh. vor Chr.) brandmarkt eines Males die Sünde der Apostasie, d.h. der praktischen Ableugnung Gottes des Wahren – gegen die Verehrung der Gottheiten, zumal dieser, die bei den nächsten Nachbarländern verehrt wurden. In solchem Zusammenhang treffen wir die folgende Bezeichnung:

„Sie sagen ja zum Holz
[= zum Götzen der in Holz geschnitzt wurde; Götze = Produkt menschlicher Tätigkeit, nicht aber Quelle von Leben-Liebe]:
‘Du bist mein Vater’, und zum Stein
[wieder: zum Götzen-Gebilde. Analogie für heute: u.a. Zigarette, Droge, Alkohol, Sex als Suche-Finden von Leben und Liebe ...]:
‘Du hast mich geboren’
[dem Produkt der eigenen Arbeit einzureden zu versuchen, dass es Quelle von Leben und Liebe darstellt,
d.h. dass es Gott der Wahre ist – ganz gegen die Wahrheit des Seins]
.
Sie kehren Mir den Rücken zu und nicht das Gesicht;
sind sie aber in Not, dann rufen sie: ‘Erheb dich, und hilf uns’ ! ...” (Jer 2,27; vgl. Jer 32,33).

Jede Todsünde ist Zuwendung zu Gott gleichsam mit dem ‘Hintern’, und nicht mit dem ‘Gesicht’. Ist jemand zur anderen Person mit seinem ‘Rücken’ umgekehrt, bedeutet das Abbruch des personalen Kontaktes. Hier wird es kein Leben, noch kein Sein-‘für’ diesen Anderen geben! So ist die Wirklichkeit der Sünde !


b. In einem anderen Fragment spricht derselbe Prophet Jeremia dieselbe Menschengruppe an wie zuvor, indem er gleichsam das Wort Gottes selbst anführt. So stehen wir einmal mehr vor einem Fragment einer ‘Selbst-Offenbarung’ vonseiten Gottes:

„Was haben eure Väter an Mir Unrechtes gefunden,
dass sie von Mir weggingen?
Dass sie hinter dem ‘Nichts’ herliefen [= hinter den Götzen]
und selbst zu ‘Nichts’ wurden?” (Jer 2,5).

Es benötigte zweifelsohne ungemein vielen Mut, um dem Volk der damaligen Zeiten und des damaligen Milieus, diesem untreuen Volk Gottes – gerade solches Wort offen zu sagen. Sein Finale konnte ganz leicht die Steinigung des Jeremia an der Stelle werden. Jeremia bezeichnet hier die ‘Götter’, denen im damaligen Kanaan und den Nachbarländern Göttliche Ehre gehuldigt wurde, samt den Göttern von Babylon und Ägypten – als ‘Nichts-Nichtigkeit’ [hebr.: hébel], d.h. als Nicht-Leben und Nicht-Liebe – im Kontrast-Gegenteil zu Gott von Israel, also Jahwe, der Gott der Lebendige und Gott der Liebende ist.

Wirkungsfolge des Herlaufens hinter solchen Gottheiten, deren Wesen auf Nicht-Existieren und Nicht-Lieben besteht, beruht darauf, dass ihre Verehrer in immer höheren Grad zu Nicht-Existenz und Nicht-Liebe werden. Die Götzen – ‘beschenken’ gleichsam ‘damit, womit es ihnen möglich ist’. Indem ihr ‘Wesen’ darin besteht, dass sie „Nicht-Existieren” sind, beschenken sie genau damit: mit Nicht-Existenz, d.h. sie führen zum Untergang.

Ähnliche Bezeichnungen des Götzen-Kultus kommen an sehr vielen anderen Stellen des Alten Testaments vor (z.B. 2 Kön 17,15; mehr zu diesem Thema – s. VI.Teil, Kapitel 6-7).

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2. Aus dem Buch Jesaja

c. Eine sehr markante, im gewissen Sinn ‘dynamische’ Bezeichnung der Wirklichkeit der Sünde kommt im letzten Teil des Propheten Jesaja vor. Der biblische Verfasser stellt hier – vielleicht gegen das Ende der Babylonischen Gefangenschaft (586-538) die Sünden vor, die den erlösenden Eingriff Gottes zugunsten des Volkes der Erwählung Gottes aus dieser Gefangenschaft verzögern. In solchem Zusammenhang sehen wir die folgende Bezeichnung der Sünden-Lage:

„Siehe, die Hand Jahwéhs ist nicht zu kurz, um zu retten
(Israel erkannte-unterschied Jahwéh von Nicht-Göttern daran: ob dieser ‘Gott’ fähig ist, sich zu ‘bewegen-und-helfen-retten’,
oder nein; so ist die Dynamik ihrer Mentalität: eine konkrete, nicht abstrakte Mentalität)
,
und sein Ohr nicht zu schwer, um zu hören;
sondern eure Vergehen sind es, die eine Scheidung gemacht haben zwischen euch und eurem Gott,
und eure Sünden haben sein Angesicht vor euch verhüllt, dass Er nicht hört.
– Denn eure Hände sind mit Blut befleckt und eure Finger mit Sündenschuld.
Eure Lippen reden Lüge, eure Zunge murmelt Verkehrtheit ...” (Jes 59,1ff; Text: ESt).

Gott bekennt hier durch den Mund des Propheten, dass es Ihm nicht an Macht fehlt, um die verknechteten Judäer zu retten. Seiner Zeit hat derselbe Jahwe die Hebräer unter Mose aus der Versklavung in Ägypten herausgeführt. Dieses Werk war Wirkung der „mächtigen Hand” und des „ausgestreckten Armes” Jahwéh (s. Ex 13,3.9.14.16; Dtn 5,15; 6,21; 7,8; 9,26; 26,8; Dan 9,15).

Außerdem ist Gott auch keineswegs „schwerhörig-taub” geworden, um das Hilferufen der Geplagten nicht hören zu können. Bei der Berufung des Mose unter Sinai, im brennenden Dornbusch, sprach Jahwe zu ihm:

Gesehen habe Ich das Elend Meines Volkes in Ägypten,
und sein Geschrei wegen seiner Antreiber habe Ich gehört.
Ja, Ich kenne seine Schmerzen ...” (Ex 3,7; Text: ESt).

Aber Hindernis, das Gottes erlösendes Eingreifen zurückhält, stellen die Sünden dar. Gott drückt sich über die entstandene Situation des Zustandes der Sünde ganz bildhaft aus: „Eure Vergehen sind es, die eine Scheidung gemacht haben”  zwischen Gott und dem geplagten Volk.

Im Rahmen des synonymischen Parallelismus stellt der Prophet dieselbe Wirklichkeit im zweiten Distichon ein wenig anders dar: „Eure Sünden haben sein Angesicht vor euch verhüllt, dass Er nicht hört”.
– In dieser Situation, solange sich die Bekehrung im Herzen nicht ereignet, kann Gott unmöglich sich selbst widersprechen. Die Sünde ist Herausweisung Gottes vom Herzen. Unmöglich, dass Gott in dieser Situation vortäuschen sollte, die Sünde ‘wäre nicht begangen worden sein’!

Im nächsten Vers geht Gott direkt zum grell formulierten Bewusstwerden seinem Volk, wie die Größe seiner Verschuldungen sind. Gott erwähnt ihre Verbrechen, die völlig einen Strich über die Chance ziehen, dass Er sich als Erlöser erweisen kann. Gott weist hier hin auf die „Hände, die mit Blut befleckt sind, auf die Finger mit Sünden-Schuld”.

Die weiteren Verse dieses Kapitels erwähnen einzeln immer andere Arten von Verschuldungen, die das damalige Volk Gottes begangen hat (s. Jes 59,1-15a). In dieser Lage würde die Erhörung der Bitten des geplagten Volkes der Natur Gottes widersprechen. Denn Gott wartet beständig, bis die Gewissen zur Reumut kommen, die Bekehrung erfolgt und die Bitte in erster Reihe um Vergebung der Sünden auftaucht. Erst dann erscheinen Vorbedingungen, dass auch die Klagerufe des gepeinigten Volks und seine Erlösung mit „ausgestrecktem Arm” erfolgen kann, wie es in Tagen des Mose gewesen war.

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3. Aus dem Lied von Mose   (Dtn 32)

d. Auf derselben Linie legen sich die charakteristischen Bezeichnungen der Sünden, die grundsätzlich die Apostasie von Jahwéh betreffen, also Sünden gegen das Erste Gottes Gebot, von denen in der Abschiedsrede im ‘Lied des Mose’: Dtn 32 – gesprochen wird. Mose bringt dem Volk der Gottes Erwählung immer weitere Zeugnisse Gottes Besorgtheit, Güte und Liebe zum Bewusstsein. Gott hat sich für sein Volk als „Fels” erwiesen, als Gott der „Treue, der Nicht Irreführende” (Dtn 32,4). Indessen Israel erwiderte alle diese Gaben Jahwéh mit steigender Verachtung:

„Es versündigte sich gegen Ihn eine verkehrte und verdrehte Generation
– Nicht-Seine-Kinder [sind sie sondern] ihr eigener Schandfleck” (Dtn 32,5; Text: ESt).

In weiteren Versen zählt Mose immer andere Zeugnisse der Väterlicher Liebe Gottes zu seinem Volk auf:

„Der Herr nahm sich sein Volk als Anteil ...
Er fand ihn in der Steppe ...
Er ... hütete ihn wie seinen Augenstern,
wie der Adler, der sein Nest beschützt und über seinen Jungen schwebt,
... ein Junges ergreift und es flügelschlagend davonträgt.
Der Herr allein hat Jakob geleitet, kein fremder Gott stand bei Ihm zur Seite ...” (Dtn 32,.9-12).

Als Gegenteil entgegnete Gott seine völlige Zurückweisung und Apostasie:

„Und Jakob aß und wurde satt, Jeschurún wurde fett und bockte ...
Er stieß den Gott, der ihn geformt hatte, von sich, und hielt den Fels für dumm, der ihn gerettet hat.
Sie weckten Seine Eifersucht durch Fremde, durch gräuliche Wesen reizten sie Ihn zum Zorn
[= durch Betreibung der Verehrung fremder Götter].
Sie opferten Geistern, die keine Gottheiten sind, und Göttern, die sie früher nicht kannten,
Neulingen, die erst vor kurzem gekommen sind, vor denen eure Väter sich nicht fürchteten.
An den Fels, der dich gezeugt hat, dachtest du nicht mehr,
du vergaßest den Gott, der dich geboren hat” (Dtn 32,15-18).

Es wäre schwer, die Sünden, die gegen das Erste Gottes Gebot begangen wurden, noch mehr anschaulich darzustellen. Dieses Bild betrifft offenbar auch alle übrigen der Zehn Gebote Gottes.

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E.   PERSPEKTIVEN AUF ‘ENTSÜHNUNG’ VOR GOTT

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1. Noch einmal: Tragik der Sünde und Gottes gerechter
‘Zorn’

In unseren Erwägungen möchten wir die Tatsache erforschen, wie es dazu gekommen ist, dass sich der Dreieinige immer deutlicher als Gott der Barmherzigkeit zu offenbaren begonnen hat. Wir haben schon festgestellt, dass die Tragik aller Todsünde darin besteht, dass sie im Prinzip selbst eine definitive Wahl darstellt. An sich muss der Mensch seine Absicht keineswegs ganz so schrill formulieren: als formale Zurückweisung Gottes für immer!

So kommt es zur Todsünde u.a. im Fall, wenn Gott ignoriert wird: als Jemand, der bei der Einrichtung des Menschen auf Erden einer Berücksichtigung schlechterdings ‘unwürdig’ ist. Der Mensch eignet sich das Anrecht an, das Gut und Böse arbitral zu bestimmen: „Ohne Gott”, und selbst deutlich „Gott zum Trotz” (RP 14). In Kraft der ihm geschenkten Selbst-Bestimmung lässt das lebendige Ebenbild Gottes – Gott zu sich nicht zu, er weist Ihn vom Herzen heraus und wählt vorsätzlich das Leben in Lostrennung von Gott.
– Das Ableben bei solcher inneren Haltung wird zur bewusst gewordenen und freiwilligen Wahl für die ewige – Verdammnis.

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Erklärung

Soll also Ende des Menschen – des aus eigener Schuld völlig entstellten Gottes Ebenbildes, wirklich der Untergang-für-ewig sein – im Ort, der für die Verdammten bestimmt ist, der in der Bibel als ‘Hölle’ bezeichnet wird? Mit anderen Worten: bleibt es dem Menschen mit schwerer Sünde am Gewissen unabwendbar nur noch dieses Eine: die Erwartung auf die wörtliche, definitive Erfüllung der Warnungen, die im Gottes-Geschriebenen-Wort so mancherorts wiederholt erscheinen betreffs derjenigen, die Gott verschmähen und aus dem – dem Nächsten zugefügten Schaden leben?

Beispielsweise dürfte hier die folgende biblische Warnung angeführt werden:

„Wehe denen, die Haus an Haus reihen, Feld an Feld rücken ... !
– Wehe denen, die sich früh am Morgen aufmachen, um Rauschtrank nachzujagen [= Getränk zum Rauschwerden], die bis spät am Abend bleiben, dass der Wein sie erhitze ...!
... Darum sperrt der Scheol [= Ort der Verdammten] seinen Schlund weit auf und reißt seinen Rachen auf ohne Maß.
Und hinab fährt seine Pracht und sein Getümmel und sein Lärm und wer darin frohlockt ...

Wehe denen, die die Schuld herbeiziehen mit Stricken des Nichts [= der Götzen die Nicht da sind],
und die Sünde wie mit Wagenseilen! ...
– Wehe denen, die das Böse – Gut nennen und das Gute – Böse;
die Finsternis zu Licht machen und Licht zu Finsternis ...
die den Ungerechten wegen eines Bestechungsgeschenkes gerecht sprechen,
den Gerechten aber ihre Gerechtigkeit absprechen ...
– Denn sie haben das Gesetz des Herrn der Heerscharen verworfen und das Wort des Heiligen Israels verschmäht.
– Darum ist der Zorn des Herrn gegen sein Volk entbrannt, und Er hat seine Hand gegen sie ausgestreckt und sie geschlagen. Und die Berge erbebten ...
Bei alledem hat sein Zorn sich nicht gewandt, und noch ist Seine Hand ausgestreckt ...” (Jes 5,8.11.14.18.20.23.24f.).


Und was bleibt es noch dazu zu sagen, wenn man das Gleichnis Jesu Christi vom „Unkraut und guten Samen” beachtet? Jesus selbst fasst den Schluss in folgenden Worten zusammen:

„... Der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel.
Die Ernte ist das Ende der Welt. Die Schnitter sind die Engel.
Wie nun das Unkraut gesammelt und im Feuer verbrannt wird,
so wird es auch sein am Ende der Welt:
Der Menschen-Sohn wird seine Engel aussenden,
und sie werden aus seinem Reich alle Ärgernisse und Übeltäter sammeln,
und sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein ...” (Mt 13,39-42; Text: JB).

Den gleichen Ausklang bietet das Bild, das Jesus Christus vom Letzten Weltgericht abzeichnet:

„Dann wird Er sich [= der Menschen-Sohn in seiner Herrlichkeit ...] auch an die auf der Linken Seite wenden
und zu ihnen sagen:
Weg von Mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist !
– Denn Ich war hungrig, und ihr habt Mir nichts zu essen gegeben; ...
Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt Mich nicht aufgenommen ...
– Amen, Ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt,
das habt ihr auch Mir nicht getan’.
Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten,
die Gerechten aber in das ewige – Leben” (Mt 25,41.43.46).

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2. Gott der die Verdammten in ihrem Existieren unterhält

Es ist klar, dass Gott auch die Verdammten ständig in ihrem Dasein unterhält. Denn eine Annihilation der unsterblichen Seele gibt es nicht. Gott bleibt treu zu Sich Selbst, aber ebenfalls dem Menschen gegenüber, den Er „um seiner Selbst willen gewollt hat” – samt der ganzen Ausstattung seiner Natur, die sich u.a. in der Befähigung zur Selbst-Bestimmung kondensiert.

Noch mehr, Gott hat sich daselbst dazu verpflichtet, sowohl Satan, wie die verdammten Menschen in ihrem Hass zu Gott und den Nächsten zu ... unterhalten. Das klingt ganz paradoxal. So ist aber die Wirklichkeit des ‘Seins’ selbst. Jedes Geschöpf ‘hängt’ ununterbrochen an Gott. Er unterhält alles und alle immerwährend im Existieren, wie auch in ihrer Betätigunsweise.

Es ist schwer dieses Geheimnis zu begreifen, und doch – es kann nicht anders sein. Sowohl Satan, wie auch jeder der verdammten Menschen, wären nicht imstande Gott und die Nächsten zu hassen, falls Gott ihre Fähigkeit zur folgerichtigen Selbst-Bestimmung nicht dauernd unterhalten würde. Diese Selbst-Bestimmung bleibt in ihrer verbissenen Abwendung von Gott unabänderlich fixiert – für die ganze Ewigkeit.

Wie sehr ehrt Gott den freien Willen dieses Geschöpfes, das Er „um seiner Selbst willen gewollt hat” !
– Diese Situation lässt zugleich die bis zum Letztlichen hinreichenden Folgen der Tatsache besser zu begreifen, dass es kein Leben in Verselbständigung von Gott gibt. Nur Er ist Gott des Lebens – und der Liebe. Hat Er begonnen, aus der überfließenden Fülle seines Lebens zum Dasein zu berufen: das Weltall – und in ihm den Menschen, stellt das Leben dieser Geschöpfe von Anfang an bis zum Ende einzig und allein eine Teilhabe dar – aus Gottes Hingabe Seiner Selbst – am Geheimnis dessen, Wer Gott in seinem Selbst ist: als Leben, das Fülle von Liebe ist.

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3. Ob die Möglichkeit besteht, sich vor Gott
zu entsühnen ?

Es gehört sich, die ihrem Ende zulaufende Stufe unserer Erwägungen zusammenzufassen.

In der Situation, die sich infolge der begangenen schweren Sünde ausgestaltet hat, werden wir uns um die Unabwendbarkeit des Geschicks bewusst, das sich der Mensch, Gottes lebendiges Ebenbild, selbst bereitet hat.

Und doch suchen wir uns eine schüchterne Frage zu stellen: Sollte dieses ‘Geschick’: in Form der freiwillig gewählten Ausrichtung auf die ewige Verdammnis, vielleicht noch so sehr ‘verdient’ wegen der zurückgewiesenen Liebe Gottes, wirklich das allerletzte Wort des Existierens des Menschen: Mann und Frau, sein?

Wir müssen vor allem von vornherein alle Möglichkeiten ausschließen, dass eines der Geschöpfe – darunter auch der Mensch: das lebendige Ebenbild Gottes, imstande wäre, Gott auf irgendwelche Art und Weise Sühne zu leisten für die Ihm in der Sünde bereitete Schändung.

Diese Feststellung betrifft jede Sünde, selbst diese geringste, d.h. eine ‘nur’ – ‘lässliche’ Sünde. Und was erst, wenn auf dem Spiel die schwere, die Todsünde erscheint! Grund für diese – doch entsetzende Feststellung, ist die Tatsache, dass es keine irgendwelche – im absoluten Sinn – Gleichung gibt zwischen dem Schöpfer, der in der Sünde ins Unendliche schwer geschändet wird, und der Sache, bzw. der Person, die sein Geschöpf ist.
– Nur jemand ‘Gleicher’ vermag sich bei einem ‘Gleichen’ zu entschuldigen und um Verzeihung zu bitten. In der Vertikale: Gott – und der Mensch, wird es nie eine Gleichheit geben.

Die Leute pflegen ihre Vergehen in Gottes Angesicht sehr leicht zu trachten. Sie suchen ihre bösen Taten zu rechtfertigen, indem sie sich einreden, ‘es wäre nichts Seriöses’, Gott wäre nicht so ‘kleinlich’ und ‘trachtet unsere Anliegen und Vergehen nicht so ganz ernst’.

Solche Meinung bleibt aber nur irrealer ‘Wunsch’, dass ‘unser’ Wille geschehe, nicht aber dieser Gottes. Denn unabhängig von der Qualität der menschlichen Sünde, ist jeder Widerspruch zur Gottes Erwartung ‘ontologisch’ genommen etwas so Unerhörtes, dass es keine Rechtfertigung findet und es sich keine Chance bietet, die von nun an tatgewordene Situation der Hoffnungslosigkeit zurückzuwenden. Ist es doch hier zum aufständischen, totalen Umsturz der Natur gekommen: ein Ding, und umso mehr eine ‘Person’, die nur Geschöpf ist – ist rebellisch gegen Den aufgestanden, der sie mit seiner ganzen Schöpfer-Zärte vom Nichts zum Dasein gerufen hat. Wobei doch diese ‘Person’ (genau so wie jedes geschaffene ‘Ding’) weiter dauernd an „Gottes liebender Allmacht” – ‘hängt’, denn ohne sie kann sie keinen Moment existieren, noch umso mehr ihr Selbst aktivieren.

Demzufolge muss festgestellt werden, es gibt im wörtlichsten Sinn keine Möglichkeit, dass der Mensch – Gott in irgendwelcher Art und Weise für seine Sünde eine ‘Genugtuung’ leisten kann, wenn er sich dann, nach der begangenen Sünde, klarer bewusst wird, was er eigentlich verübt hat.

Strikt genommen, ‘sollte’ sich Gott um den Sünder, nachdem sich dieser aufgelehnt hat, schon überhaupt nicht mehr kümmern. Logisch genommen sollte der Sünder im Sündigen selbst sofort in die definitive, ewige Verdammnis ‘verschoben’ werden. Dort ist der ‘Ort’, der für jene bestimmt ist, die eine ewige Schuld auf sich herabgezogen haben, und folgerichtig eine ebenso ewige Strafe zu erleiden haben – ohne Chance auf irgendeine Abänderung für die Ewigkeit. All das wäre nur konsequente Erfüllung des Aktes des freien Willens beim betreffenden Menschen in der Stunde der begangenen Sünde, wann er Gott zurückgewiesen hat und Ihn für die Dauer aus dem Heiligtum seines Herzens herausgebittet hat.

Um einer mehr anschaulichen Versinnlichung halber der Tat gewordenen Situation könnte man auf die vorkommenden Beziehungen unter Mitgliedern einer weiteren Familie greifen.
– Nehmen wir an, dass sich die Schwiegermutter tödlich auf die Schwiegertochter beleidigt findet, weil diese sich zu ihr beleidigend benommen hat. Die Schwiegermutter sagt verbissen, sie werde dieser ‘frechen Schnauze’ nie mehr verzeihen.
– Indessen die Menschen-Natur sowohl der einen, wie der anderen Person – ist genau dieselbe, d.h. beide bleiben auf derselben Stufe ihres Mensch-Seins. Zwischen diesen beiden Frauen besteht nur ein Unterschied im Alter. Dagegen im Mensch-Sein sind sie sich beide absolut gleich. Aber die Schwiegermutter verbeißt sich in sich und nimmt keine Genugtuung, noch keine ‘Entschuldigung’ an ...

Pflegt es so schwer um eine Versöhnung unter zwischenmenschlichen Beziehungen zu sein, wo das Niveau der Natur für beide Seiten dasselbe ist, handelt es sich im Fall: Gott – und der Mensch, um einen Abgrund der Naturen, den nichts zu ‘begleichen’ imstande ist.
– So ist es verständlich, dass keine Chance besteht – im ontologischen Sinn, sich mit Gott zu versöhnen, bzw. irgendwelches Werk einer Genugtuung für die Gott zugefügte Schmach der Sünde zu unternehmen. Zwischen den hier interessierten ‘Seiten’ besteht eine Disproportion, die ins Unendliche und Unvergleichbare reicht: der Mensch-das-Geschöpf hat vorsätzlich und freiwillig den Schöpfer verschmäht und Ihn aus seinem Herzen herausgewiesen, indem er Ihm direkt sagte: „Dir werde ich nicht dienen”, und noch: „Ich wünsche nicht, dass Du in mir weiter bist”.

Sollte daher der Mensch selbst in einer Weile zur besseren Erkenntnis gekommen sein, indem er sich selbst fragte: „Was habe ich da verrichtet” !? – und versuchte er sich in dieser Lage vor Gott zu entsühnen, würden alle seine Bemühungen, um Gott auszusühnen, in Gottes Angesicht absolut nichts bedeuten. Denn hier fehlt alle irgendwelche Gleichung zwischen dem Verschmähten – und dem Verschmähenden.

Daselbst müsste festgestellt werden: würde sich dieser Mensch selbst mit Kraftstoff übergießen und zündete er sich an, um mit Hilfe dieser Selbst-Verbrennung Gott in Form solcher Expiation eine Sühne für seine Sünde zu leisten, würde Gott dieses „Ganzopfer” überhaupt nicht einmal erblicken und es würde Gott in geringstem Grad ‘rühren’. Der Mensch ist zu klein, dass seine Sühne in Gottes Augen zählen könnte. Die Schmach Gottes bliebe weiter Beleidigung, die ins Unendliche reichte.

So fragen wir von neuem: Bleibt also in dieser Situation das weitere ‘Geschick’ des Menschen, jetzt des Sünders, schon unabwendbar und endgültig – für ewig ... entschieden?
– Vom rein menschlichen Gesichtspunkt aus müsste gesagt werden: Jawohl ! Der Mensch besiegelt sein Geschick in der Sünde auf definitive Art und Weise: für ewig ... !

Und doch: vielleicht ist es trotz allem nicht – das allerletzte Wort Gottes mit Bezug auf den Menschen, den die „liebende Allmacht des Schöpfers” (DeV 33) ... „um seiner Selbst willen” gewollt hat (GS 24)?

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RE-Lektüre: V.Teil, Kapit.2b:
Stadniki, 15.XI.2013.
Stadniki, 17.X.2015.
Tarnów, 3.VII.2016.
Tarnów, 25.IX.2016.
Tarnów, 16.I.2017.
Tarnów, 9.III.2017.

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7.Satan im Sturz des Menschen – und der Dreieinige

C. ERTRAG’ DES GOTTES EBENBILDES ‘FÜR DIE SÜNDE’
1. Die schwere Sünde: die Tod-Sünde
2. Die Tragik der ersten – und jeder Todsünde
3. Akt der Selbsttötung: Wahl für die – ewige ... Verdammnis
Entstellungen der Heiligen Schrift vonseiten der Zeugen Jehovas u.dgl.

4. Soziale Ausklänge der begangenen Sünde

D. AUSGEWÄHLTE BIBLISCHE AUSSAGEN ÜBER DIE SÜNDE
1. Aus dem Buch Jeremia
2. Aus dem Buch Jesaja
3. Aus dem Lied von Mose (Dtn 32)

E. PERSPEKTIVEN AUF ‘ENTSÜHNUNG’ VOR GOTT
1. Noch einmal: Tragik der Sünde und Gottes gerechter ‘Zorn’
2. Gott der die Verdammten in ihrem Existieren unterhält
3. Ob die Möglichkeit, sich vor Gott zu entsühnen, besteht ?


Bilder-Fotos

Fot5-16. Der glückliche Damian auf dem Hundschemel
Fot5-17. Drei Kinder mit Gabe für den Heiligen Vater: Kraków 2002
Fot5-18. Priesterweihe bei den Herz-Jesu-Priestern: Stadniki 2003