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VERMERK: Abkürzungen zur angeführten Literatur s. Literatur


Verzierung

B.   GOTTES EINLADUNG
ZUR BRÄUTLICHEN VEREINIGUNG MIT SICH

Verzierung

1. Gott der Eine in Kommunion seiner Drei Personen

Liebe – Gespräch – Gabe

Die Erwägungen führen immer mehr in die Tiefe des Geheimnisses sowohl des Menschen, wie Gottes. Die biblische Bezeichnung: „Gott ist die Liebe” (1 Joh 4,8.16) ist keine rührende Lyrik, sondern Wirklichkeit. Wo Liebe ist, besteht Bräutlichkeit: Kommunion der Personen [= Einheit-Gemeinschaft-Gemeinsamkeit], d.h. eingesetztes Da-Sein-(Leben)-‘für’ sich einander (vgl. MD 10). Es wird zum ständigen Gabe-Sein-für diesen anderen.

Voraussetzung, um für jemanden ein ‘Für’-Sein bilden zu können, ist die wunderbare, riskante Fähigkeit, mit der jeder Mensch als Mensch ausgestattet ist: die Freiheit des Willens. Die allertiefste Bedeutung der Freiheit, und zugleich das Musterbild, wie die Freiheit in die Tat umgeschmiedet werden soll, beobachtet man in der Person Jesu Christi:

„Des weiteren offenbart Jesus selbst mit seinem Leben, und nicht bloß mit Worten, dass sich die Freiheit durch die Liebe verwirklicht, das heißt durch die Hingabe seiner Selbst. Er, der sagt: ‘Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt’ [Joh 15,13], geht freiwillig dem Leiden entgegen [vgl. Mt 26,46], und gehorsam gegenüber dem Vater, gibt Er am Kreuz sein Leben für alle Menschen hin [vgl. Phil 2,6-11].
– Auf diese Weise ist die Betrachtung Jesu des Gekreuzigten der Haupt-Weg, den die Kirche schreiten muss, wenn sie vollständig verstehen will, was die Freiheit ist: Gabe seiner Selbst im Dienst an Gott und die Brüder” (VSp 87).

Es gibt keine Liebe, wo es nicht Jemanden gibt, den man mit seiner Person beschenken könnte! Gott hat den Menschen dazu „um seiner Selbst willen” [= des Menschen] erschaffen, um jemanden zu haben, den Er mit Seinem Selbst beschenken könnte! Es ist klar, Gott ist Geist (Joh 4,24; 2 Kor 3,17) – und es kann nicht anders sein. Wäre Gott materieller Natur, wäre Er nicht Fülle der Vollkommenheit. Er wäre teilbar, also Er wäre NICHT-Gott.

Gott der Sprechende

Derselbe Gott-der-Geist, der sich selber dem Menschen zu offenbaren begonnen hat, ist keinesfalls stummer Gott ! Dieser Gott spricht – in erster Reihe in Sich selbst. Dieses Gottes Reden richtet sich in keine ‘Leere’. Gott ist in seiner Gottheit eine so überragende Fülle von Leben, dass Er in Drei Personen besteht. Die Drei Gottes Personen sprechen zu sich gegenseitig in urewiger Hingerissenheit der Liebe-Hingabe sich einander!
– Der Reihe nach aber, von Gottes Sprechen ertönt das Weltall. Es wurde zur Existenz vom erschaffenden Gottes Wort, und vom – dieses Wort begleitenden Gottes Anhauch, d.h. vom Gottes Heiligen Geist berufen:

„Durch das Wort des Herrn wurden die Himmel geschaffen,
ihr ganzes Heer durch den Hauch seines Mundes” (Ps 33,6).

Gott erschafft in Freude – indem Er spricht (Gen 1,4.10.12.18.21.25.31). Er ist nicht wie ‘Götter’ der Heiden: diese Stummen! Aber auch: ‘andere’ Götter gibt es schlechterdings nicht, und es kann sie nicht geben. Sollten auch manche Leute der falschen Meinung sein, es gäbe ‘mehrere’ Götter, und sollten sie sich vor ihnen fürchten:

„Unser Gott ist im Himmel:
alles, was Ihm gefällt, das vollbringt Er.
Die Götzen der Völker sind nur Silber und Gold,
ein Machwerk von Menschenhand.
Sie haben einen Mund und reden nicht,
Augen und sehen nicht;
sie haben Ohren und hören nicht, ...
sie bringen keinen Laut hervor aus ihrer Kehle” (Ps 115,3-7).

Wo Liebe da ist, kann das Gespräch nicht fehlen. Freilich wir sind unfähig die Tiefe des inneren Lebens im Schoß Gottes selbst zu begreifen. Und doch wir erkennen Gott – einigermaßen. Vor allem aber, Gottes Liebe ist kein kalter ‘Marmor’ ! Gottes Liebe ist unvorstellbare Glut und reißender Strom des Sich-Schenkens-Gottes – an Gott. Gott – gibt sich Gott hin: als Gabe-Person! Denn – wie es uns gerade dieser Gott-der-Geist selbst offenbart: Gott ist solche Fülle von Leben und Liebe, dass Er der Drei-Einige ist. Er lebt-liebt als Dreifaltigkeit der Personen – der einen, absolut einzigen Gottheit. Die Gottheit unseres Gottes ist Person-der-Vater, Person-der-Sohn, und Person-der-Heilige-Geist! Das hat Er uns selbst gesagt. Er führt aber zu keinem Irrtum.

Gott offenbart sich selbst

Schon in Vor-Christlichem Zeitraum gingen zum Menschen Gottes Signale, dass der eine Gott – eine Dreifaltigkeit von Personen ist. Diese ganze Zeit hindurch hat Gott durch sein Wort – dieses geoffenbarte und offenbarende – die eingehende Offenbarung des Geheimnisses hinsichtlich des inneren Lebens Gottes selbst erst allmählich vorbereitet. Gott gab seinem lebendigen Ebenbild zu verstehen, dass Er in die Geschichte immer als Vater, als Sohn-das-Wort und als der Geist-der-Anhauch-die-Gabe eintritt.

Allerdings dem Menschen kam es nicht einmal in die Gedanken, es wären keine nur symbolische Bezeichnungen Gottes Daseins und Gottes Tuns.
– So war es bis zur Stunde, da der Dreieinige gleichsam nicht mehr länger ‘auszuhalten’ imstande war. Er fasste den Entschluss, dass Er sich seinem lebendigen Ebenbild auf genauere Art und Weise offenbart: Er selbst persönlich – als eben der Drei-Einige:

„Als aber die Fülle der Zeit kam,
entsandte Gott [= der Vater] seinen Sohn [= die Zweite Person der Trinität],
geboren aus einer Frau [= von Maria, der Jungfräulichen Mutter Jesu]:
Er sollte die dem Gesetz Unterworfenen
(den Vorschriften des religiösen Rechtes des Alten Testaments;
das Gesetz des AT war aber außerstande das Gewissen zu reinigen)

loskaufen [= in Kraft des Heiligen Geistes, der Dritten Person der Trinität],
damit wir an Kindes statt angenommen würden” (Gal 4,4f).

Entscheidung auf Ehe
Erklärung

Selbst der Dreieinige führt sein lebendiges Ebenbild schon hier, auf Erden, d.h. in Umständen der Zeitlichkeit, in das Verständnis und die Eröffnung auf das Geheimnis des verwundernden Lebens seiner Drei Personen, das ganz Liebe ist, hinein.

Die Liebe bleibt freilich ein niemals ergründetes Geheimnis. Wir können sie aber im ‘Tun’ kennen lernen: als Person-Gabe. Hingabe-zu-Sein ist der andere Name, der ‘Liebe’ bedeutet. Die Wirklichkeit der Hingabe lässt zugleich ihre Natur erklären. Zu lieben heißt: selbstlose, ganzheitliche Hingabe zu werden, die die eigene Person – der Person dieses Geliebten dahingibt.

Solchen Begriff der Liebe hebt wiederholt Johannes Paul II. hervor:
„In ihrer tiefsten Wirklichkeit ist die Liebe ihrem Wesen nach Gabe ...” (FC 14).

Gott-die-Trinität in Äußerungen des Neuen Testaments

Dieses grundsätzlichste Merkmal der Liebe: ganzheitliche Hingabe für den Geliebten zu sein, können wir vom gerade erst angeführten Satz des Völkerapostels Paulus herauslesen (Gal 4,4f.).

Der Vater beschert sein lebendiges Ebenbild selbstlos [= ‘sandte’] mit seinem ganzen Selbst.
– Er tut es mit der Gabe-Sendung des Ihm und dem Heiligen Geist Wesensgleichen seines „Einzigen, Geliebten Sohnes, in Dem Er sein Wohlgefallen hat” (Mt 17,5).
– Der tiefste Beweggrund des Vaters, der Ihn bewogen hat, seinem lebendigen Ebenbild – den eigenen Sohn, sein Eingeborenes Wort, dahinzuschenken, ist demnach die Liebe, die mit ihrem ganzen Selbst zu bescheren möchte – zum Wohl dieses Geliebten.


VERMERK. Im Fall Gottes kann vom ‘Beweggrund’ einzig in einer ganz besondern Bedeutung gesprochen werden. Bei Gott kann der ‘Beweggrund’ nichts Äußeres im Verhältnis zu Gott selbst sein. Beweggrund ist Er selbst sich selbst gegenüber: als Gott-die-Liebe. Gott kann unmöglich nicht ganzheitliche Hingabe sein.


Das hat auch Jesus selbst in seiner verwundernden Äußerung gesagt:

„Denn so sehr hat Gott [der Vater] die Welt [Welt der Menschen] geliebt [Liebe-Hingabe],
dass Er seinen Eingeborenen Sohn [die Zweite Person der Trinität] dahingegeben hat [Liebe-Gabe],
damit jeder, der an Ihn [den Sohn] glaubt [Ihm anvertraut, Ihm anhängt, Ihm vertraut auf Leben-Sterben-Tod],
nicht verloren gehe [im Tod der Sünde: Verdammnis],
sondern ewiges Leben habe [das definitive Gute dieses Geliebten – dank der Kraft des Heiligen Geistes, des Herrn und Belebenden](Joh 3,16 – JB; vgl. SD 14. – Diese Frage wird Objekt der Erwägungen besonders im 5. Teil, 4. Kap. sein).

Gott – Trinität für den Menschen

In der Gabe des Sohnes-des-Wortes wird Gott der Vater zur Gabe – gleichsam „nach außen” der Trinität, und zwar für sein Geliebtes-Gewolltes Geschöpf: den Menschen, sein lebendiges Ebenbild im Kosmos. Durch diesen-Sohn-dieses-Wort und in Ihm, offenbart Gott seinem Ebenbild sich selber als Dreifaltigkeit von Personen. Gott geht es in dieser ‘Offenbarung’ nicht nur um diese ‘Offenbarung’ als ‘Wissen’! Gott will keinesfalls, dass der Mensch von der Dreifaltigkeit Gottes Personen allein ‘erfährt’!

Gott ist Trinität für sein lebendiges Ebenbild: Mann und Frau. Für ihn ist Gott – Vater und Sohn, und Heiliger Geist ! Man müsste Gott sein, um Gott ‘bis zum Letzten’ – erschöpfend zu verstehen. Dennoch wir sind in der glücklichen Lage, dass uns Gott sich selbst zu kennen lernen gibt.
– Er tut es durch sein Wort, seinen Sohn, in Dem Er uns den Saum des Geheimnisses seines inneren Lebens aufgeschlossen hat.
– Das geschieht immer auch im Heiligen Geist, der den Menschen ständig mit Gott zusammenfügt, ähnlich wie gerade Er – der Heilige Geist – im Schoß der Trinität die Personale Einheit des Vaters und des Sohnes gründet:

„Denn der Geist erforscht alles, sogar die Tiefen Gottes ...
So erkennt auch keiner, was in Gott ist, als nur der Geist Gottes.
Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen,
sondern den Geist, der aus Gott stammt,
damit wir erkennen, was uns von Gott in Gnaden verliehen ward” (1 Kor 2,10ff.).

„Mein Sohn bist Du!
Heute habe Ich Dich gezeugt” (Ps 2,7).

„Das ist mein Geliebter Sohn,
an Dem ich Gefallen gefunden habe;
auf Ihn sollt ihr hören ...!” (Mt 17,5; Lk 9,35; Mk 9,7).

„Gott [den Vater] hat niemand jemals gesehen.
Der Eingeborene Gott, der im Schoß des Vaters ruht,
Er hat Kunde gebracht” (Joh 1,18; vom griech.).

Eben dieser Sohn, der Eingeborene Gott, ist zugleich Wort-Rede-Offenbarung des Vaters:

„Am Anfang war das Wort,
und das Wort war bei Gott [beim Vater],
und GOTT war das Wort” (Joh 1,1 – vom. griech.).

Der Sohn-das-Wort, dieser „Gezeugte, nicht Geschaffene, eines Wesens mit dem Vater”, erwidert die Ganzheitlichkeit der Person-Gabe des Vaters im selben Augenblick – mit Liebe, die ebenso ganzheitlich, gegenseitig ist, mit der sich Ihm ganzen der Vater dahinschenkt. Er spricht als Sohn, voller ‘Gefühl’:

„Abbá! Vater”! (Mk 14,36).

„Vater, die Stunde ist da,
Verherrliche deinen Sohn,
damit der Sohn Dich verherrlicht” (Joh 17,1).

Es ist die Zweite Person dieses Dreieinigen Gottes: „Gott von Gott, Licht vom Licht ...” (Glaubensbekenntnis bei der Hl. Messe).

Der Heilige Geist ist die personale Zuneigung des Vaters zum Sohn – und des Sohnes zum Vater, im unvorstellbaren Glück der Liebe-Kommunion der Drei Gottes Personen. Diese Einheit wird immerwährend im Heiligen Geist vollbracht, d.h. in der Glut ihres beiderseitigen Anhauches.
– Nichts im Vergleich zu dieser Glut ist die innere Atom-Energie, wo die einzelnen Elemente mit gewaltiger Kraft-Energie um den Kern kreisen und sich von ihren Laufbahnen nicht herausschlagen lassen. Wie viel mehr unvorstellbar ist die-Macht-die-Glut der Liebe im Schoß Gottes: dieses einzigen, und doch Dreifaltigen!

Gemeinschaft und Kommunion der Personen

Das bedeutet also, dass Gott kein Einsamer ist. Gott heißt Dreifaltigkeit von Personen seiner einen, einzigen Gottheit. Gott ist in sich selbst Kommunion [Einheit-Gemeinschaft].
– Die Personen-Kommunion ist durchaus mehr als nur ‘Gemeinschaft’, auch wenn die beiden Ausdrücke sprachlich gewertet gleichbedeutend sind. ‘Kommunion’ bedeutet zwar das Dasein einer Person neben einer Person und bei der Person. Umso mehr bedeutet aber ‘Kommunion’ ein engagiertes Da-Sein-‘für’ einen Jemanden: das Dasein in Gegenseitigkeit (ML 92f.).

In Gott ist jede der Drei Personen ein großes ‘für’ – die übrigen Zwei Personen. In Entzücktheit der ständigen Suche nach sich gegenseitig und des Ruhens in sich einander, in urewiger Einheit derselben Gottheit, an der diese Personen nicht ‘verbrennen’ !

Bei dem Menschen kann die Vereinigung-Einheit von zwei Personen nur vorübergehend sein und geschieht ‘an der Grenze’ ihres Mensch-Seins. Im Fall des Menschen ist die Vereinigung in Einheit des Wesens nicht möglich. Die Menschen kommen mittels der beiderseitigen Berührung ihres Menschseins in Verbindung. Solche Verbindung kann manchmal sehr eng sein, ganz intim. Allerdings diese Vereinigung kann nicht für längere Zeit andauern.
– So pflegt es u.a. bei geschlechtlicher Vereinigung zu sein, also im ‘Grenzerlebnis’ von Mann und Frau. Das geschieht aber immer gleichsam aufgrund von Flut und Ebbe: der Annäherung – und bald nachher der Trennung. Anders würde die Vereinigung todbringend.

Selbst die Einheit von Mutter und Kind in ihrem Schoß muss in gewisser Weile zerrissen werden. Im gegenseitigen Fall würde sie tödlich – sowohl für die Mutter, wie für das Kind.
– Aber letzten Endes selbst die Einheit zwischen Mutter und Kind ist keine Vereinigung im Wesen ihrer Natur. Sie ist nur eine maximale Berührung von zwei Personen-neben-sich und bei-sich, auch wenn es im Schoß der Mutter geschieht.

Nur in Gott sind die Drei Gottes Personen nicht vorübergehend vereinigt, sondern für die Dauer. Es ist ihre Einheit im Wesen selbst derselben Gottheit. Wobei sie in dieser Einheit nicht verbrennen. Diese Einheit ist unaussprechliche Fülle ihrer Glückseligkeit. Ihre weite Analogie stellt die Einheit in Liebe im Fall der Freunde, Brautleute, Eheleute, Eltern mit Kind dar. Auch sie erfahren das Glück der Kommunion-in-Liebe.

Beredsam sind hier die Aussagen des Geschriebenen-Gottes-Wortes [= der Heiligen Schrift]:

„Ich und der Vater sind Eins” (Joh 10,30; 14,10n).

„Denn der Vater liebt den Sohn
und zeigt ihm alles, was Er tut ...” (Joh 5,20).

„... dass alle Eins seien, wie Du, Vater, in Mir und Ich in Dir,
dass sie in Uns – Eins seien ...” (Joh 17,21).

Diese Worte vibrieren voller Glück und gegenseitiger Sehnsucht zueinander: des Vaters und des Sohnes – im Heiligen Geist!

Der Heilige Geist – Person

Noch ein paar Aussagen des Geschriebenen-Gottes-Wortes bezüglich der Person des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist ist keine nur irgendwelche Gottes ‘Kraft’, sondern ganz deutlich ein Jemand: Person. Der Heilige Geist spricht, belehrt, kommt, führt in das Verständnis der Wahrheit ein.

Sollte es auch nur deswegen gelten, sind die Entstellungen unannehmbar, die vom Heiligen Geist von Mitgliedern einiger religiösen Sekten ausgesagt werden. Daselbst hören sie auf Christen zu sein, weil sie von der Wirklichkeit Gottes – ihr Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit streichen.

Hier ein paar Stellen der Heiligen Schrift über den Heiligen Geist deutlich als Person:

„Wenn aber der Beistand [anderer Name des Heiligen Geistes: Tröster-Beistand-Anwalt-Fürsprecher] kommt,
Den Ich [Jesus, die Zweite Person der Trinität] euch vom Vater aus senden werde,
der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht,
dann wird Er Zeugnis für Mich ablegen” (Joh 15,26).

„Und wenn Er kommt [der Heilige Geist als Beistand-Lehrer-Tröster, die Dritte Gottes Person],
wird Er die Welt überzeugen
über die Sünde, über die Gerechtigkeit und über das Gericht ...” (Joh 16,8; korrigierte Übersetzung).

„Wenn Jener aber kommt, der Geist der Wahrheit,
wird Er euch zur vollen Wahrheit führen.
Denn Er wird nicht von sich aus reden, sondern Er wird reden,
was Er hört, und das Zukünftige wird Er euch verkünden ...
Er wird Mich verherrlichen,
weil Er [der Heilige Geist, Dritte Gottes Person]
von dem Meinigen nehmen [es spricht Jesus Christus, die Zweite Gottes Person]
und euch verkündigen wird" (J 16,13f.).

Die Dritte Person des Dreieinigen ist die-Liebe-die-Person, die den Vater und den Sohn mit gegenseitigem Band zusammenfügt.
– Zugleich bewirkt eben Er: der Heilige Geist, dass wir uns mit der Heiligen Trinität vereinigen können.
– Diese Vereinigung geschieht dank der Verdienste Jesu Christi [durch Sein Erlösungs-Leiden], aber immer im Heiligen Geist, selbst der Vereinigung mit Jesus Christus beim Empfangen der Heiligen Kommunion nicht ausgenommen (DeV 62):

„Weil ihr nun aber tatsächlich Kinder seid,
hat Gott [= der Vater] den Geist [= die Dritte Person der Trinität]
seines Sohnes [= der Zweiten Person, von der der Heilige Geist hervorgeht] gesandt,
der da ruft: ‘Abbá, Vater’ ...” (Gal 4,6).

An einer anderen Stelle endet der Hl. Paulus seinen Brief, indem er die ganze Heilige Dreifaltigkeit herbeiruft, deren Einheit der Heilige Geist bewirkt, ähnlich wie der Heilige Geist uns mit Jesus Christus zusammenfügt – und in Ihm mit dem Vater:

„Die Gnade Jesu Christi, des Herrn [= Zweite Person],
die Liebe Gottes [= Gott der Vater]
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes [= Dritte Person]
sei mit euch allen!” (2 Kor 13,24; vgl. Röm 8; 5,5).

Daher sagt Johannes Paul II., getragen von der reichhaltigen Apostolischen Überlieferung des Glaubens:

„Gott ist Liebe
und lebt in sich selbst das Geheimnis
der personalen Kommunion der Liebe ...” (FC 11).

So ist, der Reihe nach, der Drei-Einige zu seinem lebendigen „Ebenbild”: Mann und Frau.
– Darüber hinaus hegt aber der Dreieinige ein verwunderndes Vorhaben gegenüber dem Menschen: Er will ihn zum „Anteilnehmer seiner Göttlichen Natur” machen (2 Petr 1,4)!

2. Mensch-Mann und Mensch-Frau:
als Ebenbild der Gottes Kommunion

Warum die geschlechtliche Unterschiedlichkeit des Menschen

Ist der Mensch lebendiges Ebenbild Gottes, der unaussprechliche Kommunion seiner Drei Personen ist, ist er es nicht anders, als indem jetzt er selbst fähig ist, eine Kommunion von Personen zu bilden: einerseits mit seinen Brüdern und Schwestern, und anderseits mit dem Dreieinigen selbst. Gerade diese Wirklichkeit: die Liebe, die „in ihrer tiefsten Wirklichkeit ... ihrem Wesen nach Gabe(FC 14) ist, hat Gott dazu bewogen, den Menschen als geschlechtlich unterschiedlichen zu erschaffen.

Gott prägt in den Menschen die Dynamik ein, Hingabe-„für” die anderen zu sein und es zu werden. Die Nächsten sollen um „ihrer Selbst willen” geliebt werden: mit Liebe, die die Person annimmt – und die Person-Gabe erwidert (MuD 7). Darin beruht die grundlegende Berufung und Aufgabe des Menschen als Ebenbildes der Gottes Personen-Kommunion:

„Der Mensch, den Gott als ‘Mann und Frau’ erschaffen hat, ist ‘von Anfang an’ Gottes Ebenbild, das im Leib ausgeprägt ist, wobei Mann und Frau gleichsam zwei verschiedene Arten des menschlichen Leib-Seins in der Einheit dieses Ebenbildes darstellen” (ML 116).

Schon allein die natürliche Ergänzung von Mann und Frau im Körper-Geschlecht und in der Psyche stellt für den Menschen einen Ruf dar, dass er unterschiedliche Personen-Gemeinschaften bildet. Hier verwirklicht der Mensch den Sinn seines Daseins: dass er uneigennützige Hingabe-‘für’ wird, wie es sein Gottes Ur-Muster tut.
– Wir hören von neuem den Heiligen Vater:

„Gott ist Liebe und lebt in seinem Selbst das Geheimnis der personalen Kommunion der Liebe.
Indem Er den Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen hat und ihn immerwährend im Dasein unterhält,
prägt Gott in das Mensch-Sein von Mann und Frau die Berufung,
also die Befähigung und die Verantwortung für die Liebe und die Gemeinschaft ein.
Die Liebe ist demnach die grundlegende und eingeborene Berufung jedes menschlichen Wesens" (FC 11).

Gottes Ebenbild durch die Personen-Kommunion

Den gerade hervorgehobenen Gedanken drückt Johannes Paul II. in seinen Mittwochs-Erwägungen, die er in ersten Jahren seines Pontifikats der Erlösung des Leibes gewidmet hat, folgender aus:

„Ebenbild und Ähnlichkeit Gottes wurde der Mensch nicht allein durch sein Mensch-Sein,
sondern auch durch die Kommunion der Personen, die Mann und Frau von Anfang an bilden ...
Der Mensch wird Widerspiegelung Gottes nicht so sehr im Akt seiner Einsamkeit,
als vielmehr im Akt der Kommunion.
Er ist ja ‘von Anfang an’ nicht nur Ebenbild, in dem sich die Einsamkeit einer Person, die über die Welt herrscht, widerspiegelt,
sondern die unergründliche, wesenhafte Gottes Kommunion der Personen” (ML 94f.).

Zwillinge sind erschienen
Erklärung

Wie das Geheimnis des inneren Lebens der Drei Gottes Personen auf gegenseitigem Dasein-‘für’ sich einander beruht, so soll auch Mann und Frau unterschiedliche Gemeinschaften bilden, in denen jeder je nach seiner Berufung selbstlose Gabe-‘für’ den anderen wird.

Der erste Mann wurde sich über sich als Mann erst dann bewusst, als er die zu ihm von Gott herbeigeführte Frau erblickte, die er als Frau erkannt hat. Ihr Leib, ähnlich wie das seine und zugleich doch auf charakteristische Weise unterschiedlich, offenbart nicht nur die geschlechtliche Unterschiedlichkeit, sondern die darunter verborgene Person selbst: des Menschen-Mannes, bzw. des Menschen-Frau. Der erste Mann und die erste Frau werden sich bewusst, dass sie u.a. dazu berufen werden, um dank der freiwilligen Wahl ein „zwei-zu-Einem-Fleisch” in der Ehe zu werden. Diese Vereinigung nimmt sofort ein ethisches, theologisches und sakramentales Ausmaß an (s. dazu: ML 96f.).

Johannes Paul II. kehrt in seinen verschiedenen Betrachtungen nicht selten auf den biblischen Bericht vom ersten Menschen zurück, der tiefschneidend seine „Einsamkeit” erlebte. Der erste Mensch wurde sich dessen besonders dank des Kontrastlichtes im Vergleich mit der Welt der Tiere bewusst, sollten auch manche von ihnen einigermaßen ähnlich wie er sein. Es ist wahr, die spürbar empfundene ‘Einsamkeit’ zeugt ihrer Art von der untröstlichen, intuitiven Sehnsucht des Menschen, also Gottes Ebenbildes, nach seinem Gottes Ur-Muster. Aber über dasselbe zeugt das von ihm in diesem ‘anderen’ Menschen: der zu ihm herbeigeführten Frau, erkannte dasselbe Gottes Ebenbild, wie er es ist:

„Das Leben, das Gott dem Menschen schenkt, ist weit mehr als nur ein zeitlich-irdisches Dasein. Es ist ein Streben nach der Fülle des Lebens; es ist Keim eines Daseins, das die Grenzen der Zeit überschreitet: ‘Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht’ [Weish 2,23].
– ... In dieser uralten Erzählung [Gen 2,7] wird nämlich von Gottes Hauch gesprochen, mit dem der Mensch erfüllt wird, um so lebendiges Wesen zu werden: ‘Dann bildete Jahwéh-Elohim [Herr-Gott] den Menschen aus Staub von dem Erdboden und blies in seine Nase den Lebenshauch. So wurde der Mensch ein lebendes Wesen’ [Gen 2,7].
– Der göttliche Ursprung dieses Lebensgeistes erklärt, warum den Menschen sein ganzes Leben lang das Empfinden von Unerfüllung begleitet. Indem er von Gott erschaffen ist und in sich eine unauslöschliche Spur Gottes trägt, trachtet der Mensch natürlich nach Ihm ...: ‘Du, o Herr, hast uns für Dich geschaffen, und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Dir’  [Hl. Augustin].
– Äußerst vielsagendes Zeugnis ist die empfundene Unerfüllung, die der Mensch im Paradies erfährt, solange sein einziger Bezugspunkt die Welt der Pflanzen und Tiere bleibt [Gen 2,20]. Erst das Auftreten der Frau, das heißt des Wesens, das Fleisch von seinem Fleisch und Bein von seinem Bein ist [Gen 2,23] und in dem ebenfalls der Geist Gottes des Schöpfers lebt, vermag seinen Bedarf nach interpersonalem Dialog, der für die menschliche Existenz so lebenswichtig ist, zu befriedigen. Im Nächsten – Mann oder Frau, kann die Widerspiegelung Gottes selbst, des endgültigen Zieles und der Befriedigung jedes Menschen, erblickt werden” (EV 34f.).

Die Bildung einer Personen-Kommunion

Die beiden ersten Menschen: Mann und Frau – werden sich in selber Stunde um den Sinn ihres Leibes bewusst. Der Leib wird dazu gerufen, eine Kommunion zu bilden – nicht so sehr allein der ‘Leiber’, sondern ihrer Personen. Das soll dank dessen geschehen, dass die beiden bewusst für-einander uneigennützige Person-Gabe werden. Das findet seinen Ausdruck u.a. auch in der gegenseitigen Hingabe aneinander im Leibe.
– Für sich einander Gabe-Person durch den Leib und das Geschlecht zu sein wird dank des bräutlichen Sinnes-Bedeutung möglich, den der Schöpfer in den Leib seines lebendigen Ebenbildes eingeprägt hat:

„... Die Suche nach der menschlichen Identität ... muss immer durch die Zweiheit führen, durch die ‘Kommunion’ und die Gemeinschaft. Sie führt ... durch die gegenseitig sich ergänzenden Arten, in denen es gilt ‘Leib-zu-sein’ und zugleich Mensch-zu-sein – als die zwei komplementären Ausmaßen des Selbstbewusstseins und der Selbstbestimmung, und zugleich die zwei komplementären Empfindungen, was den Sinn des Leibes angeht” (ML 97f.).

Sowohl die eine, wie die andere Art und Weise des Leib-zu-Seins wird eigenartig Person-generierend und für den Menschen „bereichernd” (ML 99). Sie erlaubt nämlich sich selber als Menschen-den-Mann, bzw. als Menschen-die-Frau zu identifizieren, sobald der eine angesichts der Person dieses anderen in seiner ganzen Männlichkeit-Weiblichkeit stehen bleibt: „Die Weiblichkeit findet sich gleichsam angesichts der Männlichkeit wieder, während die Männlichkeit sich durch die Weiblichkeit bestätigt” (ML 99).

Die gegenseitige Komplementarität, und dabei zugleich die Einheit-Gleichheit in selber menschlichen Natur, zu deren besonderem Grenz-Ausdruck der Akt der geschlechtlichen Vereinigung wird, wird zur Gelegenheit, um die „geheimnisvoll attraktive Zweiheit” (ML 100) der zwei Personen zu entdecken. Der Mensch ist mit einem blindlings wirkendem Instinkt nicht vorbestimmt. Bei der unternommenen Vereinigung unter zwei Personen geschieht immer folgendes:

„... die Überschreitung der Grenze der Einsamkeit des Menschen ...
Diese Überschreitung kennzeichnet sich immer irgendwie
mit der Übernahme als Eigener – der Einsamkeit des Leibes des anderen ‘Ich’ ...
Daher geht [die Verbundenheit von zwei Personen über die eheliche Vereinigung] mit der Wahl zusammen” (ML 100f.).

Die Wahl setzt die Fähigkeit der Selbst-Bestimmung voraus, aber darüber hinaus auch der Verantwortung:

„So lesen wir: ‘Darum verlässt der Mann Vater und Mutter’, um sich ‘an seine Frau zu binden’.
Inwiefern der Mensch zu Vater und Mutter ‘der Natur nach’ angehört – aufgrund der Zeugung,
so ‘bindet er sich’ an die Frau (oder an den Mann) aufgrund der Wahl” (ML 101).

Der Reihe nach aber, die:

„... gegenseitige ... Wahl entscheidet über den ehelichen ‘Bund der Personen’,
die erst aufgrund dieser Wahl ‘Ein Fleisch werden’ ...” (ML 101f.).

Gabe ist mehr als Vereinigung im Geschlecht

Die Ehe ist offenbar nur eine, wenn auch zweifelsohne grundsätzliche Art und Weise, um Hingabe-‘für’-zu-Sein. Die Liebe an sich – im Sinn des Gabe-Seins-‘für’, ist grundsätzliche Befähigung und Aufgabe für jeden Menschen.
– Der Mensch, der seine Umgebung dazu nötigte, dass sie ihm dient, anstatt sich selbst auf den anderen hinzuordnen, würde eine tiefe, verschuldete Verstümmelung seines Menschseins erweisen:

„Die Hingabe enthüllt nämlich sozusagen
die besondere Regelmäßigkeit des personalen Existierens, ja des personalen Daseins ...
[Der Mensch in seiner Einsamkeit, d.h.] er ‘allein’ erfüllt diese Regelmäßigkeit nicht.
Er erfüllt sie, indem er ‘mit jemandem’ da ist – und noch tiefer, noch gründlicher:
indem er ‘für jemanden’ existiert [= Hilfe ‘für’] ...
Die Personen-Kommunion bedeutet das Dasein im gegenseitigen ‘für’,
in der Beziehung der gegenseitigen Hingabe ...” (ML 120f.).

Der Heilige Vater hebt auch die Hinsicht des Gefühlslebens hervor, das mit Hingabe-füreinander-zu-Sein einhergeht. Sooft zwei Leute selbstlose Gabe-füreinander werden, erleben sie ihre Kommunion als beglückende Wirklichkeit. Dieses Kennzeichen bemerkt man im biblischen Ruf der Entzückung des ersten Mannes angesichts der Frau, die ihm Gott herbeiführt:

„Diese endlich [= im Gegenteil zu Tieren, die vor mir vorbeigezogen sind,
unter denen ich kein ‘mir ähnliches Wesen’ gefunden habe]

ist Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch;
diese soll Männin heißen, denn vom Mann ist sie genommen” (Gen 2,23 – ESt)!

Und noch:

„Diese Worte drücken gleichsam den beglückenden ‘Anbeginn’ des Daseins des Menschen in der Welt aus. Dieser subjektiv beglückende ‘Anbeginn’ bestätigt den ganzen Vorgang der ‘Personalisierung’ des Menschen in der Welt und wird gleichsam aus der Tiefe selbst seiner menschlichen, personalen Einsamkeit geboren – gegenüber allen anderen Wesen, angesichts der nur Lebewesen: ‘animalia’ [= Tieren] ...” ML 121).

Die ursprüngliche Glückseligkeit hängt mit der Hingabe aneinander der eigenen Personen zusammen, an der untrennbar der Leib und das Geschlecht in seiner ganzen Männlichkeit und Weiblichkeit Anteil hat (s. ML 121f.). Die zwischen-menschliche Kommunion ist Wirklichkeit, die sich nicht allein zwischen Leib-und-Leib ereignet, noch zwischen Geist-und-Geist, sondern zwischen diesen beiden als Leib-Geist zugleich, d.h. zwischen Person-und-Person, zwischen Leib-Geist von zwei Personen:

„Es besteht eine enge Abhängigkeit zwischen dem Geheimnis der Schöpfung als Beschenkung die aus Liebe herkommt, und jenem ursprünglich beglückenden ‘Anbeginn’ des Daseins des Menschen: Mann und Frau in der ganzen Wahrheit ihres Leibes und Geschlechts, die die einfache und reine Wahrheit der Personen-Kommunion ausmacht ...
[Der erste Mann, der den Ruf der Entzückung hervorbringt, als er die Frau zu sehen bekommt] stellt zweifellos die menschliche Identität der beiden fest. Daselbst scheint er zu sagen: Siehe, der Leib, der die ‘Person’ zum Ausdruck bringt ! ...
– Der Leib, der die Weiblichkeit ‘für’ die Männlichkeit und gegenseitig die Männlichkeit ‘für’ die Weiblichkeit zum Ausdruck bringt, enthüllt die Gegenseitigkeit und Kommunion der Personen ...” (ML 122).

3. Tiefere Bedeutung des bräutlichen Sinnes des Leibes

Zwei Daseins-Arten des Mensch-Seins

Der Heilige Vater endet folgender die in die Tiefe greifenden Erwägungen über die zwei Arten und Weisen des Mensch-Seins:

„Dieser beglückende ‘Anbeginn’ des Existierens-Daseins des Menschen als Mann und Frau
hängt mit der Offenbarung – und zugleich Entdeckung dieses Sinnes des Leibes zusammen,
den es sich ziemt als ‘bräutlichen’ zu bezeichnen ...” (ML 123).

Johannes Paul II. spricht des Öfteren vom verschiedenen Sinn des ‘Leibes’: dem bräutlichen, elterlichen, erlöserlichen. Der ‘bräutliche’ Sinn des Leibes betrifft diese seine Eigenschaft, dank der – indem er die dahinter des Leibes und in ihm verborgene Person offenbart, für die leiblich-geistigen Erweise der Liebe empfänglich ist, und zwar als ganzheitlicher beiderseitiger Hingabe.

Voraussetzung, dass man sich gegenseitig die eigene Person als Gabe dahingeben kann, ist die Annahme seiner Selbst in seinem Leib und Geschlecht nicht so sehr als Faktors, der die Begehrlichkeit auslöst, sondern indem der Leib und das Geschlecht die Aufmerksamkeit weckt, die sich zur Sicht und zur Liebe der in ihm verborgenen und sich in ihm offenbarenden Person durchzuringen heißt. Denn nicht die Leiber, sondern die Personen sind fähig, sich gegenseitig als uneigennützige Gabe dahinzuschenken. Das setzt selbstverständlich die Durchschaubarkeit der Absichten voraus, wie auch die Pflege um die Reinheit des Herzens. Die ‘Reinheit’ ist nur anderer Name für die Tugend der Liebe, die sich mit der Dynamik der Dahingabe kennzeichnet, nicht aber der-Aneignung-In-Besitznahme:

„Mann und Frau sehen sich – nach Gen 2,25
[‘Beide, Adam und seine Frau, waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander’]
– gleichsam mit dem Sehvermögen des Geheimnisses selbst der Schöpfung.
Sie sehen sich so, noch bevor sie ‘erkennen, dass sie nackt sind’ ...” (ML 114).

Der Heilige Vater bemerkt, dass ein solches gegenseitiges Anschauen Anteilnahme an der Schau ist, mit der Gott die erschaffene Welt umgreift, in der alles ‘sehr gut’ ist. So drückt es auch der Völkerapostel aus:

„Für die Reinen ist alles rein;
für die Unreinen und Ungläubigen aber ist nichts rein,
sogar ihr Denken und ihr Gewissen sind unrein” (Tt 1,15; vgl. Mt 15,11.18).

Und noch eine weitere Reflexion des Heiligen Vaters:

„Ihr [der ersten Eltern] gegenseitiges Sich-Sehen ist nicht nur Teilnahme an ‘äußerer’ Sichtbarkeit der Welt, sondern hat auch das innere Ausmaß der Teilnahme an der Schau des Schöpfers selbst, an jener Schau, von der der ‘Priesterliche Text’ ein paarmal spricht: ‘Gott sah, dass alles, was Er gemacht hatte, gut war, .... dass es sehr gut war’. Die Nacktheit bezeichnet das ursprüngliche Gut Gottes Sehens. Die Nacktheit bedeutet die ganze Einfachheit und die Fülle jener Anschauung, durch die sich der ‘reine’ Wert des Menschen als Mann und Frau kundtut, der ‘reine’ Wert des Leibes und Geschlechts.
– Diese Situation ... kennt keinen inneren Bruch und Gegensätzlichkeit zwischen dem, was das Geistige ist, und dem, was Sinnliches ist, wie sie keinen Bruch ausweist, noch Gegensätzlichkeit zwischen dem, was menschlich gesehen das Personale ausmacht, und dem, was im Menschen das Geschlecht bestimmt: was das Männliche und Weibliche ist” (ML 114).

Solches gegenseitiges Anschauen und die gegenseitige reine, nicht begehrliche Annahme – bleibt bei der Körperlichkeit und Geschlechtlichkeit nicht stehen. Sie sieht in erster Reihe die Person, auch wenn diese sich gerade vermittels dieses Leibes und dieses Geschlecht s offenbart:

„Indem sie sich gegenseitig gleichsam mit dem Auge des Geheimnisses der Schöpfung selbst sehen, erblickt Mann und Frau sich einander umso vollständiger und deutlicher mit dem Sehvermögen selbst: mit Augen des Leibes. Sie sehen sich nämlich und umfangen sich mit dem ganzen Frieden der Intimität ...
... Indem sie sich sehen und einander mit dem ganzen Frieden des inneren Blicks umfangen, ‘kommunizieren’ sie in der Fülle des Mensch-Seins, das sich in ihnen als gegenseitig ergänzt eben deshalb offenbart, dass es ‘männlich’ und ‘weiblich’ ist. Zugleich ‘kommunizieren sie’ auf dem Grund dieser Personen-Kommunion, in der sie durch ihre Weiblichkeit und Männlichkeit zur gegenseitigen Hingabe füreinander werden ...” (ML 114f.).

Reinheit am Fundament des bräutlichen Sinnes des Leibes

Die genannten Voraussetzungen eines reinen gegenseitigen Anschauens werden Grundboden, auf dem sich der bräutliche Sinn des Leibes entfalten kann. Dieser Sinn betrifft den Leib, inwiefern er die Funktion des Zeichens der Person erfüllt, die geliebt wird und mit der man sich vermählen kann. Das lässt Gabe-‘für’ zu werden:

„Die ursprüngliche Bedeutung der Nacktheit entspricht solcher Einfachheit und Fülle des Sehens,
in der die Empfindung des Sinnes des Leibes gleichsam
im Herzen ihrer Gemeinschaft-Kommunion geboren wird.
Wir geben ihm den Namen: ‘bräutlicher’ [Sinn des Leibes](ML 115).


Ist ein gerade solcher Sinn des Leibes-des-Geschlechts möglich, und entspricht die Bezeichnung der Offenbarung weiterhin der Wahrheit, dass der Mensch in seiner Männlichkeit und Weiblichkeit auf geheimnisvolle Weise „Gottes Ebenbild” ist, bedeutet das zugleich, dass gerade so, also bräutlich – in erster Reihe Gott ist ! Diese Feststellung berührt eine fundamentale Wirklichkeit und verlangt nach eingehenderer Erörterung.

Bräutlich, weil ganzheitliche Gabe-‘für’ – ist der Dreieinige schon beim Herauswachsen außerhalb vom eigenen Selbst als Schöpfers, als Er zur Erschaffung des Kosmos antritt, sollten wir vorläufig den Menschen übergehen.
– In ganz besonderer Bedeutung ist Gott in der Erschaffung des Menschen selbst, seines lebendigen Ebenbildes, bräutlich. Denn den Menschen erschafft Gott, will ihn, nimmt ihn an – „um seiner Selbst willen”. Indem Gott den Menschen erschafft, bietet Er Mann und Frau gleichsam seinen ‘Verlobungs-Ring’ an: Er lädt ihn ein, Gottes Braut zu werden!

Wir haben es uns schon zum Bewusstsein gebracht, dass Gott das Wesen der Bräutlichkeit in sich selbst realisiert. Sie besteht auf Einheit-in-Liebe als Hingabe. Die Macht der Vereinigung der Drei Gottes Personen ist ein einziges Dasein-‘Für’ sich einander – des Vaters und des Sohnes, und des Heiligen Geistes. Eben dieser Wirklichkeit – unveräußerliches Zeichen – ist jedes zwischen-menschliche Dasein-‘für’.
– Man kann deutlich bemerken, dass Gott es lieb hat, die Wirklichkeit seinem Ebenbild zum Bewusstsein zu bringen, zu der Er es ruft. Er zeigt ihm nämlich seine keimartige Widerspiegelung in der zugänglichen Beobachtung. Solchen Sinn prägt Er auch in die zwei menschlichen Arten und Weisen des Leib-Seins ein (vgl. ML 115f.).

Gottes Treue der Liebe allen Demütigungen zuwider

Diese Tatsache wird zur immerwährenden Erinnerung an die Erschaffungs-Beschenkung. Die Uneigennützigkeit beim Beschenken mit immer anderen Gaben wird typisch unter Verliebten getroffen. Die Herausrufung vom Nicht-Existieren, das Angebot des Bundes mit sich Selber – ist vonseiten Gottes Akt der Gabe in Art bräutlicher Liebe !

Erschafft Gott Mann und Frau uneigennützig – als „Gabe um ihrer Selbst willen”, verrät Er sich angesichts seines Ebenbildes unwillkürlich wegen seiner Bräutlichen Liebe. Wie viel Herzleid und Demütigungen erfährt der Dreieinige in seinen Bräutlichen ‘Bewerbungen’ um Gegenseitigkeit seines Ebenbildes! Und doch Gott verharrt getreu in seiner Liebe zu dieser seinen Ersehnten: Mann und Frau. Diese Liebe strebt von Anfang an den Personen-Bund an – nach Form dieses, der die Ehe gründet.

Von Gott als dem Großen Bräutigam des Menschen kann selbstverständlich nicht auf primitive Art und Weise gesprochen werden. Gott ist reiner Geist. Dennoch das, was das Wesen der Ehe ausmacht: das Band der Liebe offen auf Leben – verwirklicht sich in den Beziehungen Gott und Mensch – auf eine Art, die die gewagtesten Vermutungen überragt. Gott bietet immerwährend die Kommunion von Leben und Liebe an: der Teilhabe an seiner Gottes Natur. Er schlägt die umwandelnde Vereinigung des Menschen mit dem Dreieinigen vor.

Sooft Mann und Frau ihr Dasein-für-einander als ein Ereignis erleben, das ihre Kommunion belebt, sollen sie es nie mit der Aufmerksamkeit erleben, die ausschließlich auf sie selbst gegenseitig eingeengt wäre. Ihre Freude, und auch die beiderseitigen Sorgen, sind für sie dauerndes Zeichen-Sprungbrett zu einem anderen Glück, aber auch zu einer anderen Sorge und Schmerz, die Gott der Allmächtige ‘erlebt’: der Vater, samt dem Sohn – im Heiligen Geist, was seine Bräutlichen Beziehungen zum Menschen: Mann und Frau angeht. Für Gott gilt es: „... und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein” (Spr 8,31).

Zu gleicher Zeit aber schafft dem Dreieinigen das Da-Sein mit seinem Ebenbild einen einzigen Schmerz. Johannes Paul II. stellt fest:

„Es besteht eine enge Abhängigkeit zwischen dem Geheimnis der Schöpfung als Beschenkung, die aus Liebe herkommt – und dem ursprünglich beglückenden ‘Anbeginn’ des Daseins des Menschen: Mann und Frau in ganzer Wahrheit ihres Leibes und Geschlechts, die die einfache und reine Wahrheit der Personen-Kommunion ausmacht.
[Der Leib in seiner Männlichkeit und Weiblichkeit ‘für’ den anderen] offenbart die Gegenseitigkeit und Kommunion der Personen.
– Er bringt sie durch die Hingabe als die grundlegende Regelmäßigkeit des personalen Existierens zum Ausdruck. Es ist der Leib, der von der Erschaffung als grundsätzlicher Beschenkung zeugt, der also von Liebe zeugt als dem Quell, dem diese Beschenkung und diese Hingabe entsprungen ist.
– Die Männlichkeit-Weiblichkeit, d.h. das Geschlecht, ist ursprüngliches Zeichen der erschaffenden Beschenkung, wie auch zugleich der vom Menschen als Mann-Frau zum Bewusstsein gebrachten und gleichsam ursprünglich ‘gelebten’ Gabe” (ML122f.).

Selbstbesitzen seiner Selbst – Voraussetzung für die Hingabe seiner Selbst

Es soll noch einmal wiederholt werden, dass nur dieser sich jemandem anderen dahinzugeben imstande ist, der sich selbst besitzt (s.: Freiheit der Gabe bedroht von der Begehrlichkeit – und noch: Selbsthingabe bedingt mit Sich-Besitzen). Der Dreieinige schenkt dem Menschen sich Selber, weil Er sich Selbst in Fülle besitzt.
– Anders pflegt es nicht selten beim Menschen zu sein. Der einzelne Mensch kann keinesfalls immer sich selber tatsächlich ‘besitzen’. Er kann sich vortäuschen, er besitze sein Selbst, indessen er wird von der Begehrlichkeit in Besitz genommen. Diese aber nötigt bestimmte Handlungen auf und verknechtet den Menschen, worüber er sich anfangs nicht einmal bewusst werden kann.

Indessen es ist unmöglich irgendetwas als Geschenk zu geben, was man nicht besitzt. Gefährdung für die Freiheit der Hingabe seiner Selbst in eigener Männlichkeit-Weiblichkeit ist die Begehrlichkeit. Die Begehrlichkeit macht es unmöglich, bzw. sie erschwert es wesentlich, dass der Mensch als Person gemäß dem Vorrang des Geistes über den Leib-die-Materie angeblickt-gesucht wird.
– Die Begehrlichkeit behält das Auge eroberungssüchtig auf dem Geschlecht und eignet es an – als Terrain das es zu erobern und auszubeuten gilt. Grundboden solcher Entartung der Liebe, vom Hingabe-Sein – in: In-Besitz-Nahme, wird die freiwillige Preisgabe seiner Selbst in Knechtschaft des Zwanges des Leibes. Der Mensch wünscht auf vorsätzliche Art und Weise nicht, die ihm von Gott dargeschenkte Gabe: frei-zu-sein, weiter zu haben. Von solcher Knechtschaft befreit zu werden ... ist es schwer.

Hier beginnt zugleich die Sünde, u.zw. die vorsätzliche Nicht-Beachtung seiner unabtrittbaren Würde: Herr über die übrige Schöpfung zu sein. Der Mensch soll allein Gott untertan sein, nicht aber Dingen. Indem sich der Mensch der Begehrlichkeit preisgibt, ergibt er sich der Versklavung. Die Begehrlichkeit erzwingt Handlungen, die sich dem Status der Liebe-Gabe widersetzen:

„Mann und Frau sind im Zusammenhang ihres beglückenden ‘Anbeginns’ frei mit der Freiheit-der-Gabe. Denn um dank ihrer ... Weiblichkeit und Männlichkeit in Beziehung ‘der uneigennützigen Gabe’ sich gegenüber zu verbleiben, ... müssen sie auf gerade solche Art und Weise frei sein.
– Die Freiheit verstehen wir an dieser Stelle vor allem als Besitzen seiner Selbst (Selbstbesitzen).
– In dieser Form ist sie unerlässlich, dass der Mensch ‘sich dahinzugeben’ imstande ist, dass er Gabe werden kann, dass er ... ‘sich Selbst wiederfinden kann, indem er sein Selbst als uneigennützige Gabe dahinschenkt’ ...” (ML 126f.; ebd., 133f.227f.).

Grundlagen der Würde des Menschen

Unsere Erwägungen kreisen um ein paar grundlegende Aspekte der Wirklichkeit, die über die Würde des Menschen, und folglich auch über die Liebe entscheiden; sowohl in der Ehe, als auch auf der Stufe der Verlobung.

(0,36 kB) An der Grundlage der Seins-Wahrheit des Menschen liegt die Feststellung, dass er Person ist. Person deshalb, weil er zwar ‘erschaffen’ ist, allerdings erschaffen als „Gottes Ebenbild”.

(0,35 kB) Die einzige Art und Weise, dass der Mensch-die-Person ‘Er-Selbst’ wird, beruht darauf, dass er „uneigennützige Hingabe” wird.

(0,35 kB) Erst so widerspiegelt der Mensch Gottes Kommunion der Personen, die füreinander unaussprechliche ‘Hingabe’ sind. Darauf beruht die Liebe.

(0,37 kB) Es gibt keinen anderen Weg zur wahren Liebe, als nur über die Wahrheit – und die Gabe.

Es beugt sich ein so großes Tier
Erklärung

Es ist Wahrheit des menschlichen Seins, dass nur sie: Mann und Frau – „Gottes Ebenbild” sind. Indem diese Tatsache zugleich Berufung ist, muss der Mensch mit Akten seines Selbstbewusstseins und seiner Selbstbestimmung diese seine Ähnlichkeit zu Gott – und nicht zu ‘Dingen’, bejahen.

Hier beginnt die Geschichte des Menschen als Person: Der Mensch ist nicht – und wird niemals, zur ‘Sache’. Sollte er selbst ‘Ding’ werden mögen, bzw. würde er irgendjemanden auf die Stufe nur eines ‘Dinges’ herabführen, wird er davon streng abgerechnet werden. Hier beginnt die Sünde – und die Verantwortung: für die eigene Würde und die der anderen.

Johannes Paul II. hebt mit großem Nachdruck hervor, dass auch wenn die Biologie der Weitergabe des menschlichen Lebens ähnlich ist wie die Zeugungsbiologie bei manchen Tieren, ist sie aber im Fall des Menschen immer zugleich noch Weitergabe von „Gottes Ebenbild”:

„Die menschliche Elternschaft hat ihre Wurzeln in der Biologie, zu gleicher Zeit aber überragt sie sie ...
– Wenn aus der ehelichen Einheit der beiden ein neuer Mensch geboren wird, so bringt er mit sich ein besonderes Ebenbild und Ähnlichkeit Gottes selber in die Welt: in die Biologie der Zeugung ist die Genealogie der Person eingeschrieben.
– Wenn wir sagen, dass die Ehegatten als Eltern Mitarbeiter Gottes-des-Schöpfers bei der Empfängnis und Zeugung des Neuen Menschen sind, beziehen wir uns mit dieser Formulierung nicht nur auf die Gesetze der Biologie, sondern darauf, dass in der menschlichen Elternschaft Gott selber gegenwärtig ist – gegenwärtig in noch anderer Weise, als es in jeder anderen Zeugung in der sichtbaren Welt ‘auf Erden’ geschieht.
– Es kann doch allein von Ihm die ‘Ebenbildlichkeit und Ähnlichkeit’ stammen, wie sie dem menschlichen Wesen eigen ist ...” (BF 9).

Hier steckt die tiefste Begründung für die Tatsache, dass es dem Menschen – ein Ding zu werden und zu sein, nicht erlaubt ist. Der Mensch ist irreversibel ein ‘Jemand’, und nicht ein ‘Ding’! Die moderne Zeit möchte die Größe des Menschen auf allein die ‘Materie’ oder ‘Technik’ herabführen. Das bleibt aber immer im Widerspruch zur Wahrheit des menschlichen Seins. Johannes Paul II. warnt:

„Die modernen Mittel der sozialen Kommunikation sind auf die Versuchung der Manipulation der Botschaft ausgesetzt, die Wahrheit über den Menschen zu verfälschen.
– Der Mensch ist nicht derjenige, wie er sich in der Werbung und Propaganda der modernen Massenmedien anschaut.
– Er ist jemand mehr – als psychophysische Einheit, als Einheit von Seele und Leib, als Person.
– Er ist jemand mehr durch seine Berufung zur Liebe, die Mann und Frau in das Ausmaß des ‘großen Geheimnisses’ einführt [Eph 5,32](BF 20).

Folgerichtig:

„Die Trennung zwischen dem, was das Geistige, und dem, was das Materielle im Menschen ist, hat die Neigung dazu herbeigezogen, dass der menschliche Körper nicht mehr in Kategorien seiner spezifischen Ähnlichkeit mit Gott behandelt werde, sondern in Kategorien der Ähnlichkeit zu allen anderen in der Natur vorhandenen Körpern, die der Mensch als Rohstoff zur Erzeugung von Konsumgütern behandelt ...
– Der Mensch hört in diesem Denkhorizont auf Person und Subjekt zu sein. Er wird seinen Absichten und Erklärungen zuwider ausschließlich Objekt ...
– Auf diese Weise führt diese ... Zivilisation z.B. dazu, dass die menschliche Geschlechtlichkeit eher als Terrain der Manipulation und Ausbeutung begriffen wird, als Gegenstand des urewigen Staunens, das bei der Schöpfung in den Mund des Adam Worte hineinlegen ließ, die sich auf Eva beziehen [Gen 2,23; Hld 4,9] ...
– Wie weit entfernt sind die modernen Auffassungen von dem tiefen Verständnis der Männlichkeit und Weiblichkeit, das in der Offenbarung Gottes enthalten ist! Sie entdeckt in der menschlichen Geschlechtlichkeit den Reichtum der Person, die ihren wahren Wert in der Familie wiederfindet und ihre tiefe Berufung auch in der Jungfräulichkeit und im Zölibat um des Himmelreiches willen zum Ausdruck bringt” (BF 19).

Gottes Wollen und Wollen der Eltern

Hier ist der Grund, warum bei jeder Empfängnis des Menschen und seiner Zeugung ein Erstaunen auftaucht. Es gibt keinen Menschen, der nicht von Gott selbst „um seiner Selbst willen” [= dieses Menschen] gewollt wäre. Der Dreieinige „kennt” jeden schon vor seiner Empfängnis: Er kennt ihn urewig! Er „gedenkt” auch eines jeden Menschen (Ps 8,5; BF 10). All das findet seine kräftige Betonung in der Lehre des Heiligen Vaters:

„Die Ehegatten wünschen die Kinder für sich ... Sie wünschen sie auch für die Familie ...
– In die eheliche und elterliche Liebe prägt sich diese Wahrheit vom Menschen ein, ... dass Gott den ‘Menschen um seiner Selbst willen will’.
– Es ist nötig, dass sich in dieses Gottes Wollen – das menschliche Wollen der Eltern eingliedert; dass sie diesen neuen Menschen mögen, wie ihn der Schöpfer will.
– Das menschliche Wollen unterliegt dem Gesetz der Zeit, dem Gesetz der Vergänglichkeit. Das Göttliche – ist urewig. ‘Noch ehe Ich dich im Mutterleib formte, habe Ich dich erkannt, bevor du aus dem Mutterschoß hervorgingst, hab Ich dich geheiligt” [Jer 1,5 – JB].
– Die Genealogie der Person ist also zunächst mit der Ewigkeit Gottes verbunden und erst danach mit der menschlichen Elternschaft, die sich in der Zeit verwirklicht. Bereits im Augenblick der Empfängnis ist der Mensch zur Ewigkeit in Gott berufen” (BF 9; vgl. EV 43ff.).

In diesen Aspekt: der Wahrheit des Seins des Menschen als Person, ist seine Berufung – und Verantwortung für die Kommunion der Personen eingeflochten. Beziehungspunkt für den Menschen bleibt immer diese unaussprechliche Personen-Kommunion, die Gott der Dreieinige bildet. Dem Menschen ist es gegönnt sein „Ebenbild” zu sein:

„Nur die personalen Wesen sind imstande solche Worte auszusprechen [‘... und dass ich dich nicht verlasse bis zum Tod’]. Nur sie sind fähig in ‘Kommunion’ zu existieren – auf der Grundlage der gegenseitigen Wahl ...
– Diese gegenseitige Wahl kann nicht korrekt begriffen werden, wenn man nicht die volle Wahrheit über das vernünftige und freie Wesen vor Augen hat, wie sie jede menschliche Person darstellt. Das Zweite Vatikanische Konzil spricht ... von ‘einer gewissen Ähnlichkeit zwischen der Einheit der Göttlichen Personen und der Einheit der Kinder Gottes, verbunden in Wahrheit und Liebe[GS 24].
– Diese prägnante Formulierung lässt ... das bestätigen, was über die innere Identität jeder menschlichen Person, jedes einzelnen Mannes und jeder Frau, entscheidet. Diese Identität ist die Fähigkeit, das Leben in Wahrheit und Liebe zu führen” (BF 8).

Sooft der Heilige Vater von Leben in Liebe spricht, hebt er hervor, dass es Entscheidung des Willens ist, für den anderen – zu seinem grundsätzlichen Guten ‘Hingabe’ zu sein:

„Die Liebe bewirkt es, ... dass der Mensch sich durch die uneigennützige Hingabe seiner Selbst verwirklicht.
– Liebe ist nämlich Geben und Annehmen der Gabe.
– Sie kann weder gekauft, noch verkauft werden. Man kann sich mit ihr nur gegenseitig beschenken.
Die Hingabe der Person ist ihrem Wesen nach beständig und unwiderruflich ...” BF 11).

Und noch:

„In ihm [1 Kor 13: Hohelied von der Liebe] geht es ... um die Annahme der Definition des Menschen als Person, die sich durch die uneigennützige Hingabe ihrer Selbst ‘verwirklicht’.
– Hingabe ist – natürlich – Hingabe für den anderen, für ‘die anderen’: das ist das wichtigste Ausmaß der Zivilisation der Liebe ...
– Die Person offenbart sich durch die Freiheit in Wahrheit. Die Freiheit kann nicht als Befugnis verstanden werden, das Beliebige zu tun.
– Freiheit bedeutet nicht nur Hingabe seiner Selbst, sondern bedeutet auch die innere Disziplin der Hingabe. In den Begriff der Hingabe ist nicht nur eine beliebige Initiative des Subjektes eingeschrieben, sondern auch das Ausmaß der Verpflichtung ...” (BF 14).

Es sollte hier wiederholt auch noch eine andere Aussage Johannes Paul II. angeführt werden. Er weist nämlich immer wieder an den Gekreuzigten hin – als das Muster, wie die Freiheit begriffen werden soll. Ihr einziger Sinn besteht darin, Hingabe-zum-Guten der Geliebten zu werden:

„Auf diese Weise ist die Betrachtung des Gekreuzigten Jesus
der Hauptweg, den die Kirche Tag für Tag gehen muss,
wenn sie in Fülle verstehen will, was die Freiheit ist:
Hingabe seiner Selbst im Dienst an Gott und die Brüder” (VSpl 87).

Alle hier besprochenen Blickpunkte der Wirklichkeit des Menschen-als-Person bleiben ständiger Hintergrund und Grundlage für die weiteren Erwägungen.

Verzierung

RE-Lektüre: IV.Teil, Kapit.1b:
Stadniki – 11.XI.2013 und 1.IV.2016.
Tarnów, 24.IX.2016.
Tarnów, 8.I.2017.
Tarnów, 4.III.2017.

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B. GOTTES EINLADUNG ZUR BRÄUTLICHEN VEREINIGUNG MIT SICH

1. Gott der Eine in Kommunion seiner Drei Personen
Liebe – Gespräch – Gabe
Gott der Sprechende
Gott offenbart sich selbst
Gott-die-Trinität in Äußerungen des Neuen Testaments
Vermerk. Gottes ‘Beweggrund’ seines Tuns
Gott – Trinität für den Menschen
Gemeinschaft und Kommunion der Personen
Der Heilige Geist – Person

2. Mensch-Mann und Mensch-Frau: als Ebenbild der Gottes Kommunion
Warum die geschlechtliche Unterschiedlichkeit des Menschen
Gottes Ebenbild durch die Personen-Kommunion
Die Bildung einer Personen-Kommunion
Gabe ist mehr als Vereinigung im Geschlecht

3. Tiefere Bedeutung des bräutlichen Sinnes des Leibes
Zwei Daseins-Arten des Mensch-Seins
Reinheit an der Fundament des bräutlichen Sinnes des Leibes
Gottes Treue der Liebe allen Demütigungen zuwider
Selbstbesitzen seiner Selbst – Voraussetzung für die Hingabe seiner Selbst
Grundlagen der Würde des Menschen
Gottes Wollen – Wollen der Eltern


Bilder-Fotos

Fot4-4. Anette und Lukas P.
Fot4-5. Geschwister der Anette W.
Fot4-6. Ein Kind gibt was Leckeres einer Giraffe