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VERMERK: Abkürzungen zur angeführten Literatur s. Literatur

Verzierung

Rozmiar: 6891 bajtów

Vierter Teil

DU MEINE BRAUT ! MEINE GELIEBTE !
„BLEIB AM LEBEN !
WACHSE HERAN ... !”
(Ez 16,6n; 33,11)
*       *       *
„Ich habe kein Gefallen am Tod ...
sondern dass er ...
am Leben bleibt”

(Ez 33,11)


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An der Schwelle des vierten Teiles

Nach den Erwägungen des vorangegangenen Teils, in dem unterschiedliche Begründungen bezüglich der ethischen Bewertung der Betätigungen im Bereich der geschlechtlichen Intimität – im ledigen Stand und in der Ehe erörtert wurden, kann mit größerer Überzeugung die Last der Verantwortlichkeit für den Fall begriffen werden, wenn die innere Friedensordnung zurückgewiesen wird, die der Dreieinige ins Gewissen des Menschen für diesen Bereich eingeprägt hat. Wir gestehen, dass die ‘ethische Norm’ keine seelenlose ‘Vorschrift’ darstellt, die gegen den Menschen: Mann und Frau ausgerichtet wäre. Hinterher blickt unentwegt die Person dessen durch, der LIEBE – ist. Jede ‘Contra’-Betätigung kann unmöglich keinen dramatischen Ausklang auslösen – sowohl im Sinn der Jetztzeit, wie umso mehr unter dem Blickpunkt des definitiven Endziels des menschlichen Lebens.

Der Gedankenfaden ist reif genug geworden, dass über die Wirklichkeit eingehender nachgedacht wird, die im Gottes-Geschriebenen-Wort mit dem Namen Sünde bezeichnet wird. Nicht um in ihrem negativen Aspekt zu versinken, mit dem mehr oder weniger das Leben jedes Menschen gekennzeichnet ist, sondern um den Blick zu erheben und „nach dem ... was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt ...” zu streben (1 Kol 3,1f) und den von Gott angebotenen „Raum der Buße und Umkehr” (vgl. Weish 12,10.19; Hebr 12,17 – gr.) anzunehmen. Es geschieht in Form der manchmal schwierigen, und doch an Liebe starken sakramentalen Versöhnung und Regeneration.

Es wäre aber wünschenswert noch einmal nachzusinnen, mittlerweile mit tieferer Einsicht dank der bisherigen Erwägungen, wie der eigentliche Status unserer Existenz ist. Diese Frage möchte von der Perspektive aus der letztlichen Dinge aufgegriffen werden, wie auch der ausnahmslos jedem Menschen angebotenen wunderlichen Chance: der Würde der Braut des Dreieinigen selbst, die es bewusst und offenen Herzens anzunehmen gilt.

Daselbst zeichnet sich die Aufteilung des Inhalts des hiesigen, vierten Teiles unserer WEB-Site in folgende Kapitel ab:


Sollte es wiederholt zum Bewusstsein des Teuren Lesers gebracht werden, dass hier ein Pater, ein Ordensmann schreibt? Vielleicht werden die Erwägungen auch dieses, und des nächsten Teiles – vom näheren Anblick des dargestellten Inhalts nicht allein um der Tatsache wegen abhalten müssen, weil ihr Autor ein Diener des Altars und des Wortes ist. Er sucht offenbar danach, das Gesamte der besprochenen Fragen vom Blickpunkt aus der Religion der Offenbarung darzustellen, wie sie auf die Welt vom Gott-Menschen Jesus Christus, dem Gründer und einzigen Besitzer der Kirche hergebracht worden ist.
– Sollten diese Worte in die Hände eines jemanden gelangen, der kein Katholik ist, vielleicht nicht einmal ein Christ, wecken sie doch vielleicht wenigstens ein gewisses Interesse und führen dazu, sie offenen Herzens und vorbehaltlos durchzublättern, um erfahren zu können, was über diese Fragen geradezu die Religion der Offenbarung zu sagen hat. Es findet sich hier bestimmt nichts, was der Würde des Menschen widerfahren sollte.

In diesem Teil bietet sich die Gelegenheit, gewissermaßen tiefer als zuvor in die hinreißende Wirklichkeit dieses Gottes einzudringen, der der erste (vgl. 1 Joh 4,10.19) dem Menschen: Mann und Frau entgegengeht, wenn dieser sich, in Folge des begangenen „Übels in Gottes Augen” (vgl. Jes 65,12; 66,4; Jer 7,30; 18,10; usw.) letztlich unwohl findet und feststellen muss, dass er „nackt” geworden ist (Gen 3,7).

Es bereitete dem Autor eine Freude, sollte der Werte Leser die von diesen Seiten schlagende Authentie verspüren: einer nicht täuschenden Gewissheit, die der Erlöser des Menschen seinem lebendigen Ebenbild ununterbrochen anbietet. Denn der Erlöser der Welt hat nur das eine vor: dass der Mensch in der Situation der Niederlage seines Menschseins – von neuem das unwahrscheinliche, und doch umso mehr wahre Angebot annimmt: der Rückkehr zum Status seiner Mystischen Braut. Die Erlösung des Menschen, die vom Gott-Menschen Jesus Christus vollbracht wurde, samt der von Ihm gegründeten Kirche, die Er mit wunderbaren Mitteln zur Versöhnung des Menschen mit Gott und untereinander ausgestattet hat – ist keine lyrische Erzählung, sondern immerwährend offenes Herbeirufen der Braut, sollte sie auch noch so sehr besudelt sein, und zugleich Ermutigung, dass sie Ihrem Göttlichen Bräutigam – vielleicht zerknirschten Herzens, aber ... vorbehaltlos anvertraut.

Dieser Ruf kommt an den Menschen, also die vielleicht mit Sünde befleckte Mystische Braut des Herrn, vom Himmlischen Vater – durch seinen Gekreuzigten Sohn, und immer im Heiligen Geist:

„‘Ja, Ich komme bald!’ Amen!
‘Komm, Herr Jesus’ ...”!
(Offb 22,20).

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Erstes Kapitel

WIE  ICH  SO  DU :
PARTNER DES ABSOLUTEN
SUBJEKT DES BUNDES
*       *       *
‘Gottes Ebenbild’
in unveräußerlicher
Aufforderung

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A.   GOTT-die-LIEBE: ER HERR der MENSCHLICHEN PERSON

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1. Herr und Quell von Leben-Liebe

Woher das Leben der Person

Die Frage des ethischen Ausmaßes, die untrennbar mit der Aktivierung der geschlechtlichen Intimität einhergeht, kann unmöglich gelöst werden, ohne dass zuvor eine wesentlich mehr ursprüngliche Frage gestellt wird, und zwar: Was, oder eher genauer: Wer hat jemanden Einzelnen, oder z.B. diese zwei Leute bevollmächtigt, dass sie das Gebiet der Intimität beschreiten, oder zumindest sich seinen Leib unmittelbar zugänglich tun? Gehört sich dem Menschen etwa das Anrecht, den Bereich der Geschlechtlichkeit zu betreten – einsam, oder zu zweit? Geht es doch um das Terrain einer ganz besonderen Verantwortung.

Die so ‘amtlich’ gestellte Frage kann schockierend wirken. Dennoch man kann sich vor einer erschöpfenden Antwort auf die so gestellte Frage nicht drücken. Solange sich zwei Leute – in vorehelicher Lage, aber auch in schon bestehender Ehe – hier zur vollwertigen und verantwortlichen Antwort nicht durchringen, können sie in diesem Bereich nicht willkürlich schalten und walten.
– Wird die Mühe dieser Frage unternommen, tauchen sogleich Tatsachen auf, die die Erwägungen weiter zu verfolgen lassen. Diese Frage wurde übrigens schon früher einigermaßen erörtert.

Das einführende Nachdenken über sich als jemanden, der ‘da-zu-sein’ begonnen hat, führt zur Feststellung, dass niemand sich selber erschaffen hat (eine ähnliche Frage wurde schon früher erwogen, s. z.B.   Niemand Eigentümer seiner Selbst). An der Wurzel des Anbeginns der Existenz eines jeden Menschen steht eine Mutter und ein Vater da. Allerdings: Sollten diese beiden etwa imstande sein ein Kind ganz allein, von sich selbst zu erschaffen? Der Mensch kann unmöglich etwas erschaffen – in so radikalem Sinn, wie wir das von Gott verstehen, dem „Vater, dem Allmächtigen, dem Schöpfer des Himmels und der Erde” (Apostolisches Glaubensbekenntnis: ‘Ich glaube an Gott ...’).

Gott beruft zum Existieren, indem Er sich keines Rohstoffs bedient. Er beschert zugleich das Wesen, das Er vom Nicht-Existieren herausruft, mit einer für ihn eigenen Dynamik, die seine Weiterentwicklung bedingt. – Mit Dank greifen wir von neuem die Lehre von Johannes Paul II. auf:

„Dem Begriff der Schöpfung ist nicht nur seine ... metaphysische,
sondern auch seine durchaus theologische Tiefe eigen.
– Schöpfer ist Derjenige, der ‘aus dem Nichts ins Dasein ruft’,
der die Welt und in ihr den Menschen ‘im Dasein gründet’
– infolgedessen, weil ‘Er die Liebe ist’ ...
– Die Schöpfung als Gottes Tun bedeutet nicht nur ... ein Herausrufen aus dem Nichts ins Dasein,
... sondern ... auch eine fundamentale und radikale Bescherung, das heißt die eben aus dem Nichts hervorgeht ...” (ML 117f.).

Die Eltern erschaffen ihr Kind nicht

Gewöhnlich beginnt der Mensch zu existieren, wenn der männliche Gamet mit dem weiblichen zusammenkommt. Es geschieht im Anschluss an eine unternommene geschlechtliche Vereinigung. Es tritt aber die tiefere Frage zutage: Die Eizelle und der Samenfaden sind schon zuvor am Leben. Sollte das Spermium bzw. die Eizelle nur Materie sein, also Ansammlung von Albuminmolekülen, würde von ihrer Fusion nie ein Mensch selbst entstehen: eine Person. Kinder vom Reagenzglas werden ‘laboratorisch’ keinesfalls erschaffen! Die Gameten, die unter außerleiblichen Bedingungen zusammengefügt werden, sind zuvor schon lebendig: sie leben ...!

Wer ist also Autor des Lebens, sein Herr und Besitzer ? Woher diese Dynamik, die infolge der Fusion der Gameten die Entwicklung der Zygote steuert, die nur eine immer deutlichere Ausgestaltung des Menschen, und nicht z.B. eines Monstrum wird (vgl. dazu: EV 60)? Wer steht dahinter, dass der genetische Kode, der im Anschluss an die Zusammenfügung des Chromosomgefüges der beiden Gameten entstanden ist, schon bis zum Tode dieses Menschen unverändert bleibt, indem er seine unwiederholbare Identität bestimmt?

Liebespaar
Erklärung

Aber der Reihe nach weiter – zum springenden Kontrast von negativer Seite her: was wesentliches geschieht in der Stunde, wenn jemand stirbt, da doch der Körper bis zu einem gewissen Zeitpunkt im Vergleich zu den Weilen z.B. dicht vor einem gewaltsamen Tod beim Unfall unverändert bleibt? Der ‘Tod’ – die Gegenteiligkeit des Geheimnisses von ‘Leben’ ...!

Man kann schwer die Frage nicht aufgreifen: Wer ist Dieser, der das Leben – schenkt, und es zurücknimmt (vgl. 1 Sam 2,6; und: EV 39)? Ist es nicht unwürdig des Menschen, dieses ... vernunftbegabten Wesens, Gott zu ignorieren – Ihn, der ganz „liebende Allmacht des Schöpfers”  ist (DeV 33; vgl. RH 10; FC 18)?

Wer folgerichtig zu bleiben vor hat, kann an der Wurzel seines Existierens unmöglich Gott den Schöpfer nicht erblicken. Beim Zustandekommen eines jeden sind selbstverständlich zwei Leute: seine Eltern, engagiert. Dennoch selbst das Leben überragt sie durchaus! Das Leben kommt von außerhalb der Welt – als Geschenk: von Jemandem Höheren.

Es taugt überhaupt nichts zu behaupten, Gott „gebe es nicht”. So spricht bestimmt niemals jemand, der zu denken versucht und es versteht. Der Psalmist sagt gerecht: „In seinem Herzen redet der Tor: Es gibt keinen Gott” ! (Ps 14,1; 53,2; JB). Satan, der ‘gescheit’ ist, glaubt offensichtlich an Gott (Jak 2,1)! Nur dass er Ihn hasst, gekränkt in seinem Stolz und seinem irreversiblen Willen, Gott von seiner Existenz wegzustreichen.
– Allerdings auch Satan hängt in seinem Existieren gerade von diesem Gott ab, den er zunichte machen möchte. Derselbe Gott, von dem er in seiner Existenz völlig abhängt [= ontologisch], wird für Satan, seinem eigenen „liebenden Willen” zuwider, zur Quelle von Qualen – für die Ewigkeit zur Ewigkeit, wiewohl Satan nach diesem seinen Übel geradeaus ... verlangt !

Liebende Gottes Hände

Dieser Gott, Urquell und Herr des Lebens, würde zur Erschaffung nicht umschalten, sollte Er gleichsam ‘früher’ nicht mit Fülle seiner Existenz geliebt haben: „Gott ist die Liebe” (1 Joh 4, 8.16)! Johannes Paul II. sagt:

[Gott] allein kann sagen: ‘Ich bin es, der tötet und der lebendig macht’ [Dtn 32,39]. Aber die Macht, die Gott ausübt, ist keine androhende Willkür, sondern pflegliche und voller Liebe – Sorge, mit der Er seine Geschöpfe umfängt.
– Es ist wahr, dass des Menschen Leben in Gottes Händen ist, es ist aber auch wahr, dass es liebende Hände sind, wie die Hände der Mutter, die ihr Kind anschmiegt, es nährt und pflegt ...
– So betrachtet also Israel die Geschichte der Völker und Menschen nicht als Frucht einer bloßen Zufälligkeit oder eines blinden Schicksals, sondern sieht in ihnen die Verwirklichung des Vorhabens der Liebe, nach dem Gott sämtliche Mächte des Lebens ansammelt und sie den aus der Sünde geborenen Kräften des Übels entgegenstellt:
– ‘Denn Gott hat den Tod nicht gemacht und hat keine Freude an dem Untergang der Lebenden. Hat Er doch alles erschaffen, das sie sind’ [Weish 1,13f.; JB] ...” (EV 39).

Gott erschafft weil Er liebt

Gottes Liebe ist nur der andere, personale Name Gottes als des Lebens. Papst Wojtyla bemerkt, dass die Bezeichnung Gottes als ‘Liebe’ erst gegen das Ende des Neuen Testaments vorkommt, nicht aber im Bericht über die Erschaffung der Welt. Dort erscheint aber eine gleichbedeutende Bezeichnung, in der von ‘Freude’ an der Berufung zum Existieren gesprochen wird:

„Offen gesagt finden wir dieses Wort: ‘Liebe’ [= Gott als Liebe] im Schöpfungsbericht selbst nicht, dennoch wiederholt dieser Bericht mehrmals: ‘Gott sah, dass alles, was Er gemacht hatte, gut war, ... dass es sehr gut war’. Mit diesen Worten wird der Weg zur Liebe als dem Göttlichen Beweggrund des Schöpfungswerkes enthüllt, als seine Quelle, die in Gott selbst schlägt, denn nur die Liebe schafft Anfang für das Gute und erfreut sich des Guten ...” (ML 117).

Mit dieser „liebenden Allmacht des Schöpfers” arbeiten die Eltern mit, oder selbst sie erschaffen zusammen mit ihr. Dazu werden sie vom Schöpfer selbst eingeladen. Die Eltern bereiten aber letztlich nur den Grundboden für die Saat des Lebens vor. Ihre Aufgabe ist ehrenvoll, sie ist aber nicht autonom. Der eigentlich erschaffende bleibt Gott: „... weil Er [= Gott] uns zuerst geliebt hat” (1 Joh 4,19; vgl. Röm 5,8). Der Heilige Vater bringt zur Erinnerung:

„Gott hat den Menschen nach seinem Bild und Gleichnis erschaffen:
den Er aus Liebe ins Dasein gerufen hat,
berief Er gleichzeitig zur Liebe ...” (FC 11).

Kein Einfluss auf grundsätzliche Tatsachen des Daseins

Niemandem ist es gegeben, einen Einfluss auf die Tatsachen auszuüben, die das Zutagekommen seines eigenen Daseins bedingen:

Das Bewusstwerden um diese Tatsachen ist trächtig. Der Mensch stellt fest, dass es ihm nicht erlaubt ist, sich selber willkürlich zu „nutznießen”, noch sich arbitral gleichsam eines nur Dings zu „gebrauchen” :

(356 b) Niemandem ist es erlaubt, sich das Leben zu nehmen, noch sich zu verstümmeln (vgl. EV 66).

(356 b) Auch der Bereich der Geschlechtlichkeit – dieser gerade ganz besonders – wird jedem nur geschenkt. Nicht zum Eigentum, sondern zur verantwortlichen Verwaltung.

(356 b) Das gesunde, nicht erstickte Gewissen signalisiert jedem präzise, dass von jedesmaligem Betreten dieses Terrains Rechenschaft abgelegt werden muss.

Es spricht Papst Paul VI.:

„... Wie nämlich der Mensch ganz allgemein
keine unbeschränkte Verfügungsmacht über seinen Körper hat,
so hat er sie auch nicht, und das aus ganz besonderem Grund, über die Zeugungskräfte als solcher,
sind doch diese ihrer innersten Natur nach auf die Weckung menschlichen Lebens angelegt,
dessen Ursprung Gott ist” (HV 13).

„Will man nicht die Aufgabe der Weitergabe des Lebens menschlicher Willkür überlassen,
dann muss man für die Verfügungsmacht des Menschen über den eigenen Köper
und seine natürlichen Funktionen
unüberschreitbare Grenzen anerkennen, die von niemand,
sei es Privatperson oder öffentliche Autorität, verletzt werden dürfen” (HV 17).

2. Der Mensch – die Person

Vernunft – und die Wahrheit samt der Verpflichtung

a) Der Mensch ist weder Ding, noch Tier. Er ist ein Jemand: Person. Sollte selbst einer der Menschen es nicht gern haben, ‘Person’ ... zu sein. Alles außerhalb des Menschen ist nur ein Etwas: Gegenstand. Die Person ist in der erschaffenen Welt etwas einzigartiges.
– Dank dessen, dass der Mensch Person ist, überhöht er den Kosmos, auch wenn dieser ihn mit der Macht der Naturelemente überragt, und viele Tiere mit ihrer Kraft und Flinkheit.

Allein der unansehnliche Mensch ist imstande denken zu können, weil nur er mit Vernunft begabt ist. Der Mensch ist fähig eine geordnete Zivilisation zu schaffen und folgerichtig das Weltall sich untertan zu machen (vgl. EV 34f.).
– Noch mehr, der Mensch ist imstande, sich von seinem Selbst zu distanzieren. Ferner, nur er kann sich selber ‘von innen her’ anblicken, um seine eigenen Erlebnisse im Rahmen der Introspektion einer Analyse zu unterziehen – z.B. bei der Gewissenserforschung. Der Mensch ist bewusst um sein Selbst als Subjekts – im Gegensatz zu allen übrigen Wesen, die Gegenstand seiner Erkenntnis bilden, z.B. zu Tieren. Dank des Verstandes [= Vernunft] ist der Mensch befähigt nach Wahrheit zu suchen, und sie auch zu finden – mit Bezug auf sich selber und das Weltall, und auch auf Gott.

Johannes Paul II. bezeichnet die Fähigkeit des Denken-Könnens gern mit dem Namen Selbst-Bewusstsein: des Bewusstseins betreffs seiner Selbst. Früher, und auch noch weiterhin, wurde und wird diese Fähigkeit statisch bezeichnet als ‘Vernunft, Verstand’.

b) Das zweite unveräußerliche Merkmal, das den Menschen von der Welt der Gegenstände unterscheidet, ist die Befähigung der Selbst-Bestimmung. Dies ist der freie Wille. Darüber wurde schon oben ein paarmal in verschiedenem Zusammenhang gesprochen (s. z.B.: Peron: Vernunft-Wille-Verantwortung). Der Wille ist nicht auf die Wahrheit ausgerichtet, sondern sucht in dem, was ihm von der Vernunft vorgeschoben wird – alles unter dem Blickpunkt des Guten zu begutachten, Die Vernunft schlägt es dem Willen als Gegenstand vor, der des Verlangens würdig ist und erreicht werden sollte. Auch wenn der Mensch vielfältigen Einflüssen unterliegt, die auf seinen Willen Druck ausüben, manchmal selbst in Verbindung mit Androhung, ist sich jeder bewusst, dass er gegebenenfalls z.B. essen kann – allerdings ebenfalls nicht essen kann; usw.

Die Macht der Selbstbestimmung wird besonders bei Märtyrern bewundert. Sie wurden mit Anwendung von Foltern gezwungen ihre Überzeugungen zu verleugnen, das Gott gegebene Wort zu verraten, die Kameraden auszuliefern, u.dgl. Sie sind aber unbeugsam standhaft geblieben, indem sie sich kraft ihrer Selbst-Bestimmung auf die Wahl selbst eines grausamen Todes entschieden haben. Alles um der Treue willen zu sich selbst und den angenommenen Prinzipien: Gott, und dem Wort, das sie den Menschen gegeben haben. Das betrifft ebenfalls viele Nicht-Christen (VSp 94; vgl. EV 72ff.).

c) Die eigenartige ‘Diagonale’ dieser Kräfte: des Selbst-Bewusstseins (Vernunft) und der Selbst-Bestimmung (freier Wille), die in Analogie zur Mathematik als Ordinate und Abszisse genannt werden könnten, ist die dritte unabdingbare Eigenschaft des Menschen als Person: die Befähigung, Verantwortung für eigene Taten auf sich zu nehmen. Das Empfinden der Verantwortlichkeit ergibt sich von der sich bewusst gewordenen Verpflichtung, die aus der erkannten Wahrheit und des Guten zu irgendetwas oder zu irgendjemanden hervorwächst. Ein Mensch mit ausgebildetem Verantwortungsempfinden genießt bei anderen hohes Ansehen: auf ihn kann man sich verlassen. Er richtet sich nicht nach dem Instinktreflex, noch nach selbstsüchtigem Nutzen. Er verharrt unbeugsam bei den Überzeugungen und schmiedet die Verpflichtungen eindeutig in Wirklichkeit um.

Merkmale der Person
Erklärung

Um die theoretischen Erwägungen zu unterbauen, hier noch einmal die graphische Darstellung der Komponenten, die dem Menschen als Person eigen sind. Die erwähnten drei Kennzeichen, die jedem Menschen als seine unabdingbare Befähigungen und zugleich Verpflichtungen eingeprägt sind, können in der Welt der Tiere nicht gefunden werden. Hier bleiben wir angesichts der Person, d.i. des Menschen, stehen.

Tiere betätigen sich und reagieren in Kraft der ihnen eingeprägten zweckmäßigen Instinkte. Ein Tier kann dressiert werden. Es ist aber nicht fähig, sich um höherer Beweggründe z.B. die Annehmlichkeit der Kopulation in der Brunstzeit abzusagen. Dagegen der Mensch kann aus freiem Willen bestimmte Entsagungen unternehmen – um eines höheren Guten willen. In seinem Tun unterliegt er keinem Determinismus: es steht ihm zu, sein Leben – kraft seines freien Willens – selbst zu steuern.
– Wird er aber seinen Verpflichtungen untreu und begeht er das Übel, zeugt auch diese Tatsache einmal mehr von seiner Fähigkeit, über sich selbst bestimmen zu können:

„ Niemandem hat Er [= Gott] befohlen zu freveln,
und keinem Erlaubnis gegeben zu sündigen ...” (Sir 15,20; vgl. VSp 102).

Bei Tieren gibt es kein Problem um die ‘Sünde’! Sünde ist Kategorie, die Personen betrifft: die selbstbewusst sind, über sich selbst bestimmen, zurechnungsfähg bleiben. Diese Frage wird treffend von Johannes Paul II. dargestellt:

„Der Mensch unterscheidet sich ‘von Anfang an’ vom ganzen sichtbaren Weltall, und insbesondere von der Welt der ihm gleichsam am meisten nahestehenden Wesen. Sie alle sind für ihn Gegenstand. Er allein bleibt unter ihnen Subjekt.
– Im Licht des obigen Textes [Gen 2] ist es zugleich klar, dass diese Subjektivität des Menschen in grundlegender Weise mit Erkenntnis verbunden ist. Der Mensch ist Subjekt inmitten der Welt der Gegenstände deswegen, dass er alles, was ihn umgibt, erkenntnismäßig zu objektivieren fähig ist. Deswegen, dass er durch seine Vernunft von Natur aus auf die Wahrheit hingeordnet ist. In der Wahrheit befindet sich die Quelle der Transzendenz des Menschen angesichts des Weltalls, in dem er lebt” (Johannes Paul II., Dritte Pilgerfahrt in die Heimat, Ansprache in der Aula der Katholischen Universität Lublin, Lublin 9.VI.1987, Pkt. 5).

Der Heilige Vater hebt im angeführten Fragment diese Kennzeichen hervor, mit denen der Mensch als Mensch die ganze Wirklichkeit überragt [= Transzendenz: Überragen-Überschreiten-Überhöhen]. Der Mensch ist fähig, selbst über sein eigenes Denken nachzudenken. Darauf beruht gerade das Selbst-Bewusstsein, das auf die Wahrheit hingeordnet ist. Allerdings die Wahrheit verpflichtet im Gewissen [ethisches Ausmaß] und entscheidet über die Würde der Person:

„Gerade dank der Reflexion über die eigene Erkenntnis offenbart sich der Mensch seinem Selbst als das einzige Wesen inmitten der Welt, das sich ‘von Innen her’ sieht, gebunden mit der erkannten Wahrheit – gebunden, also auch zu ihrer Anerkennung ‘verpflichtet’, gegebenenfalls auch mit Akten seiner freien Wahl, mit Akten des Zeugnisses in Bezug auf die Wahrheit. Es ist die Befähigung, sich selber in Wahrheit zu überschreiten.
– Mit der Reflexion über die eigene Erkenntnis entdeckt der Mensch, dass seine Daseins-Art in der Welt ... angesichts alles anderen in seiner Umgebung überordnet ist. Der Mensch bemerkt schlechterdings, dass er personales Subjekt ist, Person ist. Er bleibt Auge zu Auge angesichts seiner Würde stehen!” (Johannes Paul II., Dritte Pilgerfahrt in die Heimat, Ansprache in der Aula der Katholischen Universität Lublin, Lublin 9.VI.1987, Pkt. 5).

3. Der Mensch als Leib-Geist zugleich

Der über die Größe des Menschen entscheidende Geist

Der Mensch ist nicht allein ‘Leib’: Er ist Leib-Geist zugleich. Auch darüber wurde schon ein paarmal gesprochen (s. z.B.: Ob nur Leib? – und: Geschlechtlichkeit die den Leib und Geist durchdringt). Jetztzeit ziemt es sich, dass wir in diese Tatsächlichkeit noch tiefer eindringen. Es geht um diesen Blickpunkt der Thematik, deren Abriss vor uns zu erscheinen beginnt.

Das Denkvermögen, und dann der Reihe nach, der freie Wille – sind Vermögen des Geistes, nicht des Leibes. Der Mensch ist fähig sein Selbst in Wahrheit zu überragen, weil er zuallererst Geist ist, auch wenn es der fleisch-gewordene Geist ist. Das ‘Überragen seiner Selbst’ liegt außerhalb der Fähigkeiten allein des Leibes-Körpers. Die Wahrheit und das Gute überschreiten ihrer Natur nach die Welt der Materie.

Der Mensch besteht offensichtlich auch aus der materiellen Komponente: dem Leib.

Die von Gott erschaffene Seele des Menschen

Die Seele des Menschen, die nicht von der Materie herkommt [die Materie kann unmöglich die Seele gebären, die doch geistiger Natur ist], wird direkt von Gott erschaffen. Das geschieht zur Stunde, wenn der einzelne Mensch aus Nicht-Existenz zum Existieren herausgerufen wird. Die Seele wird vom Geschick der Materie nicht getroffen! Der Psalmist ruft voller Verwunderung: „Was ist der Mensch, dass Du [= Gott] an ihn denkst, des Menschen Kind, dass Du dich seiner annimmst” ? (Ps 8,5; vgl. EV 35; BF 10).

Außerdem ist die Unsterblichkeit der Seele Frage des Glaubens. Aber selbst die rechtschaffene Vernunft kommt zum ähnlichen Schluss. Die Tatsache des freien Willens und der Vernunftmäßigkeit, dieser geistigen Vermögen der Seele, kann mit allein der Materie, sollte es auch die ‘höher organisierte Materie’ sein, nicht erklärt werden. Gott ruft den Menschen, in Kraft des ihm dargeschenkten unsterblichen Geistes, ‘von Anfang an’ zur Königswürde angesichts der Welt: „Seid fruchtbar, und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch, und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen ...” (Gen 1,28).

Verantwortlicher König des Kosmos

Daselbst wird aber die Welt von Anfang an dem Menschen aufgetragen. Das hängt mit der gerade erwähnten Eigenschaft des Menschen zusammen: seiner unabdingbaren Fähigkeit, die Verantwortung unternehmen zu können (vgl. EV 42f.). Der Mensch wird zum König des Kosmos eingesetzt. Der ganze Rest des Weltalls befindet sich unterhalb des Menschen. Der Mensch muss aber diese Königswürde angesichts des Weltalls ununterbrochen bestätigen. Dessen Preis besteht unaufhörlich darin, dass er den „... Vorrang der Ethik vor der Technik, den Primat der Person über die Dinge, der Überordnung des Geistes über die Materie” (RH 16) anerkennt.

Der freie Wille: sein Sinn

Junges Mädchen
Erklärung

Die Tatsache, dass an den Preis angeknüpft wurde, den es dem Menschen für den königlichen Posten in der Welt zu bezahlen gilt, setzt ihn auf dem harten Grundboden des freien Willens. Erst dank des Geistes, d.h. der Seele die mit freiem Willen und Vernunft ausgestattet ist, überragt der Mensch die ganze Materie. Es ist eine Chance die er gewinnen, aber ebenso gut auch verpassen kann – wegen seines freien Willens. Sowohl im einen wie im anderen Fall wird der Mensch von diesen ihm geschenkten Gaben abgerechnet werden.

Der Mensch ist zum Handeln in Kraft des blindlings funktionierenden Instinkts nicht determiniert.
– Der letztliche Sinn, warum der Mensch mit freiem Willen beschenkt wurde, ist die Möglichkeit, dass so die Liebe entstehen kann (s. dazu ob.:  Sinn der Ausstattung des Menschen mit Vernunft-Wille-Verantwortung. Dieses Thema wird neuerlich noch besonders im VII.Teil aufgegriffen werden, im Kapitel 3-C, sieh: Niemand zwingt mir etwas auf! samt den folgenden Erwägungen). Die Liebe kann nicht aufgenötigt werden. Liebe ist Sie Selbst, wenn sie von der freien Entscheidung getragen wird: des Verharrens beim Lieben. Liebe ist das unnachgiebig treue Anhangen an etwas, was dem Willen als das Gute, oder eher: als ein Jemand den es zu lieben gilt, vorgeschlagen wurde. Diesem Jemanden möchte der Liebende das unbeschränkte Gut sichern. Das ist aber nur deswegen möglich, weil der Mensch eben zugleich sowohl Leib, wie Geist-Seele, also Person ist.

So verstehen wir Papst Wojtyla:

„Der Mensch ist als fleischgewordener Geist,
das heißt Seele, die sich durch den Leib ausdrückt,
und als Leib, der durch den unsterblichen Geist gestaltet wird,
gerade in dieser seiner vereinigten Ganzheit zur Liebe berufen..." (FC 11).

Einheit von Leib-Geist

Der Heilige Vater spricht hier vom Menschen als der wunderbaren Synthese von zugleich Geist und Leib. Über die Größe des Menschen entscheidet freilich seine geistige Komponente: die Seele. Sie gründet auch und entscheidet, als ihrer Natur nach unsterblich, über seine Würde. Diese Würde wird dem Menschen aufgetragen – als unabdingbare Empfänglichkeit für Weiterentwicklung. Vom aufgetragenen Vorrang des Geistes über die Materie wird der Mensch abgerechnet werden.

Die erwähnte Empfänglichkeit besteht unabhägnig vom Wissen und Zustimmung des Menschen. Es gibt Menschen, die es gern hätten, eine Person nicht sein zu müssen. Sie möchten es gern nicht zum Bewusstsein annehmen müssen, dass das Leben und die Würde, Mensch-zu-sein, eine aufgetragene Gabe darstellt. Dass die Seele unsterblich ist. Und dass es gilt, dereinst von seinen „Taten, die im Leib vollbracht wurden: guten und schlechten – Rechenschaft abzulegen” (s. 2 Kor 5,10; Joh 5,29).
– Der Wille ist immerwährend berufen, Wahlen zu treffen: zwischen dem einen Guten und dem anderen, zwischen Gut und Böse, zwischen Leben und Tod. Dem Willen ist dagegen die Tatsache selbst nicht zur Wahl freigelassen, dass der Mensch zum ewigen Leben gerufen ist und dass er sich selbst als Person erhält – samt der untrennbar damit aufgetragenen Sorge um die eigene Würde.

Jesus über den Leib-Geist

Auf seine Art äußert sich über den Vorrang des Geistes über den Leib mehrmals Jesus Christus. Eines Tages begannen die mit seiner Lehre bisher entzückten Menschenmassen abzufließen. Es geschah im Anschluss an seine schwierigen Worte und aufgestellten Erfordernisse. Jesus betonte damals mit Kraft, dass Vorbedingung, um das ewige Leben zu erlangen, das Verzehren seines Leibes und Blutes ist. Viele Zuhörer stellten fest:

„‘Was Er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?’
Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten,
und fragte sie: ‘Daran nehmt ihr Anstoß? ...
Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts’ ...” (Joh 6,60.63).

Es geht hier im Augenblick um Jesu Wort über den Leib und Geist. Papst Wojtyla sagt dazu:

„Diese Worte drücken – entgegen allem Anschein – die Bejahung des Menschen aus:
die Bejahung des Leibes, den der Geist lebendig macht” (RH 18).

Der Papst schreibt das hier vorkommende Dingwort ‘Geist’ mit großem Buchstaben, was in polnischer Originalsprache der Enzyklika als ganz Ungewöhnliches gilt.
– Über die Größe und Würde des Menschen entscheidet nämlich eine noch andere unzerstörbare Befähigung des Menschen: seine Berufung zum Empfangen der Un-Erschaffenen Gabe: Gottes-der-Liebe selbst. Das geschieht durch die Dritte Person der Allerheiligsten Dreifaltigkeit – den Heiligen Geist. Der Völkerapostel Paulus verkündet begeistert:

„Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist,
der in euch wohnt und den ihr von Gott habt?
Ihr gehört nicht euch selbst; denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden.
Verherrlicht also Gott in eurem Leib!” (1 Kor 6,19f.; vgl. 1 Kor 3,16).

4. „Ebenbild Gottes” der sich als Gabe mitteilt

Biblischer Bericht (Gen 1,27)

So kommen wir an die Grundlagen der theologisch-biblischen Anthropologie über [Anthropologie: Lehre vom Menschen als Menschen, d.h. als Leib-Geist zu gleicher Zeit; und vom Menschen als Person]. Man kann schwer ihre Objektivität untergraben, sollte jemand selbst die Existenz Gottes verleugnen. Gott ist schlechterdings da: in Fülle der objektiven Seins-Wahrheit. Nicht als ‘Feind’ des Menschen, sondern beständig als sein mit helfender Hand ihm entgegengehender Erlöser. Umsonst, und tragisch in ihren Folgen werden alle Versuche, sich Gott zu widersetzen und Ihn zu verleugnen, oder anderseits sein Dasein zu ignorieren.

Warum ist der Mensch inmitten der übrigen Geschöpfe ‘ganz anders’ (vgl. EV 34f.)? Allein den Menschen hat Gott als sein „Ebenbild” erschaffen. Die biblische Bezeichnung des Menschen als „Gottes Ebenbildes” ist eine eigenartige Definition (MD 8), mit der selbst das Gottes-Offenbarende-Wort die wesentlichen Züge dieses Jemanden: des Menschen, beschreibt. Der Psalmist drückt sich über den Menschen – in Fortsetzung dieser Definition – folgender aus: „Du hast ihn fast zu einem Gotteswesen gemacht, hast ihn gekrönt mit Glorie und Glanz” (Ps 8,6; JB). Ein andermal stellt das Gottes-Geschriebene-Wort fest: „Gott hat ja den Menschen zur Unverweslichkeit erschaffen und ihn zum Abbild seines eigenen Wesens gemacht” (Weish 2,23; JB).

Der biblische Schriftsteller stellt die Erscheinung des ersten Menschen: Mann und Frau – unter dem Anhauch des Heiligen Geistes, mit folgenden Worten dar:

„Elohim [= hebr.: Gott] schuf den Menschen als sein Abbild;
als Abbild des Elohim [= Gottes] schuf Er ihn.
als Mann und Frau schuf er sie” (Gen 1,27).

Johannes Paul II. bemerkt, dass über die Wichtigkeit des Berichtes von der Erschaffung des Menschen:

„... die Bezeichnung [des Wesens des Menschen] in erster Linie von seinem Verhältnis zu Gott entscheidet, in dem zugleich die Feststellung enthalten ist, dass der Mensch letztlich unmöglich auf die Welt reduziert werden kann. Der Mensch kann im Licht bereits der ersten Sätze der Bibel mit den aus der ‘Welt’, das heißt aus dem sichtbaren Bereich des Körperlichen entnommenen Kategorien weder begriffen, noch bis zum Letzten erklärt werden. Trotzdem er selbst ebenfalls Leib ist” (ML 53).

Anthropomorphismus: Bericht von Gen 2,7

Zeitig früher, inhaltlich einigermaßen ähnlich wie der gerade besprochene (Gen 1,27), ist der Bericht von Gen 2. Hier wird die Entstehung des ersten Menschen mehr anthropomorph gezeigt (anthropomorph-Anthropohmorphismus: Redeweise über Gott als ob Er wie ein Mensch aussehe, die Gestalt eines Menschen hätte: griech. ánthropos = Mensch; morphé = Gestalt): der Mensch entsteht, indem er ‘geformt’ wird. Aber auch in diesem Bericht wird die Tiefe des Menschen als dieses Wesens dargestellt, das die übrige Schöpfung völlig überragt:

„Dann bildete Jahwéh-Elohim [Herr-Gott] den Menschen aus Staub von dem Erdboden
und blies in seine Nase einen Lebenshauch.
So wurde der Mensch ein lebendes Wesen” (Gen 2,7; JB).

Die Elemente, aus denen der Mensch nach dieser Beschreibung besteht, zeugen von Zufälligkeit-Sterblichkeit seiner Natur, d.h. dass der Mensch nur ‘Geschöpf ’, nicht aber Gott ist.

Zusammen genommen stellen diese drei Ausdrücke: Staub – bilden – Lebenshauch das Wesen des Menschen dar – nach dem Maß der Ausdrucksmöglichkeiten der prä-philosophischen Mentalität des biblischen Verfassers. Der Mensch ist ein im vollen Sinn des Wortes „erschaffenes” Wesen, nicht aber Schöpfer. Er ist absolut nicht ‘Gott’! Er hängt dagegen ganz von Gottes erschaffender Liebe ab, die ihn „nicht viel geringer als die himmlischen Wesen” : die Engel – erschaffen hat.

Diese Abhängigkeit des Menschen von Gott bedeutet aber in keinem Fall seine Demütigung. Sie ist schlechterdings objektive Feststellung im Ausmaß des Seins. Behaupten zu suchen, dass der Mensch nicht erschaffen worden ist, wäre Verlogenheit. Auch Gott kann bei seiner ganzen Allmacht die Tatsache nicht leugnen, dass gerade Er – allein Er – Schöpfer des Menschen ist. Der Mensch ist Geschenk seiner Liebe, das Er ... selbst dem Menchen bereitet hat.

Gottes Einsatz bei der Erschaffung des Menschen

Aus den beiden Berichten über die Erschaffung des Menschen [Gen 2,7; und Gen 1,26f.] wird noch eine weitere Tatsache sichtbar. Im Gegenteil zu übrigen Wesen, setzt sich Gott bei der Erschaffung des Menschen so sehr persönlich ein, dass Er in dieses großes ‘Nichts’: den „Staub” der sich zu keiner Modellierung eignete, seinen „Lebens-Hauch blies”.
– Er allein: Gott – ist Urquell, Besitzer und der einzige Herr von Leben. Aber daselbst auch von Liebe. Gott kann nichts erschaffen, und umso mehr könnte Er den Menschen nicht erschaffen, außer nur indem Er dabei ... liebte !

Diesen Gedanken gilt es sich im chronologisch späteren, scheinbar trockenen, mehr ‘theologischen’ Bericht von der Schöpfung des Menschen: als „Gottes Ebenbildes” (Gen 1), herauszufinden. Nur der Mensch ist lebendiges – Ebenbild Gottes selbst!
– Das bedeutet aber auch, dass indem der Mensch von Gott „als Ebenbild, als Ähnlichkeit Gottes” erschaffen worden ist, ist er irgendwie Gott-aufgrund-des-Privilegs. Der Mensch ist ‘Gott’ aufgrund des Gerufenwerdens zur Göttlichen Würde und des unveräußerlichen Auftrags: er soll Gottes Ebenbild selbst gegenüber dem Weltall sein!

Diesen Menschen, erschaffen „als sein Ebenbild”, beschenkt Gott zusätzlich mit dem Segen der Fruchtbarkeit. Gottes Ebenbild zu sein wird gleichbedeutend mit Gerufenwerden zur Weitergabe von Leben – aus der Tiefe dieses ‘lebendiges-Ebenbild-Gottes-Seins’: „Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllt die Erde und macht sie euch untertan! ...” (Gen 1,28; vgl. EV 42f.).

Gottes Ebenbild: Erhöhung-Erniedrigung

Nach Gottes geoffenbartem und offenbarendem Wort gehört also das Ebenbild-Gottes-Sein zur ‘natürlichen Ausstattung der menschlichen Natur’. Es gibt keinen Menschen, der samt dem empfangenen Existieren nicht daselbst lebendiges Ebenbild Gottes wäre. Zu gleicher Zeit ist dieses Ebenbild-Gottes-Sein nur unabwischbarer Ausganspunkt für eine Wirklichkeit, die auf ständige Entfaltung wartet. Der Mensch ist zur ununterbrochenen Erweiterung der Kapazität seines Ebenbild-Gottes-Seins gerufen (vgl. EV 31.37).
– Diese Befähigung kann nämlich auch auf Degradation ausgestellt sein. In solchem Fall würde der Mensch, indem er von Gottes Ähnlichkeit wegginge, immer mehr die Ähnlichkeit zu ‘Dingen’ annehmen, indem er im selben Augenblick ihr Sklave würde:

„Die Trennung zwischen dem, was das Geistige ist, und dem, was das Materielle im Menschen, hat die Neigung dazu herbeigezogen, dass der menschliche Körper nicht mehr in Kategorien seiner spezifischen Ähnlichkeit mit Gott behandelt werde, sondern in Kategorien der Ähnlichkeit zu allen anderen in der Natur vorhandenen Körpern, die der Mensch als Rohstoff zur Erzeugung von Konsumgütern behandelt. Die Anwendung derselben Kriterien auf den Menschen wird zur enormen Bedrohung ...
– Der Körper lebt [dann] nicht vom Geist, noch belebt er den Körper. In diesem Denk-Horizont hört der Mensch auf, Person und Subjekt zu sein. Er wird den Absichten und Deklarationen zuwider ausschließlich zum Gegenstand ...” (BF 19; vgl. EV 22).

Der Mensch wird offenbar auch davon abgerechnet, wenn er Sklave der Dinge geworden ist. Gott verbietet seinem Ebenbild deutlich, Knecht der Dinge zu werden. Seine Herrschaft und Unabhängigkeit-Freiheit im Vergleich zu übrigen Geschöpfen soll der Mensch dauernd bestätigen, indem er sein Leben nach dem Vorrang des Geistes angesichts der Materie-dem Körper ordnet und nur Gott unterworfen bleibt (vgl. VSp 31.38.41f.). Die Würde Gottes Ebenbildes ist zwar unzerstörbar, aber nur als eigenartiges Fundament, auf dem ein bewusst unternommenes Wachstum im Gottes-Ebenbild-zu-Sein  aufgebaut werden soll:

„Der Mensch kann nicht auf sich selber verzichten,
auf seinen eigenen Platz in der sichtbaren Welt,
er darf nicht Sklave der Dinge, ... Sklave der Produktion,
Sklave der eigenen Produkte werden” (RH 16).

5. „Gottes Ebenbild” durch die Teilhabe am Leben-Liebe
Gottes-der-Person

Bewusste Antwort auf Leben-Liebe

Hochgebirge
Erklärung

Grundlegend sind für den Menschen zwei Talente, die dafür ausschlaggebende Bedeutung haben, dass er Gottes Ebenbild ist.
– Ist nämlich Gott selbst in sich Quelle-Fülle des Lebens, wird daselbst sein lebendiges „Ebenbild” zu einer immer größeren Fülle von Göttlichem Leben in seiner Transplantation auf menschlichen Boden gerufen.

Ist aber Gott Fülle von Leben, weil Er gleichsam ‘früher’ – Liebe ist, wird auch der Mensch, das Ebenbild dieses – solchen Gottes, zum Wachstum in Liebe gerufen. Diese Liebe soll, ebenso wie es bei Gott als ihrem Ur-Muster geschieht, jederzeit sich selbst überragen, indem sie die anderen mit ihr selbst als selbstloser Gabe beschenkt. Ihr Kennzeichen ist also die zentri-fugale Dynamik: von-mir-aus-‘zum’ ... [dem Guten des Geliebten] hin !

Um der Aufgabe: Gottes-Ebenbild-zu-sein – gewachsen zu sein, benötigt es einer dauernden bewussten Liebe-Antwort vonseiten des Menschen. Gottes Ebenbild soll die beschenkende Liebe Gottes bewusst annehmen – und sie sogleich mit gegenseitiger Gabe seiner Person erwidern, d.h. mit ganzheitlichem Leben-‘für’ Gott, der der erste Liebe ist. Jede Liebe ist in erster Reihe Gabe der eigenen Person. Gottes Wille, der die Welt und den Menschen in ihrer Mitte zum Dasein beruft, ist ganz „liebende Allmacht des Schöpfers”. Gott schenkt sein Selbst der ganzen Schöpfung. Umso mehr schenkt Er sich aber diesem inmitten der Geschöpfe, das Er deutlich „um seiner Selbst willen” will, d.h. dem Menschen:

„Infolgedessen trägt jedes Geschöpf in sich das Merkmal der Gabe als meist ursprüngliches und fundamentales. Dabei kann sich aber der Begriff des ‘Beschenkens’ nicht auf das Nichts beziehen. Er weist auf den Beschenkenden und den Beschenkten, wie auch auf das Verhältnis, das zwischen ihnen entsteht. Und zwar dieses Verhältnis taucht im Schöpfungsbericht samt dem Menschen auf” (ML 118).

Der Heilige Vater hebt hervor, dass erst der Mensch – infolgedessen dass er Person ist, auch fähig ist, Gott als den Beschenkenden und sich selber als Beschenkten zu verstehen. Kein anderes Geschöpf ist imstande ein solches ‘Verständnis’ des tatsächlichen Zustandes zu entwickeln. Daher ist allein der Mensch imstande, sich für die erfahrene Liebe verantwortlich zu finden. Gottes Ebenbild nimmt diese Aufgabe im eigenen Namen auf, aber auch im Namen der ganzen erschaffenen Welt. Der Kosmos wurde nur um des Menschen willen erschaffen: als das unermessliche Haus und Milieu-Nest für ihn.

Beschenkung weil der Mensch geworden ist

In diesem Sinn kann man den Heiligen Vater besser verstehen, wenn er schreibt:

„Im ganzen Bericht der Erschaffung der sichtbaren Welt hat die Beschenkung einen Sinn nur um des Menschen willen. Nur von ihm soll man im ganzen Schöpfungswerk als vom Beschenkten denken: die sichtbare Welt wurde ‘für ihn’ erschaffen ...
– Die Schöpfung ist Beschenkung, weil der Mensch in ihr erschienen ist. Als Gottes Ebenbild ist er fähig den Sinn selbst der Gabe im Berufen vom Nichts zum Dasein zu identifizieren. Er ist auch fähig die Antwort dem Schöpfer mit der Sprache dieser Identifikation zu geben.
– Die Schöpfung ist fundamentale und ursprüngliche Beschenkung: der Mensch erscheint in ihr als beschenkt mit der Welt, die Welt aber – mit dem Menschen” (ML 118f.).

Einzig dank des Bewusstseins um sich selber [= Vernunft] und der Befähigung, Wahlen treffen zu können, also der Liebe [= freier Wille] – ist der Mensch imstande zu verstehen, dass Gottes Liebe ihn mit dem Dasein und der Welt beschenkt hat. Weder die Tiere, noch die Welt nicht belebter Dinge sind imstande zu begreifen, dass sie nicht sein mussten, dass ihr Kommen ins Dasein Akt Gottes reiner Güte ist. Sie sind nicht fähig mit einem bewussten Akt ihres Willens Gott ihre Dankbarkeit für die Herausrufung von Nicht-Existenz zu äußern. Mit solcher Fähigkeit ist allein der Mensch begabt.

Folgerichtig nimmt der Mensch aufgrund auch nur dieses Titels den Posten des Königs in der Welt ein, indem er daselbst das ganze übrige Geschöpf – ohne Vernunft, überragt. Demgemäß erwachsen offenbar die ihm aufgestellten Erfordernisse:

„Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden,
und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man umso mehr verlangen” (Lk 12,48).

Durch die Hingabe seiner Selbst sich zu wiederfinden

So verstehen wir eine noch andere Bezeichnung des Menschen, die vom Zweiten Vatikanischen Konzil vorgeschlagen wird:

„... Der Mensch, der auf Erden
das einzige von Gott um ihrer Selbst willen gewollte Geschöpf ist,
kann sich selber nicht anders voll wiederfinden,
als nur aufgrund der uneigennützigen Hingabe seiner Selbst” (GS 24).

Mit dieser Aussage wird die Tatsache betont, dass das einzige gewollte-beabsichtigte-geliebte Geschöpf, das Gott „um des Selbst willen” dieses Geschöpfes gewollt hat, der Mensch ist – und nur er. Der Schöpfer will den Menschen tatsächlich (vgl. BF 9)! Gott hat gleichsam seine ganze liebende Allmacht mobilisiert und sie auf die Verwirklichung gerade dieser seinen Absicht hingeordnet:

Du mein lebendiges Ebenbild!
Du mein Lebendiges Abbild: Sei!”

Das ganze Übrige der Schöpfung – in absolutem Sinn – ist von Gott nicht „um seiner Selbst willen” gewollt. Alles andere hat Gott instrumentell erschaffen [gleichsam eines Werkzeugs]. Die Berufung des Kosmos zum Dasein sollte der Erreichung eines anderen, höheren Zwecks dienen: dass der Mensch sein Haus in ihm einrichten kann. Der Kosmos, dessen Grenzen des Menschen Auge nicht umfangen kann, ist um des Menschen willen erschaffen worden – als das königliche Haus für den König der Schöpfung, „Gottes Ebenbild” in der Welt und angesichts der Welt !

Diese Feststellung versetzt den Menschen ins Versonnensein. So ist aber die Wahrheit des Seins. Allein der Mensch wurde nicht instrumentell erschaffen, sondern tatsächlich „um seiner Selbst willen” ! Nur er ist dieser wirklich Beabsichtigte und Ersehnte! Es war Gott an ihm so sehr gelegen, dass Er für ihn und um Seiner willen selbst den Kosmos – und nicht nur den Kosmos erschaffen hat. Gottes Ebenbild wird zu einer noch anderen, übersteigenden Wirklichkeit berufen ...!

Verzierung

RE-Lektüre: IV.Teil, Kapit.1a:
Stadniki, 11.XI.2013.
Stadniki, 17.X.2015 und 1.IV.2016.
Tarnów, 24.IX.2016.
Tarnów, 8.I.2017.
Tarnów, 3.III.2017.

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Vierter Teil. „DU MEINE BRAUT ! MEINE GELIEBTE ! BLEIB AM LEBEN !
WACHSE HERAN ... !” (Ez 16,6f; 33,11).
„Ich habe kein Gefallen am Tod ...” sondern dass er ... am Leben bleibt”


An der Schwelle des vierten Teiles
Erstes Kap. WIE ICH SO DU: PARTNER DES ABSOLUTEN – SUBJEKT DES BUNDES. ‘Gottes Ebenbild’ in unveräußerlicher Aufforderung

A. GOTT-die-LIEBE: ER HERR der MENSCHLICHEN PERSON
1. Herr und Quell von Leben-Liebe
Woher das Leben der Person
Die Eltern erschaffen das Kind nicht
Liebende Gottes Hände
Gott erschafft weil Er liebt
Kein Einfluss auf grundsätzliche Tatsachen des Daseins
2. Der Mensch – die Person
Vernunft – und die Wahrheit samt der Verpflichtung
B4-1a: Drei Komponenten des Menschen als Person
3. Der Mensch als Leib-Geist zugleich
Der über die Größe des Menschen entscheidende Geist
Die von Gott erschaffene Seele des Menschen
Verantwortlicher König des Kosmos
Der freie Wille: sein Sinn
Einheit von Leib-Geist
Jesus über den Leib-Geist
4. „Ebenbild Gottes” der sich als Gabe mitteilt
Biblischer Bericht (Gen 1,27)
Anthropomorphismus: Bericht von Gen 2,7
Gottes Einsatz bei der Erschaffung des Menschen
Gottes Ebenbild: Erhöhung-Erniedrigung
5. „Gottes Ebenbild” durch die Teilhabe am Leben-Liebe Gottes-der-Person
Bewusste Antwort auf Leben-Liebe
Beschenkung weil der Mensch geworden ist
Durch die Hingabe sich zu wiederfinden


Bilder-Fotos

Fot4-1. Mutter und Vater (Z-W.K.)
Fot4-2. Froh lachendes Mädchen mit einem Kätzchen
Fot4-3. Aus Kroatien: See inmitten vom Gebirge