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VERMERK: Abkürzungen zur angeführten Literatur s. Literatur

Verzierung

‘Unbekannte Ware’ kaufen ...?

Manche Heranwachsende weisen auf folgende Redensart hin: „Ich werde doch keine Katze im Sack kaufen!” Es ist ein unerhört primitives Schlagwort, unwürdig des Menschen und umso mehr der Partner, die sich auf das Geheimnis der Liebe und Teilhabe an Liebe, die Gott-die-Liebe – ist, einstellen. Aufgrund des so formulierten Spruchs wird sofort sichtbar, worum es dem Sprechenden geht.

Weil aber dieses Argument hauptsächlich bei jungen Männern erscheint, sollte sich das Mädchen zum Bewusstsein bringen, wofür der Junge sie halten würde. Dieser, den sie liebt und sich ihm hingeben möchte, würde sie als Versuchs-Tier trachten. Dieses Vieh müsste zuerst gründlich angeschaut werden, vielfach erprobt werden, eventuell müsste über seinen Einkauf verhandelt werden – als Ware, nur dass sie zufällig .. ‘lebendig’ ist. Es handelte sich darum, die Genitalien dieses Viehs auszuproben, um erst so feststellen imstande zu sein, ob sie gehörig ‘funktionieren’ und sich eignen, die für sich selbst gesuchte Lust auszulösen, der diese beiden die geschändete Bezeichnung: ‘Liebe’ – geben.

Der junge Mann sollte soviel Empfinden um seine Würde und Ehre vertreten, dass er derartigen Spruch überhaupt zum Bewusstsein nicht zulässt. Junge Leute können sich zueinander nicht nach dem Prinzip verhalten: Kater und Katze, die sich einander in einer Nacht des Märzmonats mit Lärm suchen. Bei Tieren kommt die Zurechnungsfähigkeit nicht zu Wort, noch die Liebe. Der Instinkt heißt sie koitieren – um der Zeugung halber. Denn zur Liebe ist doch ein Tier nicht befähigt: Liebe setzt freien Willen voraus!

Bei dem Menschen ist die geschlechtliche Vereinigung nicht zuerst zur Art-Erhaltung bestimmt. Sie ist dagegen bestimmt, dass sich diese beiden auf besonders feierliche Art und Weise ihre Liebe erweisen, die sie auf der Ebene des Geistes zum Ausdruck bringen, auch wenn sie ihren Ausdruck ebenfalls im Leib findet: als ganzheitliche Hingabe der eigenen Person – der Person dieses anderen. Mann und Frau möchten sich gegenseitig ergänzen und lösen dabei ein so intensiv erlebtes Gefühl und den Willen, ein Eins zu bilden aus, dass sie dieser Macht in gerechten Zeitabständen eine Verlängerung für die Ewigkeit verleihen möchten, indem sie einen Neuen Menschen zum Leben wecken: Zeugnis der Liebe ihrer beiden, die mächtiger ist als der Tod:

„Leg mich wie ein Siegel auf dein Herz,
wie ein Siegel an deinen Arm!
Stark wie der Tod ist die Liebe ...” (Hld 8,6; FC 14).

Würde sich jemand auf dieses Argument von der ‘Katze im Sack’ berufen, enthüllte er nur unverfroren seine eigentliche Absicht. Er offenbarte nämlich, es gehe ihm in keinem Fall weder um das Herz des Mädchens, noch das eigene Herz, noch umso mehr um irgendwelche Liebe.
– Ziel, das er vor hätte, wäre: schon sofort zur Genital-Sphäre zu gelangen. Das würde er ‘Liebe’ nennen. Indessen das ist noch keinerseits ‘Liebe’. Das Geschlecht des Mädchens weckt zwar Interesse und steigert die Lust, es auch ‘auszuproben’.
– Nach dem stattgewordenen ersten Verkehr oder anderen Intimitäten kommt umso mehr wuchtvoll der Zwang des Fleisches zur Stimme auf, ähnliche Erfahrungen zu wiederholen. Der Genital-Bereich weckt starkes Interesse und zieht mit Intensität der Erlebnisse mächtig ein. Parallel dazu erfolgt das Ableben des Bandes auf höherem Niveau: der Liebe als Gabe.

Das Betreten des Terrains der geschlechtlichen Intimität ist für die Ehe vorbehalten. Die geschlechtliche Vereinigung ‘gelingt’ nur unter Bedingungen der inneren Freiheit – im Klima der geistigen Behaglichkeit und nicht verlogenen Achtung: im unlösbaren Ehebund. Diese beiden müssen so sehr innerlich frei sein, dass es ihnen gleich leicht fällt auf die geschlechtliche Annäherung zu verzichten, wie auch die Einladung zur Nähe aufzunehmen. Abhängig davon, was die Vernunft heißt – nach Berücksichtigung der elterlichen Möglichkeiten und anderer Umstände, die für oder gegen den Verkehr an diesem Tag sprechen sollten.

Vor der Trauung können die beiden und sollen ihre Liebe in geistigem Ausmaß entfalten – samt der ganzen Skala ihrer übrigen gegenseitigen Beziehungen. Diese Beziehungen sind nicht enge mit der genitalen Sphäre verbunden, auch wenn das Gefühlsband zwischen ihnen beiden doch letztlich auf dem gegenseitigen Zauber gründet, der aus ihrer Männlichkeit und Weiblichkeit strahlt. Allerdings es ist dann noch nicht die eigentliche Zeit, um nach physischen Ausdrucksformen der Liebe zu greifen. Alle Formen des geschlechtlichen ‘Ausprobierens’ würden zur Verflachung der Liebe, indem sie auf die Geschlechtsebene allein reduziert werden würde, wodurch die Entwicklung in Liebe zur selbst der Person verhüllt worden wäre.

Man könnte fragen, ob die eheliche Liebe, auf die sich diese beiden vorbereiten, tatsächlich davon abhängen sollte, ob die Genital-Probe des ‘Koitierens’ technisch gesehen befriedigend ausfällt? Der Junge, der sein Mädchen überzeugen möchte, er müsse sie zuerst ‘ausprobieren’, würde sich zu ihr gleichsam zu einer seelenlosen ‘Maschine’ verhalten, die zuerst gestartet werden muss, der Gang muss eingelegt werden, usw.

Allerdings der lebendige Mensch ist keine Maschine. Der Junge würde in solchen Bedingungen kompromittierend offenbaren, er hätte in keinem Fall die Lust, irgendwelche ‘Liebe’ einzusetzen. Was er bezeichnet als: „Ich kann keine Katze im Sack kaufen”, kann als Liebe nicht gehalten werden. Sollten selbst zwei parallele Sex-Egoismen zusammentreffen: der seine – und dieser von ihrer Seite.

Es kommen wiederholt die päpstlichen Worte zur Erinnerung:

„Der christlichen Botschaft von der Würde der Frau wird leider widersprochen – mit der hartnäckigen Einstellung, die das menschliche Wesen nicht als Person, sondern als Sache betrachtet, als Gegenstand zu kaufen und verkaufen – im Dienst des selbstsüchtigen Interesses und Selbstzufriedenseins. Erstes Opfer solcher Mentalität wird die Frau” (FC 24).

Die Wertung des Arguments von „Katze im Sack” drängt sich von allein auf. Er ist Zeugnis einer schlecht tarnierten Haltung, die die Liebe an ihren Grundlagen selbst zerstört. Es ist schwer eine noch mehr primitive Art und Weise der Verlogenheit seiner selbst und des Mädchens zu ersinnen, was die Qualität der proklamierten Liebe angeht.

Die Schändung der personalen Würde des Mädchens mit diesem Spruch, wie auch ihre zutiefste Erniedrigung, als ob sie nur Versuchstier wäre, kann unmöglich keine schwere Sünde sein: geradezu gegen die Liebe und Würde – diese eigene, wie auch die dieses anderen. Zusammen mit anderen dargestellten Argumenten, zeugt dieser Slogan von der „Katze im Sack” vom zutiefsten Missverständnis, das in diesem Bereich unter einem gewissen Prozentsatz der jungen Leute anhält.

Viele von ihnen hätten wahrscheinlich nicht den Mut, das besprochene Argument so krass zu formulieren – zumal in Anwesenheit des Mädchens, mit dem sie gehen. Und doch sie schmieden geradezu solchen Inhalt in Wirklichkeit um, oder sie prahlen zumindest angesichts ihrer Gleichjährigen mit solchem Spruch. Das zeugt nur davon, wie leicht Satan die „ganze bewohnte Welt verführt” (Offb 12,9). Er hat das eine vor: dass er diejenigen, die Gott zu glauben aufgehört haben, von Gott weggegangen sind, in weiterer Folge vernichtet, so dass er sie jetzt schon leicht in den „zweiten” Tod schleudern kann (Joh 8,44; Röm 6,23; Offb 13,8; 17, 8; 20,6.10.14f.; 21,8).

Impotenz ...

Wir möchten weiter die Übersicht der üblich vorgehobenen Argumente für den Verkehr vor der Ehe fortsetzen und fragen dauernd, ob er die Liebe zum Ausdruck zu bringen imstande ist, wenn wir schon von der mit dem Akt verbundenen Empfängnis-Möglichkeit absehen.
– Gegen alle Vernunft, viele lassen sich weiter nicht als besiegt erklären. Sie behaupten weiter stur, das Mädchen müsse genau erkannt werden, dass man sich überzeugt, ob der Verkehr mit ihr als gelungen angenommen werden kann. Es wäre aussichtslos sich auf die Ehe zu entscheiden, sollte es sich dann zeigen, dass dieses Mädel sich zum Verkehr überhaupt nicht eignet.
– Die schlaueren weisen dabei auf eine der Anfragen, die den Brautpaaren bei der Erfüllung des vorehelichen Protokolls gestellt wird, um die geschlechtliche Impotenz auszuschließen. Es ist schwer diese Forderung zu ‘prüfen’, ohne vorher verkehrt zu haben ...

In der Tat, Bedingung, dass die Ehe im kirchlichen Sinn gültig ist, ist auch die „Fähigkeit” verkehren imstande zu sein. Ungültig wäre die Ehe im Fall, wenn bei einem der Partner schon vor der Ehe eine dauerhafte, d.h. unheilbare geschlechtliche Unfähigkeit bestehen sollte, die der anderen Seite unbekannt wäre – betreffs aller Personen als eventuellen Kandidaten zur Ehe [völlige Impotenz], oder auch mit Bezug auf diese konkrete Person, mit der jemand Verlobte die Ehe einzugehen vor hat [relative Impotenz].

Das Hindernis der geschlechtlichen Impotenz betrifft niemals die Fähigkeit zeugen zu können und ein Kind zu bekommen. Die Zeugungsfähigkeit ist gesonderte Frage, die bei der Gültigkeit der geschlossenen Ehe als abbrechendes Hindernis nicht in Frage kommt.
– Anderseits bedeutet die geschlechtliche Unfähigkeit (Impotenz) nicht die bisweilen erfahrene Schwierigkeit, zu voller Wahrnehmung des geschlechtlichen Höchsterlebnisses [Orgasmus] beim Verkehr zu kommen. Die „Impotenz” betrifft allein die Unfähigkeit, zur Vereinigung der Geschlechtsorgane zu gelangen.

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Als der Heilige Vater näher gekommen war, rief er laut - Vater einer Familie mit vier erwachsenen Kindern, so dass Johannes Paul II. es vernommen hat: Heiliger Vater! Segne unsere Familie - und unsere Heimat! Er hob sein Haupt und erteilte seinen Segen. - StL.

Nach dem Kirchlichen Gesetz ist die Ehe in Abhängigkeit davon gültig – dem eigenen Gesetz der Natur der Ehe gemäß, ob der Verkehr möglich ist und der wahre Same in der Scheide niedergelegt werden kann. Die so begriffene ‘Fähigkeit’ [Potenz] betrifft:
– Einerseits den korrekten und nicht entstellten anatomischen Bau der Geschlechtsorgane sowohl beim Mann, wie bei der Frau, der es möglich tut, die geschlechtliche Vereinigung zu vollziehen. Ungültig wäre die Ehe im Fall des Mannes, wenn es bei ihm schon vor der Ehe kein Glied gegeben hat, oder es wäre so entstellt, dass der Vollzug des Aktes in seiner äußeren Struktur unmöglich wäre. Das Hindernis der Unfähigkeit betrifft auch den Fall, wenn beide Hoden fehlen.
– Bei der Frau handelte es sich um Unfähigkeit im Fall, wenn die Scheide bei ihr nicht da ist, bzw. falls sie unheilbar so enge oder auch völlig überhüllt wäre, so dass das Einführen des Gliedes unmöglich stattfinden könnte.
– Das Hindernis der Unfähigkeit betrifft weiter auch noch die funktionellen Unkorrektheiten. Beim Mann handelte es sich um die vor der Ehe bestehende, dauerhafte und unheilbare Unfähigkeit zur Erektion, bzw. um unheilbaren vorzeitigen Erguss. Bei der Frau gilt als funktionelles Hindernis der dauerhafte und unheilbare Vaginismus [lat.: vaginismus], also schmerzhafte Kontraktion des Scheidenschließmuskels, was die geschlechtliche Vereinigung vereitelte.

Bei Zweifeln mit Bezug auf die Fähigkeit, verkehren imstande zu sein – soll die Frage nicht mit dem Geschlechtsverkehr vor der Ehe entschieden werden, sondern die Frage soll vom zuständigen Arzt begutachtet werden. Daher soll sich u.a. deswegen jedes Brautpaar vor der Ehe zur ärztlichen Untersuchung hinsichtlich der Ehe begeben. Es geht u.a. um die Bestimmung der Blutgruppe, der Übereinstimmung des Faktors RH, um die Konsultation hinsichtlich der eventuellen Erbkrankheiten in Verwandtschaft beiderseits. Im Fall seriöser gesundheitlichen Gegenanweisungen für die Ehe sollten die Partner insofern Loyalität erweisen, dass sie im Namen ihrer bisherigen Liebe friedsam voneinandergehen, um sich gegenseitig das Leben nicht zu verwickeln – um des eigenen Wohles willen, aber auch des Partners und der potentiellen Nachkommenschaft.

Doch es kommt vor, dass Partner, die sich um medizinische Gegenanweisungen für ihre Ehe bewusst geworden sind, voneinander nicht nur nicht gehen, sondern ihr Band nur umso mehr stärken. Sie streben vollbewusst nach Besiegelung mit dem Gelöbnis – dieser Liebe, mit der sie sich im Inneren gebunden haben. Sie glauben, dieses Band ist unter ihnen allzu seriöse Wirklichkeit geworden, als dass sie sich jetzt zurückziehen sollten.
– Daher stimmen sie von vornherein ein, dass es bei ihnen z.B. keine Nachkommenschaft geben wird, oder auch sie sind sich bewusst, dass ihre Nachkommenschaft vielleicht mit Erbkrankheiten belastet werden wird, mit bestimmten Insuffizienzen u.dgl. Trotzdem stimmen sie im Voraus darauf ein, geradezu solche Nachkommenschaft anzunehmen, oder auch sie entscheiden sich, nur sparsam die Fähigkeit, Leben weitergeben zu können, anzuwenden – mit gleichzeitiger Achtung vor der Friedensordnung des Aktes der Vereinigung. Solche Entscheidung muss man ihrer Umsicht und ihrer Gebetsverbundenheit zu Gott überlassen.

Funktionelle Schwierigkeiten, wie z.B. vorzeitiger Erguss, aber auch bei Vaginismus – kommen im allgemeinen nicht in Betracht, was die Gültigkeit der geschlossenen Ehe betrifft. Sowohl die eine, wie die andere Schwierigkeit, die manchmal in der Anfangszeit des Ehelebens zutage kommt, ist gewöhnlich nicht beständig, noch unheilbar. Sie schwindet allmählich dank der geduldigen und feinfühligen Haltung des anderen Gatten. Bei voreiligem Erguss kann u.a. die Vereinigung in zwei Stufen als Lösung gelten. Die wiederholte Vereinigung gelingt in der Regel besser als diese zum ersten Mal.

Viele Ehepaare erfahren auch bei ihren Annäherungen eine genügende Befriedigung selbst dann, wenn z.B. die Ehefrau zu ihrem höchsten Erlebnis nur schwer kommen kann. Wesentlich sind dann umso mehr die innigen Bemühungen, das Klima des aufrichtigen Zärtegefühls zu fördern, dass also diesem anderen bei allen anderen Gelegenheiten eine Freude erwiesen wird. Das trägt immer wesentlich zur Stärkung der inneren Gemeinschaft bei. Bei dem Verkehr selbst muss es beiden daran gelegen sein, dass sie sich in der Tat die Nächsten-Liebe erweisen. Der Partner, dem der Verkehr irgendwie nicht ‘gelingt’, darf nicht gedemütigt werden. Die gegenseitige Nähe wird zur wahren Schule der Nächstenliebe. Die Liebe versteht es, Mut einzuflößen und führt zum glücklichen Schwinden der bisweilen lange andauernden Schwierigkeiten.
– Im Fall einer peinlichen ‘Trockenheit’ und demzufolge Schwierigkeiten mit der Einführung des Gliedes kann gut mit einfachem Pflegeöl geholfen werden. Dieses bekommt man in der Apotheke, oder einer Drogerie.

Die Qualität der gelebten gegenseitigen Nähe soll Gegenstand eines kindlichen und vertrauensvollen Gebetes sein: des Gebetes um Hilfe zur Unbefleckten Mutter des Fleischgewordenen Wortes, und zum Heiligen Josef. Dieser kennt nur allzu gut die Psyche sowohl des Mannes, wie der Frau.
– Es darf aber auch ein nicht minder kindliches, mit Dank durchdrungenes Gebet für jede gelungene Vereinigung nicht fehlen.

Die Art und Weise, wie die Annäherungen vollzogen und erlebt werden, ist keine Frage, die vom Himmel in vollkommenster Form fertig fällt. Die Qualität der Vereinigung in Ehe erfährt eine allmähliche Entwicklung – und gut, dass es so ist. Die Gatten sollen zu keiner tödlichen Routine zulassen. Es kommt vor, dass der Verkehr längere Zeit anfangs in der Ehe nicht allzu gut gelingt. Das bedeutet nicht, dass man darin schon vor der Ehe eingeübt werden muss.

Es gehört sich auch die schöpferischen Empfehlungen zu berücksichtigen, die von Personen angeboten werden, die dem Wohl der Ehe und Familie viel Herz in der Beratungs-Tätigkeit gewidmet haben.
– Gut, dass schon Brautpaare davon wissen und sich darauf einstellen, dass sie in der künftigen Ehe Bemühungen unternehmen, das Höchsterlebnis umzusetzen: vom Klitorialorgasmus – auf diesen in der Scheide selbst. Das wird vonseiten des künftigen Ehegatten mehr Feinfühligkeit voraussetzen: einer entsprechenden, völligen Stille nach der erreichten Vereinigung mit der Gattin, um erst nachher, wenn auch sie allmählich zum Erlebnis reif wird, und selbst ihren Mann mit ihrer bräutlich-mütterlichen Weiblichkeit anschmiegt, mit zartem nur Seitendruck weiter zu verfahren (s. ob.: Nützliche Suggestionen einiger Autoren zu friedsamerem Erleben der Intimität).

Die Lage der Partner vor – und nach der Vermählung ist diametral verschieden. Der Verkehr vor der Ehe löst die Frage der sexuellen ‘Anpassung’ nicht. Liebe ist vor allem geistige Wirklichkeit, die sich auf der Ebene des Herzens abspielt – und des Willensaktes, bei diesem anderen und mit ihm für immer zu verharren. Diese Frage wird von Johannes Paul II. wiederholt betont. Es geht um die immerwährende Gestaltung der beiderseitigen Kommunion (FC 18). Ist die Liebe auf dem Niveau des Willens lebendig, zeigt es sich, dass die ‘Anpassung’ von allein gelöst wird: als Frage von nur sekundärer Bedeutung.

G.   IN UNMITTELBARER
VORBEREITUNG ZUR EHE

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Jungfräulichkeit

Unternehmen die Partner letztlich den Geschlechtsverkehr, verliert daran und zahlt vor allem das Mädchen. Zur Sicherung vor voreiliger Entscheidung auf die Kopulation hat Gott das Mädchen mit einem besonderen Schatz ausgestattet: der Jungfräulichkeit. Die Jungfräulichkeit ist kein Titel zur Schande, sondern zum Dank dem Schöpfer gegenüber. Das Mädchen erhält den Ruf, diese Gabe der liebenden Allmacht des Schöpfers zu hüten. Sie soll ihren fraulichen Ehrgeiz wahren, dass sie zur Vermählung unberührt gelangt: an Leib und Seele – jungfräulich.

Der Geschlechtsverkehr reißt diesen Siegel, diese gleichsam Plombe der Jungfräulichkeit irreversibel ab. Welcher junge Mann möchte aber nicht, dass sein Mädchen, dieses zur Ehe – Jungfrau sei, von niemandem berührt? Manchmal kommt es zur harten Auseinandersetzung zwischen Brautleuten, eventuell gleich nach der Trauung, wenn der junge Mann zur Kenntnis kommt, dass sie nicht mehr Jungfrau ist.

Es kommt zwar vor, dass das Mädchen ihre Jungfräulichkeit nicht infolge des Geschlechtsverkehrs verliert, sondern infolge ganz banaler Gründe, z.B. bei gymnastischen Übungen, wegen unvorsichtiger ärztlicher Untersuchung, u.dgl. Der junge Mann wird manchmal zum rücksichtslosen Richter und will keine Erklärung annehmen, obwohl er selbst vielleicht keinesfalls völlig rein ist. Er vergisst, dass wenn ihm Gott so manches vergeben hat – jedesmal einmal für immer, und seien es z.B. Sünden der Selbstbefriedigung, die auch eigenartiger Verlust der Jungfräulichkeit darstellen, soll auch er schlechterdings verzeihen können – ein für allemal.
– Aus diesem Grund soll der Junge absolut keine Erklärungen abfordern, zumal nichts darüber, was das Vertikale angeht: dieser Andere und Gott und was mit dem ‘Beicht-Siegel’ umfangen ist. Solche Haltung setzt die Liebe voraus, die sich auf den Aufbau einer gemeinsamen, gottgesegneten Zukunft einstellt. Sie stützt sich darauf, was Jetztzeit geschieht, und nicht darauf, was schon gewesen ist – und worüber niemand eine Macht auszuüben vermag.

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Gott hat die Gnade dieses Besuches gewährt: aus Indonesien im Heimatort des Missionars: 2017.

Das Mädchen kann nicht – nicht damit rechnen, dass wenn sie einmal erliegt, verpasst sie endgültig den Schatz ihrer Jungfräulichkeit. Beweggrund für das Verharren in liebender, aber doch unbeugsamer Haltung, soll die eigens aufgefasste Nächsten-Liebe sein – im Anvertrauen und Gehorsam dem Schöpfer gegenüber. Es ist gar nicht schwer solche Verhaltensweise auch in die Tat umzuschmieden. Sie beiden sind berufen, dass sie sich am Tag der Eheschließung gegenseitig in solcher, bis zum Ende bewahrten Frische hingeben können. Der Tag der Vermählung ist unwiederholbar. Es ziemt sich, dass an so würdigem Fest „neues, nicht angeknabbertes Geschirr” angewandt wird. Der Zugang zu solchen ungeschädigten Gefäßen, ohne Scharten, ist keinesfalls schwer. Würde man an solchem Tag selbst ausgesucht geschmackvolle Gerichte – aber auf gesprungenen Tellern bescheren, wäre es äußerste Schmälerung: Unehre für die Gäste, und Schande für selbst die Jubilare.

Ähnliches geschieht im Fall der Neuvermählten. Der Leib und Geist ihrer beiden soll unversehrt bleiben. Haben die Vermählten schon verkehrt, oder haben sie auch nur genitale Liebkosungen unternommen, werden sie zu schartigen Gefäßen. Das kann nicht abwertend wirken, sollten es auch diese beiden nicht zur Kenntnis annehmen wollen.

Eine Frau, die nach Jahren auf Abwegen – den Weg zu Gott gefunden hat, hat die eigene Hochzeitsfeier folgender charakterisiert: „Ich war damals ein von allen Seiten gut angenagter Knochen ...”.

So manches Mädchen könnte gefragt werden: Bist du 100% sicher, dass zu deinem Mann dieser wird, mit dem du schon verkehrst? Gar nicht selten kommt es vor, dass es sich entweder bei ihr – oder bei ihm, in gewisser Zeit alles ‘ändert’. Beide behalten bis zur Trauung eine völlige Freiheit voneinander weggehen zu können. Ihre Freiheit kann nicht mit dem Erachten der Eingeladenen, noch wegen des materiellen Verlusts der schon bereitstehenden Hochzeit verringert werden. Sowohl das Mädchen, wie der Junge Mann, erleben eine zutiefste Zerrisenheit, wenn ihr bisheriges Band aus irgendwelchem, manchmal scheinbar ganz belanglosen Grund unter dem Fragezeichen stehen bleibt. Der Schmerz einer Trennung pflegt manchmal so untröstlich zu sein, dass immer wieder von Selbsttod, oder zumindest von langdauerndem Zusammenbruch infolge der gescheiterten Liebe erzählt wird.

Das Bewusstsein um die verlorene Jungfräulichkeit hängt unter solchen Umständen mit unwiederbringlicher Wehmut zusammen. Die Herzenswunden vernarben mit der Zeit. Der eine wie der andere Partner wird nach jemandem anderen umschauen, der nicht täuscht, um ein beständigeres Band mit Ausrichtung auf Ehe und Familie zu binden. Für das Mädchen bleibt aber der unersetzliche Leid: Wie soll ich die Frage der verlorenen Jungfräulichkeit offenbaren?

1990 ist in Amerika die Bewegung: „Wahre Liebe wartet”  entstanden. Ihr Gründer ist Paul Lauer [sein Vater: Jude; die Mutter: Katholisch]. Nach eigenen stürmischen Jugendjahren und Studien in Los Angeles, hat er eine tiefe innere Transformation erlebt. Er hat sich ganz den Jugendlichen gewidmet. Er gründete die in aller Welt bekannte Jugendschrift „YOU” [engl.: Du].

Jungen Leuten hat er die Rückkehr zum Erfordernis der vorehelichen Keuschheit vorgeschlagen. Diese Haltung begründet er zwar mit religiösen Beweggründen, aber nicht nur. Die Bewegung nimmt zu und erobert immer andere Länder.
– Junge Leute entscheiden sich auf völlige Keuschheit vor der Vermählung. Nicht selten legen sie ihre Unterschriften unter entsprechenden Verpflichtungen und schicken sie zum Heiligen Vater, um nicht nur Gott, sondern auch ihm ein wenig Trost zu bringen angesichts der bisweilen so oft begegneten, rebellischen Zurückweisung der Erfordernisse Gottes und der Lehre des Stellvertreters Christi.

Paul Lauer schlägt drei grundsätzliche Argumente vor, die für die Bewahrung der Keuschheit sprechen:


VERMERK-Notiz. S. über dieses Thema eine der Besprechungen am  Kongress der Familie, u.zw.: Paul Lauer, Sex – Drogen – Hard-rock – und was weiter?, in: XVIII. Internationaler Kongress der Familie (14.-17.IV.1994), Fundation „Familie – Hoffnung von Morgen”, Katolicka Agencja Informacyjna (KAI), Warszawa 1994, S. 169-178; alles polnisch).


Das Mädchen gibt bei jeder Intimität in der Tat wesentlich mehr, als der junge Mann. Sie setzt dabei wesentlich mehr Gefühl ein. Der Junge Mann sammelt sich gewöhnlich vor allem am Leib und Geschlecht. Sie dagegen sieht mehr als er die Person: als diesen „Ihren”, Geliebten. Sie möchte ihm ihr ganzes Herz dargeben. Aber sie beschenkt ihn auch mit ihrem Leib. Sie erwartet Liebe „um ihrer selbst willen”.
– Es kann sein, dass sie sich anfangs nicht einmal bewusst wird, ihm handelte es sich vor allem um ihre Geschlechtsteile und die übrigen geschlechtlichen Kennzeichen. Wenn er ihr erklärt: „Erweise mir ein wenig Herz”, macht sie sich ihm letztlich ganz zugänglich, auch wenn es ihm um ihr ‘Herz’, um sie selbst – eigentlich gar nicht allzu sehr geht. Zuletzt schenkt sie ihm, getragen vom Gefühl, als Gabe auch diesen einmaligen Schatz: ihre Jungfräulichkeit. Schwer noch irgendwas mehr zu geben.
– So manches Mädchen bemerkt nicht einmal, dass derselbe Junge, der sie zum Verlust ihrer Jungfräulichkeit geführt hat, sie ab jetzt voller Verachtung anblickt, auch wenn er sie weiter ausnützt. Er hält sie schlechterdings als äußerst ‘leichtes ... Mädel’ !

Sie aber gibt ihrem Liebsten nicht das, was es das dringendste gibt: Gott selbst, der sie beiden zur Kommunion mit sich selber ruft. Sie erleichtert sich selber und ihm – den wirksamen Weggang von Gott. Beide übersehen absichtlich das Gebot: „Du sollst nicht die Ehe brechen”. Indem sie aber Gott zurückweisen, entfernen sie sich von sich selbst – aktiv und passiv. Es bindet sie die Sünde: der Sexus und der Zwang des Fleisches, nicht aber die Liebe, deren Urquelle: Gott – sie selbst vor die Tür setzen.

Das Mädchen lässt sich täuschen, der Geschlechtsakt habe sie mit ihrem Geliebten mit untrennbarem Band verbunden: jetzt schon für immer! Sie glaubt, es wäre „Liebe”. So zögert sie nicht mehr, auch den Schatz ihrer Jungfräulichkeit hinzuopfern.
– Allerdings Ähnliches konnte der junge Mann keineswegs seriöse als verpflichtend betrachten. Ihm geht es beinahe immer um sinnliche Wahrnehmungen, d.h. um ‘Liebe’ im Sinn des Auslebens an Genitalien und anderen geschlechtlichen Merkmalen.
– Gott hat es gut erdacht, als Er den Menschen erschaffen hat und ihn zur Ehe berief. Er hat die Größe des Geheimnisses der Liebe mit dem weisen Gebot gesichert: diesem ein wenig schwierigen, aber einzig schöpferischen: „Du sollst nicht die Ehe brechen” ! Niemand, wer ehrlich nachdenkt, wird dieses Gebot als Wirklichkeit, die gegen das Gute der Verliebten hingeordnet ist, nennen!

Es gehört sich noch eine andere, nur allzu gut begründete Feststellung zum Bewusstsein zu bringen. Wenn das Mädchen ihre Jungfräulichkeit verliert, reißt in ihrer Persönlichkeit ein wesentliches Bindeglied. Es kommt vor, dass sie sich von nun an radikal ändert, auch wenn sie sich dessen selbst nicht allzu bewusst wird. Sie benimmt sich von nun an zu den Jungen, und überhaupt zur Umgebung, oft ganz herausfordernd provozierend. Sie verliert leicht das Empfinden um die Schamhaftigkeit und kann sich widerstandslos ausziehen, oder zumindest sie stellt ihren weiblichen Anmut hemmungslos als Objekt zur Bewunderung heraus, wenn nicht noch mehr. Manchmal ist es so, dass sie sich zwar nicht auszieht, doch ihr Verhalten ist gründlich unschamhaft.

Da kommt nur ein Schluss in den Kopf: ‘Diese’ hat ihre Jungfräulichkeit längst verloren! Die Zeit, wann die Barriere des Schamgefühls verlorengegangen ist, ist es schwer vor den Erziehern zu verbergen. Sie schwindet samt dem Verlust der biologischen Barriere der Jungfräulichkeit.


VERMERK-Notiz. S. dazu u.a.: Dr. Wanda Półtawska, Przygotowanie do małżeństwa [= poln.: Vorbereitung zur Ehe], in: Miłość-Rodzina [= Liebe-Familie], Red. F. Adamski, Kraków 1978, S. 58.

Äußere Umstände beim Verkehr

Beim Erleben des Verkehrs vor der Ehe gibt es gewöhnlich keine gehörigen Bedingungen dazu. Das Leben dieser beiden als Paars ist nicht stabilisiert. Des Öfteren verfügen sie über keine Wohnung, es fehlt das nicht gestörte Klima. Daher unternehmen sie Liebkosungen flüchtig, aufmerksam um das möglich schnelle Erledigen der Sache – in Furcht, dass sie dabei von jemandem nicht ertappt werden. Das aber ist himmelweit von Gottes Anordnung entfernt, die das Haus der Liebe kennzeichnen soll.

Die Zeiten einer so erlebten Intimität werden mit gedämpftem, aber doch deutlich sich abzeichnendem Bewusstsein um die Verschuldung in Gottes Augen und sich selbst gegenüber begleitet. Die äußere Umgebung begünstigt nicht das alles, was Liebe sein sollte. Die Unordnung im Herzen findet eigenartige Bestätigung in der Umgebung.
– Negative Wahrnehmungen im Zusammenhang mit dem ersten Verkehr vor der Ehe pflegen sich manchmal für sehr lange zu fixieren, wobei sie jahrelang das Glück der gegenseitigen Nähe ganz abblocken können. Das gesunde Gespür spricht deutlich, alles flüchtige und nervöse Mit-einander-Sein könne doch nicht das sein, was das Herz unter „Liebe” versteht. Die Motivation bei flüchtigem Handeln würde auf den Boden niedergewürdigt werden. Es wäre allein ‘Koitieren’, vielleicht mit ausprobierter einer der Techniken. Es wäre jedenfalls alles andere, nicht aber Liebe. Solcher Verkehr kann unmöglich kein Erweis der Nicht-Liebe sein.

Zwar kommt es auch vor, dass es den Partnern letzten Endes alles gleich ist, was für äußere Bedingungen sie für den Verkehr vorfinden. Sie tun es fast in Augen der Öffentlichkeit und empfinden schon kein Schamgefühl. Auf unserer WEB-Site denken wir aber nicht an so wildes Ausleben und Prostitution. Es geht uns um Paare, die auf Brautschaft und Ehe eingestellt sind. Für solche ist es bestimmt nicht gleichgültig, unter was für Umständen sie „sich ... lieben”.

Manche Paare verfügen wohl über ideale Wohnungsbedingungen, zumal der eine von ihnen schon eine eigene Wohnung erworben hat. Allerdings nichts ist imstande die laut sprechende Gewissens-Stimme zu ersticken, dass sich solche ‘Liebe’-Erweise an Gottes Segen keineswegs erfreuen können.

Stimme des Gewissens

Es bleibt eben die Frage der Stimme des Gewissens bei Geschlechtserlebnissen vor der Ehe. Wir möchten derzeitig keine gelehrte Auseinandersetzung über die ‘Existenz’ und das Wesen des Gewissens darstellen. Übrigens wir haben schon im vorigen Teil vom Gewissen gesprochen, von seiner Gestaltung, von objektiven moralischen Normen usw. (s. ob.: „Mit” Petrus und „Unter” Petrus – und noch: Auf der Suche nach Jesus Christus – heute – s. dieses ganze Kapitel).
– Wenn wir unsere Erwägungen vereinfachen sollten, genügt es festzustellen, die Gewissensstimme ist offenbar Stimme Gottes: Zeugnis des geheimnisvollen, realen Dialogs, den Gott mit seinem lebendigen Ebenbild im Inneren seines ‘Ich’ unterhält (vgl. 1 Sam 24,6; 2 Sam 24,10; Lk 22,48; Joh 13,2.27; Röm 2,14n; VSp 58). Daher kann auch die Gewissensstimme weder ausgewischt, noch kann sie mit nur christlicher Erziehung erklärt werden.

Die Stimme des Gewissens lässt von sich einmal laut hören, ein andermal kann sie fast zum Stillschweigen gezwungen werden (VSp 63). Die einen übergehen systematisch die von ihm gesendeten Signale, oder täuschen sich vor, seine Wachsamkeit irreführen zu können. Früher oder später spricht es von neuem, manchmal mit verdoppelter Stärke, indem es innerlich verfolgt und keine Ruhe macht. Die Stimme ruft zur Änderung der Verhaltensweise: zur Bekehrung – und um Gott um Verzeihung zu bitten (VSp 61). Es ruft zur Rückkehr zu Diesem, der den Menschen zur Ernüchterung zu bringen sucht, um ihn von dem ihm drohenden ewigen Tod zu retten (vgl. Offb 16,9ff..21; usw.).

Die Stimme selbst meldet sich als ein Jemand, der im Menschen verweilt – unabhängig von seinem Wissen und Wollen. Niemand auferlegt sich diese „Stimme”. Im Gegenteil, jeder ist sich ganz gut bewusst, dieser Stimme solle er „gehorchen” (GS 16; VSp 54). In dieser Stimme spricht Dieser, vor Dem jedermann früher oder später von seinen Taten Rechenschaft ablegen wird. Egal ob er nun Gläubiger ist, oder ein total Ungläubiger:

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Gott hat es verfügt, selbst Wadowice des Heiligen Vaters Johannes Paul II. den Indonesischen Gästen zu besuchen: 2017.

„Deswegen suchen wir unsere Ehre darin, Ihm zu gefallen, ob wir daheim oder in der Fremde sind.
Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder seinen Lohn empfängt
für das Gute oder Böse, das er im irdischen Leben getan hat” (2 Kor 5,9f.; Röm 14,10.12; und Joh 5,28f.).

Unwahrscheinlich, dass der Verkehr unter unberechtigten Umständen: vor der Ehe, nicht die Reaktion des Gewissens auslöst. Manche suchen sich selbst zu beruhigen, sie betrachten diese Fragen ohne Exaltation: als Selbstverständlichkeit, ohne Hemmungen noch Gewissensbisse. Ihrer Meinung nach, nur die ‘Geistlichen’ haben die Frage zum Rang eines Problems angeblasen, wogegen sie ruhig auf die Ebene der gewöhnlichen physiologischen Funktion herabgeführt werden soll, die nach zeitweiliger Entladung mit Verkehr verlangt, bzw. im schlimmsten Fall mit Hilfe der Onanie, mit Petting u.dgl.

Solche Bekenntnisse stimmen aber mit tatsächlichen Erlebnissen der daran Beteiligten nicht überein. Sie stellen nach Außen den inneren Wunsch dar, dass es ‘so sei’, wogegen es in Wirklichkeit anders ist. Unmöglich, dass der Schöpfer der moralischen Friedensordnung und des natürlichen moralischen Gesetzes zum Menschen vor und nach der Tat nicht sprechen sollte, die das so grundsätzliche Gut verletzt: die Liebe zu sich selbst und zu jemandem anderen, wenn man schon den offenen Aufstand gegen Gott und sein Gesetz übergehen möchte.

Zur Illustration dieser Tatsache könnte hier das Bekenntnis eines Fräuleins angeführt werden – geben wir ihr den Namen Jola. Sie bekennt mit entwaffnender Aufrichtigkeit die Erlebnisse mit ihrem Verlobten, dem wir hier den Namen Hans geben. Es war im Rahmen eines Briefaustauschs im Anschluss an die Missionswoche in einer gewissen Pfarrgemeinde:

[Brief 1: V.1992] „Ich schreibe, weil ich Dir, Verehrter Herr Pater, meine Freude mitteilen möchte ... Ich möchte zu Ihnen, Herr Pater, ganz aufrichtig sein. ... Ich muss zugestehen, dass dieses geistliche Gespräch mir viel gegeben hat ... Nach diesem Gespräch fand ich mich wie eine neu Geborene. Ich war glücklich. Ich habe öfter diese Sünde gebeichtet, aber ich konnte mich niemals aufraffen, dass es wirklich zur Verbesserung kommt. ... Sie haben mich so angesprochen, dass ich jetzt auch meinem Hans zum Herzen zu sprechen imstande war, um ihm alles zu erklären. Wir haben mit dem Verkehr schon ein Ende gemacht. Aber – entschuldigen Sie bitte, Herr Pater: wir können nicht aufhören uns zu ‘lieben’. Das ist keine Begehrlichkeit, das fließt aus reiner Liebe, mit der wir uns einander beschenken.
– Ich liebe ihn wirklich von ganzem Herzen und selbst kurze Trennungen sind für mich lange. Ich weiß, dass es mit ihm dasselbe geschieht. Er hat eine gute Arbeit aufgegeben ... nur um mit mir sein zu können. ... Er kam einmal im Monat zu mir gefahren. Wir haben uns kurz gesehen – und gerade in der kurzen Zeit haben wir verkehrt, und wann er abfahren sollte, haben wir beide geweint und uns stundenlang verabschiedet. Ich ging manchmal überhaupt nicht schlafen, obwohl ich am Montag zu meinen Sachen fahren musste.

Sie möchten wohl fragen: Und was hat die Mama dazu gesagt? ... Die Mutter hat anfangs geschrien, sie war ganz aufgelehnt, aber als sie sah, dass das sowieso nichts hilft, hat sie uns erlaubt, dass wir zusammentreffen ... Jetzt arbeitet Hans hier, er wohnt 10 km von mir und kommt einmal in der Woche gefahren. ... Wir kennen uns seit 2 Jahren ...
– Den Hans habe ich bei meinem ersten Tanzfest nach der beendigten 8. Klasse kennen gelernt, und bei der Hochzeit meiner Schwester hat alles angefangen. Ab damals haben wir mit Begegnungen angefangen. Er kam zu jedem Tanzfest gefahren ... Wir haben uns nur zu zweit die ganze Nacht unterhalten. Später, als ich von der Schule zurückkam, an jedem Samstag, wartete er auf mich ... Er lud mich zum Geburtstag ein, zum Andrea-Fest – und eines Males schlug er mir vor, dass wir fröhlich den Silvester zusammen bei seiner Cousine verbringen. Ich war selbstverständlich gleich einverstanden. Jede unsere Begegnung hat mir große Freude geschafft. Ich habe zum ersten Mal empfunden, dass es mit mir was ‘nicht in Ordnung’ ist, dass ich ihn einfach liebe ...
– Wir sind dahin gefahren, aber ... unser Benehmen war insofern schlecht, dass wir unsere Mutter betrogen haben, wir haben gesagt, dass wir zur Diskothek fahren ... und dass ich bei der Schwester schlafen werde. Die Mutter hat das geglaubt, und zuletzt hat sie sowieso die Wahrheit erfahren.
– Bei dieser Cousine hat alles angefangen. Wir waren vier zusammen ... Das Neujahrtreffen war gelungen. Nach dem Tanzen war ich gewiss, dass ich mit der Cousine schlafen werde, und Hans mit ihrem Junge. Als wir von dem Fest auf dem Rückweg waren, und wir gingen allein, fragte mich Hans, ob ich einverstanden bin mit ihm zu schlafen. Ich sagte offenbar: ‘In keinem Fall’ ! Ich war erschrocken, was er von mir will. Ich habe niemals einen Jungen gehabt und wusste nicht, wie das eigentlich ist. Aber er hat beteuert, dass er mich nicht anrührt, nur er möchte mich bei sich haben. Ich war noch etwas dagegen, aber letztlich habe ich darauf zugestimmt. Ich meinte: Was ist dabei schlimmes, wenn wir beieinander schlafen werden?
– Aber im Bett hat es sich anders ergeben: weder ich, noch er – wir konnten nicht einschlafen, obwohl es schon hell zu werden begann und wir müde waren. Zuerst haben wir uns geküsst, dann hat er gebeten, ich möge mich ihm hingeben. Glauben Sie mir, Herr Pater, ich habe das wirklich nicht gewollt. Es war für mich ein Schock, was furchtbares, aber er hat mich so gebeten, gefleht, dass ich endlich zugegeben habe. Als es schon nach allem war, begann ich so laut zu weinen, dass man es wohl draußen gehört hat. Er hat mich beruhigt, entschuldigte sich dafür, hat geküsst, überzeugte mich, dass er mich liebt und mich niemals verlässt, und ich – ich habe am Herzen nur die riesige Schuld zu tragen gehabt. Ich habe zu mir selbst Abscheu empfunden, dass ich auf so was zugestimmt habe. – In der Tat, er hat mich nicht verlassen, er kam wiederholt gefahren, selbst bei großem Schnee – mit dem Fahrrad, und für einige Zeit hat er mir damit Ruhe gegeben.
– Ich ging zur Beichte. Ich beichtete alles und dachte, alles werde sich wie früher legen. Aber eines Tages fragte er, ob ich dasselbe machen möchte, was einmal, dass er mich liebt und es ihm ohne das schwer ist. Ich habe ihn gebeten, er möge das nicht machen. Aber er hat mich wieder auf Mitleid genommen. Und so haben wir miteinander verkehrt. Anfangs aus Mitleid, dann begann es auch mir damit angenehm zu werden. Bis ich eines Tage gesagt habe: Damit muss Ende gemacht werden! Und so war es in der Zeit dieser Pfarrmissionen.
– Ich war immer unruhig, es hat mich was bedrängt und ich wusste nicht, was das ist. Jetzt weiß ich, dass Sie, Herr Pater, mich von diesem Sumpf rausgezogen haben ...
– Ich bitte sehr, schreibe mir die Antwort und sage, was ich weiter tun soll, dass wir uns beide zur eigentlichen Erfüllung der Pflichten in der Ehe vorbereiten.
– Ich muss mich noch belobigen: Dank meiner hat Hans mit dem Rauchen aufgehört. ... Ich bin so glücklich!"

Es musste dazu eine Antwort geschrieben werden. Der Pater wartete dann lange auf die Rücknachricht, wie es weiter mit der Frage ergeht. Die Antwort von Fräulein Jola kam nach halbjähriger Pause. Es konnte geahnt werden: der Eifer der Bekehrung reichte für nicht allzu lange. Es schien angebracht als erster einen Brief zu provozieren. Aufgrund der Antwort von Fräulein Jola kann nur gefolgert werden, dass das Problem: der Gewissensbisse infolge des NICHT-Gehorchens Gottes weiter besteht. Die Stimme wurde zeitweise ganz leise, um dann von neuem hörbar zu werden und neuerlich das was schwankte, zu aufrecht erhalten.

[Brief 2: Anfang XI.1992] „... Ich habe lange nachgedacht, bis ich mich auf die Antwort entschieden habe ... Ich weiß wirklich nicht, wie ich anfangen soll. Ich habe nichts interessantes mitzuteilen, in meinem Leben hat sich nichts geändert, womit ich mich belobigen könnte.
– Herr Pater, glauben Sie mir, ich fürchtete diesen Brief, ich habe Angst gehabt überhaupt zu schreiben. Am besten wäre es in meiner Lage, wenn ich einfach geschwiegen hätte. Du würdest denken können, dass ich dort in der Tat nicht mehr wohne. Aber ich konnte nicht, ich konnte nicht schweigen, von dieser Stunde an, als ich Deinen Brief bekommen habe: Es hat mich was verfolgt und endlich habe ich mich entschieden.
– Verehrter Pater, ich bin ganz in Angst, ich habe Furcht vor der Wahrheit und davon, dass Du mich verurteilst. Du bist Dich schon bestimmt bewusst, dass sich in unserem Leben nichts geändert hat. Ja, wir verkehren weiter miteinander. Anfangs haben wir zwar damit abgebrochen, es war eine Zeit lang, aber jetzt ist es wie zuvor und wir sind uns dessen beide ganz gut bewusst..
– Herr Pater, ich bitte Dich, werfe uns nicht weg, sondern sei so gut und sage, wie es zu leben gilt. Mir scheint es, wir können wirklich nicht mehr anders und schlimmer, ich habe schon aufgehört, damit zu kämpfen. Erst Dein Brief hat mir die Augen geöffnet. Ich konnte mich nicht entscheiden, ich habe Hans gefragt – er hat mir gesagt: ‘Schreibe die Wahrheit’ !
– Ich weiß nicht, was Du von uns jetzt denkst, aber dennoch ich erwarte von Dir Hilfe. Es müsste wohl ein Wunder geschehen, dass wir anders leben.

– Ich bin mir bewusst, dass der voreheliche Verkehr Sünde ist, aber ob wirklich so große, wenn wir uns doch wahrhaft lieben? Ich kenne ihn gut, seine Vorteile und Nachteile, und ich weiß, dass ich einen besseren ‘Kandidaten’ zum Mann nicht finde. Er ist arbeitsam und gut, und ich weiß, dass er mich liebt. Wir gehen miteinander schon über 2 Jahre.
– Lieber Herr Pater! Ich war in Czestochowa (Wallfahrtsort) und habe Sie, Herr Pater, gesehen, wie Sie mit den Pilgern eingegangen sind [August, Fußpilgerschaften oft von sehr weitem]. Sie sind bei mir vorbeigegangen und haben mich nicht bemerkt. Sollten Sie mich übrigens selbst bemerkt haben, würden Sie mich doch nicht erkennen, und habe den Mut nicht gehabt, Sie anzusprechen.
– Herr Pater, Sie kennen schon die ganze Wahrheit von uns. Ich fürchte sehr vor Ihrer Antwort, aber trotzdem warte ich ungeduldig. Ich würde nicht schreiben, aber ich weiß, dass ich in Ihnen ... einen Freund gefunden habe, der helfen wird und weiß, wann es gilt zu tadeln, und wann ... zu belobigen ...”

Dieser Brief benötigte umso mehr einer Antwort: der Ermutigung und Stärkung. In einem Monat nachher kommt die weitere Korrespondenz von Frl. Jola:

[Brief 3: Ende XI.1992] „... Ich habe absichtlich die Antwort nicht sofort geschrieben, weil es mir schien, ich müsse zuerst die Arbeit an mir selbst beginnen, oder eher wir müssen beide damit anfangen. Ich habe Hans den Brief von Ihnen zum Lesen gegeben, und dass er seinen Inhalt erwäge. Herr Pater, wir waren schon beide zur Heiligen Beichte ...
– ... Ich möchte, dass Du, Herr Pater, ... alles von mir und Hans weißt ... Du weißt schon, dass wir über 2 Jahre gehen und wir denken ganz seriöse. Wir reden oft über unser gemeinsames Leben, das Leben in Ehe. Ich kenne ihn sehr gut, ich weiß von ihm fast alles und weiß ganz sicher, dass es ein guter Junge ist, aber auch er hat keine leichte Kindheit gehabt. – Seine Mutter kommt aus solcher Familie, in der das Leben täglich mit Schnaps anfing. Dagegen sein Vater ist schon ein ganz anderer Mensch. Nur er hat Hans auf einen guten Jungen erzogen. Hans hat vor mir oft wegen seiner Mutter geweint. So war es z.B. den letzten Samstag. Wir waren zum Andrea-Tag im engen Freundeskreis. In gewisser Weile sind wir nach draußen gegangen, um ein paar Minuten nur miteinander zu sein ... Wir haben uns auf eine Bank hingesessen und haben beide geweint, denn Hans sagte, dass die ‘Mama heute wieder trunken ist, ich weiß nicht mehr, was ich machen soll’. Er hat nur noch dazugefügt, dass allein meine Liebe zu ihm, und seine zu mir – ihn am Leben hält. Nur für mich weiß er, nötig zu sein ... Ich habe versucht, ihn um jeden Preis zu beruhigen, zuletzt haben wir beide geweint.
– Herr Pater, seit diesem Sakrament der Beichte haben wir diese Sünde nicht mehr begangen und ich glaube, dass wir sie nicht mehr begehen. Wir dürfen sie nicht mehr begehen. ... Hans ist jetzt sehr feinfühlig geworden. Wenn er mich allzu leidenschaftlich küssen möchte, ziehe ich mich zurück und er weiß schon, warum. Herr Pater, ich bin empfindsam und ich verlange es auch von ihm. Ich möchte, dass er zart ist und feinfühlig. Auch wenn seine Nerven hart sind wie Stahl !
– Herr Pater, es ist mein Traum, dass wir zu Fuß an der Pilgerwanderung nach Czestochowa teilnehmen. Im vergangenen Jahr ist es mir nicht gelungen ...
– Herr Pater, ich danke Dir für alles. Ich glaube, dass wir wirklich siegen. Oh, wenn es Dich nicht geben sollte! ... Ich bange diesen Gedanken zu beenden. – Ich warte auf Deine Antwort und weitere Hinweise für das Leben, das gar nicht so leicht ist. Ich bitte gleichzeitig in unserem Namen um Gebet”.

Die Schwäche hat sich nicht für besiegt erklären lassen. In einem halben Jahr nachher schreibt Frl. Jola:

[Brief 4: III.1993] „... Ich bin eine Stunde zurück von der Religionsstunde. Heute hat der Katechet über das Gebet gesprochen. Und wohl diese Lehre hat bewirkt, dass ich auf einmal das Bedürfnis empfunden habe, mein Herz vor jemandem zu öffnen, der mich versteht ...
– Ich habe gefürchtet, mit Ihnen Gesicht zu Gesicht zusammenzutreffen: ich habe gefürchtet, dass ich überhaupt nicht wissen werde, worüber ich sprechen soll. Denn was könnten wir eigentlich Ihnen anbieten? Nichts! Unsere Herzen waren NICHT rein und sie sind wohl weiter nicht völlig rein ... Ich weiß nur, dass die einzige Rettung für uns darauf beruht, dass wir uns trennen (aber nicht für immer), wenn Hans in die Militär geht. Jawohl, wie ich früher schrecklich fürchtete, so möchte ich es jetzt sehr, dass mein Geliebter in diese Militär möglichst schnell geht. Nur das kann uns retten ... Wenn wir uns trennen (obwohl ich weiß, für mich wird es furchtbar sein), könnte ich endlich mehr Zeit dem Gebet und der Betrachtung widmen, was ich tat, als Hans weit von hier gearbeitet hat. Wie ich da gebetet habe! Ich konnte ganze Stunden in der stillen Kirche verbringen – Jetzt kann ich mich selbst nicht erkennen. Wo ist meine Stärke, wo mein Glauben? Ich erkenne mich selbst nicht, wo ist Gott? Sollte ich mich schon an seiner Gegenwart nicht freuen, wie es der Herr geboten hat?
– ... Ich schreibe von allem, und übergehe das, worüber ich eigentlich schreiben soll. Ich bleibe ganz aufrichtig. Habe ich mich schon einmal entschieden die Wahrheit zu bekennen, steht mir kein Recht zu, die Wahrheit vor Dir, Pater, zu verheimlichen, obwohl unser Verhalten tadelnswert ist. Ich habe mir vorgesetzt, dass wir zumindest in der Fastenzeit damit aufhören. Ich war selbst zur Beichte, und habe auch Hans zur Beichte bewogen. Ich dachte, dass es gelingt, dass wir uns voneinander überhaupt ‘isolieren’. Aber es ist nicht völlig gelungen. Es ist wahr, seit dieser Beichte hat es keinen Verkehr gegeben, aber wir haben uns doch Berührungen erlaubt, und daselbst haben wir bei uns Erregungen ausgelöst.
– Sag, Herr Pater, ob Leute so wie wir, einmal glücklich sein können? Ob wir nicht ähnlich wie Tiere werden, die dazu koitieren, dass ihre Art erhalten wird? Ob wir uns nichts mehr leisten können?
– Nein, ich höre nicht auf, erneuert mit dem Übel zu kämpfen. Auch wenn es bisher nur Enttäuschung gegeben hat, und Du wirst uns darin helfen, unser Teuerster und bestimmt Gott lieblicher Pater ...! Ich liebe Kinder und weiß, wie sehr verantwortliche Rolle auf mich in der Zukunft wartet. Ich möchte eine gute Mutter und liebende Ehefrau werden, aber um sie in einer Gestalt sein zu können, muss man sich das verdienen, und ich habe das nicht verdient. Leider, Herr Pater, bete für uns und bitte Gott, dass ich Ihm treu bleibe, wenn ich allein bleiben werde ...”

Im nächstfolgenden Brief, aus der Zeit, da Hans in der Militär war, schrieb Frl. Jola:

[Brief 6: 16.V.1993] „Erst jetzt kann man sehen, wie sehr uns, Herr Pater, Deine Hilfe bei der Überwindung dieser Bemühungen und aller Hindernisse, die auf dem Weg unseres Glücks erscheinen, nötig ist. – Erst jetzt habe ich Angst, dass wir uns hinreißen lassen und wir können alles verderben, wenn wir voller Sehnsucht ganz allein zusammentreffen, einander umarmen – und was dann? Ich bitte, Herr Pater, hilf mir, dass ich an der Pilgerwanderung Anteil nehmen kann ..., um so unsere Schulden abzulösen ...”!

Vom weiteren Brief:

[Brief 9: 12.III.1994] „Unser Teuer Pater, ich weiß vortrefflich, Du möchtest und strebst danach, dass wir unser Leben und unsere Liebe nach dem Gottes Gesetz gestalten ... Nichts ... hat sich in dieser Zeit geändert, was unseren Verkehr angeht. Wir setzen ihn weiter fort. Ich wollte so sehr zu Ihnen, Herr Pater, gefahren kommen, um ein für allemal damit ein Ende zu machen, dass Sie, Herr Pater, uns schütteln und sagen, was Sie davon denken.
– Jetzt ist die Fastenzeit – die Zeit um das eigene Leben zu bessern. Ich möchte, dass wir uns wenigstens in dieser heiligen Zeit von dieser Sünde enthalten, aber ich will nichts mehr versprechen, denn ich befürchte, dass ich das Versprechen nicht halten kann ...
– Lieber Herr Pater, hilf uns! Ich weiß, niemals ist es zu spät ... Wir werden schon nicht lange Ehe werden und wir müssen dann alles vorher begangene Übel sühnen ...”.

Letzten Endes haben diese beiden doch den Sieg davongetragen, auch wenn es über so manche Niederlagen erfolgt ist. Die weiteren Briefe schrieb Jola schon als Ehefrau und Mutter:

[Brief 10: XII.1997] „Unser kleiner Bube ... ist schon über 1 Jahr alt, an diesem Tag wurde in seiner Meinung eine Heilige Messe gehalten. Jetzt kann er schon ganz gut gehen ... Ich habe niemals die mütterliche Liebe verstanden, bis ich sie selbst nicht erlebe. Ich suche mir immer diese Liebe mit der Liebe des Himmlischen Vaters zu uns zu verknüpfen, aber diese ist so viel stärker als diese unsere!
– ... Wir haben, anstatt eines leichteren Lebens und die Möglichkeit, in eine neue Wohnung umzuziehen, ein altes Haus und niedrigeren Gewinn gewählt, aber dafür haben wir die heilige Ruhe ... – Lieber Pater, gedenke manchmal in Deinen Gebeten unserer jungen Familie! ...”


Die angeführten Briefe offenbaren das dramatische Ringen angesichts von Gut und Übel. Wie gut, dass da Vorwürfe und die Gewissensstimme erscheinen, in der Gott seinem lebendigen Ebenbild sich zur Erinnerung darstellt. Es ist Gottes Gabe, die dem Menschen gegeben ist, den Gemeinschaften und Gesellschaften. Vom Gottes Sprechen über die Gewissensbisse spricht Jesus Christus u.a. durch die Hl. Schw. Faustyna Kowalska:

„Sage den Sündern, dass Ich stets auf sie warte, dass Ich am Pulsschlag ihres Herzens höre:
Wann es für Mich zu schlagen beginnt.
Schreibe, dass Ich zu ihnen durch Gewissensbisse spreche, durch Misserfolg und Leiden, durch Gewitter und Blitze, ich spreche zu ihnen durch die Stimme der Kirche. Wenn sie aber alle Meine Gnaden zunichte werden lassen, beginne Ich zu zürnen und überlasse sie sich selbst – und gebe ihnen, was sie begehren ...” (TgF 1728).

Es gehört sich, sich diese Aussage ins Herz zu nehmen und den Mut zur Änderung der Verhaltensweise zu fassen, gemäß des ‘Schreies’ dieses Gottes, den es unmöglich nicht schmerzen kann, wenn sein lebendiges Ebenbild der eigenen Zerschmetterung – für immer – entgegenläuft.

Jemand könnte vorwerfen, dass aufgrund nur eines einzigen Bekenntnisses noch nicht gefolgert werden kann, dass jeder Mensch nach vorehelichen Geschlechtskontakten ebenfalls Gewissensbisse vernimmt. Und doch wir finden uns berechtigt das angeführte Zeugnis zu verallgemeinern. Es ist übrigens nur eines unter vielen anderen. In weiterer Folge unserer Erwägungen begegnen wir vielleicht noch anderen, ähnlichen Bekenntnissen.

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Ansicht der wunderbaren Gegend nachdem das Gewitter mit Regen aufgehört hat, wobei die Gegend teilweise besonnen ist und dazu ein schöner Regenbaum entstand.

Man könnte die Brautpaare fragen: ob sie nach dem aufeinanderfolgenden Verkehr, eventuell weiterreichenden Liebkosungen, Frieden im Herzen und innere Heiterkeit empfinden? Solche Experimente enden nämlich mit der Wahrnehmung von Unbehagen, Abflachen der Intimität, ihrer Erniedrigung. Unmöglich, dass der vor-eheliche Verkehr – im Gegenteil zur friedvoll erlebten Vereinigung in der Ehe, nicht die Empfindung von Verachtung seiner Selbst und des anderen herbeiziehen sollte, dass er nämlich nicht mit der erfahrenen eigenen Niedrigkeit verbunden wäre, sollte sie auch mit empfundener Unfähigkeit zusammengehen, einen Schnitt durchzuführen, der den Beginn zur Auferstehung vom Boden der Sünde und Verzweiflung wäre.

Unwahrscheinlich, dass diese verdrießlichen Erfahrungen, die unmöglich nicht das genau Umgekehrte darstellen als das, was mit der eingeborenen Intuition Liebe sein soll, nicht Ausdruck der geschändeten Gewissensstimme darstellen. Die Ausrichtung selbst der Bestrebungen dieser beiden ist freilich korrekt: sie suchen danach, ein Eins-in-Liebe zu werden, das auf die Ehe hingeordnet ist. Aber dieses „zwei-zu-Einem-Fleisch” kann jetzt noch nicht mit dem Geschlechtsverkehr zum Ausdruck gebracht werden.


Die bisherigen Erwägungen bestätigen unabänderlich, dass der Verkehr in vor-ehelicher Lage niemals Zeugnis der Liebe werden wird. Es kann sein, dass diese beiden, in sich gegenseitig gefühlsgemäß innigst engagiert, diese Behauptung nur mit Bitterkeit zur Kenntnis annehmen, indem sie befürchten, dass sie sich entscheiden müssen, etwas ‘herausreißen’ zu müssen, was in ihnen sehr tiefe Wurzeln gefasst hat. Der Verzicht auf Verkehr scheint ein eigenartiger ‘Tod’ zu sein ... Allerdings es kann nicht anders sein. Möchten sie mit einen neuen Startpunkt bei der Gestaltung ihrer Liebe-Kommunion anfangen, die dieses Namens würdig wäre, müssen sie davon loswerden, was Gegen-Liebe bedeutet.

Sollte es etwa erlaubt sein, sich gegenseitig auf schwere Gewissensvorwürfe auszusetzen? Eventuell, sollte da die Abdämpfung der Stimme Gottes im eigenen Herzen und im Herzen dieses anderen – Zeugnis der Liebe sein, wenn nicht gerade zu Gott, da zu sich gegenseitig? Sollte die Beruhigung seiner Selbst, dass das „nichts wichtiges” ist, dass das „vorübergeht” und dass „Liebe nicht Sünde sein” kann – nicht etwa geistige Grausamkeit darstellen und Zeugnis, wie man sich mit fremden Sünden belastet? Kann man wirklich straflos jemanden von Gott wegziehen – und dabei schuldlos verbleiben? Das mit Kraftaufwand erfolgte Aufheben, oder zumindest das Übergehen Gottes Gebote kann kein Zeugnis der Liebe darstellen. Es käme der Zurückweisung Gottes gleich, der Liebe – ist.

Zugleich bekommt man ganz grell zu sehen, wie sehr Satan „die ganze bewohnte Erde”  betrügt (Offb 12, 9). Dann, nachdem er in Herz des Menschen findet (vgl. Joh 13,27) und in ihm den Platz nach dem herausgewiesenen Gott besetzt, betäubt er den Menschen mit trügerischer Freiheit des Zwanges des Fleisches, um ihn letztlich ... in die Hölle zu werfen (vgl. Lk 12,5).

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ZUSAMMENFASSUNG

In Konklusion jedes der erörterten Aspekte des Geschlechtsverkehrs in vor-ehelicher Lage finden wir uns zu immer ein und selber Antwort genötigt. Es drängt sich beständig derselbe Schluss auf: die Unternehmung vorangeschobener Liebkosungen in der Verlobungszeit stellt nicht nur keinen Ausdruck der Liebe dar, sondern umgekehrt: sie werden zum Strich über die gesuchte Liebe. Diese beiden streben zwar in Richtung Liebe und lieben mit ihrer unreifen Liebe, allerdings in letztlicher Abrechnung führen diese Betätigungen zum Verderben: ihre Liebe ist befleckt und zweifelhaft.

Es helfen keine Argumente für die Angemessenheit des unternommenen Verkehrs, sollten sie auch in Absicht dieser beiden aus Liebe herkommen und auf Liebe ausgerichtet sein. Man muss sich dauernd in die Tiefe durchschlagen – zur Sicht des Menschen im Licht seines grundlegenden Wertes als Person. Die Person aber kann mit selbst bestem Willen, mit dem Verkehr die Liebe zum Ausdruck zu bringen, nicht getäuscht werden, wenn dabei zu gleicher Zeit die Grundlagen selbst der Liebe zerstört werden: die gegenseitige Personen-Hingabe selbst, die vor allem für das ewige Leben aufgeschlossen sein soll.

Erst diese Rücksicht wird vom Blickpunkt aus selbst dieser beiden zu einem der tiefsten Beweisgründe, dass der vor-eheliche Verkehr unmöglich eine Betätigung sein kann, die die Liebe aufbaut, sondern sie letztlich ... zerstört. Demzufolge ist sie sündige Betätigung – objektiv genommen immer schwere Sünde. Die Beachtung der erwähnten Werte lässt tiefer begreifen, dass die besprochenen Verhaltensweisen vor der Ehe nicht unter nur lässlicher Sünde verpflichten können.

Wir sind uns selbstverständlich bewusst, dass der Hinweis auf diese Rücksicht: die Möglichkeit das ewige Leben endgültig verlieren zu können, von allein zum Rang eines seriösen Beweggrundes für diese beiden heranwächst. Dauernd vollgültig bleibt die tiefere Begründung, warum die Unternehmung des Verkehrs vor der Eheschließung Sünde ist: es geht um die Zurückweisung Gottes als Gottes.

Diese Frage war schon Gegenstand von Erwägungen am Ende des vorangegangenen Teiles unserer WEB-Site (s. ob.: Betätigungen ‘CONTRA’: Was sagt Gott dazu? – und die weitere Folge dieses Kapitels, s.: Gottes Liebe infragegestellt).

Verzierung

RE-Lektüre: III.Teil, Kapit.4c:
Stadniki, 9.XI.2013.
Tarnów, 17.VIII.2021.

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‘Unbekannte Ware’ kaufen ...?
Impotenz ...

G. IN UNMITTELBARER VORBEREITUNG ZUR EHE
Jungfräulichkeit
Wahre Liebe Wartet ...
Paul Lauer: Die Liebe wartet
Vermerk-Notiz. Kongress der Familie: (Warszawa)
Vermerk-Notiz. Dr. Wanda Poltawska: Vorbereitung zur Ehe
Äußere Umstände beim Verkehr
Stimme des Gewissens
Von der Korrespondenz mit Jola-Hans

ZUSAMMENFASSUNG


Bilder-Fotos

Abb.1. Heiliger Vater! Segne unsere Familie – und unsere Heimat
Abb.2. Besuch einer Familie aus Indonesien in Familienortschaft des Missionars
Abb.3. Gäste aus Indonesien in Wadowice unter dem Denkmal Johannes Paul II.
Abb.4. Regenbogen nach Gewitter mit Regen: Offenbleiben für Gnade