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VERMERK: Abkürzungen zur angeführten Literatur s. Literatur

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D.  JESUS CHRISTUS
IN DER STIMME DES ‘PETRUS’

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1. Sendung des Magisteriums
der Kirche

Die bisherigen allgemeinen Erwägungen über die ethische Norm und ihre Eigenschaften, über Gott inwiefern Er dem Menschen, seinem lebendigen Ebenbild einen ethischen Wegweiser in Form der Zehn Gebote anbietet, das nähere Betrachten des Erlösers des Menschen Jesus Christus, der weiter in „seiner Kirche”  lehrt – lässt uns einen weiteren Schritt zu setzen wagen. Aufgrund der Überzeugung des Glaubens, der nicht irren kann, dass in ‘Petrus’ Jesus Christus selbst – im Heiligen Geist, das Wort Gottes auch in Fragen der moralischen Norm weiter verkündigt, möchten wir uns jetzt über die Prinzipien der insbesonderen Lehre der Kirche im Bereich der ehelichen Ethik und ihrer Abgeleiteten besinnen – gemäß dem Gegenstand dieser Homepage.

Papst Johannes Paul II. fürchtet nicht die von Gott dem Lehramt der Kirche anvertrauten Aufgaben und Befugnisse in klaren Worten abzuzeichnen. Hier seine Worte – voller Mut, die zugleich unmöglich kein Zeugnis der Apostolischen Überlieferung und Praxis darstellen können:

„... Das Magisterium ... ist der einzige
authentische Führer des Gottes Volkes...” (FC 31; vgl. DH 14).

Die hier erwähnte „Führerschaft” betrifft das auf authentische und autoritative Art ausgeübte Aufzeigen dem Volk Gottes sowohl des Inhalts des Apostolischen Glaubens (= Dogma des Glaubens), als auch der Grundsätze der moralischen Verhaltensweisen (= moralische Lehre des Magisteriums). Die Lehre der Kirche unter diesem Hinblick freut sich an Christi Verheißung des Charismas der Unfehlbarkeit – in enger Analogie zur Wahrheit der Offenbarung, wie sie „gelehrt” wird – mit Garantie der Göttlichen Wahrheit, im Wort Gottes – diesem Geschriebenen, und parallel diesem Überlieferten (vgl. DV 11d).

Es muss selbstverständlich hinzugefügt werden, dass nicht jede Äußerung des Magisteriums daselbst als ‘unfehlbar’ angenommen werden muss. Die lehramtlichen Äußerungen der Kirche sind in ihrer für das Gewissen bindenden Stufenfolge unterschiedlich.
– Die einen Äußerungen sind Zeugnis der „gewöhnlichen-ordentlichen” Lehre der Kirche, andere aber – in außergewöhnlichen Umständen und unter bestimmten Bedingungen – sind Ausdruck der „außerordentlichen Lehre der Kirche”. Sie betreffen in diesem Fall in der Regel dogmatische Formulierungen des Glaubens-Inhalts, der bisher im Depositum des Apostolischen Glaubens nur als eigenartige ‘Keimanlage’ enthalten war. Dagegen jetzt kommt er zur Blüte und bringt reifgewordene Frucht unter dem Anhauch des Heiligen Geistes, der das Volk Gottes in immer tieferes Verstehen des Apostolischen Glaubens hineinführt (vgl. DV 8d.9c; und den ganzen Abschnitt: DV 7-10; s. auch bes. Joh 16,13f.).
– Die ‘Unfehlbarkeit in der Lehre’ ist in diesem Fall spiegelartiger Gegenteil der positiven Botschaft der Wahrheit der Offenbarung, die von der Heiligen Schrift „gelehrt wird ... sicher, getreu und ohne Irrtum” (s. DV 11d), wie es von der Dogmatischen Konstitution über die Heilige Schrift und Offenbarung formuliert ist.

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Großer Hund beim Baby: er kann zeitweilig selbst die betreuenden Eltern vertreten. Was das heißt: elterlicher Instinktus, den Gott selbst den Tieren nicht gekargt hat!

In diesem Sinn äußert sich die Kirche, als der „einzige authentische Führer des Gottes Volkes” (FC 31; vgl. DH 14) auf dem Weg zum ewigen Leben auf verbindliche Art und Weise u.a. über die unabtrittbare Würde des Menschen. Und zwar das Magisterium der Kirche „lehrt uns, die Vergänglichkeit vom Blick auf das Reich Gottes her zu verstehen, vom Blick auf das ewige Leben” (BJ-1985, 5).
– Aber auch gerade deswegen kann die Kirche unmöglich ihre Stimme nicht hören lassen in Fragen der moralischen Verhaltensweisen, die sei es mit dem VI.Gebot oder dem IX.Gebot umfangen sind. In den Erwägungen, an die es bald zu übergehen gilt, werden wir genauer erfahren können, wie sehr die Überschreitung dieser Gebote jedes Mal in erster Linie Freveltat gegen das Erste Gebot darstellt. Das Magisterium der Kirche kann die Haltung eines feigen Stillschweigens nicht annehmen – vor Angst angesichts Stimmen des Widerspruchs vonseiten jener Personen, denen ‘Petrus’ zum Bewusstsein bringt, dass die Zurückweisung der erwähnten Gebote jedesmalig die Zerstörung der eigenen Würde und dieser des anderen nach sich zieht, und selbst zu blutigen Verbrechen führt, sollte man schon die ethische Beurteilung einer so angenommenen Haltung in Gottes Angesicht übergehen wollen.

Die Kirche erpresst damit offenbar kein Tun an irgendjemandem. Dagegen sie warnt ganz ernst und dringt auf Nüchternheit. Sie erinnert daran, dass der Mensch auf der Welt nicht dazu erschienen ist, um mit seinem biologischen Tod zu existieren aufzuhören. Im Gegenteil, der Mensch ist dazu berufen, dass er sich Stunde auf Stunde – sich selbst gegenüber, aber umso mehr Gott gegenüber – überprüft und eine klare Antwort darauf gibt, für welche der zwei Alternativen er sich entscheidet:

„... Was kein Auge gesehen, und kein Ohr gehört hat,
was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist:
das Große, das Gott denen bereitet hat,
die Ihn lieben” (1 Kor 2,9).

Sowohl die eine, wie die andere Alternative wird seinen menschlichen Brüdern und Schwestern des Öfteren vom Sohn Gottes – Jesus Christus zum Bewusstsein gebracht. Er aber ist:

„... nicht nur der ‘gute Meister’, der uns die Lebenswege auf dieser Erde weist ...
Er ist auch Zeuge jener endgültigen Bestimmungen, die der Mensch in Gott selbst hat.
Er ist der Zeuge der Unsterblichkeit des Menschen” (BJ-1985, 5).

Jesus Christus hat den Menschen über sein eigenes Leben geliebt:

„Er liebt uns
und hat uns von unseren Sünden erlöst durch sein Blut;
Er hat uns zu Königen gemacht
und zu Priestern vor Gott, seinem Vater,
Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit” (Offb 1,5f.).

Gerade Er, der Erlöser, ermahnt mit allem Ernst seiner Besorgtheit um die um so großen Preis Erlösten:

„Die Stunde kommt, in der alle, die in den Gräbern sind,
seine Stimme [= des Menschensohnes] hören und herauskommen werden:
Die das Gute getan haben, werden zum Leben auferstehen,
die das Böse getan haben, zum Gericht.
– Von Mir selbst aus kann Ich nichts tun; Ich richte, wie Ich es vom Vater höre, und Mein Gericht ist gerecht, weil es mir nicht um Meinen Willen geht, sondern um den Willen Dessen, der Mich gesandt hat” (Joh 5,28ff.).

Derselbe Erlöser hat zu seinen Aposteln gesagt, indem Er sie beauftragt hat, die Wege Gottes zu lehren:

„Wer euch hört, der hört Mich, und wer euch ablehnt, der lehnt Mich ab;
wer aber Mich ablehnt, der lehnt Den ab, der Mich gesandt hat” (Lk 10,16; vgl. VSp 25).

Am Tag seiner Auferstehung hat Er den Aposteln und der Kirche dieselbe Sendung übermittelt, mit der Ihn zuvor sein Vater beauftragt hatte:

„Friede sei mit euch!
Wie Mich der Vater gesandt hat, so sende Ich euch ...” (Joh 20,21).

Als Er die Welt am Tag seiner Himmelfahrt verließ, sagte noch der Erlöser zu den Aposteln:

„Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.
Darum geht zu allen Völkern und lehrt alle Völker;
tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,
und lehrt sie, alles zu befolgen, was Ich euch geboten habe.
Seid gewiss: Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt”
(Mt 28,18ff.; vgl. auch Apg 1,8; korrigierte Übersetzung).

2. Neue Fragen im Bereich der Ethik

Petrus: Fels der Kirche

Auf unserer WEB-Site erörtern wir ethische Fragen, die mit dem geschlechtlichen Leben der Ehegatten u.a. unter dem Blickpunkt der Empfängnisplanung verbunden sind. Wir sind uns darum bewusst, was in diesem Bereich in der Praxis vorgeht. Ganze Mengen von Eheleuten und Partnern greifen nach immer anderen technischen Mitteln, um die Empfängnis abzusperren, oder selbst die schon erfolgte Schwangerschaft abzuschaffen. Man muss sich die Mühe geben und die ethische Beurteilung der dann unternommenen Betätigungen treffen. Sie muss im Licht der unveräußerlichen Würde des Menschen als Person erfolgen, um ihrzufolge eine verantwortliche Haltung angesichts der sich ausweitenden „Todeskultur” annehmen imstande zu sein. Umso mehr gilt es sich zum Bewusstsein zu bringen, wie in diesem Fall der Wille Gottes ist (s. Röm 12,2), „für Den alle leben” (vgl. Lk 20,38; JB; Röm 14,8).

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Diese zwei Eheleute haben diese zwei Brüder zu ihrer Familie angenommen und sorgen um sie wie um eigene Kinder. Hier: Besuch im Höheren Missions-Seminar der Herz-Jesu-Priester, Stadniki unterhalb von Wieliczka: vor der Figur Jesus des Leidenden und Mitleidenden.

Viele einzelne Fragen der heutigen „Todeskultur” (ChL 38; s. VSp 80.84; BF 21; EV 19.24-26.28.64.77; usw.), inwiefern sie sich auf die elterlich-widrigen Verfahren beim Geschlechtsverkehr beziehen, waren zu Jesu Zeiten und überhaupt im Altertum unbekannt (s. EV 61). Allerdings Jesus Christus, der in seiner einen Person wahrer Gott und wahrer Mensch ist, hat die Kirche gegründet, der Er die Aufgabe aufgetragen hat, die Reichtümer des von Ihm vollbrachten Erlösungswerkes von Geschlecht zu Geschlecht zu weiterverleiten. Diese Kirche hat Jesus Christus auf einem unerschütterlichen Felsen gegründet. Aus seiner Wahl wurde es Petrus, sein sichtbarer Stellvertreter auf Erden:

„Ich aber sage dir: Du bist Petrus
[aramäisch: kefá; griech.: pétra-pétros; lat.: Petra],
und auf diesen Felsen werde ich Meine Kirche bauen,
und die Mächte der Unterwelt werden ihn [nach griech.: diesen Felsen; nicht die Kirche !] nicht überwältigen.
– Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreiches geben;
was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein,
und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein” (Mt 16,18f.).

Die Kirche ist keine usurpatorische Institution. Sie wurde vom Gott-Menschen selbst, Jesus Christus, gegründet. Diesen Willen Jesu Christi kann die Kirche auf keine Art und Weise weder zunichtemachen, noch modifizieren, noch ihn annullieren. In Fragen, die mit der Erlösung des Menschen in Christus irgendwie zusammenhängen, kann die Kirche nicht arbiträr-willkürlich handeln. Die Kirche ist nämlich keine ‘Besitzhaberin’ ihrer Selbst. Ihr einziger Eigentümer und Herr bleibt jederzeit allein ihr Göttlicher Urheber: Jesus Christus. So hat es Jesus Christus selbst in den angeführten Worten formuliert:
– „... und auf diesen Felsen werde ich Meine Kirche bauen ...” (Mt 16,18). Die Kirche Christi ist keine nur menschliche, sondern von Anfang an Göttlich-menschliche Institution. Das wahre Haupt der Kirche bleibt alle Jahrhunderte hindurch immer nur der Sohn Gottes. Die sichtbare, strukturelle Kirche ist nur sichtbarer Teil des Mystischen Leibes Jesu Christi (Eph 1,22f.; 1 Kor 12,12f.27ff.; Röm 12,4f.; usw.), mit dem sich Christus auf geheimnisvolle Art und Weise identifiziert (s. z.B. Apg 9,4f.; usw.).

Heilssendung der Kirche

Die Kirche sucht, die ihr von Jesus Christus aufgetragene Sendung zu erfüllen. Diese Sendung beruht auf Ausspendung der Reichtümer der Erlösung, dank denen der Mensch das Heil erreichen kann. So hat es auch schon der Hl. Paulus der Apostel ausgedrückt:

„Als Diener Christi soll man uns betrachten
und als Ausspender der Geheimnisse Gottes ...” (1 Kor 4,1).

„Wir sind also Gesandte an Christi Statt,
und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi Statt:
Lasst euch mit Gott versöhnen!” (2 Kor 5,20).

Die Sendung der Kirche ist letztlich dieselbe, wie die Sendung selbst des Sohnes Gottes Jesus Christus. Das Zweite Vatikanische Konzil hat die Aufgabe der Kirche folgender bezeichnet:

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Jesus der Leidende-Mitleidende – in Polen oft zu begegnende Figur Jesus in Dornenkrone - in sitzender Haltung, der nachdenkt. Hier: im Garten des Höheren Missionsseminars der Herz-Jesu-Priester zu Stadniki, unterhalb von Wieliczka, Kraków.

„Christus ist das Licht der Völker. Darum ist der dringende Wunsch dieser Heiligen Synode, alle Menschen durch seine Herrlichkeit, die auf dem Antlitz der Kirche widerscheint, zu erleuchten, indem sie das Evangelium allen Geschöpfen verkündet. Die Kirche ist ja in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott, wie für die Einheit der ganzen Menschheit ...” (LG 1).

Bewusst um die ihr anvertraute Aufgabe: „... alle Völker zu lehren” – und zwar das ganze, unverkürzte Evangelium Christi des Herrn (vgl. Mt 28,19f.), kann sich die Kirche von der Unternehmung früher nicht bekannter moralischer Fragen und ihrer ethischen, im Namen Gottes dargereichten Wertung im Licht des Evangeliums, nicht entziehen. Die Autorität der Äußerungen der Kirche in Fragen des Dogmas und der Ethik gründet nicht auf ihrer nur ‘menschlichen’, wissenschaftlichen Zuständigkeit. Diese zeigte sich wahrscheinlich bald diskutabel und uneinheitlich. Die Kirche unternimmt ihre im Gewissen verbindenden doktrinären und ethischen Entscheidungen im Licht der Prinzipien, die vom lebendigen Evangelium ihres Gründers und Erlösers herkommen. Wobei sie sich zugleich auf die Überlieferung und die Apostolische Praxis beruft – mit Berücksichtigung des Sinnes des Glaubens und der Analogie des Glaubens (s. ob.: Glaubens-Sinn und Analogie des Glaubens):

„Die Kirche, die nicht aufhört, das Geheimnis Christi in seiner Gesamtheit zu betrachten, weiß mit voller Glaubensgewissheit, dass die Erlösung, die durch das Kreuz erfolgt ist, dem Menschen seine endgültige Würde und den Sinn seiner Existenz in der Welt zurückgegeben hat, den Sinn, den er in beachtlichem Maße durch die Sünde verloren hat ...
– Die grundlegende Aufgabe der Kirche ... ist es, den Blick des Menschen, das Bewusstsein und die Erfahrung der ganzen Menschheit auf das Geheimnis Christi zu lenken und auszurichten, allen Menschen zu helfen, mit der Tiefe des Geheimnisses der Erlösung, die sich in Jesus Christus ereignet, vertraut zu werden. Gleichzeitig berührt man damit auch die tiefste Schicht im Menschen: die Sphäre der menschlichen Herzen, der menschlichen Gewissen und der menschlichen Angelegenheiten” (RH 10).

3. Veritatis Splendor (1993)

Das ewige Leben zu gewinnen

Wir haben schon oben eine der besonders bahnbrechenden Enzykliken Johannes Paul II. erwähnt: die Veritatis Splendor (1993; s. ob., In der ‘moralischen’ Lehre der Kirche). Der Heilige Vater tritt in ihr zum ersten Mal in der Geschichte der Kirche an die Frage selbst der Grundlagen ihrer moralischen Lehre an. Die Kirche ist sich ständig um die Worte bewusst, die Jesus Christus zum Jüngling, in Antwort auf seine Anfrage, gesagt hat: „Meister, was muss ich Gutes tun, um das ewige Leben zu gewinnen?” (Mt 19,16).

Jesus hat ihm zuallererst zur Erinnerung gebracht: „Nur Einer ist ‘der Gute’ ...” (v.17). Er verweist sein Bewusstsein auf Gott hin. Zugleich offenbart Er sich Selber als eben „dieser Gute”, d.h. als Gott! Denn Gott „ist – die Liebe” (1 Joh 4,8.16). Gott ist außer Stande, irgendein Übel zu wollen, noch zu wünschen und umso mehr es zuzufügen! Unterpfand der Liebe Gottes des Dreieinigen zu dem Menschen, seinem lebendigen Ebenbild, ist, dass Gott der Vater:

„... die Welt so sehr geliebt [hat],
dass Er seinen einzigen Sohn hingab,
damit jeder, der an Ihn glaubt [= Ihm anvertraut],
nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat” (Joh 3,16).

Eben dieser – solcher Gott, lädt zwar „zum ewigen Leben” und zur „Bräutlichkeit” mit sich selber ein, allerdings nicht um jeden Preis. Der Berufene wird dann zur „Braut”, wenn diese das Angebot der Bräutlichkeit mit Gott selbst annimmt ! Und wenn sie mit ihren Taten bezeugt, dass sie „dem Herrn gefallen” (2 Kor 5,9) will. Das heißt, der Mensch wird das ewige Leben um den Preis gewinnen, wenn er die Gebote befolgt:

„Wenn du aber das Leben erlangen willst, halte die Gebote.
... Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen ...
Dann komm und folge Mir nach” (Mt 19,17.21).

So sehen wir also:

„Das moralische Leben erscheint als die eigentliche Antwort auf die selbstlosen Taten, die Gottes Liebe dem Menschen gegenüber wiederholt zuteil werden lässt. Es ist ... eine Antwort der Liebe [auf Gott]: ... ‘Darum sollst du den Herrn, Deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft’ ... [Dtn 6,4ff.](VSp 10).

Der heilige Vater sagt ferner:

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Jesus - Gottes Barmherzigkeit. Und zugleich Worte Jesu selbst, vom Letzten Abendmahl: „Ich bin der Weg und die Wahrheit, und das Leben. NIEMAND kommt zum Vater außer durch Mich” (Joh 14,6).

Ziel der Gebote, an die Jesus seinen jungen Gesprächspartner erinnert, ist Schutz des Guten der Person, Gottes Ebenbildes, durch die Sicherung seiner Güter ...
– Die negativen Normen bringen besonders kraftvoll die ununterdrückbare Forderung zum Ausdruck, das menschliche Leben, das Band der Personen in der Ehe, das Privateigentum, die Wahrhaftigkeit und den guten Ruf zu schützen” (VSp 13; vgl. EV 31; usw.).

Oben haben wir auch schon bemerkt, wie kraftvoll Johannes Paul II. in Veritatis Splendor die Haltung Jesu Christi angesichts der Gebote Gottes und ihrer völligen Aktualität hervorhebt – als Ansatzpunkt beim Streben zum ewigen Leben.

In diesem Zusammenhang hat sich Jesus Christus deutlich auch über die Ehe und die Geschlechts-Ethik geäußert. Die damaligen Gelehrten haben Jesus bei verschiedenen Gelegenheiten provoziert, Er möge seine Haltung in diesen Anliegen zum Ausdruck bringen. Es war u.a. mit Bezug auf die Unauflöslichkeit der Ehe. In seiner Antwort beruft sich Jesus auf charakteristische Art und Weise auf den „Anfang”, d.h. auf das ursprüngliche Erschaffungswerk: „ (Mt 19,8). Johannes Paul II. greift die Worte Jesu auf:

„Nur Gott vermag auf die Frage nach dem Guten zu antworten, weil Er der Gute – ist.
Aber Gott hat auf diese Frage bereits geantwortet: Er hat das getan, als Er den Menschen schuf und als Er seiner Existenz, in seiner Weisheit und Liebe, das Ziel eingegeben hat, indem Er in sein Herz das Gesetz [Röm 2,15] – das ‘natürliche Gesetz’, einprägte.
– Dieses natürliche Gesetz ist ‘nichts anderes als das von Gott uns eingegebene Licht des Verstandes. Dank seiner erkennen wir, was es zu tun und was es zu meiden gilt. Dieses Licht und dieses Gesetz hat Gott uns im Erschaffungsakt geschenkt’ ...” (VSp 12).

Wir haben auch schon erwähnt, dass Jesus Christus die Frage der Gebote Gottes in ganz neuem Licht in seiner Bergpredigt dargestellt hat (Mt 5-7). Er hat selbstverständlich ihre weiter gültige völlige Aktualität bestätigt. Zu gleicher Zeit hat Er aber autoritativ hervorgehoben – mit ungemeiner Kraft, als „Jener, der [Göttliche] Vollmacht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten” (Mt 7,29), wie ihr eigentlicher Geist ist, da der ‘Buchstabe’ allein [leicht] ‘tötet’ (vgl. 2 Kor 3,6). Jesus führt die Forderungen der Gebote auf ihre innere Beschaffenheit zurück:

„Jesus führt die Gebote Gottes, insbesondere das Gebot der Nächstenliebe, zur Erfüllung, indem Er seinen Forderungen die innere Eigenschaft und größere Radikalität verleiht: Die Liebe zum Nächsten entspringt dem Herzen, das liebt und das – eben deshalb, weil es liebt, bereit ist, die höchsten Forderungen im Leben zu erfüllen” (VSp 15).

Jesus zeigt, dass die Gebote den Aufruf zum dauernden geistigen Wachstum darstellen:

„Jesus zeigt, dass die Gebote nicht nur als die Schwelle minimaler Forderungen betrachtet werden sollen, die es nicht zu überschreiten gilt, sondern vielmehr als einen offenen Weg zur moralischen und geistigen Vollkommenheit, deren Wesen die Liebe ist [Kol 3,14](VSp 15).


In diesem Zusammenhang spricht Jesus in der Bergpredigt ebenfalls vom VI. und IX.Gebot. Wir haben daran schon oben angeknüpft und ein paar diesbezügliche Fragmente aus der Enzyklika Veritatis Splendor Johannes Paul II. angeführt. Der Heilige Vater macht uns bewusst, dass Jesus den Schwerpunkt dieser beiden Gebote von äußeren Taten – auf ihre Befolgung schon früher: im Herzen – übertragen hat. Hier, im Herzen, werden die grundsätzlichen Wahlen getroffen: für – oder gegen Gott. Daselbst hat der Erlöser diesen beiden Geboten die innere Beschaffenheit in ihrer ganzen Radikalität wiederhergestellt (s. ob., Vertiefung des VI. Gebotes in der Bergpredigt – samt dem Zusammenhang vor und danach).

Kein Wunder, dass die Katechese der Apostel und der Kirche aller Jahrhunderte unabänderlich denselben Stil der Lehre und Formung der Gewissen sowohl der einzelnen Menschen, wie ganzer Gesellschaften genommen hat. Diese Lehre sammelte sich immer nicht nur um die Botschaft des Glaubens und des Dogmas, sondern auch um die moralischen Verhaltensweisen (VSp 26).

Wahrheit der Offenbarung

Die Kirche setzt alle Jahrhunderte hindurch die Aufgabe fort, die Jesus Christus den Aposteln aufgetragen hat. Damit diese Aufgabe gehörig erfüllt werden kann, hat Jesus Christus den Aposteln und daselbst ihren Nachfolgern verheißen, Er werde ihnen den Heiligen Geist senden. Der Heilige Geist wird in der Kirche ganz besondere Aufgaben erfüllen. Alle werden dahin streben, dass das im Erlösungsblut vollbrachte Werk Jesu Christi auch Früchte bringt:

„Wenn aber Jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird Er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn Er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern Er wird sagen, was Er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er ... wird von dem, was Mein ist, nehmen und es euch verkünden.
– Alles, was der Vater hat, ist Mein; darum habe Ich gesagt: Er nimmt von dem, was Mein ist, und wird es euch verkünden” (Joh 16,13ff.).

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Nochmals dieselbe Familie mit 2 angenommenen Jungs-Brüdern im Höheren Missions-Seminar der Herz-Jesu-Priester, Stadniki. Andere Ecke des Gartens des Seminars: verwundernde Weide...

Jesus kündet mit diesen Worten an, dass der Heilige Geist die Apostel und die Kirche in das richtige „Verständnis” der Wahrheit der Offenbarung „einführen wird”, d.h. in alles, was das Vorhaben Gottes mit Bezug auf den Menschen (vgl. DV 8d.h) betrifft. In der Kirche hat sich immer die „lebendige Überlieferung” entfaltet und sie besteht auch weiter (s. darüber ob.: Christus der in der Heiligen Schrift und Lebendiger Überlieferung weiter lehrt – samt dem ganzen vorangehenden und folgenden Zusammenhang). Diese Überlieferung stammt von den Aposteln und entwickelt sich weiter dank des Beistands des Heiligen Geistes. Ihre Entwicklung erfolgt unter dem Einfluss mehrerer Faktoren:

Demzufolge sind die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift „eng miteinander verflochten und teilen sich aneinander mit” (DV 9a). Beide diese Wirklichkeiten: die Schrift und die Überlieferung – bilden letztlich „das eine, der Kirche überlassene sakrale Depositum des Wortes Gottes” (DV 10a).

Bei ihrem Nachsinnen, bestrebt um die genauere Präzisierung eines einzelnen Bestandteiles der Wahrheit der Offenbarung, der im bisherigen Depositum der Offenbarung nur keimartig enthalten war, muss die Kirche immer „den Inhalt und die Einheit der ganzen Schrift” in Bedacht nehmen – mit Berücksichtigung der „Lebendigen Überlieferung der Gesamtkirche und der Analogie des Glaubens” (DV 12f.; vgl. VSp 109), wie schon früher bemerkt wurde (s. ob.: Analogie und Sinn des Glaubens – samt dem ganzen Zusammenhang).

Zu diesem Zweck stattet der Heilige Geist die Kirche Jesu Christi mit dem „Glaubens-Sinn” aus. Dank seines kann die Kirche die Wahrheit des Glaubens von ihrer Entstellung unterscheiden, das Gute vom Bösen. Zum selben Zweck dient das Anlegen des Kriteriums der „Analogie des Glaubens”. Und zwar neue Fragen – theologischer oder moralischer Natur – müssen unter dem Blickpunkt ihrer Übereinstimmung mit der Gesamtheit des Depositums der Wahrheit untersucht und gewertet werden – nicht nur um festzustellen, ob sie zu den übrigen Aspekten der Offenbarung nicht etwa im Widerspruch stehen, sondern auch ob sie mit positiven Belegen in Einklang sind, die für ihre Annahme sprechen.

Allerdings die letztlichen Urteile betreffs der Einzelheiten bei der Deutung der Wahrheit der Offenbarung, bzw. ihrer Adaptation an neuentstandene Fragen dogmatischer oder ethischer Natur – sind aufgrund Jesu Christi Willens allein dem Lehramt der Kirche vorbehalten (vgl. DV 12g.h.). Dieses aber äußert sich über den ‘Petrus’ der geltenden Zeit. Es dürfte hier die diesbezügliche Aussage des Zweiten Vatikanischen Konzils in Erinnerung gebracht werden, an die schon früher angeknüpft wurde (s. ob.: Authentische-autoritative Erklärung des Wortes Gottes – samt dem Zusammenhang):

„Die Aufgabe aber, das Geschriebene oder Überlieferte Wort Gottes authentisch zu erklären,
ist nur dem lebendigen Lehramt der Kirche anvertraut.
Diese Vollmacht übt es im Namen Jesu Christi aus ...” (DV 10b).

Die angeführten Worte des Zweiten Vatikanischen Konzils enden mit folgender Schlussfolgerung:

„Es zeigt sich also, dass die Heilige Überlieferung, die Heilige Schrift und das Lehramt der Kirche gemäß dem weisen Ratschluss Gottes – so miteinander verknüpft und einander zugestellt sind, dass keines ohne die anderen bestehen kann und dass alle zusammen, jedes auf seine Art, durch das Tun des einen Heiligen Geistes wirksam dem Heil der Seelen dienen” (DV 10d).

Zuständigkeit der Moraltheologen

Die Heilige Kirche hat ihre Aufgabe immer gerade so verstanden und versteht sie so auch weiterhin (vgl. VSp 27). Kein Wunder, dass der Heilige Vater Johannes Paul II. in Veritatis Splendor einmal mehr klar den Dienst und die Meinungen der Moral-Theologen in ihrem Verhältnis zu den Verlautbarungen des Lehramtes abgrenzt. Und zwar verbindlich als Glaubenslehre sind nicht Meinungen der Theologen, sondern Verlautbarungen des Magisteriums der Kirche. Die Aufgabe der Theologen beruht darauf, in tiefstem Band der Einheit zum authentischen Lehramt der Kirche zu verbleiben und nicht eigene Theorien zu lehren, sondern die offizielle Lehre des Magisteriums der Kirche zu übermitteln. So lautet übrigens der Eid, mit dem sich jeder Theologie-Professor und Lehrer in der Kirche bindet:

„Nicht nur der Bereich der Glaubens-Wahrheiten, sondern auch der untrennbar mit ihm verbundene Bereich der Moral ist Objekt, worin das Magisterium der Kirche eingreift, dessen Aufgabe es ist zu entscheiden, ‘durch normative Urteile, die das Gewissen der Gläubigen binden, welche Handlungen ihrer Natur nach mit den Forderungen des Glaubens übereinstimmen ..., und welche ihnen widersprechen – aufgrund ihres inneren Schlechtseins’.
– Durch die Verkündigung der Gebote Gottes und der Liebe Christi lehrt das Magisterium der Kirche die Gläubigen auch von einzelnen und inhaltlich bestimmten Weisungen und verlangt von ihnen, sie als im Gewissen moralisch verpflichtend zu betrachten” (VSp 110).

In diesem Zusammenhang bekennt der Heilige Vater, dass die im Gewissen verbindlichen Entscheidungen des Magisteriums nicht von der Qualität der Beweisgründe abhängig sind, die vom Magisterium eventuell angeführt werden. Die Urteile des Apostolischen Stuhles schöpfen ihre verbindliche Kraft von anderer Ebene: vom Licht des Heiligen Geistes, den Jesus Christus Petrus und den Nachfolgern der Apostel verheißen hat, inwiefern sie mit ihm in Einheit des Glaubens und in der Morallehre verbleiben. Daher die weitere lehramtliche Äußerung des Heiligen Vaters:

„Obwohl sich die menschliche Argumentation, die vom Magisterium vorgelegt wird, als beschränkt zeigen kann, ist es Aufgabe der Moraltheologen, nach immer tieferen vernunftgemäßen Begründungen für seine Lehre zu suchen und über die Berechtigung seiner Vorschriften und ihrer Wichtigkeit zu überzeugen, indem sie deren gegenseitige Zusammenhänge und ihre Beziehung zum letztlichen Ziel des Menschen aufzeigen.
– Die Moraltheologen sollen die Lehre der Kirche darlegen und so ihren Dienst ausüben, dass sie das Beispiel einer loyalen – inneren und äußeren – Annahme der Lehre des Magisteriums – sowohl auf dem Gebiet des Dogmas, wie auf dem der Moral, geben” (VSp 110).


Die modernen Wissenschaften haben viel Stoffe beigetragen, mit denen auch die – die moralischen Verhaltensweisen des Menschen betreffenden Fragen in verständlicherem Licht bewertet werden können. Es sollten hier u.a. die folgenden erwähnt werden: die Psychologie, Phänomenologie, Soziologie usw. Allerdings die Ergebnisse dieser Wissenschaften sind nicht zuständig, die Gebote Gottes irgendwie zu modifizieren:

„Tatsächlich muss die Nützlichkeit der Humanwissenschaften für die Moraltheologie stets im Licht der grundsätzlichen Frage beurteilt werden:
Was ist Gut, und was ist Böse? Was muss getan werden, um das ewige Leben zu gewinnen?” (VSp 111).

Daher muss klar gesagt werden:

„Vom theologischen Standpunkt her sind die moralischen Prinzipien nicht vom geschichtlichen Augenblick abhängig, in dem sie entdeckt werden.
– Die Tatsache, dass sich manche Gläubigen in ihrer Verhaltensweise an die Lehren des Magisteriums nicht fügen oder auch falsch ansehen, dass manche Handlungen moralisch korrekt sind, die von ihren Hirten als dem Gesetz Gottes widersprechend erklärt worden sind, kann keine Begründung für die Zurückweisung der Wahrhaftigkeit der von der Kirche gelehrten moralischen Normen bilden.
– Die Formulierung moralischer Normen fällt nicht in die Zuständigkeit der Methoden, die der empirischen Wissenschaft eigen sind ...
– Die Moraltheologie, treu zum übernatürlichen Sinn des Glaubens, betrachtet vor allem das geistige Ausmaß des menschlichen Herzens und seine Berufung zur göttlichen Liebe” (VSp 112).

Daher gibt es auch im Bereich der Prinzipien mit Bezug auf moralische Verhaltensweisen keine ‘Demokratie’.
– Auch kein „Referendum”, noch eine parlamentarische Abstimmung ist ermächtigt, eines der Gottes Gebote in irgendwelcher Hinsicht zu ändern oder zu modifizieren.
– Die Idee selbst einer ‘Volksentscheidung’ mit Bezug auf irgendeines der Gebote Gottes [N.B.: ... ‘Volks-Begehren’ – 1995 in Deutschland; und dann, in nächsten Jahren in anderen Ländern] ist gleichbedeutend mit Satans wahnsinnigem Aufstand gegen Gott als Gott.

4. Evangelium Vitae (1995)

Krieg der Starken um das Leben

Die modernen Zeiten bringen einen immer mehr zunehmenden Konflikt zum Vorschein zwischen der Zivil-Gesetzgebung – und den moralischen Normen, die eindeutig von Gottes Geboten herkommen. Diese Frage wird von Johannes Paul II. in seiner weiteren, bahnbrechenden Enzyklika: Evangelium Vitae – d.h. „Evangelium vom Leben” (1995) aufgegriffen. Gedrängt wegen der modernen ethischen Entartungen im öffentlichen, staatlichen und internationalem Leben, geht der Stellvertreter Christi einmal mehr auf die undankbare Aufgabe ihrer Bewertung im Licht des Erlösungswerkes Jesu Christi ein.

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In einer der Pfarrgemeinden der Herz-Jesu-Priester, Diözese Tarnów, Koszyce Małe. Kar-Samstag - es dauert die Anbetung des Kreuzes der Erlösung.

Die Äußerungen des ‘Petrus’ der Zeiten von heute über das Verhältnis des Zivil-Gesetzes zum moralischen Gesetz werden von Johannes Paul II. in der Enzyklika Evangelium Vitae vor allem im Abschnitt EV 68-74 besprochen.

Der Heilige Vater geht zuerst auf einige Einwände ein, die von manchen der Lehre der Kirche aufgestellt, bzw. als „Forderungen der Demokratischen Gesellschaft” vorgeschoben werden. Ergebnis solcher Mentalität ist aber „der ethische Relativismus, der für weite Teile der modernen Kultur bezeichnend ist” (EV 70).
– Diese Bewertung kann mit Argumenten seiner Anhänger nicht abgeschwächt werden, nach deren Meinung die „als objektiv und bindend angesehenen moralischen Normen zu Autoritarismus und Intoleranz führen würden” (EV 70).

Die Folgen der Zurückweisung allgemein verpflichtender objektiver moralischer Normen kommen vor allem in der Problematik der Achtung vor dem Leben ausgeprägt zum Vorschein. In diesem Zusammenhang stellt der Heilige Vater fest:

„Doch gerade die Problematik der Achtung vor dem Leben zeigt, welche Zweideutigkeiten und Widersprüche – begleitet von entsetzlichen praktischen Folgen – sich hinter dieser Einstellung verbergen ...
– Fasst eine parlamentarische oder gesellschaftliche Mehrheit, wenn sie die Rechtmäßigkeit der unter bestimmten Bedingungen vorgenommenen Tötung des ungeborenen menschlichen Lebens beschließt, nicht vielleicht einen ‘tyrannischen’ Beschluss gegen das Schwächste und wehrloseste menschliche Geschöpf?
– Das Welt-Gewissen reagiert mit Recht auf die Verbrechen gegen die Menschlichkeit, mit denen unser Jahrhundert so traurige Erfahrungen gemacht hat. Würden diese Verbrechen nicht mehr länger Verbrechen sein, wenn sie, statt von skrupellosen Tyrannen begangen worden zu sein, ihnen die Rechtmäßigkeit von der Zustimmung der Mehrheit gegeben worden wäre?
– Tatsächlich darf die Demokratie nicht solange zum Mythos erhoben werden, bis sie zu einem Ersatzmittel für die Sittlichkeit oder einem Allheilmittel gegen die Unsittlichkeit gemacht wird ...
– Der ‘moralische’ Charakter der Demokratie ist nicht automatisch gegeben, sondern hängt von der Übereinstimmung mit dem moralischen Gesetz ab, dem sie, wie jedes andere menschliche Verhalten, unterstehen muss: das heißt, er hängt von der Sittlichkeit der Ziele ab, die sie verfolgt, und der Mittel, deren sie sich bedient” (EV 70).

In ihren entarteten Formen, deren Beispiele es in der Welt von heute in Fülle gibt, wird die so begriffene ‘Demokratie’ zum Ausdruck eines tierisch gewordenen ‘Kampfes der Starken um das Leben’ – um den Preis der Tötung derjenigen, die über Stimme und Stärke nicht verfügen:

„Wenn man die Dinge von diesem Gesichtspunkt her betrachtet, kann man in gewisser Hinsicht von einem Krieg der Mächtigen gegen die Schwachen sprechen: das Leben, das mehr Annahme, Liebe und Fürsorge verlangen würde, wird für nutzlos gehalten oder als eine unerträgliche Last betrachtet und daher auf vielerlei Weise abgelehnt. Wer durch seine Krankheit, durch seine Behinderung oder ... durch sein bloßes Dasein den Wohlstand oder die Lebensgewohnheiten derer in Frage stellt, die günstiger dastehen, wird zunehmend als Feind angesehen, gegen den man sich verteidigen bzw. den man ausschalten muss. Auf diese Weise wird eine Art ‘Verschwörung gegen das Leben’ entfesselt ...” (EV 12; vgl. ebd., 17; usw.).

Das Evangelium vom Leben zu verkünden

Angesichts der Entartungen der bisherigen ‘Kultur des Lebens’ und des fortschreitenden Schwindens der Empfindsamkeit dafür, was das Gute und was das moralisch Böse ist (vgl. 2 Tim 4,2; s. auch: EV 58), lastet auf der Kirche die Pflicht, sich nach dem Gesetz Gottes zu richten und voller Kraft und Mut das „Evangelium vom Leben” zu verkünden, ohne sich zu fürchten, dass sie wegen ‘Rückständigkeit’ angeklagt wird o.dgl.:

„Bei der Verkündigung dieses Evangeliums [= vom Leben] dürfen wir nicht Feindseligkeit und Unpopularität fürchten, wenn wir jeden Kompromiss und jede Zweideutigkeit ablehnen, die uns der Denkweise dieser Welt angleichen würde [Röm 12,1]. Wir sollen in der Welt, aber nicht von der Welt sein [s. Joh 15,19; 17,16]. Die Kraft dazu sollen wir von Christus schöpfen, der durch seinen Tod und seine Auferstehung die Welt besiegt hat [Joh 16,13]" (EV 82).

Das betrifft besonders die Hirten der Kirche. Es ist Ihre Pflicht, nur die „gesunde Lehre” (1 Tim 1,10) zu übermitteln. Den Gläubigen steht geradeaus das Anrecht zu, dass sie sie von ihren Hirten empfangen, die mit dem Wort Gottes kein „Geschäft” (2 Kor 2,17; 4,2) machen. Selbst die Hirten sollen Ihrer Pflicht nachkommen, auf verantwortliche Art und Weise zu ‘reagieren’, falls es zu Entstellungen mit dem Wort Gottes kommen sollte. Sie sollen zugleich darüber wachen, dass „das Recht der Gläubigen, die katholische Lehre rein und unverkürzt zu empfangen, immer geachtet wird” (VSp 113).

5. Bindende Verlautbarungen
des „PETRUS” von heute

Aufgabe der Theologen

Das Magisterium der Kirche, das in der Person des Petrus der betreffenden Zeiten konzentriert ist, benutzt zweifelsohne Untersuchungen und Ausführungen u.a. der Moral-Theologen. Nichtsdestoweniger, nicht sie sind es, die über die authentische und autoritative Deutung des Depositums der Wahrheit entscheiden, sollten sie auch mit ihrer wissenschaftlichen Zuständigkeit den zeitweiligen Papst unvergleichlich überragen:

„In dieser Aufgabe werden wir alle von den Theologen unterstützt; die theologischen Meinungen bilden jedoch weder die Regel noch die Norm für unsere Lehre. Ihre Autorität [= des Magisteriums der Kirche] beruht, mit dem Beistand des Heiligen Geistes und in der Kommunion [= Einheit-Gemeinsamkeit]cum Petro et sub Petro’ [= mit Petrus und unter Petrus], auf unserer Treue zu dem von den Aposteln empfangenen katholischen Glauben ...” (VSp 116).

Äußert sich einer der aufeinanderfolgenden Päpste eindeutig und verbindlich, tut er es niemals willkürlich, sondern im tiefsten „Gehorsam des Glaubens” zu Jesus Christus, von dem er unmittelbar, bei der Annahme des Pontifikates, die „Macht der Schlüssel” und des „Bindens und Lösens” empfängt, wie sie Petrus versprochen worden ist (Mt 16,18f.). In diesem Geist spricht Johannes Paul II. am Ende der Enzyklika Veritatis Splendor – in seiner Demut, aber auch im Bewusstsein um seine Aufgabe als Dieners des Evangeliums, bewusst um den ihm anvertrauten, schwierigen und oft undankbaren Auftrag:

„Insbesondere werden mit dieser Enzyklika Bewertungen einiger gegenwärtiger Tendenzen der Moraltheologie vorgelegt. Diese teile ich hier mit im Gehorsam gegenüber dem Wort des Herrn, der Petrus beauftragt hat, seine Brüder zu stärken [Lk 22,32], dass sie für uns zur Erleuchtung und Hilfe für unsere gemeinsame Aufgabe der Unterscheidung der Geister werden” (VSp 115).

Im Anschluss an das Eheleben

Die Erinnerung an die nicht usurpatorische Sendung, mit der der Menschen-Sohn seine Kirche beauftragt hatte, lässt sich um die verbindliche Kraft der Äußerungen des Magisteriums der Kirche bewusst werden und ihnen aufgrund der Schlüsse unter dem Blickpunkt des Glaubens, der weder täuschen, noch betrügen kann, zu anvertrauen – u.a. auch im besprochenen Bereich: der geschlechtlichen Beziehungen des Menschen.

Auf eine deutliche Verlautbarung vonseiten der Kirche in der besonderen Frage: der ehelichen Ethik mit Bezug auf die Empfängnisregelung, wartete in der Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) und den ersten Jahren daraufhin gespannt die ganze Welt. Die Stellungnahme der Kirche wurde damals vom Papst Paul VI. in seiner Enzyklika Humanae Vitae (1968) zum Ausdruck gebracht. Bewusst um den vorauszusehenden Widerspruch der gereizten Leidenschaften, spricht der Heilige Vater von sich selbst am Ende der ‘Einleitung’ zur eigentlichen Besprechung der Problematik der geschlechtlichen ehelichen Ethik und der Empfängnisregelung:

„Daher wollen Wir nun nach genauer Prüfung der Uns zugesandten Akten, nach reiflicher [lat.: diligentissime = bis zum höchsten Grad gereift ...] Überlegung, nach inständigem Gebet zu Gott, in Kraft des von Christus Uns übertragenen Mandates auf diese schwerwiegenden Fragen Unsere Antwort geben ...”, usw. (HV 6).

Der Heilige Vater ist sich wohlbewusst, dass er die folgenden Worte nicht als privater Mensch aussagt, sondern deutlich als Stellvertreter selbst des Gott-Menschen Jesus Christus, d.h. in seinem Namen und kraft seiner Bevollmächtigung. Jesus Christus, der – zusammen mit dem Heiligen Geist – in seiner Kirche ‘da ist’ – „alle Tage bis zum Ende der Welt” (Mt 28,20; und: Joh 14,16; 20,23; Mt 16,18f.), konnte nicht zulassen, dass sein Stellvertreter die ganze Menschenfamilie in so wesentlicher Frage, die ihren unmittelbaren Widerklang auf das ewige Leben ausübt, in Irrtum führen könnte. So verstehen wir, dass diese lehramtliche Verlautbarung sich mit dem im Gewissen verbindlichen Charakter kennzeichnen wird.

Verzierung

RE-Lektüre: II.Teil, Kapit. 2c.
Stadniki, 15.XI.2013.
Tarnów, 15.III.2022.

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D. JESUS CHRISTUS IN DER STIMME DES ‘PETRUS’
1. Sendung des Magisteriums der Kirche
Die Kirche die die Notwendigkeit der Wahl zwischen Gut und Böse bewusst macht
2. Neue Fragen im Bereich der Ethik
Petrus: Fels der Kirche
Heilssendung der Kirche
3. Veritatis Splendor (1993)
Das ewige Leben zu gewinnen
Vervollkommnung der Gebote in der Bergpredigt
Wahrheit der Offenbarung
Zuständigkeit der Moraltheologen
Referendum über Gottes Gebote
4. Evangelium Vitae (1995)
Krieg der Starken um das Leben
Das Evangelium vom Leben zu verkünden
5. Bindende Verlautbarungen des „Petrus” von heute
Aufgabe der Theologen
Im Anschluss an das Eheleben


Bilder-Fotos

Abb.1. Großer Hund beim Baby
Abb.2. Familie mit 2 angenommenen Söhnen zu Besuch (a)
Abb.3. Jesus der Leidende und Mitleidende: in Dornenkrone
Abb.4. Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater...
Abb.5. Familie mit 2 angenommenen Söhnen zu Besuch (b)
Abb.6. Kar-Samstag – dauernd die Anbetung des Heiligen Kreuzes