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VERMERK: Abkürzungen zur angeführten Literatur s. Literatur

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Das Gut und Böse ‘bestimmen’ ...

Es ist klar, man kann sich eine Philosophie für die auflehnend erkämpfte sexuelle Autonomie, bzw. in irgendeinem anderen Betätigungsbereich, anfertigen. Solche Haltung wird jedesmalig nur Aktualisierung der Sünde „Satans als Satans”. Er ist es doch, der „wie Gott” sein wollte – und zur Gegen-Wirklichkeit Gottes entartet ist: zur Gegen-Liebe und zum Gegen-Leben.

Jetzt aber sucht Satan dem Menschen einzureden – angefangen von diesem im Paradies, dass er die Entscheidungs-Macht darüber, was Gutes oder Schlecht sein soll – bzw. nicht sein soll, ‘Gott entreiße’ (vgl. Gen 3,5). Indessen Gott hat diese Macht weder dem Menschen, noch irgendeinem anderen Geschöpf gegeben – noch kann Er sie jemandem abtreten. Allein Er, der „Eine, der der Gute ist” (Mt 19,17), bietet seinem lebendigen Ebenbild dringend an, was wahrhaft seinem Gut dient, da es direkt von der inneren Friedensordnung seiner Gottheit strömt:

„Das moralische Gesetz kommt von Gott und findet immer in Ihm seine Quelle: Aufgrund der natürlichen Vernunft, die aus der Göttlichen Weisheit stammt, ist es zugleich das eigene Gesetz des Menschen ...
Doch die Autonomie der Vernunft kann nicht Bildung der Werte und moralischen Normen durch allein die Vernunft bedeuten. Würde eine solche Autonomie zur Leugnung der Teilhabe der praktischen Vernunft an der Weisheit des Göttlichen Schöpfers und Gesetzgebers führen, oder sollte sie die Freiheit der Bildung moralischer Normen anzeigen – in Abhängigkeit von geschichtlichen Umständen oder von Bedürfnissen verschiedener Gesellschaften und Kulturen, stünde solche vermeintliche Autonomie in Gegensatz zur Wahrheit vom Menschen ...
Sie bedeutete den Tod der wahren Freiheit: ‘Doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse sollst du nicht essen; denn wenn du davon isst, wirst du unumstößlich sterben’ ...” (VSp 40).


Streben wir also danach, an die Wahrheit des Seins zu gelangen, ist daselbst alle Berufung auf eine andere Sicht des Menschen und andersartige Argumentations-Weisen und Arten der ethischen Normen nur Herumirren an Randzonen, das von vornherein auf Misserfolg verurteilt ist. Jeder Gedankengang, der Gott verkennt, ist trügerisch und verfällt in Schlussfolgerungen, die einander widersprechen.
– Argumente für eine andere Option führen das herbei, wovor voller Sorge Gott gewarnt hat: „Du wirst unumstößlich sterben ...” (Gen 2,17).

Schlimmer, dass parallel zum Sturz des menschlichen Willens – die erstarrende Degradierung des menschlichen Verstandes einhergeht. Dessen finale Frucht und Anti-Beispiel wird sichtbar, wenn man u.a. mit Entsetzen beobachtet, wie vermeintlich ‘gescheite Gremien’ der Parlamente Bestimmungen verabschieden, die ihrem Wesen nach ekelerregend, niederträchtig und zugleich grausamerregend sind. In so manchen überländischen Parlamenten werden dann verbissen moralische Tiefpunkte verteidigt, bzw. es wird an ihren Mitglieds-Ländern die Anpassung ihrer Gesetzgebung an schlimmste Entartungen aufgenötigt. Dabei werden diese Anti-Gesetze als Gipfelerrungenschaften der menschlichen Gegen-Vernunft angepriesen. Genau wie es der Völkerapostel Paulus im ersten Kapitel seines Römerbriefes geschildert hat (s. Röm 1,21-32).

Ob nur Leib ?

Der Mensch ist viel mehr als nur Körper-Leib. Der Mensch kann nicht auf nur Biologie-Physiologie herabgeführt werden. Anderseits, die Geschlechtlichkeit des Menschen beruht in keinem Fall allein auf Geschlechtsorganen, noch ihrer Aktivierung. Den Menschen schafft die verwundernde geistig-körperliche Einheit. Allerdings über seine Größe entscheidet nicht der Leib, sondern der Geist, den seine unsterbliche Seele bildet. Die einmal zum Existieren berufene Seele wird nie mehr ein Ende haben – und ihre Unsterblichkeit ist auch von Gott gut gesichert. Sie stammt nämlich nicht von dieser Welt. Ihre Genealogie rührt von Gott her, der den Menschen in seiner psycho-physischen Einheit zur Teilhabe an seinem Gottes Leben ruft und dazu auch befähigt.

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Ob es auch super-bequem ist? Andere Frage! Grund, dass die ganze Familie mit diesem ZEUG ... sich irgendwie weiterbewegen kann. Es lebe der Vater, es lebe die Mutter mit allen Kindern und aller Habe!

So hat es selbst der Schöpfer und Erlöser von Mann und Frau geäußert. Er ist dem Menschen bis zu letztlichen Grenzen in der Person Jesu Christi nahegeworden. Jesus Christus sagt aber in einem besonders kritischen Moment seiner Erlösungstätigkeit:

„Der Geist ist es, der Leben schafft, das Fleisch nützt nichts.
Die Worte, die Ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben” (Joh 6,63; JB).

An diese Worte wurde schon ein paarmal angeknüpft – und es fügt sich noch wohl so, dass sie wiederholt angeführt werden müssen. Diese Worte weisen auf den Heiligen Geist hin, den der Mensch von Gott erhält. Daher gehört auch der Mensch – mit Leib und Geist – Gott zu (1 Kor 6,19; RH 18). Aber auch gerade deswegen muss der Wert des Menschen am inneren Maßstab gemessen werden: am Maß des Geistes. Es geht dauernd nicht darum, um „mehr zu haben, sondern um mehr zu sein” (vgl. RH 16; GS 35; FC 37; ChL 37). Des Menschen „mehr zu sein” ist fähig an Stärke zuzunehmen und weiter zu wachsen, fast bis ins Unendliche – dank Gottes Ruf zum Leben: dem ewigen Leben. Daher sagt Jesus Christus im ergreifenden Dialog mit seinen Vater unmittelbar vor seiner Erlösungs-Passion:

„Sie sind nicht von der Welt,
wie auch Ich – nicht von der Welt bin ...” (Joh 17,16).

„... und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind,
wie auch Ich nicht von der Welt bin.
Ich bitte nicht [Vater], dass Du sie aus der Welt nimmst,
sondern dass Du sie vor dem Bösen bewahrst” (Joh 17,14f.; Bösen = vor Satan).

Die Würde, Berufung und Bestimmung des Menschen, aber auch die Liebe kann nicht betrachtet werden, ohne sich am Antlitz des Gottessohnes Jesus Christus konzentriert zu haben. Die Person des Menschen kann nämlich nicht auf das Niveau allein der Dinge herabgeführt werden. Als Person ist der Mensch unabtrittbar verantwortlich – und berufen. Allerdings Schlüssel dazu, dass er sich selbst als Person versteht, bleibt letzten Endes allein der Gott-Mensch, Jesus Christus:

„Der Mensch, der sich selbst bis in die Tiefe verstehen will – nicht nur nach unmittelbar zugänglichen, teilweisen, bisweilen oberflächlichen und sogar nur scheinbaren Kriterien und Maßstäben des eigenen Seins – muss sich mit seiner Unruhe, Unsicherheit und auch mit seiner Schwäche und Sündigkeit, mit seinem Leben und Tode Christus nahen ...” (RH 10).

Dem ‘Menschen’ – den ‘Menschen’ offenbaren

Die Größe des Menschen wächst aufgrund seiner Verwurzelung in Gott hervor. Daran wurde schon mehrere Male angeknüpft. Der Mensch ist Ebenbild und Ähnlichkeit Gottes (Gen 1,26f.). Diese Worte sind Feststellung ontologischer Ordnung und daselbst ist ihr Inhalt unabhängig davon, ob der betreffende Mensch davon Bescheid weiß oder nicht; noch ob er diese Tatsache in seinem Verhalten berücksichtigt.

Ist der Mensch Gottes Ebenbild, heißt es daselbst, dass er aufgrund Gottes Gabe auf irgendeine geheimnisvolle Art und Weise das ist und es sein soll, wer Gott selbst ist. Gott aber ist – Liebe-Gabe: Liebe-Kommunion der Drei Gottes Personen in der ein und selben Gottheit.

Derselbe Gott ist aber ebenfalls immerwährendes gleichsam ‘Hinauswachsen’ über Sich selbst hinaus. Sollten wir uns über Gott auf ‘menschliche’ Art und Weise äußern, dürfte gesagt werden, dass Gott in Sich selber als geradeaus Liebe gleichsam nicht ‘aushalten’ kann. Liebe, die Er ist, heißt Ihn: zu beschenken – offenbar mit Existieren: mit Leben. So ist die ‘Genese’ des Weltalls – und umso mehr des Menschen. Denn allein der Mensch ist dieser eigentlich Beabsichtigte-Gewollte – „um seiner Selbst willen”.

Daher sagt Johannes Paul II.: „... Indem Er [Gott] ihn [= den Menschen] zum Dasein aus Liebe gerufen hat, berief Er ihn zugleich zur Liebe” (FC 11). Daselbst hat aber Gott in das Mensch-Sein „die Berufung eingeschrieben, also die Fähigkeit und Verantwortung für Liebe und Gemeinschaft” (FC 11). Folgegemäß fügt Papst Wojtyła hinzu:

„Der Mensch kann nicht ohne Liebe leben. Der Mensch bleibt für sich selbst ein unbegreifliches Wesen, sein Leben entbehrt allen Sinnes, wenn ihm nicht die Liebe geoffenbart wird, wenn er nicht der Liebe begegnet, wenn er sie nicht berührt und sie irgendwie nicht zu eigen macht, wenn er nicht lebendigen Anteil an ihr erhält” (RH 10).

Das hier im letzten Satz zweimal vorkommende „Liebe” fängt mit großem Buchstaben an [= im polnischen Originaltext: ganz Außergewöhnliches !]. Der Papst spricht demnach außer Zweifel von Gott als Liebe, der in Jesus-Christus-der-Liebe für den Menschen Nahe-gewordener-Gott geworden ist, gleichsam handgreiflich bevorsteht:

„Und eben darum offenbart Christus, der Erlöser ... ‘dem Menschen – den Menschen selbst völlig’. Dieses ist ... das menschliche Ausmaß des Geheimnisses der Erlösung. Der Mensch findet darin die ihm eigentliche Größe, die Würde und den Wert seines Menschseins. Der Mensch wird im Geheimnis der Erlösung neu bestätigt, gleichsam von neuem ausgesprochen. Von neuem erschaffen ...” (RH 10).

Johannes Paul II. knüpft hier an das Erschaffungs-Wort der Wirklichkeit: „Mensch” an – in der Stunde seiner Erschaffung (Gen 1,26). Gott, der gleichsam sich selber ermutigt, hat dabei zu sich gesagt: „Lasst uns den Menschen machen nach unserem Bilde, uns ähnlich ...” (Gen 1,26; JB).
– Dieses erschaffende „Lasst uns den Menschen machen” wird aber ganz von neuem in der Erlösung aufgegriffen, die von Jesus Christus vollbracht wurde. Denn nach dem Sturz infolge der gebieterischen Zurückweisung der moralischen Norm wurde der Mensch daselbst zum ‘Wrack’ – zur Ruine. Allerdings in selber Stunde tritt in die Geschichte seines lebendigen Ebenbildes der Himmlische Vater ein:

„Er [= der Vater] hat uns der Macht der Finsternis entrissen und aufgenommen
in das Reich seines Geliebten Sohnes.
Durch Ihn haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden” (Kol 1,13f.).

Aber gerade deswegen kann auch das Geheimnis der Liebe, die ganz „Gott-unter-uns” ist (Mt 1,23; Joh 1,14), nicht ohne andauerndes Hinblicken auf Jesus Christus verstanden werden. Ist es doch Er, Jesus Christus, „Ebenbild des Unsichtbaren Gottes” und der „Erstgeborene angesichts der ganzen Schöpfung” (Kol 1,15.18; Übersetzung vom griech. ein wenig korrigiert), bis „Christus in euch Gestalt annimmt” (Gal 4,19):

„Denn die Er [= Gott der Vater] vorhererkannte, hat Er auch vorherbestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichgestaltet zu werden, damit Er der Erstgeborene unter vielen Brüdern sei” (Röm 8,29; JB).

So ist das Ziel, das jedem Menschen einladend offensteht. Es gibt kein anderes Fundament für die Würde des Menschen außer Jesus Christus. Er, Jesus Christus, ist „wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater” (längeres Glaubensbekenntnis bei der Hl. Messe). In Ihm – Jesus Christus – „wohnt die ganze Fülle der Gottheit Leibhaftig” (Kol 2,9; JB). Der Mensch – jeder ausnahmslos – wird gerufen „an der Göttlichen Natur Anteil [zu] nehmen” (2 Petr 1,4).

So ist der Sinn der Existenz des Menschen: in Jesus Christus verwandelt zu werden, d.h. immer mehr der zu werden, der Jesus Christus ist, u.zw. Liebe-Leben. Dieses Maß ist ein und dasselbe für Gläubige und Nicht-Gläubige. Jesus Christus ist Gott-der-Erlöser Aller. Ob nun jemand davon Bescheid weiß, oder nicht. Er gibt sich auch ausnahmslos jedem zu erkennen – als sein Gott und Erlöser. Wenn nicht früher, da außer jeden Zweifel beim Übergang des einzelnen ‘aufs zweite Ufer’.

Der Königliche Weg: Das ‘Walten über die Seelen’ zu gewinnen

Wird der Mensch gerufen, sich in Jesus Christus umzuwandeln, und hat Jesus Christus – um der Liebe zum Menschen willen, die menschliche Natur in seine Gottheit angenommen, gehört es sich nur noch einmal abzugucken, wie der Stil Jesu Christi ist, mit dem Er geliebt hat, und wie es Jesus Christus gelingt, die Herzen seiner menschlichen Brüder und Schwestern zu gewinnen?

Nach diesem Schlüssel muss eigentlich nicht lange gesucht werden: selbst Jesus Christus bietet ihn unabänderlich dar. Noch mehr, Jesus Christus reicht ihn jedem Mann und jeder Frau in ihre Hände dar – und heißt „Ihm nachzufolgen”, also genau auf selbe Art und Weise zu handeln, wie Er es getan hat. Jesus Christus wird sich doch nie erlauben, irgendjemanden zur Nachfolge seiner Selbst zu nötigen. Ähnlich wie Gott-die-Trinität überhaupt, ruft Jesus Christus jedes Mal den freien Willen des Geschöpfes seiner Vorliebe heraus – und wartet geduldig auf seine Liebe-Antwort.

Wer offene Augen hat, beginnt das Geheimnis zu verstehen, wie ein menschliches ‘Herz’ erobert-gewonnen werden kann. Es ist zugleich gleichsam der Schlüssel, um das „Herrschen über die Seelen” zu gewinnen. Es ist Geheimnis des Lebens Jesu Christi, das Er freilich keineswegs verheimlicht. Denn dieselbe Wirklichkeit wird Schlüssel zum Gewinnen des ‘Herzens’ u.a. bei gegenseitigen Beziehungen in Ehe, und früher noch in der Brautzeit – und überhaupt des Herzens jedes Menschen.
– Und zwar, das ‘Herz’ kann weder mit Terror, noch mittels angewandter Kraft bei seiner In-Besitz-Nahme gewonnen werden, sondern nur indem jemand selbstlose Hingabe um des wahrhaft begriffenen Guten dieses anderen willen wird – bis zu diesem letztlichen einschließlich, d.h. bis zur Hinopferung als Gabe ihm zugute des eigenen Lebens. Solche Haltung ist nur einmal mehr Beweis der zentri-fugalen Dynamik der wahren Liebe.

Man kann freilich regieren, indem man Schrecken und Terror sät. Die Leute erfüllen dann die ihnen aufgenötigten Befehle. Es kommt dann vor, dass sie – um der Angst willen, den Glauben und Gott selbst verleugnen. Der ‘Gehorsam angesichts der Macht’ ist in diesem Fall erzwungen: unwürdig des Menschen. Der Herrscher verfügt über Knechte-Sklaven, die die Befehle mit Hass im Herzen und Verachtung für ihn erfüllen.
– Solche Machthaberei hat nichts mit dem Regierungsstil Jesu Christi zu tun, also dem Gottes Stil beim „Herrschen über die Seelen”.

Der einzige Weg, um ‘König’ der Seelen und Herzen zu werden, ist dieser, den der Erlöser des Menschen einschlägt. Jesus Christus wird um der Liebe willen zu jedem „Schaf” seiner Herde – zum „Weizenkorn” (Joh 12,24), das deswegen weil es liebt – niedergetreten wird und „abstirbt”. Doch bald zeigt es sich, dass dieses Gabe-Werden um des Guten der Geliebten willen, Frucht hervorbringt. Dieses Gabe-Werden wird zum Preis, um den dieser ‘Niedergetretene’ – die „Herrschaft über die Seelen” gewinnt. Klanglos beginnt er die Macht über die Herzen dieser „Geliebten” auszuüben, für die er Gabe geworden ist. Er wurde Gabe für diese, die Ihn zu Tode gebracht haben, und die Er doch gerade deswegen ... nur umso mehr ... geliebt hat. Dieses Weizenkorn regiert nicht kraft des Geschreis, sondern mit der verborgenen und doch wirksamen Strahlung und dem Heranziehen an sein Herz, das das eine anstrebt: diese Geliebten zu beschenken: mit Leben – diesem ewigen Leben.

So ist der „Gute Hirt, der sein – Leben für die Schafe gibt” (Joh 10,11). Beweggrund, der Ihn dahin führt, hingeopferte Gabe zu werden, ist ihre Würde als Personen. Gott selbst nimmt gleichsam im Akt der Ehrerbietung Abstand von der Person seines lebendigen Ebenbildes. Gott betrachtet den Menschen in absolut keinem Fall als ‘Nutznießungs-Ding’!

Wir verstehen zugleich, warum die Norm des moralischen Verhaltens keinen anderen Quell angesichts Gottes haben kann außer Gott selbst. Gott ist Mann und Frau – seinem Ebenbild, bis zu letztlichem in Jesus Christus, dem Sohn Gottes, nahe geworden. In Ihm lässt der Himmlische Vater den Menschen gleichsam „experimentell abzugucken”, was das heißt: zu ‘lieben’ und wie die moralische Norm jedes Liebens sein soll. Denn wie der Sohn ist, ist ebenso, geradeaus gleichsam ‘früher’ selbst Gott-der-Vater:

„Meine Schafe hören auf Meine Stimme; Ich kenne sie, und sie kennen Mich, und sie folgen Mir.
Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie Meiner Hand entreißen.
Mein Vater, der sie Mir gab, ist größer als alle, und niemand kann sie der Hand Meines Vaters entreißen.
Ich und der Vater sind Eins” (Joh 10,27-30).

Siehe da das „Herrschen über die Seelen” : die Art und Weise, um das ‘Herz’ des Menschen zu gewinnen! Liebe ist alles andere, jedenfalls nicht etwas ‘zum Spaß’! Liebe kann unter Bedingungen der irdischen Zeitlichkeit in wörtlichstem Sinn bedeuten: Kreuz, d.h. Hingabe des eigenen Lebens – um des Guten dieses Geliebten willen, seines Guten im letztlichen Sinn. Diese Hingabe wird zugleich Schlüssel, mit dem der Liebende das Herz dieses Geliebten aufzuschließen sucht.

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Tief erlebtes Einverleiben des nächsten Kindes in die Gemeinschaft der Heiligen Kirche - mit bewusst gelebter Überzeugung des Glaubens an Jesus Christus als Gott-Menschen, den Erlöser des Menschen, in unbeugsamer Zuversicht, dass Maria, die Mutter des Menschgewordenen Sohnes Gottes, auch unsere Familie in ihren mütterlichen Schutz annimmt Jesu-Christi-in-seiner-Kirche.

In seiner ersten Enzyklika: Redemptor Hominis (1979) spricht Johannes Paul II. von der so ausgeübten Herrschaft über die Seelen-Herzen prägnant unter dem Titel: „Dienen und Herrschen” (s. vor allem: RH 21). Dienen-zu-Gutem nimmt die Gestalt einer andauernd besiegelten Hingabe-seines-Ganzen an. Nötigenfalls zieht sich dieser Dienst von der Hingabe des eigenen Blutes nicht zurück – um der Geliebten willen. Absolut niemals greift sie nach Gewalt, noch dazu, fremdes Blut herauszupressen. So ist der Preis, um Einfluss auf die Herzen zu gewinnen, wie auch der Schlüssel, um „König der Herzen” zu werden.

In seinem Brief an die Familien (1994) bezeichnet Johannes Paul II. dieselbe Wirklichkeit mit einem vielleicht leichterem Ausdruck aus: „Zivilisation der Liebe” (s. den ganzen Ersten Teil des Briefes: Nr. 6-17, besonders Nr. 13).
– Dagegen in seiner weiteren Enzyklika: Evangelium Vitae (1995) gebraucht er zur Hervorhebung eines ähnlichen Inhaltes einen noch anderen Ausdruck: „Kultur des Lebens” (s. bes. ihr Kap. 2 und 4).

Jeder dieser Ausdrücke knüpft unabänderlich an die Größe und Würde des Menschen als Person an. Diese ist aber im Herzen selbst Gottes verankert: ihres Schöpfers und Erlösers.

Das Bewusstsein um die so begriffene Liebe: Haltung einer immerwährenden Gabe-‘für’ diesen Geliebten, die dauernd auf ihr Göttlich-Menschliches Ur-Muster hinschaut – die Person Jesu Christi, sollte für jeden zum Führer werden, der die ‘Liebe’ – leben will.
– So festigen wir uns in der schon wiederholt hervorgehobenen Überzeugung, dass die Liebe unmöglich verstanden werden kann, noch ist es möglich in ihr heranzuwachsen – ohne Jesus Christus.

Es schadet nicht, dass die Liebe, inwiefern sie aufgrund vor allem des Evangeliums als des Gottes-Geschriebenen-Wortes erörtert wird, keine allzu unmittelbare Beziehung zur gelebten Männlichkeit, bzw. Weiblichkeit zu haben scheint, trotzdem gerade das geschlechtliche Ausmaß des Menschen – Gegenstand der hier unternommenen Erwägungen darstellt. Letztlich zeigt es sich, dass allein dieser Stil des ‘Liebens’ dem anderen Menschen gegenüber: gemäß dem „königlichen Dienst” in Christi Geist, den bestimmenden Faktor der Liebe ebenfalls für die Ehe und die Brautzeit darstellt.


Die Vereinigung beim ehelichen Akt bleibt weiter Gottes Gabe für diese beiden. Sie wird ein Erlebnis, das aufgrund Gottes Geschenks sowohl den Leib, wie den Geist mit einbezieht. Sie soll aber jedes Mal Zeugnis eines Bandes darstellen, das diese beiden auf wesentlich tieferen und früheren Grundlagen zusammenfügt, als sie es allein mit der Vereinigung im Leib auszudrücken imstande sind. Das Erleben der gegenseitigen geschlechtlichen Nähe soll von Mal zu Mal Zeugnis der Ganzheitlichkeit in beiderseitiger Hingabe seines Selbst um des Guten willen bilden: mit Liebe – und aus Liebe.
– Dieses Ausmaß der geschlechtlichen Gemeinschaft fällt vom Himmel nicht „von allein”. Es setzt eine dauernde Erziehung seines Charakters voraus, d.h. ein beharrlich bestätigtes Engagement der höchsten Befähigungen des Geistes der beiden miteinander verbundenen Personen.

Es wird sich ergeben, dass das eheliche Erleben ein immer tiefer bewusst gelebter Akt der Danksagung werden soll – in erster Linie dem Dreieinigen gegenüber, der am leichtesten in der Person Jesu Christi erfahren werden kann. In Ihm erblicken diese beiden ihre Würde als Personen – die eigene und diese des anderen. Die Zeiten der ehelichen Nähe werden dann in immer vollerem Maß Verwirklichung dieser Begebenheit, die das Zweite Vatikanische Konzil bündig in seiner Botschaft geprägt hat, dass erst der Erlöser „dem Menschen – den Menschen selbst völlig offenbart” (GS 22; RH 10). Dank dieser „Offenbarung” können auch diese beiden ihre „eigentliche Größe, die Würde und den Wert ihres Menschseins” (RH 10) wiederfinden.

Wir vermuten die Tiefe der göttlichen und menschlichen Wirklichkeit, die hinter scheinbar prosaischen Bedingungen des Lebens in Ehe für den Alltag verborgen ist. An die signalisierten Inhalte gilt es noch einmal zurückzukehren, wenn Gott erlaubt, in einem weiteren Teil unserer WEB-Site (es geht vor allem vom VI. Teil, ebd. vor allem die End-Erwägungen des 9. Kapitels).
– Für jetzt gilt es auf die vor uns stehende Frage nach den Quellen zurückzukommen, auf denen die Autorität der Äußerungen der Kirche im Bereich der Wirklichkeit beruht, die mit der Geschlechtlichkeit und Liebe verbunden sind.

C.  AUF DER SUCHE
NACH JESUS CHRISTUS – HEUTE

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Der weiter Lehrende Jesus Christus

Verstehen wir immer besser Jesus Christus in seiner Lehre und seinen Taten als normatives Göttlich-Menschliches Muster für die menschlichen Verhaltensweisen, kommt doch umso mehr intrigierend die Frage zum Vorschein: Wie ist der Zusammenhang einerseits zwischen Jesus Christus, und anderseits der Kirche und ihrem Magisterium [= Lehramt der Kirche], in dem sich die Lehre der Kirche, auf die wir uns inständig berufen, geheimnisvoll kondensiert?

Wir sind uns bewusst, dass die Kirche nicht „Gründerin” ihrer Selbst ist. Die Kirche hat sich nicht usurpatorisch als „Kirche” ernannt! Die Kirche wurde gegründet – von ihrem einzigen Herrn, der Gott-Mensch ist: Jesus Christus. Dieser Jesus Christus ist Göttlicher Bräutigam-vom-Kreuz seiner Kirche, die von Ihm als seine Mystische Braut vielgeliebt wird. Diese Ausdrücke können wunderlich klingen, sie können als erstaunend angesehen werden. Und doch: So ist geradeaus die Wirklichkeit. Wenn Gott einmal erlaubt, kommen wir auf diese Frage zurück (sieh weiter, VI.Teil, besonders: 9.Kapitel; und noch: VII.Teil, 1.Kapitel).

Diese Feststellung bedeutet zugleich, dass die einzige Quelle des Lebens der Kirche einzig und allein Er ist: Jesus Christus! Daselbst bedeutet also ‘Kirche’ in keinem Fall irgendwelche ‘Politik’, noch das ‘Papsttum’, noch nur ‘menschliche Machthaberei’ der Vertreter und Hierarchien der Kirche. Um diese Tatsache ist sich vor allem ein jederzeitiger Papst bewusst. Hier z.B. die Glaubens-Aussage Johannes Paul II. über die Kirche:

„Die Kirche hat kein anderes Leben außer jenem,
mit dem sie von seinem Herrn und Bräutigam beschenkt wird ...” (RH 18).

Und noch:

[Die Kirche] ... verfügt über keine anderen Waffen, als nur über die Waffen des Geistes,
über Waffen des Wortes und der Liebe” (RH 16).

In ihrer Tätigkeit sucht die Kirche allein danach, die ihr auferlegte Aufgabe zu erfüllen:

„Die grundlegende Aufgabe der Kirche in allen Epochen und besonders in der unsrigen ist es, den Blick des Menschen, das Bewusstsein und die Erfahrung der ganzen Menschheit auf das Geheimnis Christi zu lenken und auszurichten, allen Menschen zu helfen, mit der Tiefe der Erlösung, die in Jesus Christus ist, vertraut zu werden” (RH 10).

Auf diesem Weg sieht die Kirche ihre weitere Aufgabe:

[So, im Geheimnis der Erlösung Christi] berührt [die Kirche zugleich] die größte Tiefe des Menschen:
die menschlichen Herzen, die menschlichen Gewissen, die menschlichen Anliegen ...” (RH 10).

Der Kirche bleibt nichts anderes zu tun, als in erster Linie selbst das „Wort Gottes zu hören und es zu erfüllen” (Lk 8,21) – entsprechend der Weisung Jesu Christi: „Die Worte, die Ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben” (Joh 6,63).
– Darüber äußert sich Jesus Christus auch noch anders, indem Er in diesem Fall direkt von sich selber spricht. Es war in seinem Hoherpriestlichen Gebet, das Er zum Vater erhob, bevor Er an die Besiegelung des Erlösungs-Werkes des Menschen in seiner Freiheit mit seinem Leiden und Tod am Kreuz herantrat:

„Das ist das ewige Leben: Dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen
und Jesus Christus, den Du gesandt hast...” (Joh 17,3).

In der Heiligen Schrift und der Lebendigen Überlieferung ...

Grundlegende Quelle zum erwähnten „Kennenlernen” Jesu Christi bildet die Heilige Schrift, d.h. das Gottes-Geschriebene-Wort. Es geht um die Heilige Schrift sowohl des Alten Testaments – des zeitweiligen Bundes, den Gott mit Israel geschlossen hat, wie auch des Neuen Testaments – der Zeit des definitiven Bundes, den Gott mit der ganzen Menschen-Familie im Blut der Erlösung am Kreuz geschlossen hat.

Allerdings die Heilige Schrift führt kein Leben nur „für sich selbst” (DV 9c). Gott, der sein Volk mit dem Gottes-Geschriebenem-Wort beschenkt, konnte sich nicht erlauben, dass es von jedermann willkürlich, nach eigenem Gutdünken gedeutet werde. Eigentümer dieses Wortes ist doch selbst Er – Gott, und nicht der Mensch; darin auch nicht die Kirche. Daher hat Gott die authentische und zugleich autoritative Deutung des Gottes Wortes vielfältig gesichert: sowohl dieses Geschriebenen, wie auch dieses Überlieferten.

Und zwar das Wort Gottes wird beständig von der ‘Lebendigen’ – Überlieferung der Kirche „getragen”. Diese aber nimmt das Wort Gottes auf, sichert ihm die charismatische – nicht weltliche – Deutung, verleibt es ins Leben ein und vermittelt den weiteren Generationen in nicht verfälschter Form. Bei der Erfüllung dieses Auftrags freut sich die Kirche der Garantie der Wahrheit – einer ganz besonderen Gabe des sich offenbarenden Gottes. Das geschieht dank der – der Kirche gesicherten, ständigen Assistenz des Heiligen Geistes.

In diesem Zusammenhang müssen auch die Äußerungen der Heiligen Schrift im besprochenen Bereich: der Liebe und Ehe – immerwährend im Licht der die Gewissen bindenden, lebendigen dogmatisch-ethischen Apostolischen Überlieferung der Kirche verstanden werden. Zeugen der so begriffenen Überlieferung sind diese ihre Vertreter, die das Band des Glaubens mit der Lehre des Stellvertreters Jesu Christi auf Erden unterhalten. Dieser ist der jedes Mal von Jesus Christus selbst erwählte und bestätigte ‘PETRUS’ der betreffenden Zeit.

Es gehört sich hier die Worte der Dogmatischen Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Göttliche Offenbarung und die Heilige Schrift anzuführen (1965):

„Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift sind eng miteinander verbunden und haben aneinander Anteil.
Demselben Göttlichen Quell entspringend, fließen beide gewissermaßen in Eins zusammen und streben demselben Ziel zu.
Denn die Heilige Schrift – ist Gottes Rede, insofern sie unter dem Anhauch des Heiligen Geistes schriftlich aufgezeichnet wurde.
Die Heilige Überlieferung aber gibt das Wort Gottes, das von Christus dem Herrn und vom Heiligen Geist den Aposteln anvertraut wurde, unversehrt an deren Nachfolger weiter, damit sie es unter der erleuchtenden Führung des Geistes der Wahrheit in ihrer Verkündigung treu bewahren, erklären und ausbreiten.
So ergibt sich, dass die Kirche ihre Gewissheit über alles Geoffenbarte nicht aus der Heiligen Schrift allein schöpft ...” (DV 9a-c).

Die Frage der gegenseitigen Beziehungen zwischen der Heiligen Schrift und Überlieferung, und dann, der Reihe nach – dem Magisterium [= Lehramt der Kirche] müsste gesondert besprochen werden. Das würde aber weit über die Rahmen der hier erörterten Fragen hinweglaufen. Es gehört sich zu erwähnen, dass die Überlieferung – offenbar diese dogmatische, zusammen mit der Heiligen Schrift „das eine sakrale Depositum des Gottes Wortes bilden, das der Kirche anvertraut ist” (DV 10a).
– Bei der Aufgabe, dieses Depositum zu hüten und es zur Frucht zu bringen wird die Kirche nicht ihr allein übergelassen. Jesus Christus hat verheißen, dass sowohl Er selbst, wie auch der Heilige Geist in der Seinen Kirche bis zum Ende der Zeiten bleiben wird. Der Heilige Geist wird nämlich die Erlösungs-Sendung des Sohnes Gottes auf die Ihm eigene Art und Weise weiterführen (Das Thema des gegenseitigen Verhältnisses zwischen der Heiligen Schrift, der Dogmatischen Tradition, dem Magisterium usw. – wird noch eingehender besprochen im Anschluss an die Frage der Sakramentalität der Ehe, siehe: VI. Teil, 4.Kapitel; oder Link: Wege die Wahrheit der Offenbarung kennen zu lernen – und dessen weitere Folge, besonders: Das Verstehen der Wahrheit der Offenbarung über die Überlieferung):

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Die Freizeit erleben zu können am Ufer der Meeresbucht, in Stille und Freude zugleich. Es ist eine der besonderen Gaben für eine Familie, die es versteht, den tiefen Glauben mit Erholung zu verbinden, ohne irgendwie die zutiefste Verbundenheit zu Gott und Maria zu verlieren.

„Seid gewiss: Ich bin mit euch alle Tage, bis zum Ende der Welt ...”
(Mt 28,20; korrigiert: ‘mit euch’, und nicht: ‘bei euch’, nach dem Originaltext).

„Es ist gut für euch, dass Ich fortgehe [= Erlösungs-Passion]. Denn wenn Ich nicht fortgehe, wird der Tröster [= der Heilige Geist] nicht zu euch kommen; gehe Ich aber, so werde Ich Ihn zu euch senden ...
Und wenn Er kommt [= der Heilige Geist], wird Er die Welt überzeugen über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht...” (Joh 16,8f; korrigiert, nach dem Originaltext).

„Und Ich werde den Vater bitten, und Er wird euch einen anderen Tröster [= den Heiligen Geist] geben, der für immer mit euch bleiben soll.
Es ist der Geist der Wahrheit ...” (Joh 14,16f; Übersetzung korrigiert).

Der von Jesus Christus versprochene Heilige Geist stattet die Kirche immerwährend mit charismatischen Gaben aus, die mit dem Leiden Jesu Christi verdient wurden. Diese Gaben sichern einerseits die Einheit und Heiligkeit der Kirche, und anderseits ein immer tieferes Verständnis [das Verstehen-Begreifen] des Depositums Gottes Offenbarung. Dank ihrer kann die Kirche, indem sie Jahrhunderte hindurch aufwächst – „bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Altersmaß der Fülle Christi” (Eph 4,13; JB), zugleich ihre ewiglich verjüngernde Jugend erleben.


Besondere Bedeutung bei der Bewahrung der Einheit im Glauben und in der Apostolischen Praxis, die für die Kirche aller Epochen ausschlaggebend ist, erfüllen zwei ein wenig sich unterscheidende, und zugleich kohärent zusammenwirkende charismatische Gaben des Heiligen Geistes: die Gabe des „Glaubens-Sinnes” und der „Analogie des Glaubens”. Mit diesen Gaben stattet der Heilige Geist die ganze Kirche aus.

In diesem Sinn äußert sich das Zweite Vatikanische Konzil, in erfahrener Gewissheit des Glaubens und im Anvertrauen an die beständige Assistenz des Heiligen Geistes auf ungewöhnlich mutige Weise:

„Die Gesamtheit der Gläubigen, welche die Salbung von dem Heiligen haben [vgl. 1 Joh 2,20.27], kann im Glauben nicht irren. Und diese ihre besondere Eigenschaft macht sie durch den übernatürlichen Glaubens-Sinn des ganzen Volkes dann kund, wenn sie ‘von den Bischöfen bis zu den letzten gläubigen Laien’ ihre allgemeine Übereinstimmung in Sachen des Glaubens und der Sitten äußert ...” (LG 12).

Diese Äußerung verlangt nach vertiefter Erklärung. Es muss nämlich sofort noch hinzugefügt werden, dass wenn auch mit dem „Glaubens-Sinn” das ganze Christliche Volk beschenkt wird, ist doch aufgrund des Willens Jesu Christi, des einzigen Herrn und Eigentümers der Kirche, authentischer und autoritativer Sprecher dieses „Glaubens-Sinnes” allein das Lehramt der Kirche, das nach lateinischer Ausdrucksweise ‘Magisterium’ der Kirche genannt wird. Jesus Christus hat die bindende Bevollmächtigung in dieser Hinsicht dem Lebendigen Magisterium seiner Kirche überreicht, indem Er sie zugleich beauftragt hat, das Wort Gottes – sowohl dieses Geschriebene, wie dieses Überlieferte authentisch und autoritativ zu erklären-deuten. Daher fügt das Zweite Vatikanische Konzil als Konklusion hinzu:

„Die Aufgabe aber, das Geschriebene oder Überlieferte Wort Gottes verbindlich zu erklären,
ist nur dem lebendigen Lehramt der Kirche anvertraut,
dessen Vollmacht im Namen Jesu Christi ausgeübt wird” (DV 10b).

Um eventuelle Befürchtungen zu beruhigen, ob dem Magisterium demzufolge die ‘Macht’ über das Wort Gottes an sich – dieses Geschriebene oder Überlieferte gebührt, soll noch dazugesagt werden, dass diese ‘Macht’ im Verhältnis zum Wort Gottes strikt „dienstlicher” Natur ist:

„Das Lehramt ist nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm, indem es nichts lehrt, als was überliefert ist, weil es das Wort Gottes aus Göttlichem Auftrag und mit dem Beistand des Heiligen Geistes voll Ehrfurcht hört, heilig bewahrt und treu auslegt und weil es alles, was es als von Gott geoffenbart zu glauben vorlegt, aus diesem einen Depositum des Glaubens schöpft” (DV 10c).

Mit anderen Worten, das Magisterium nimmt nicht ‘die Stelle’ der Heiligen Schrift ein. Das Magisterium erfüllt das erste die Aufgabe des ‘Dieners’, der auf das Wort Gottes fleißig hinhört und es mit Glauben annimmt, wie einst Maria die Worte, die vom Mund Ihres Göttlichen Sohnes herkamen, in sich aufnahm. Denn auch das Magisterium ist mit dem Wort Gottes gebunden. Die Macht des Magisteriums dehnt sich einzig über die Gläubigen aus, denen das Magisterium das Wort Gottes auf authentische und autoritative Weise auslegt.


BEMERKKUNG-Adnotation. S. zu den hier erörterten Fragen u.a. das Werk und Handbuch zugleich über das Charisma der Biblischen Inspiration – vom hier schreibenden Verfasser: ks. Paweł Leks, SCJ (nur poln.), „Dein WORT ist WAHRHEIT. Charisma der Biblischen Inspiration” [poln.: SŁOWO Twoje jest PRAWDĄ ...] , Katowice – Księgarnia św. Jacka 1997, bes. S. 39-44.45-63. – Dieses ganze Buch (Handbuch) ist auf unserer Homepage (polnisch) erhältlich – sowohl im WORD-Format (*.doc), wie im PDF-Format. Sieh dazu – polnische Version, PORTAL: lp33.de, unten: C-13.

In der ‘Moralischen’ Lehre der Kirche

An diese Grundlagen der Lehre der Kirche, mit besonderer Berücksichtigung der moralischen Normen, knüpft Johannes Paul II. in seiner Enzyklika Veritatis Splendor (1993) an. Zu dieser Enzyklika kommen wir bald in der weiteren Folge unserer Erwägungen nochmals zurück. Der Heilige Vater geht in der Enzyklika von der weit ausgearbeiteten Darstellung der Evangelisten vom Zusammentreffen eines jungen Mannes mit dem Meister von Nazaret heraus. Der junge Mann stellt Jesus die grundsätzliche Frage moralischer Natur: „Meister, was muss ich Gutes tun, um das ewige Leben zu gewinnen” ? (Mt 19,16). Gleichsam ein Zwischengesang windet sich durch die ganze Enzyklika einerseits das, worauf damals den jungen Mann selbst Jesus aufmerksam gemacht hat: „Nur Einer ist ‘der Gute’ ...” (Mt 19,17). Anderseits bringt er dem jungen Mann zum Bewusstsein, dass gerade Derjenige, der Liebe – ist, dem Menschen Gebote darbietet. Daselbst hat Jesus die Gedanken und das Herz des jungen Mannes geradezu auf die Gebote gerichtet: „Wenn du aber das Leben erlangen willst, halte die Gebote ...” (Mt 19,17).

Jesus Christus auferlegt eigentlich kein neues Gebot. Sie alle werden dem menschlichen Herzen schon als natürliche Ausstattung jeder menschlichen Person eingeprägt – in der Stunde, da der Einzelne zu existieren beginnt (vgl. Röm 2,15; VSp 12; vgl. auch: EV 4.18.58f.90; usw.). Johannes Paul II. betont:

„Ziel der Gebote, an die Jesus seinen jungen Gesprächspartner erinnert, ist Schutz des Guts der Person, Gottes Ebenbildes, durch die Sicherung seiner Güter. ‘Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen’ – sind moralische Prinzipien die als Verbote formuliert sind.
Die negativen Normen bringen besonders kraftvoll die ununterdrückbare Forderung zum Ausdruck, das menschliche Leben, das Band der Personen in der Ehe, das Privateigentum, die Wahrhaftigkeit und den guten Ruf zu schützen” (VSp 13; vgl. EV 31; usw.).

Jesus führt aber die Gottes Gebote zur „Fülle” und Vollkommenheit. Das hat Er in seiner „Bergpredigt” getan (Mt 5-7), die „gleichsam die Magna Charta der Moral des Evangeliums darstellt” (VSp 15). Diese Predigt, samt den von Jesus Christus dazugefügten „Seligpreisungen-Verheißungen”, bilden ein „eigenartiges Selbstbildnis Christi und eben deshalb sind sie Einladung zu seiner Nach-Folge und Kommunion-des-Lebens mit Ihm” (VSp 16).

Und doch, bei ganzem Nachdruck auf die verpflichtende Kraft der Gebote Gottes und auf ihre Ergänzung über die Weisungen, wie sie von der Bergpredigt fließen, beruft sich Jesus Christus beständig auf die menschliche Freiheit. Zu gleicher Zeit betont Er, dass seine Nachfolge Gabe der Gnade ist (VSp 17):

„Darum ist die Verheißung des ewigen Lebens an die Gabe der Gnade gebunden, und das Geschenk des Heiligen Geistes, das wir empfangen haben [vgl. Röm 5,5], ist bereits ‘der erste Anteil unseres Erbes’ [Eph 1,14] ...” (VSp 23).


Jesus Christus hat das Erlösungswerk durch sein Leiden, seinen Tod, die Auferstehung, Himmelfahrt und die Sendung des Heiligen Geistes vollbracht. Nach der Himmelfahrt lebt aber Jesus Christus der Erlöser – in seiner Kirche weiter. Offenbar in einem anderen Ausmaß, als es vor der vollbrachten Erlösung war. Er lenkt sie – zusammen mit dem Geist der Wahrheit, indem Er „sitzt zur Rechten des Vaters” (s. Mk 16,19).

Doch zuerst hat Er noch die Kirche – diese „seine” Kirche (vgl. Mt 16,18) gegründet. Er hat den Aposteln verheißen: „Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern Ich komme wieder zu euch” (Joh 14,18). Er hat seine Kirche mit der Autorität des ‘Petrus’ ausgestattet, die mit dem Apostolischen Charisma einhergeht.

Die Apostel übermitteln die ‘Gute Botschaft’ an die sich entfaltende Kirche. Sie tun es offenbar auf charismatische Art und Weise. Und zwar die Apostel können die bisherigen Gottes Taten und Gottes Worte jetzt, nach der Sendung des Heiligen Geistes, nicht mehr anders deuten, als nur im Licht der Fülle der vollbrachten Erlösung. Die charismatische Deutung des Depositums des Glaubens, samt der sie begleitenden Gewissheit des Glaubens, was das Verstehen dieses Depositums betrifft, ist besondere Gabe der beständig sie begleitenden Hilfe des Geistes der Wahrheit, der ihnen die Offenbarung des Alten Testaments in völlig neuem Licht darstellt: der Fülle der Offenbarung in Jesus Christus (vgl. Lk 24,45).

Die Apostel beginnen in Kürze, in Kraft der ihnen anvertrauten Apostolischen Sendung, Vorstehende für die sich ausweitenden lokalen Kirchen einzusetzen: Bischöfe und Priester. Die für die Kirche aller Jahrhunderte konstitutive Apostolische Überlieferung und Praxis übergeht jetzt in die nur noch Kirchliche Überlieferung. Diese aber darf vom Apostolischen Glauben im geringsten Maß weder abtreten, noch von ihm abbiegen.

Die erwähnte Apostolische Überlieferung und Praxis besteht aus folgenden Bestandteilen: Weitergabe des ganzen Depositums des Glaubens des Alten und Neuen Testaments, allerdings indem es schon um hierarchische Strukturen der Kirche bereichert wurde, um das Sakramentale Leben und das Gerüst der sich ausbildenden Gesetzgebung der Kirche, die immerwährend die Erlösungsbotschaft betrachtet und auf sie hinhört.


Johannes Paul II. hebt in der Enzyklika Veritatis Splendor mit großem Nachdruck die von den Aposteln verkündete nicht nur ‘dogmatische’, sondern auch ‘moralische Katechese der Apostel’ hervor. Er erinnert eindeutig an den Inhalt dieser Katechese:

„Die Moral-Katechese der Apostel ist aus Ermahnungen und Weisungen zusammengesetzt, die an den geschichtlichen und kulturellen Kontext gebunden sind, aber auch ethische Unterweisung umfasst, die genau bestimmte Verhaltensnormen betrifft” (VSp 26).

Daher darf die folgende Tatsache nicht übersehen werden:

„Die Apostel haben seit den Anfängen der Kirche kraft ihrer pastoralen Verantwortung über die Rechenschaft des Verhaltens der Christen gewacht, ebenso wie sie über die Reinheit des Glaubens und über die Weitergabe der Göttlichen Gaben in den Sakramenten wachten ...” (VSp 26).

Die Sendung der Apostel wurde alle Jahrhunderte hindurch von der Kirche übernommen. Sie sucht sie auch beständig und getreu ins Leben umzusetzen. Die Kirche lehrt unverbrüchlich, dass zwischen dem Glauben und dem Leben ein engstes Band besteht. Sie ist sich aber bewusst, dass Erfüllung des Gesetzes in erster Linie selbst die Person Jesu Christi des Lebendigen darstellt und bedeutet. Er ist das Lebendige Evangelium: die Gute-Frohe Botschaft von der Erlösung. Darum sagt der Heilige Vater – im Anvertrauen an die Wahrheit der Offenbarung und angesichts immer neuer Probleme und erscheinender neuer Denk-Strömungen, die die ethischen Verhaltensweisen des Öfteren unmittelbar betreffen und die Botschaft des Evangeliums völlig zu entstellen drohen:

„Die Aufgabe der Beurteilung dieser ethischer Theorien vonseiten der Kirche beruht nicht nur auf ihrem Bloßlegen und Ablehnung ihrer Fehler, sondern sie hat auch ein positives Ziel: es muss nämlich mit großer Liebe den Gläubigen bei der Formung des Gewissens geholfen werden, so dass es, indem es Urteile fällt und Entscheidungen gestaltet, sich nach der Wahrheit richtet, wozu der Apostel Paulus ruft: ‘Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was Gut ist, was Gott gefällt und was vollkommen ist’ [Röm 12,2].
– Den festen Halt für diese Arbeit der Kirche ... bilden nicht so sehr doktrinäre Äußerungen bzw. pastorale Aufrufe zur Wachsamkeit, als vielmehr der beständige Blick auf Christus den Herrn. Die Kirche blickt Tag für Tag mit unermüdlicher Liebe auf Christus, völlig bewusst, dass sie allein in Ihm die wahre und endgültige Lösung des moralischen Problems finden kann” (VSp 85).

Das VI. Gebot ...

Die grundlegende, objektive ethisch-moralische Norm der Verhaltensweise im Bereich der Geschlechtlichkeit stellt das weiter verbindliche VI.Gebot Gottes dar. Es wird mehrfach in der Heiligen Schrift des Alten Testamentes zum Ausdruck gebracht und vielfach im Neuen Testament bestätigt: „Du sollst nicht die Ehe brechen” (s. z.B. Ex 20,14; Dtn 5,18; Mt 5,27; 19,18). Israel hat dieses Gebot samt dem unter Sinaiberg geschlossenen Bund erhalten. Dieses Gebot ist aber nicht ‘Erfindung’ erst so später Zeiten (ca. Mitte des 13. Jahrhunderts vor Chr.): Gott hat damals den feierlichen Bund mit seinem Volk geschlossen. Es ist nur deutliche Formulierung dessen, was „von Anfang an” (Mt 19,8) Inhalt der „ins Herz geschriebenen” (Röm 2,15) Göttlichen Friedensordnung der Liebe darstellt, wie sie der Würde der menschlichen Person in ihrer geistig-leiblichen Natur entspricht.

Zu weiterer, überaus bezeichnenden Ergänzung, oder eher Vertiefung der zu Jesu Zeiten allzu oberflächlichen Deutung des VI. und IX.Gebotes, wurden Jesu Worte über das begehrliche Anblicken der Frau – bei der „Bergpredigt”. Johannes Paul II. knüpft daran in folgenden Worten seiner Enzyklika an:

„Jesus führt die Gebote Gottes, insbesondere das Gebot der Nächstenliebe, zur Erfüllung, indem Er seinen Forderungen die innere Eigenschaft und größere Radikalität verleiht: Die Liebe zum Nächsten entspringt dem Herzen, das liebt und das – eben deshalb, weil es liebt, bereit ist, die höchsten Forderungen im Leben zu erfüllen.
– Jesus zeigt, dass die Gebote nicht nur als Schwelle minimaler Forderungen betrachtet werden sollen, die es nicht zu überschreiten gilt, sondern vielmehr als einen offenen Weg zur moralischen und geistigen Vollkommenheit, deren Wesen die Liebe ist [Kol 3,14].
– So wird das Gebot ‘Du sollst nicht töten’ zum Aufruf für eine tätige Liebe, die das Leben des Nächsten schützt und um seine Entwicklung sorgt; das Verbot des Ehebruches wird zur Aufforderung zu einem reinen Blick auf den Leib, mit Beachtung seines bräutlichen Sinnes: ... ‘Ihr habt gehört ...: Du sollst nicht die Ehe brechen! Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen’ [Mt 5,21f.27f.].
– Jesus selbst ist die lebendige ‘Erfüllung’ des Gesetzes, da Er mit seinem Leben den authentischen Sinn des Gesetzes mit der ganzheitlichen Hingabe seiner Selbst verwirklicht: Er selbst wird zum lebendigen und personalen Gesetz, das zu seiner Nachfolge ruft, durch den Heiligen Geist die Gnade der Teilnahme an seinem eigenen Leben und Liebe gewährt und den Menschen mit Kraft begabt, mit seinen Entscheidungen und Taten von Ihm Zeugnis zu geben” (VSp 15).

In weiterer Folge erinnert Johannes Paul II. den Menschen von heute an die Aufgaben, die die Kirche angesichts aller Entstellungen im Denken und der Ethik auf diesem Gebiet zu erfüllen hat:

„So steht die ganze Kirche vor der Aufgabe einer tiefgreifenden Besinnung und des Einsatzes, damit die neue Kultur, die aufsteigt, völlig mit dem Evangelium durchtränkt wird, damit die wahren Werte anerkannt und die Rechte von Mann und Frau verteidigt werden, damit die Gerechtigkeit im Inneren selbst der gesellschaftlichen Strukturen ausgeweitet werden kann. Auf diese Weise wird der ‘neue Humanismus’ die Menschen nicht von Gott ableiten, sondern eher Ihm nahebringen” (FC 8).

Im Göttlichen „Du sollst nicht die Ehe brechen”, das als Ausdruck Gottes Liebe und Weisheit angesichts von Mann und Frau keiner Verjährung erliegen kann, ist u.a. die volle Antwort auf die Frage enthalten: Ob es erlaubt ist geschlechtlichen Verkehr vor der Eheschließung zu unternehmen. Eines der ausdrucksvollen Beispiele der Befolgung dieses Gebotes in der vor- und außer-ehelichen Lage aus dem Zeitalter um ein paar Jahrhunderte vor dem Einsatz der Zehn Gebote unter dem Berg Sinai ist die Geschichte von Joseph in Ägypten. Man kann seine Entschlossenheit angesichts der Versuchungen, die auf seine Keuschheit von der Frau eines hohen Dignitärs am Hof des Pharao aufgestellt wurden, nur bewundern (Gen 29,7-20; ca. 18.-17. Jh. vor Chr.).

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Begegnung der Eltern mit Kindern - mit Johannes Paul II. Wie viel Freude einer Mutter und eines Vaters, ihr Kind gut erzogen zu haben, d.h. es mit Gottes Gnade füllen zu können!

Das Neue Testament hat die Gebote Gottes nicht nur nicht abgeschafft, noch hat es sie geschwächt oder revidiert, sondern bestätigte vollends ihre bindende Beschaffenheit und führt sie zu umso ausdrücklicherer Vollkommenheit. Die Bücher des Neuen Testaments enthalten eine Reihe normativer Äußerungen sowohl selbst Jesu, wie der von Ihm eingesetzten Apostel über die Keuschheit, die Begehrlichkeit und die Ehe. Im Maß wie unsere Thematik weiterläuft, wird es Anknüpfungen daran geben.

Es muss aber auch festgestellt werden, dass so manche weiteren Fragen, die mit der hier erörterten Problematik verbunden sind, erst in weiterer Entwicklung der Geschichte zum Vorschein kamen, oder geradeaus erst in der modernen Zeit entstanden sind. Dazu gehört z.B. die Frage der Schwangerschaftsverhütung mit Hormonalmitteln, die Frage der genetischen Ingenieurie, der pränatalen Untersuchungen, bzw. umso mehr Prä-Implantations-Untersuchungen, die meistens auf Abschaffung von Kindern mit Krankheitsanlagen abgezielt werden; usw. Man braucht sich nicht wundern, dass manche insbesonderen Weisungen mit Bezug auf Liebe und Ehe ihre Formulierung erst in späterer außerordentlicher oder ordentlicher Lehre der Päpste, oder auch der höchsten Ämter der Kirche, über die der Stellvertreter Jesu Christi seine ‘Petrus’-Sendung ausführt, erfolgt ist.

Die Kirche kann sich von der Unternehmung immer neuer, nicht selten aufgereizter Fragen nicht drücken. Sie kann sich auch von verbindlicher diesbezüglicher Antwort für die Menschenfamilie nicht entziehen. Sie tut es beständig im Namen und aufgrund der Ermächtigung ihres Göttlichen Gründers. Sollte selbst die Lehre unbeliebt sein und die Kirche – wie ihr Meister – zum „Zeichen sein, dem widersprochen wird” (Lk 2,34) werden. Die Kirche „... versucht, den Menschen gleichsam mit ‘den Augen Christi selbst’ zu betrachten” (RH 18). Die Kirche blickt aber auch dauernd als die Erste ununterbrochen ihren Herrn und Erlöser an. Er aber:

„Christus, der neue Adam, offenbart ... in der Offenbarung des Geheimnisses des Vaters und Seiner Liebe
dem Menschen den Menschen selbst völlig und erschließt ihm seine höchste Berufung ...” (RH 8).

In diesen Worten der ersten Enzyklika des Papstes Wojtyła, die übrigens Anführung des 1965 beendeten Zweiten Vatikanischen Konzils sind, hören wir beinahe den prophetischen Ruf, mit dem er sich kurz nachher an den Menschen von heute bei seiner Ersten Pilgerfahrt in die Heimat wandte:

„Denn der Mensch kann bis zu letztem nicht verstanden werden – ohne Christus. Oder eher: Der Mensch kann sich selbst nicht bis zu letztem verstehen – ohne Christus. Er kann nicht verstehen – weder wer er ist, noch wie seine eigentliche Würde ist, noch wie seine Berufung und seine letztliche Bestimmung ist. Er kann das alles nicht verstehen – ohne Christus” (Johannes Paul II., Erste Pilgerwanderung in die Heimat, Warszawa, 2.VI.1979, Pkt. 3a).

Die Kirche ist sich um die andauernd dieselbe ihre Sendung und ihren Dienst bewusst: sie soll den Menschen zu den Grundlagen selbst seiner Würde führen. Diese entspringt der Verbundenheit Gottes mit dem Menschen in Christus Jesus. Das ist auch die Grundlage für die Gewissheit, mit der die Kirche über die Bestimmung des Menschen sprechen kann:

„Die Kirche, die nicht aufhört, das Geheimnis Christi in seiner Gesamtheit zu betrachten, weiß mit voller Gewissheit des Glaubens, dass die Erlösung, die durch das Kreuz erfolgt ist, dem Menschen die endgültige Würde und den Sinn seiner Existenz in der Welt gegeben hat, den Sinn, den er in beachtlichem Maß durch die Sünde verloren hat...” (RH 10).

Die Gewissheit des Glaubens führt auch dazu und erklärt die Haltung der Kirche in Fragen von Ehe und Liebe:

„... Man muss vielmehr den ganzen Menschen im Auge behalten,
die gesamte Aufgabe, zu der er berufen ist;
nicht nur seine natürliche und irdische Existenz,
sondern auch seine übernatürliche und ewige ..." (vgl. HV 7; FC 32).

Daher blickt die Kirche den Menschen auch im Bereich der Geschlechtlichkeit im Licht seiner personalen Würde und seiner übernatürlichen Berufung an. Die Kirche kann hier nicht anders vorgehen. Die Kirche gedenkt des innigsten Wunsches Jesu Christi gegenüber dem Menschen, den Jesus dereinst zusammen mit sich im Haus des Vaters haben möchte:

„Wenn einer Mir dienen will, folge er Mir nach;
und wo Ich bin, dort wird auch mein Diener sein.
Wenn einer Mir dient, wird der Vater ihn ehren” (Joh 12,26).

„Wenn Ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe,
komme Ich wieder und werde euch zu Mir holen,
damit auch ihr dort seid, wo Ich bin.
Und wohin Ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr” (Joh 14,3f.; vgl. 17,24).


Die Lehre der Kirche im Bereich der moralischen Verhaltensweisen, zumal aber im Bereich der Geschlechts-Ethik, pflegt von vielen, selbst Gläubigen, schwer angenommen zu werden. Die Kirche aber präzisiert sie unbeugsam und anspruchsvoll. Sollte das heißen, die Kirche terrorisiere und nötige bestimmte Verhaltensweisen auf? Allem Anschein zuwider – ist es nicht so. Die Kirche führt nur den „Dialog der Erlösung”, bewusst um die Berufung, mit der sich Gott an jeden Menschen wendet: dass er „Kind Gottes [werden soll und kann](Joh 1,12). Die Kirche ist sich auch um ihre diesbezügliche Erlösungs-Sendung nicht nur im Verhältnis zu den Gläubigen der Römisch-Katholischen Kirche, sondern zur ganzen Menschenfamilie bewusst. Die Kirche „verteidigt den Menschen vor dem Menschen selbst” – entsprechend der ihr von Jesus Christus anvertrauten Aufgabe, der der Erste „dem Menschen – den Menschen selbst völlig offenbart” (RH 8.10).

Es dürfte hier noch zumindest ein Satz vom Evangelium Vitae des Papstes Wojtyła angeführt werden. Zwar betrifft dieser Satz gerade den Schutz des Lebens, allerdings dieselben Gründe betreffen auch die gesamte Problematik der übrigen Geschlechtsbeziehungen, deren Finale die Tötung des Lebens zu sein pflegt – falls jemand seine letztliche Bestimmung nicht mehr in Bedacht zu ziehen sucht:

„Das Evangelium vom Leben ist nicht ausschließlich für die Gläubigen da: es ist für alle da. Die Frage des Lebens und seiner Verteidigung und Förderung ist nicht alleiniges Vorrecht der Christen. Auch wenn es vom Glauben außerordentliches Licht und Kraft empfängt, gehört es jedem menschlichen Gewissen, das sich nach der Wahrheit sehnt und um das Schicksal der Menschheit bedacht und besorgt ist. Es gibt im Leben sicherlich einen Heiligen und religiösen Wert, aber er betrifft keineswegs nur die Gläubigen: es geht in der Tat um einen Wert, den jeder Mensch auch im Lichte der Vernunft erfassen kann und der deshalb notwendigerweise alle betrifft” (EV 101).

Indem die Kirche um die menschliche Schwäche bewusst ist, weist sie dringend den eigentlichen Weg, der zum „Haus des Vaters” (Joh 14,2) hinführt. Falls nötig hört sie nicht auf zur Entschiedenheit bei dem Voranschreiten auf dem „engen” Weg aufzurufen, der am Ende zum „Leben” (Mt 7,13f.) hinüberführt. Sie zögert nicht nach ihrem Göttlichen Meister zu wiederholen: „Dem Himmelreich wird Gewalt angetan; die Gewalttätigen reißen es an sich” (Mt 11,12). Bei ihrer ganzen Entschlossenheit wendet aber die Kirche keine Kraft an, um ihre Weisungen aufzunötigen. Sie gebraucht allein geistige Waffen:

[Die Kirche] verfügt über keine anderen Waffen als nur über die Waffen des Geistes, über Waffen des Wortes und der Liebe. Sie kann aber die Verordnung nicht unterlassen: ‘Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht’ ...” (RH 16; vgl. 2 Tim 4,2; BF 12; EV 82).

Es kommen in diesem Zusammenhang von neuem Worte der Beendungshomilie Johannes Paul II. aus seiner Ersten Pilgerfahrt in die Heimat (1979) in Erinnerung:

„Jener Dialog der Erlösung hört nicht auf unsere Berufung zu sein – über alle ‘Zeichen der Zeit’ ...
– Es muss nach Annäherungen gesucht werden. Es müssen Grenzen geöffnet werden. Sooft wir stark sind am Geist Gottes, sind wir auch stark am Glauben an den Menschen – am Glauben, Hoffnung und Liebe: diese sind untrennbar und wir sind bereit betreffs der Sache des Menschen Zeugnis abzulegen vor jedem, dem dieses Anliegen wahrhaft am Herzen liegt. Für den dieses Anliegen heilig ist. Der ihr zu dienen – nach dem besten Willen – vor hat. Also braucht man nicht fürchten! Es müssen Grenzen geöffnet werden.
– Seid gewiss: Es gibt keinen Imperialismus der Kirche. Es gibt nur den Dienst. Es gibt nur den Tod Christi am Kalvarienberg. Es gibt nur das Wirken des Heiligen Geistes als Frucht dieses Todes, der mit uns allen weiterbesteht, mit der ganzen Menschheit besteht ‘bis zum Ende der Welt’ ...” (Johannes Paul II., Erste Pilgerfahrt in die Heimat, Kraków, 10.VI.1979, Pkt. 4).

Die Berufung zur „Anteilhabe an der Göttlichen Natur” (2 Petr 1,4) gilt ausnahmslos für alle Menschen – unabhängig davon, ob jemand den Glauben an Jesus Christus als Gott-Menschen bekennt oder nicht. Zwar stehen Jesus Christus nur Ihm bekannte Arten und Weisen zu, wie Er in die Herzen gelangt – z.B. derjenigen, die ohne eigene Schuld keine Gelegenheit gehabt haben, Ihn mit Hilfe der ordentlichen Übermittlungskanälen kennen zu lernen. Es kommt auch vor, dass manche aus eigener Schuld auf grundsätzliche Weise den früher angenommenen Verpflichtungen untreu geworden sind, wie z.B. im Fall einer zweiten Ehe – dieses Mal nicht-sakramentalen Ehe; oder eines Priesters, der die priesterlichen Funktionen aufgegeben hat und eine Ehe eingegangen ist; bzw. solcher, die die Religion verraten haben; usw. (s. dazu z.B.: RP 31/1; FC 84). Allerdings inkraft des Willens desselben Jesus Christus soll die Stimme Gottes an alle durch die von Ihm gegründete Kirche gelangen. Die Kirche aber ist – aus Christi Willen – „das Licht der Welt und eine Stadt, die auf einem Berg liegt”, die „nicht verborgen bleiben [kann]" (vgl. Mt 5,14f.; vgl. LG 1).



Verzierung

RE-Lektüre: II.Teil, Kapit. 2b.
Stadniki, 15.XI.2013.
Tarnów, 15.III.2022.


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Das Gut und Böse zu ‘bestimmen’ ...
Ob nur Leib ?
Der Königliche Weg: Das ‘Walten über die Seelen’ zu gewinnen
Gott allein Urquell der moralischen Norm

C. AUF DER SUCHE NACH Jesus Christus – HEUTE
Der weiter Lehrende Jesus Christus
In der Heiligen Schrift und Lebendigen Überlieferung ...
Analogie des Glaubens und Sinn des Glaubens
Authentische und Autoritative Erklärung des Wortes Gottes
Das Magisterium das nicht über das Wort Gottes ist
Vermerk-Adnotation: Bibliographischer Hinweis über das Charisma der biblischen Inspiration
In der ‘moralischen’ Lehre der Kirche
Vollkommenheit der Gebote nach der Bergpredigt
Apostolische Überlieferung und Praxis maßgebend für die Kirche aller Zeiten
Moralische Katechese der Apostel
Die Kirche in der Verkündung moralischer Normen im Laufe der Jahrhunderte
Die der Jesus Christus anblickenden Kirche aufgetragene Formung der Gewissen
Das VI. Gebot ...
Vertiefte Auffassung des VI. Gebotes nach der Bergpredigt
Kirche angesichts der Anforderungen der neuen ethischen Kultur
Neue in Apostolischer Zeit unbekannte ethische Fragen
Glaubens-Gewißheit bei der moralischen Lehre im Bereich der Geschlechtlichkeit


Bilder-Fotos

Abb.1. Ganze Familie auf dem Motorrad
Abb.2. Am Tag der Taufe des nächsten Kindes
Abb.3. Spaziergang der Familie am Meeresbusen
Abb.4. Johannes Paul II. im Zusammentreffen mit Kindern und Eltern