Abdruck mit williger Zustimmung des Autors (vom 8.I.2008)
zweier Kapitel des Buches (poln.):

P. Dr. Karol MEISSNER OSB (0,128 kB) Prof. Boleslaw SUSZKA
EINIGES ÜBER DIE EHE

Verlag: Oficyna Wspólczesna – Poznan 2001

(3.661 kB)


A. FRUSTRATIONEN IN DER EHE

1. Was heißt Frustration?
2. Modell der Ehe
3. Die Person des Mittgatten
4. Erleben der eigenen Geschlechtlichkeit
5. Erleben eigener Geschlechtlichkeit vonseiten des Mannes
6. Außersexuelle Funktionen der sexuellen Wahrnehmung
7. Modell einer brutalen Männlichkeit
8. Auswege

B. WAS KANN DEN GATTEN DIE HARMONIE
BEIM VERKEHR ZU ERREICHEN HELFEN


Zur Einführung
1. Vorbereitung zum Verkehr
2. Zeitlänge der ehelichen Vereinigung
3. Gegenseitige Lage bei der Vereinigung
4. Entspannung der Muskel
5. Erleben einer Freude
6. Häufigkeit
7. Endbemerkungen



A.
O. Dr. Karol Meissner OSB
FRUSTRATIONEN IN DER EHE
Oficyna Wspólczesna – Poznan 2001, S. 73-92



1. Was heißt Frustration?

Frustration heißt ein emotionaler Zustand, der wahrgenommen wird, sooft die eigenen Erwartungen enttäuscht werden. Es kommt vom lateinischen: frustra – umsonst, vergebens, bzw.: frustrare – enttäuschen, vereiteln. Es gilt also von Vereitlung der Erwartungen, d.h. Erleben einer Situation, in der sich die vorher gehegten Erwartungen unmöglich erfüllt werden können. Die Frustration kann durch Vereitlung der Befriedigung verschiedener Bedürfnisse verursacht werden. Das Bedürfnis selbst ist noch nicht Frustration. Erst die Unmöglichkeit, dass das Bedürfnis erfüllt wird, bedeutet Frustration.

Die Frustration erscheint nicht immer im Strom unseres Bewusstseins, d.h. wir sind uns nicht immer dessen bewusst, eine Frustration gerade zu erleben. Die frustrierenden Stimuli summieren sich des Öfteren auf ganz unbemerkbare Weise und offenbaren sich mit ihrer ganzen Macht erst in kritischer Stunde. Das ergibt sich von der Tatsache, dass frustrierente Stimuli, oder auch frustrierende Gefühle, gedämpft zu sein pflegen: der Mensch wehrt sich gleichsam reflektorisch vor diesen unangenehmen Gefühlen und lässt sie zu seinem bewussten Leben nicht zu. Überigens außer der Abdämpfung begegnet man noch anderen geistigen Systemen gefühlsmäßiger Abwehrreflexen, die auch Abwehr-Mechanismen genannt werden. Es kommt z.B. oft vor, dass der Mensch zusieht, nach anderen Gründen für seinen peinlichen Gefühlszustand zu suchen, als es die eigentlichen sind. Das heißt dann: Rationalisierung.

Folge der Frustration sind Zustände angestiegener Aggression. Die Aggressivität kann gegen sich selbst ausgerichtet sein (Verbitterung, Verlust des Lebenssinnes, Entmutigung u.dgl.), gegen jemanden anderen – zumal diesen, der die Erwartungen enttäuscht hat – gegen die menschliche Gesellschaft im Allgemeinen, und selbst gegen Gott. Der Mensch sucht gleichsam nach Schuldigen seiner Aggressivität ringsherum. Es ist ihm schwer zuzugeben, dass Quelle der Frustration seine Erwartungen darstellen: das, was er selbst für sich gewünscht hat.

Die Aggressivität weist sich mit zwei Stufen aus. Die erste Stufe – ist die Gleichgültigkeit. Erst die zweite Stufe – ist offene Aggressivität. In der Ehe können Zustände einer Aggressivität tief verhüllt sein. Man könnte in ihr Gründe für oft auftretende Anzeichen einer sexuellen Gleichgültigkeit finden, wie sie bei beinahe zwei drittel Frauen in der Ehe vorkommen.

In der Frustration steckt eine bedrohende Gefahr für Betätigungen und Geschicke des Menschen. Sie strahlt nämlich des Öfteren auf das ganze emotionale Leben, indem sie dem Leben seinen Geschmack und seinen Sinn raubt. Der Mensch erlebt sie oft so stark, dass sie zur Aufdringlichkeit wird, die jede Weile so sehr vergiftet, dass er die Fähigkeit verliert irgendwas anderes rings um sich noch zu erblicken und sich als „den unglücklichsten Menschen auf Erden” findet. Das aber führt bisweilen zu tragisch sich auswirkenden Entscheidungen.

Jedermann kennt die Empfindung einer vereitelten Erwartung. Ich erhoffe zum Beispiel, dass ich morgen einen Ausflug mache, indessen das Wetter ist am anderen Tag unmöglich, demzufolge meine Erwartungen nicht erfüllt werden können. Eine ganz belanglose Sache kann so – wie man spricht – den ganzen Tag und alle Pläne „vergiften”.

Sollen wir also von Frustration in Ehe sprechen, muss man von Erwartungen anfangen, wie sie von Leuten mit Bezug auf die Ehe genährt werden. Dann ist es uns leichter zurück zu verfolgen, warum diese Erwartungen enttäuscht worden sind. Wir besprechen drei Arten und Weisen von Erwartungen und mit ihnen zusammenhängenden Frustrationen. Erstens betrachten wir die Erwartungen, die mit dem Modell der Ehe zusammenhängen. Danach kommen die Erwartungen bezüglich der Person des Ehegatten. Und zuletzt widmen wir ein wenig Aufmerksamkeit Frustrationen, die mit dem Geschlechtsleben verbunden sind.

2. Modell der Ehe

In vergangenen Zeiten war das Modell der Ehe in ganzer Gesellschaft ziemlich einheitlich. Es herrschten in der ganzen Gesellschaft, unabhängig von ihren Schichten, fast gleiche Anschauungen auf die Rolle von Mann bzw. Frau, auf die eheliche Sittlichkeit, wie auch die Erziehung der Kinder. Jede Ehe spiegelte auch in ihrem Leben daselbst die allgemein funktionierenden Überzeugungen betreffs der Ehe ab. Was galt also für die persönlichen Erwartungen? Es lohnte sich nachzufolgen, was unter der hier oder dort in Polen übergekommenen Sitte der sog. ‘Entschleierung’ der Jungen Frau bei der Hochzeit auf verhüllte Art formuliert wird. Es sollte aufmerksam zugehört werden, was da gesungen und der künftigen Frau und Mutter angesagt wird ...

Heutzutage gibt es nicht nur kein einheitliches Modell der Ehe, sondern selbst der Einfluss der Meinung des Milieus auf die einzelne Ehe ist nur sehr gering. Die Ehe wird so, wie sie von den Jungen Leuten gestaltet werden wird. Aber daher wiegen heute die Erwartungen, die mit Bezug auf die Ehe genährt werden, so ungemein viel. Jeder erwartet von der Ehe irgendetwas gleichsam allein für sich, wobei er nicht einmal in Bedacht zieht, wie die Wirklichkeit ist. Zu gleicher Zeit aber werden die Frustrationen nur um so schärfer erlebt und führen im Leben der Gesellschaft bedeutende Folgen herbei, vor allem in Form einer Unbeständigkeit der Familie.

Umfragen, die unter jungen Leuten unternommen werden, scheinen hinzuweisen, dass sich das Mädchen die Ehe im Allgemeinen als Gemeinschaft im partnerschaftlichen Typus vorstellt. „Wir werden alles gemeinsam machen, wir werden um das Haus gemeinsam besorgt sein, das Essen werden wir gemeinsam kochen, die Kinder werden wir gemeinsam erziehen, und überhaupt – alles wird gemeinsam geschehen”. Dagegen der Junge sieht die Ehe des Öfteren als eine gewisse Verlängerung seines bisherigen Zuhause, wo doch „jemand kochen muss, jemand die Wäsche machen muss, aufräumen muss, jemand sich dafür kümmern muss”. Es ist offensichtlich, dass sich diese zwei Modelle nicht decken. Dieser Unterschied in Erwartungen zieht dann viele Schwierigkeiten nach sich. Junge Leute sprechen untereinander gar nicht immer darüber, wie ihre Ehe aussehen wird. Die Erwartungen scheinen Selbstverständlichkeit zu sein. „Wir lieben uns” – sprechen sie, sooft sie von ihrer Ehe denken. Angesichts dieser Erfahrung scheint alles andere kaum erwähnungswert zu sein. Da aber unter dem Ausdruck „lieben” geläufig meistens die Summe eigener Erlebnisse und Empfindungen verstanden werden, ist es verständlich, dass dasselbe Wort im Grund genommen anderes für den Jungen bedeutet, und was anderes für das Mädchen. Jeder von ihnen erwartet für sich was anderes. ‘Er’ aber, bzw. ‘Sie’ – ist LIEB hauptsächlich wegen dem Platz, den er in diesen Erwartungen einnimmt.

Kann man sich da noch wundern, dass es in solchen Umständen bald nach der Hochzeit zur Enttäuschung kommt? Oft wird sie anfangs nicht offen formuliert. Nicht selten ist sie selbst nicht voll bewusst geworden. Es folgt aber eine gewisse „Abkühlung” zwischen dem Ehepaar. Sie wird als „Verständnis-Mangel” angesehen, als nicht begründete „Aufreizung”, Ermüdung mit sich einander. Anfangs wird alles irgendwie kompensiert, allerdings die darauffolgenden Frustrationen, die das Leben mit sich bringt, schichten sich auf die ursprüngliche Frustration und können allmählich zu dramatischem Kurzschluss führen.

3. Die Person des Mitgatten

Die zweite Art der Frustration hängt mit der Person des Mitgatten zusammen. Wie sehen die Erwartungen der Frau aus? Wie bei allen Erwartungen, spielt sie selbst die zentrale Rolle: „Ich bekomme einen Mann, ich werde ein Haus haben, ich bekomme Kinder, ich richte mich im Leben ein”. In diesen Erwartungen gilt der Mann als – derjenige, dank dem sich ihr Leben legt. Der „Geliebte” Junge passt in ihren Vorstellungen vortrefflich zu diesen Erwartungen. Ungedenk der möglichen Täuschungen, möchte sich die Frau des Öfteren die Verbundenheit mit dem Junge so sehr sichern – offenbar um sich das Leben einzuordnen, dass sie selbst verschiedene Leistungen ihm gegenüber zu bieten bereit ist, um ihn nur zu „haben” und diese ihre Erwartungen verwirklichen zu können. Wie oft beginnt das Mädchen mit sexuellem Leben, indem sie die Hoffnung hegt, sie werde ihren Jungen so an sich binden. Tatsächlich, eine bedeutende Zahl der Ehen werden geschlossen, wenn das Mädchen schon schwanger ist. So mancher Junge schließt die Ehe unter dem Gefühl eines gewissen Zwanges. Er „muss” heiraten, weil schon das Kind unterwegs ist, so dass er in dieser Lage schon keinen anderen Ausweg findet. Das wirkt sich so manchmal auf die Dauerhaftigkeit der Ehe aus. In solchen Fällen sollte man wohl die Verschiebung der Hochzeit bis zur Geburt des Kindes raten. Das könnte das Band von bedrohlicher Krise bewahren. Die Eheleute könnten sich besser bewusst werden, dass sie nicht nur deswegen geheiratet haben, dass das Kind schon unterwegs erschienen ist, sondern deshalb, weil sie wirklich eine Familie zu gründen vorgehabt haben, die die Suche nach tatsächlichen Werten abgespiegelt hat.

Für den Mann spielen eine nicht geringe Rolle seine Erwartungen, dass die Ehe auf irgendeine konfliktlose Art und Weise seine sexuellen Probleme löst, die für ihn ein völlig anderes Ausmaß haben, als es bei der Frau zu sein pflegt. Darüber wird noch im Folgenden gesprochen werden. Aber auch diese Erwartung ist täuschend. Die Ehe löst nicht nur die sexuellen Fragen nicht, sondern sie schafft – allen Erwartungen zum Trotz – neue Probleme, und sei es nur die Frage der Empfängnisregelung. Diese Erwartungen werden um so tiefer frustriert, je mehr sexuelle Erfahrungen dieses Paar vor der Eheschließung erlebt hat. Diese Meinung kann Verwunderung hervorrufen, indem sie von diesbezüglichen allgemein angenommenen Ansichten abweicht. Allerdings wir bemerken, dass Junge Leute vor der Hochzeit doch nicht täglich miteinander leben. Sie begegnen einander immer zu optimalen Stunden, d.h. in Zeiten die sie sich nach Belieben selbst wählen. Sollte jetzt dem Junge etwas fehlen, findet er sich unwohl, verlegt er die Begegnung schlechterdings auf einen anderen Tag. Findet sich dagegen das Fräulein nicht wohl, tut jetzt sie auf ähnliche Weise. Sie sehen einander, wenn es ihnen entspricht. Kommt es dabei zum geschlechtlichen Verkehr, erfolgt es unter optimalen Umständen, sollte man ihre Einstellungen in Bedacht ziehen. Konflikte, die dann aus anderen Gründen entstehen, wie Schwierigkeiten die mit dem Ort zusammenhängen, die Notwendigkeit, die ethischen Normen zu brechen u.dgl., steigern dann nur die Attraktivität dieser Zeiten einerseits, und anderseits beleben sie die Erwartungen des Mannes, dass ihm die Ehe alle sexuellen Probleme löst.

Die Wahrnehmung der Enttäuschung lässt nicht lange auf sich warten. Die Ehe stellt keine zeitweise gewählte Stunde dar, sondern bedeutet das Leben selbst dar. In der Ehe gibt es keine optimalen Bedingungen. Mann und Frau sind für den Alltag miteinander, gesund oder ungesund, in gutem oder schlechtem Gemüt und Selbstbefinden. Sie sind „in guten und schlechten Tagen” – immer miteinander. Das geschlechtliche Leben, das – wie wir es paradoxal bezeichnet haben – in optimalen Umständen als begeisternde Entzückung gegolten hat, wird unerwartet zum Kompromiss. Es müssen Zugeständnisse abgemacht werden. Es kann dabei völlig jene Spontaneität fehlen, die ausschließlich nach frei gewählter Stunde und Situation reguliert gewesen war. Es fällt bei der Frau die Hoffnung weg, dass der Verkehr ihr den Mann erobern lässt, und gerade solche Erwartung wird (nach manchen) bei 90% Mädchen genährt, die vor der Ehe verkehren. Die Frau beginnt wegen des Verkehrs angeekelt zu sein, zumal er die sexuellen Probleme ihres Mannes lösen soll. Beim Gerichtsverfahren wegen Ehescheidung kommen meistens Beklagungen wegen Untreue vor. Das zeugt davon, dass das sexuelle Leben in Ehe Fragen aufkommen lässt, trotzdem das Paar größtenteils sexuelle Erfahrungen schon vor der Hochzeit gehabt haben und sie dabei die künftige Niederlage nicht vermutet haben.

Haben dagegen die Eheleute vor der Hochzeit keine sexuellen Erfahrungen gehabt, führen sie ihr geschlechtliches Leben als Element ihrer neuen Lebenslage ein. Sie können freilich Schwierigkeiten erfahren, diese sind aber nicht bedrohlich, zumal sie finden guten Rat in dieser Hinsicht. Dagegen unvergleichlicher Vorteil ist dabei, dass sie den geschlechtlichen Verkehr von Anfang an unter Bedingungen lernen, unter denen er die bestimmte Rolle – sowohl diese emotionelle, wie diese symbolische spielen soll.

4. Erleben der eigenen Geschlechtlichkeit

Es wird wenig über die Quelle einer tiefen Frustration gesprochen, die in der Ehe ein uneigentliches Erleben der eigenen Geschlechtlichkeit darstellt – sowohl vonseiten des Mannes, wie der Frau. Es sollten hier zwei Aspekte in Bedacht gezogen werden: Störungen in Akzeptation der eigenen Geschlechtlichkeit bei der Frau und Störungen in psychosexueller Identifikation beim Mann.

NICHT-Akzeptation des Geschlechtes vonseiten der Frau, was anders bezeichnet werden kann als Abneigung gegen die eigene Fraulichkeit, ist Erscheinung, die nach meinen Untersuchungen in entschiedener Form bei etwa 30% Frauen vorkommt. Sie möchten nicht Frauen sein. Sie beneiden die Männer um ihre Männlichkeit, möchten selbst Mann sein. In milderer Abänderung, in Form eines „zwangsmäßig” angenommenen Fraulichkeit, kommt diese Erscheinung bei weiteren etwa 20% Frauen vor. Die Haltung dieser Gruppe könnte mit folgender Formulierung beschrieben werden: „Ich denke zwar widerwillig an mein eigenes Geschlecht, allerdings ich kann nichts dagegen: ich bin schlechterdings Frau und muss damit irgendwie leben”. Kurz gesagt, etwa die Hälfte der Frauen erfährt Schwierigkeiten mit der Annahme ihres Geschlechtes. Sie sind sich bewusst, Frauen zu sein und finden sich als Frauen, nehmen aber ihre Fraulichkeit nicht an, erfahren ihrer angesichts Gefühle einer Verwahrung[1]. Wichtig ist aber, dass trotzdem die Frau solche Empfindungen wahrnimmt, träumt sie dennoch von Gründung einer Familie, wobei sie sich um die Schwierigkeiten nicht bewusst ist, die infolge ihrer emotionellen Haltung auftauchen werden.

Diese Haltung der Frau wirkt vor allem auf ihren Mann als frustrierender Faktor. Er hat doch die Familie gegründet, indem er sich nach Gefühlen zum Menschen des anderen Geschlechtes richten ließ, das er als besonderen Wert erlebte. Angesichts der NICHT-Annahme des eigenen Geschlechtes vonseiten seiner Frau, bleiben die Gefühle ihres Mannes gleichsam in der Leere aufgehangen. Er findet sich als nicht verstanden und kann die Quellen der Kühle seiner Frau nicht begreifen. Sie aber verliert allmählich immer mehr jedes Interesse am Verkehr mit ihrem Mann. Eine Frau, die solche Schwierigkeiten zu verkraften hat, findet sich unwohl, sie findet sich in ihrer fraulichen Rolle frustriert, zumal sie als Frau nicht ersetzt werden kann. So ist die Rolle der Mutterschaft. Frauen treten heute ziemlich allgemein gegen das Kind auf. Viele Frauen behaupten, das Kind bedeutete nur Last. Die Kinder vernehmen es und jetzt kommen in ihnen, der Reihe nach, Schwierigkeiten bei ihrer Erziehung zutage auf.

Der Schwangerschaftsabbruch ist Symptom der Aggression, die gegen die Mutterschaft ausgerichtet ist. Die Frau, die die Schwangerschaft abbricht, will keine Mutter werden, so schafft sie das Kind aus ihrem Leben weg. Es ist aber zwar das ihre Kinde, zugleich aber ist es auch das Kind ihres Mannes, der doch sein Vater ist. Eben deswegen stellt der Abbruch zugleich Aggression gegen den Mann dar.

Der Schwangerschaftsabbruch, auch wenn in letzter Zeit gesetzmäßig eingeschränkt, ist leider eine unter Eheleuten sehr verbreitete Erscheinung. Praktisch genommen wird das dritte Kind, und um so mehr jedes weitere, großenteils auf Untergang verurteilt[2]. In unserer Gesellschaft zählen 52% Ehepaare kaum nur ein oder zwei Kinder, und 74% Frauen erklären, sie wollen kein weiteres Kind mehr als sie haben – unabhängig davon, wie viel sie sie haben und wie das Gehalt der Familie aussieht.

Die NICHT-Akzeptation ihrer Geschlechtlichkeit vonseiten der Frau ist nicht die einzige Quelle der negativen – nicht nur im gesellschaftlichen Sinn – Erscheinung der Abortion, dennoch sie spielt hier eine wichtige Rolle auch deswegen, weil die Frau, indem sie sich widerwillig zur eigenen Geschlechtlichkeit verhält, eine besonnene Empfängnisregelung vereitelt und den Bedarf eines korrekten geschlechtlichen Verkehrs bei sich selbst und ihrem Mann frustriert.

Jedes Ehepaar möchte zweifelsohne rechtmäßigen geschlechtlichen Verkehr unternehmen. Alle verhütungsmäßige Maßnahmen frustrieren diesen tiefen Bedarf. Es besteht offenbar die Möglichkeit, diesem Bedarf genug zu tun, wobei zugleich die Verantwortlichkeit bei der Lebensübertragung gesichert wird. Wenn die Frau zu erkennen lernt, wann sie Mutter werden kann und wann nicht, ermöglicht es dem Ehepaar ein gerechtmäßiges geschlechtliches Leben zu führen, wie sie es wünschen, wobei sie zugleich ihre Fruchtbarkeit auf verantwortliche Art und Weise zu leiten imstande bleiben. Allerdings eine Frau, die ihr Geschlecht nicht akzeptiert, beginnt nicht nur das geschlechtliche Leben zu entmutigen, sondern auch alles, was sie an ihre Fraulichkeit gleichsam zur Erinnerung bringt, somit auch z.B. die schlichte Maßnahme der Abmessung der Körpertemperatur, was sie informierte, in ihrem Fruchtbarkeitszyklus Bescheid gewinnen zu lernen. Nicht die Temperaturmessung an sich – gegen die oft offenbarten Behauptungen der Frauen – wird als unüberwindbare Belästigung empfunden. Die Frau würde nämlich diese kleine Maßnahme gern unternommen haben, sollte sie der Untersuchung ihres Gesundheitszustandes dienen, bzw. um dadurch irgendwelchen Nutzen, auch materiellen, zu erreichen. Die subjektiv unüberwindbare Schwierigkeit stellt für die Frau der Widerwille gegen die eigene Geschlechtlichkeit dar, das Empfinden irgendeiner „Notwendigkeit”, mit Leistungen im Bereich des sexuellen Lebens dienen zu müssen, dem gegenüber sich die Frau mit einer gewissen Verachtung verhält, wie übrigens auch zum Mann, dessen Wünsche sie – wie früher gesagt – nicht versteht und sie nicht teilt. So erübrigt sich für sie nur die Annahme irgendwelcher Methoden der Verhütung – vor allem des unterbrochenen Verkehrs, der aber den Mann beim Verkehr nur zur Suche nach Befriedigung der eigenen Bedürfnisse zurückzieht. Die bedeutende Unzuverlässigkeit dieser Methoden, die Unmöglichkeit, sie eine längere Zeit hindurch anzuwenden, die sich vertiefende Entmutigung des Ehepaars führt früher oder später zur unerwarteten Lebensübermittlung, die die Aggressivität der Eltern auf ihr Kind überträgt und letztlich mit Erhebung der Hand auf sein Leben enden kann.

Anderseits kommt beim Mann unserer Zeiten die zum Nachdenken führende Erscheinung vor: viele junge Männer übernehmen auf sich einen bedeutenden Teil der Lasten, die mit der Sorge um das Kind und das Haus verbunden sind. Es ist das Bild eines noch vor 40-50 Jahren nicht bekannten „warmen” Vaters erschienen, der ein gutes Herz offenbart, empfindsam und fürsorglich ist. Seine Zärte und Herzlichkeit unterscheidet sich von der mütterlichen Zärtlichkeit nicht nur NICHT, sondern – ich möcht es so sagen – es ist in ihr mehr Menschlichkeit zugegen. Denn die Mutter findet sich mit dem Kind biologisch verbunden und unterliegt in ihrer Zärtlichkeit mehr instinktivmäßigen Reagenzen, wogegen der Mann-der-Vater in seiner Liebe zum Kind irgendwie zutiefst menschlich ist. Diese Haltung kompensiert in gewissem Sinn den empfindlichen Mangel an mütterlicher Wärme. Es drängt sich bisweilen der Eindruck auf, dass es heutzutage leichter ist, einen guten Vater zu finden, als eine gute Mutter.

5. Erleben der eigenen Geschlechtlichkeit vonseiten des Mannes

Inwiefern die NICHT-Akzeptation der eigenen Geschlechtlichkeit oft bei Frauen vorkommt, dagegen Seltenheit bei Männern darstellt, kommen bei einem bedeutenden Teil der Männer Störungen vor, was ihre psychosexuelle Identifikation angeht. Die Störung beruht darauf, dass der Mann, der sich bewusst ist, Mann zu sein und es auch Mann zu sein mächtig wünscht, Zweifel und Befürchtungen erlebt, ob er es auch in Fülle oder befriedigend ist, d.h. er findet sich in geringerem oder größeren Maß „nicht richtiger Mann” zu sein[3]. Für solchen Menschen kann die sexuelle Wahrnehmung Bedarf werden, um daselbst die Bestätigung seiner Männlichkeit zu finden. Es ist bekannt, junge Leute unternehmen das sexuelle Leben am meisten dazu, um sich zu „bestätigen”. Wobei aber diese „Überprüfung” weder diese Unruhe, noch seine Quelle keineswegs beseitigt. Solche Verhaltung des Mannes dem geschlechtlichen Leben gegenüber frustriert offenbar die Frau, die vom Verkehr eher das Erleben des Bandes erwartet, als nur Wahrnehmungen. Sollte es für die Frau etwa interessant sein, ihrem Mann als Werkzeug zur Überprüfung seiner Männlichkeit zudiensten zu gelten?

6. Außersexuelle Funktionen der sexuellen Wahrnehmung

Vom Standpunkt aus der Sexual-Psychologie kann als psychosexuelle Reife nur solcher Zustand verstanden werden, wo die sexuellen Wahrnehmungen zum Stoff für das Band zwischen Mann und Frau werden. Sooft die sexuelle Wahrnehmung um ihrer selbst gesucht wird, ist sie – dem Standpunkt aus der Sex-Psychologie, Zeugnis der Unreife. Die sexuelle Wahrnehmung kann aber auch gesucht werden nicht nur als Streben nach Bestätigung bzw. Überprüfung der eigenen Männlichkeit, sondern ebenfalls um der Entspannung wegen der psycho-motorischen Spannung willen, oder als Genuss, der das Feld des Bewusstseins einengt.

Die sexuelle Empfindung kann angestrebt werden um der Entladung einer geistigen Spannung willen, deren Quelle nicht in sexuellen Stimuli gründen muss; deren Beschaffenheit also nicht sexuell ist. Im Gegenteil, der Mann, der sexuell nicht erregt ist, sucht nach dieser Erregung zu diesem Zweck, um die Spannung bei sich zu entladen. Hier ist nicht der Ort, wo die Quellen dieser Spannung genauer analysiert werden sollen. Es genügt wenn wir sagen, dass sie mit solchen allergewöhnlichsten Lebensumständen vorgerufen werden kann, wie Müdigkeit, „Aufgereiztheit”, Schwierigkeiten in Arbeit oder in Verbindung mit ihrem Mangel, Konflikte, u.dgl. Typisches Beispiel der Entladung einer Spannung solcher Art über sexuelle Wahrnehmungen stellt die Selbstbefriedigung dar. Das geschlechtliche Verhältnis kann ganz ähnliche psychologische Rolle erfüllen. Sooft von „sexuellen Bedürfnissen” gesprochen wird, geht es in der Regel vor allem um gerade solche Situation.

Die sexuelle Wahrnehmung, ähnlich wie jede andere sinnliche Wahrnehmung, kennzeichnet sich mit dieser Eigenschaft, dass sie das Bewusstseinsfeld einengt. Diese Funktion einer sexuellen Wahrnehmung kann angestrebt werden vonseiten eines Jemanden, der Konflikte erfährt, die er unmöglich lösen kann oder sie zu lösen nicht versteht, wobei er sie zugleich nicht aushalten, bzw. ertragen kann. Die Einengung des Bewusstseinfeldes lässt dann wenn auch nur für eine kurze Weile sich von der Erfahrung der konfliktvollen Situation auszuschalten. In diesem Fall steht die sexuelle Wahrnehmung in einer Reihe mit noch anderen Arten und Weisen, um den Konflikten zu entfliehen und sich in eine Welt von Illusion zu begeben. Hierzu gehören: Alkohol, Augen im Bildschirm, automatisierte Tätigkeit (für manche ist es die Autofahrt) oder zuletzt die Drogen. Auch in diesem Fall erfüllt die sexuelle Wahrnehmung – außersexuelle Funktionen, sie wird um ihrer selbst angestrebt.

Wird die sexuelle Wahrnehmung um ihrer selbst angestrebt, kennzeichnet sich der sexuelle Verkehr, nennen wir es so, mit seiner ‘nutznießlichen’ Beschaffenheit aus. Er hört auf, Element des zwischen-personalen Bandes zu sein, das den beiden Eheleuten nötig ist (an das vor allem die Frau ihre Erwartungen bindet). Die Annahme des Verkehrs vonseiten des Mannes als eines der Arten, um die Spannung zu entladen, oder auch als Flucht vor Konflikten, wirkt auf die Frau frustrierend. Infolgedessen verliert die Ehefrau ihr Interesse am sexuellen Leben. Emotionell bekommt so von solchem Verkehr nichts, noch bekommt sie davon etwas für das Leben. Sie wird demzufolge gleichgültig, weil sie im geschlechtlichen Verkehr keinen Erweis irgendwelcher menschlicher Beziehungen findet. In solcher Lage, zumal nach der Geburt eines Kindes, sammelt die Frau ihre Gefühle am Kind. Der Mann wird in seinem Gefühlsleben auf das Nebengeleise herabgesetzt. Zum grundsätzlichen Strom des emotionellen Lebens wird für sie – sie selbst und das Kind. Der Mann wird nur toleriert. Sie liebt ihn selbst und erweist ihm viel Herzlichkeit. Es ist ihr lieb, eine Familie zu haben. Es kommt aber das völlige Unverständnis für die Funktion des sexuellen Verkehrs zutage. Es ist in diesem Fall Abspiegelung der Schwierigkeiten ihres Mannes. Es folgt die schon oben beschriebene Gleichgültigkeit beim sexuellen Verkehr. Er wird für die Frau ermüdendes Zugeständnis, in dem sie aus Wohlwollen ihrem Mann gegenüber die sexuelle Erregung spielt.

7. Modell einer brutalen Männlichkeit

Im Erziehungsvorgang des Mannes entsteht in seinen Vorstellungen sehr oft das Modell einer „starken”, und selbst „brutalen” Männlichkeit. Besondere Schwierigkeiten erfährt dann ein emotionell feinfühliger, viel Wärme, Herzlichkeit und Subtilität aufweisender junger Mann, der zugleich dem Druck des in männlicher Gesellschaft allgemein angenommen Bildes einer brutalen Männlichkeit ausgeliefert ist. Bei der Unternehmung des Verkehrs mit seiner Ehefrau erlebt er eine schmerzhafte Frustration. Sollte er ‘er selbst’ bleiben, d.h.: voller Herzlichkeit, zart, warm, kommt es ihm vor, er wäre kein richtiger Mann, weil er seiner Vorstellung über die ‘brutale’ Männlichkeit nicht nachfolgt. Möchte er dagegen gemäß dieser Vorstellung brutal handeln, hörte er auf ‘er selbst’ zu sein. Sieh da die öftesten Quellen psychischer Schwierigkeiten bei der Unternehmung der geschlechtlichen Vereinigung (Störungen der Potenz).

Im Kreis derselben Schwierigkeit findet sich das Erleben des Verkehrs gleichsam einer eigenartigen Gewalttat. So kann der Verkehr sowohl vonseiten der Frau, wie auch des Mannes empfunden werden. Quelle der Schwierigkeit so manchen Ehepaars ist z.B. die Lage selbst, wie sie traditionsmäßig beim Verkehr angenommen wird und die altertümliches Erbgift der ursprünglichen Völker ist, die Landwirtschaft betrieben haben. Das, was eine bestimmte Bedeutung als magisches Rituale in altertümlichen Zeiten gehabt hat – ich denke hiermit von der Position, wobei sich die Frau unter ihrem Mann befindet – kann bei der modernen Frau die Empfindung einer Demütigung wecken und sich mit Taten von Brutalität verknüpfen, dagegen beim modernen Mann kann sie eine Abneigung wecken als Betätigung, die sich mit Merkmalen einer Vergewaltigung kennzeichnet[4]. Nicht ohne Bedeutung sind hier die Filmbilder, wo der sexuelle Verkehr sehr oft solche Assoziationen weckt. Im Fall, wenn jemand dem Stereotypus der brutalen „Männlichkeit” erliegt, läuft alles ganz gut bis zur Weile ab, wann es zur Annäherung kommen soll. Der Verkehr lässt dann oft eine schmerzhafte Frustration nach sich.

8. Auswege

Abhängig von der Beschaffenheit der Frustration erhellen die Ausgangswege wohl deutlich auf, auch wenn es nicht immer leicht ist, sie zu befolgen. Sollte es sich um Erwartungen handeln, ist das Prinzip einfach: möglichst am wenigsten zu erwarten, sich auf den folgerichtigen Aufbau der wahrhaften Lebensgemeinschaft einstellen in ehrlicher und redlicher Sorge um das Wohl „dieses anderen”, bzw. „dieser anderen”. Jede „Suche seiner selbst” ist Folge von Erwartungen, und – früher oder später – Quelle einer schmerzhaften Frustration.

Das Modell der Ehe und Familie sollte Gegenstand herzensgeladener Sorge und Gespräche werden. Man muss mit Lächeln darauf zu schauen verstehen, dass unsere Vorstellungen so manches Mal ganz kindlich waren und Freude in der Kunst einer gegenseitigen „Verständigung” zu finden verstehen. Selbstverständlich kann ein „jemand Kluger” – leider nicht immer ausreichen. Aber auch hier kann vieles mit Hilfe von Güte und Sinn für Humor erreicht werden, vieles kann auch gelernt werden.

Psychische Probleme die mit dem Erleben der eigenen Geschlechtlichkeit zusammenhängen, sollen gelöst werden angefangen von der Reflexion, dass Wesen der Fraulichkeit und Männlichkeit die Möglichkeit der Elternschaft ausmacht: der Mutterschaft, der Vaterschaft. Man muss lernen, sich selber zu erleben, wie auch diesen Anderen in der Ehe – als potentielle Eltern. Solches korrektes Erleben der eigenen Geschlechtlichkeit, wie auch dieser des anderen in der Ehe lässt allmählich von infantilen Erlebnissen herauszuwachsen, die so viele Schwierigkeiten hervorrufen.

Im Gebiet der sog. „sexuellen Bedürfnisse” soll man um die geistige Hygiene besorgt sein. Das erlaubt die Aufstappelung von Spannungen zu vermeiden und das zutiefste gegenseitige Verständnis zu gestalten, um so zur gegenseitigen Hilfe fähig zu werden beim Ertragen streitauslösender Situationen, die sich meistens mit der Zeit von allein lösen.

Im Bereich des Verkehrs selbst muss man danach bestrebt sein, dass er tatsächlich Exponent der gegenseitigen Gefühle wird, all dessen, was verbindet. So soll man also um das gegenseitige Verständnis besorgt sein, wie auch um die Haltung, die sich völlig auf dem wahren gegenseitigen Aufbau des Wohles sammelt.

Die Gläubigen finden eine unschätzbare Hilfe im gemeinsamen Streben nach höchsten Werten, die Quelle einer ungemeinen moralischen Kraft und Prinzip der wahren Einheit sind.


1. Das Symptom der NICHT-Akzeptation der eigenen Geschlechtlichkeit kommt in unterschiedlicher Stärke vor, angefangen von sanften Zuständen, die sich infolge des tiefen gefühlsgeladenen Bandes mit dem Mann in der Ehe, und vor allem infolge der mütterlichen Empfindungen zurückbilden, bis hin zu extremen Formen: Transvestizismus und Transsexualität in reiner Gestalt, d.h. die in Homosexualität nicht verwickelt ist.

2. Formal ist die Anzahl der Eingriffe des Schwangerschaftsabbruches infolge des Gesetzes betreffs des Schutzes des Empfangenen Kindes deutlich gefallen. Dennoch mit Unruhe erfüllt die immer weitere Anwendung des abortierenden RU-486, d.h. der ‘Pille am darauffolgenden Tag’ (‘morning-after-pill’), bzw. anderer oraler hormonaler Mittel, die die Einnistung des empfangenen Kindes vereiteln, oder selbst nach der Einnistung wirken.

3. Ähnlich wie die Erscheinung der NICHT-Akzeptation der eigenen Geschlechtlichkeit, kommen Störungen in psychosexueller Identifikation in verschiedener Stärke vor: angefangen von milden Zuständen einer Unruhe, die sich infolge des rechtmäßigen gefühlsvollen Bandes im dauerhaften Band zurückbilden, bis zu extremen Formen, wobei sich jemand ‘nicht als Mann, nicht als Frau’ findet, wie es bei Homosexuellen beobachtet werden kann. Diese emotionellen Haltungen werden immer im Lauf des Erziehungsvorganges angeeignet. Eine sachgemäße Psychotherapie kann demjenigen, der an solchen Störungen leidet, von der Desintegration herauszufinden zu Hilfe kommen. Leider geht mit diesen Zuständen des Öfteren ein tiefstes Empfinden um die Geringwertigkeit, demzufolge der Patient ungerecht überzeugt ist, die Beschaffenheit seiner Beschwerden wären unabwendbar.

4. Diese Problematik wird im unten folgenden Kapitel besprochen werden: „Was kann den Gatten die Harmonie beim Verkehr zu erreichen helfen” – s. gleich unterhalb.



(3.661 kB)

B.
P. Dr. Karol Meissner OSB – Prof. Boleslaw Suszka
WAS KANN DEN GATTEN DIE HARMONIE BEIM VERKEHR
ZU ERREICHEN HELFEN
Oficyna Wspólczesna – Poznan 2001, S. 109-126



Zur Einführung

Viele Ehepaare erfahren aus verschiedenen Gründen und in verschiedenen Phasen ihres Lebens Schwierigkeiten bei ihren ehelichen Annäherungen. Ehen der Gläubigen sind von Pein und Leid infolge einer beim Verkehr fehlenden Harmonie keineswegs befreit. Die hier dargestellten Bemerkungen möchten ihnen behilflich sein, indem einiges von der Möglichkeit gesagt wird, wie die Zeiten, die der Schöpfer den Ehepaaren vorbereitet hat, auf völlig menschliche und nach Gottes Vorhaben erlebt werden können[1]. In der Enzyklika Humanae Vitae lehrt Papst Paul VI., dass eine der Kennzeichen der ehelichen Liebe ihre menschliche und volle Beschaffenheit darstellt. Das richtige Verstehen ihrer Merkmale und Erfordernisse bewertet der Papst als Frage höchsten Ranges. Die eheliche Liebe ist menschlich, also zugleich sinnlich und geistig. Ihre volle Beschaffenheit kennzeichnet sich dadurch, dass Wer seinen Gatten wirklich liebt, liebt ihn um seiner selbst willen, nicht nur wegen dessen, was er von ihm empfängt. Und es ist seine Freude, dass er ihn durch seine Ganzhingabe bereichern darf[2]. Das Gebiet des geschlechtlichen Verkehrs ist ungemein sensibel. Viele Leute sind betroffen und eingenommen wegen der Art und Weise, wie das Geschlechtsleben in Filmen, zumal in Pornographie, dargestellt wird. Anderseits kann schwer von diesem Lebensbereich nicht gesprochen werden, zumal das Leben beweist, wie viel Leid und Missverständnis es in Ehen in diesem Gebiet gerade aus diesem Grund gibt. Kann mit Stillschweigen über diese Problematik irgendetwas gelöst werden? Daher ist es nötig auch diese Frage zu erörtern – mit ganzer Ehre vor der Empfindsamkeit und Gefühlen der Ehepaare, aber auch der sittlichen Ordnung.

Bei Frauen können sich Schwierigkeiten beim Verkehr als Widerwille oder Beklemmung vor ihm offenbaren, als Gefühlsgleichgültigkeit zum Mann oder Geschlechtskälte. Bei Männern kommt die Empfindung einer Enttäuschung vors, die in Abschwächung des Gefühlsbandes mit der Frau gründet, oder deswegen, weil er sich in der Rolle des Mannes nicht bewahrheitet, nicht selten auch weil er Störungen bei der Erektion bzw. beim Erguss erfährt. Mit solchen Schwierigkeiten können seriöse Folgen einher gehen, die nicht nur zur Untreue oder Flucht zum Alkohol führen, sondern geradeaus die Zersetzung der Ehe nach sich ziehen können.

Es ist gut wenn man sich bewusst wird, dass ein wenig Wissen nötig ist, zusammen mit der Mühe, die vom Herzen und guten Willen herkommt, dass der geschlechtliche Verkehr in Ehe zur Vereinigung führt und das gegenseitige Band zwischen dem Ehepaar stärkt. Um dieses Ziel zu erreichen, kann das Vertrautwerden mit den hier dargebotenen Räten von Nutzen sein, zumal sie schon so manchem Ehepaar geholfen haben, die Schwierigkeiten, denen sie in diesem Bereich bisweilen standhalten mussten, zu überwinden. Bei der Bearbeitung dieser Räte wurden Meinungen von Autoren berücksichtigt, die ihre Erfahrung aus langjähriger Beratung der Ehepaare geschöpft haben, denen sie geholfen haben, ihre des Öfteren dramatischen Krisen positiv zu meistern[3].

1. Vorbereitung zum Verkehr

Eine Vorbereitung zur Annäherung ist für beide Eheleute notwendig. Besonders wichtig ist es aber für die Frau, weil sie im Allgemeinen größere geistige Schwierigkeiten bei der Annäherung mit dem Mann erlebt.

Vorbereitung von weiterem – betrifft das Klima des ganzen Lebens in Ehe. Für viele Frauen bedeutet selbst ein geringschätziges Missverständnis im Laufe des Tages, dass das rechtmäßige gefühlsgeladene Erleben der ehelichen Annäherung unmöglich gemacht wird. Man muss lernen dauernd von solchen kleinen Konflikten herauszukommen, dass sie sich nicht aufstappeln und die beiden Eheleute voneinander nicht zurückweisen. Man muss merken, dass wenn sich die Eheleute zu Hause vernachlässigen – u.a. mit unästhetischer Kleidung, Unsauberkeit, sich am Tisch unkorrekt benehmen, und gegenseitig unhöflich sind, verliert ihr ganzes Leben an Attraktivität und wird grau. In solchen Umständen wird es schwer, dass die Annäherungen friedsam ablaufen. Der Mann handelt unvernünftig, wenn er erwartet, dass seine Frau am Verkehr interessiert bleibt, wenn sie wegen seinen Vorwürfen, Streitigkeiten oder Zankereien aufgeregt ist. Nur Liebe – kann Liebe hervorrufen.

Nähere Vorbereitung zur Annäherung beruht auf Zärtlichkeit, die in Liebkosungen zum Ausdruck kommt. Sie erlaubt eine allmählich erfolgende Umgestaltung einer gewissen Beängstigung, die öfter bei der Frau erscheint – in Wunsch nach Nähe zu jemandem, dem man sich zuversichtlich anvertrauen kann. Bei dem Mann gibt es im Allgemeinen keinen besten Bescheid bezüglich der Andersartigkeit der Empfindungen bei der Frau, demzufolge seine Verhaltensweise bisweilen unwillkürlich ein Gefühlsressentiment bei der Frau hervorrufen kann, das mit der Zeit in Frigidität umschlagen kann. Bei der Überwindung dieser Beängstigung kann es sich behilflich zeigen, wenn die Frau die Hand des Mann auf ihrem Leib führt, und anderseits wenn der Mann die Hand seiner Frau auf seinem Leib herumführt. In diesem Fall sollte es vermieden werden, die Brüste und die Geschlechtsgegend zu berühren, weil es hier darum geht, dass das Ehepaar fühlt, dass sie sich einander nahe sind, dass es ihnen miteinander wohl ist – unabhängig von Wahrnehmungen, die von Geschlechtszonen herrühren. Es wird u.a. vor allem bemerkt, dass der Mann sehr behutsam bleibt, was die Berührung der Klitoris seiner Frau angeht, sollte sie es selbst gewünscht haben. Wichtig ist nämlich für die Frau, dass sich bei ihr die geschlechtliche Empfindsamkeit der Scheide entwickelt. Die baldige Erreichung der geschlechtlichen Befriedigung im Bereich der Klitoris kann der Frau das tiefere Erleben der Annäherung sehr erschweren[4]. Anderseits soll sich die Frau bewusst sein, dass auch der Mann in seinen Empfindungen sehr sensibel sein kann. Findet sich z.B. die Frau dem Körper des Mannes gegenüber abgeneigt, kann ihr Mann unabhängig davon, wie sie auch ihre negativen Empfindungen verheimlichen möchte, unfähig sein, die Annäherung zu unternehmen, sollte er auch seine Frau zutiefst lieben und sich aufrichtig danach sehnen, ihr nahe zu sein.

Als Erweis einer völligen Bereitschaft zur Annäherung gilt die bei der Frau erscheinende reichlichere Feuchtigkeit der Scheide infolge des vorübergehenden wässrigen Ausflusses im Vorhof. Dieser Ausfluss kann leicht vom Schleim der Fruchtbarkeitstage unterschieden werden, weil seine Anwesenheit von geschlechtlicher Erregung abhängig ist. Erscheint solcher Ausfluss nicht, bedeutet das, dass die geschlechtliche Erregung nicht zutage gekommen ist. In solchem Fall sollte man zur Annäherung nicht antreten, weil sie vonseiten der Frau als etwas peinliches entgegengenommen werden kann. Zur Annäherung sollte es nur dann kommen, wenn sie sowohl vonseiten des Mannes, wie der Frau gemeinsam gewünscht wird.

Vorbereitung zur Annäherung können nicht nur Liebkosungen darstellen, sondern selbst auch das physische Nahebleiben von Mann und Frau, ohne Kontakt der Geschlechtsorganen, wenn es genügend lange dauert und die Gatten in völliger Auflockerung verbleiben (Muskelrelax), indem sie ihre Aufmerksamkeit an diesen Körperteilen sammeln, mit denen sie sich einander schmiegen..

2. Zeitlänge der ehelichen Vereinigung

Soll die Begegnung zwischen Menschen zur Vertiefung der gegenseitigen Verbundenheit beitragen, müssen die beiden es verstehen, sich einander die Zeit zu widmen. Widmet man jemandem die Zeit, wird es als Erweis des Wohlwollens und der Herzlichkeit entgegengenommen. Es ist verwundernd, dass das, was für Leute in verschiedenen anderen Lebensumständen als Offensichtlichkeit angenommen wird, im Allgemeinen (zumal vonseiten der Männer) nicht als Erfordernis der Begegnung der beiden Geschlechter in Ehe bemerkt wird. Kein Wunder, dass unter solchen Bedingungen der hastig unternommene Verkehr, mit Aufmerksamkeit ausschließlich um die sexuelle Befriedigung, eher zum Faktor wird, der die Gatten voneinander entfernt, als sie nahe bringt. Die Erfahrung lehrt, dass eine volle beiderseitige Freude am Verkehr, das empfundene Verständnis der Einheit, und zugleich die vollständige Abspannung der Nerven und des Geistes nur diese Gatten erreichen können, bei denen die geschlechtliche Verkoppelung in ihrer Empfindung lange dauert. Geschieht die Annäherung zu kurz (z.B. kürzer als eine halbe Stunde), bringt sie nicht nur keine erwartete Abspannung, sondern umgekehrt, sie wird zur Quelle von Ermüdung, einer sekundären Unruhe und Spannung. Der bei Eheleuten des Öfteren beobachtete Bedarf nach oft unternommenem Verkehr bei gleichzeitig erscheinender Gereiztheit oder selbst Aggressivität weist als auf seine Quelle hin: auf den unkorrekt unternommenen geschlechtlichen Verkehr.

Der Mann muss es lernen, über seinen Reflex der Samenabgabe so zu herrschen, dass er erst nach längerer Zeit der anhaltenden Vereinigung erfolgt. Diese Beherrschung zu erreichen gelingt es allmählich, so dass der Mann den Zeiteintritt dieses Reflexes beliebig steuern kann. Sollte anfangs die Abgabe des Samens früher eintreten, soll man sich damit nicht beunruhigen lassen und die Annäherung aus diesem Grund nicht unterbrechen. Bei der Beherrschung des Reflexes der Samenabgabe kann sich als behilflich der Rat zeigen, mit der Vereinigung so zu beginnen, dass das Glied bei oder im Eingang der Scheide in Ruhelage bleibt, wobei also die Einführung in die Tiefe verschoben wird. Solle die Vereinigung kürzer als eine halbe Stunde gedauert haben, ist es angeboten, sie noch einmal nach einer etwa einen Stunde zu unternehmen. So wird der Beherrschung des Reflexes der Samenabgabe geholfen, weil bei der nächsten Vereinigung dieser Reflex später eintritt.

Es sollte noch einmal betont werden, dass der geschlechtliche Verkehr nur dann zum Zeichen der Liebe und gegenseitiger Hingabe wird, wenn dem anderen Ehegatten mehr Zeit gewidmet wird und man besorgt ist, dass auch er sein Erlebnis wahrnimmt. Von besonderer Bedeutung sind die hier angebotenen Ratschläge für die Erlebnisse der Frau. Die Erfüllung der gewichtigen Bedingung, die die zumindest eine halbe Stunde dauernde Vereinigung darstellt, trägt zur Annahme solcher Haltung sich gegenüber bei, die das auch ermöglicht.

3. Gegenseitige Lage bei der Vereinigung

Wichtig für die Eheleute ist das Bewusstwerden, dass Bemerkungen mancher Autoren über die Positionen während des Verkehrs des Öfteren ausschließlich dahin steuern, den Leuten Arten und Weisen darzustellen, wie immer gewaltigere Lust-Erlebnisse erreicht werden können. Man kann sich schwer über diese Autoren, und auch über die Film-Autoren wundern, die sich den Menschen schmeicheln, indem sie ausschließlich nach Sex-Wahrnehmungen suchen. Es fehlen nicht Leute, die den ehelichen Verkehr nur auf solche Art und Weise betrachten. Solche Einstellung ist aber Beweis der Unreife. Ein oberflächliches Herantreten an die geschlechtliche Annäherungen entspricht nämlich den tiefsten Bedürfnissen der Ehegatten nicht und frustriert diejenigen, die in geschlechtlichem Verkehr etwas mehr erfahren möchten, als nur sexuelle Befriedigung. Liebende Ehepaare erwarten, dass sie ihr ehelicher Verkehr zur Vertiefung ihres zwischenpersonalen Bandes führt und auch wirklich seine Abspiegelung darstellt. Die sexuellen Techniken an sich führen nicht dahin. Man kann oft der Meinung begegnen, die traditionelle – wenigstens in Europäischen Völkern – Anordnung, wo der Man auf der Frau ruht und diese auf ihrem Rücken liegt, tatsächlich die am meisten menschliche Lage beim Verkehr darstellt. Es gibt auch Ehepaare, die ihn gerade so erleben. Allerdings es gibt auch andere Paare, die dann Schwierigkeiten beim Verkehr begegnen, und die sich zugleich nicht allzu sehr über deren Quellen bewusst werden. Erst eine eingehende Analyse ihrer Erlebensweise erlaubt den Zusammenhang dieser negativen Empfindungen mit der traditionellen Lage während der Annäherung zu entdecken.

Wir bemerken vor allem, dass sich die geschlechtlichen Verhaltungsweisen bei vielen Völkern der Welt unterschiedlich gestalten. Bei Völkern, die mit der Europäischen Zivilisitation keine Berührung gehabt haben, steht dem geschlechtlichen Verkehr eine symbolische, oder auch magische Bedeutung zu. Die Anordnung des Mannes über die Frau ist Sitte geworden bei Völkern, die vom Ackerbau gelebt haben. Sie hing in diesen Zeiten sowohl mit der Tatsache zusammen, die die Fruchtbarkeit der Erde symbolisierte, wie auch der magischen Betätigung, die diese Fruchtbarkeit der Erde voraussetzte. Die Frau hat gleichsam die Erde-die-Mutter vorgestellt, dagegen der Mann die Kräfte, die diese Erde befruchteten: die Sonne, Regen, Samen der von oben in den Schoß der Erde hineingeworfen wird. Die traditionelle Anordnung also, die z.B. in Europa angenommen war, ist so tief in der uralten kulturellen Vergangenheit eingewurzelt. Es besteht kein Hindernis, dass sie weiter von diesen Eheleuten angewandt wird, denen sie entspricht.

Allerdings es kann auch anders sein. Die traditionelle Anordnung kann sich – sowohl beim Mann, wie bei der Frau – irgendwie mit der Tat einer Kraftanwendung assoziieren. So wird sie oft in Filmbildern dargestellt, und um so mehr in Pornographie. Bei Annäherungen, die nach diesen Darstellungen unternommen werden, kann sich die Frau gedemütigt finden. Solche Wahrnehmungen werden zu seriösen Gründen, warum ein Widerwille gegen den Geschlechtsverkehr bei manchen Frauen entsteht. Anderseits bei Männern, die emotionell feinfühlig sind und nicht in der Rolle eines Jemanden vorkommen möchten, der nach Kraft und Zwang greift, können solche Musterbilder zur Entstehung Störungen in Potenz beitragen. Außerdem, die traditionelle Anordnung, übrigens ähnlich wie der größte Teil der Positionen, wie sie in Büchern mit Darstellung der sog. sexuellen Techniken beschrieben werden, hängt mit Unbequemlichkeit zusammen. Sie steigert daselbst den Zustand der Muskelspannung beim Mann und zieht die Unbeweglichkeit der Frau herbei. Demzufolge wird die Verlängerung der Zeitdauer der Vereinigung unmöglich gemacht, worüber oben gesprochen wurde. Aber: gerade das Widmen und Gönnen dem Ehegatten der Zeit ist Bedingung für eine Begegnung einander liebender Eheleuten.

Ehegatten, die die oben erwähnten Unbequemlichkeiten vermeiden und ihren Verkehr tiefer erleben möchten – als wahrhaft menschliche Begegnung, die Freude spendet und gemeinsame Erholung darstellt, kann eine andere Anordnung, als diese traditionelle angeboten werden. Sie beruht darauf, dass nach der Zeit der Vorbereitung und gegenseitigen Erweisen von Zärte, die Frau, die auf dem Rücken liegt, ihre Beine anhockt, so dass sie die Knien zur Brust hinaufzieht. Diese starke Anhockung der Beine öffnet den Zugang zur Scheide. Der Mann, der auf seiner Seite liegt, legt das Glied in die Scheide, wonach die Frau ihre Beine auf seine Hüften hinablässt. So bleiben die beiden Gatten ganz entspannt und in voller Vereinigung, bei nicht verminderter Freiheit für Bewegungen. Viele Ehepaare, die solche Anordnung ihres Körpers anwenden, erklären, sie finden sich dann um so besser, wenn die Frau, die nur ein Bein auf der Hüfte ihres Mannes liegen lässt, ihr zweites Bein zwischen seinen Schenkeln hinlegt. Solche Lage, die von manchen Ehepaaren als Kreuz-Position genannt wird, trägt dazu bei, dass die Vereinigung der Gatten noch enger wird.

Erneuerte langsame, vom Mann unternommene Bewegungen mit dem Becken, mit deren Hilfe das Glied tiefer in die Scheide hineingeführt wird, erlauben es der Frau, dass sie die Vereinigung selbst besser verspürt. Es beeinflusst auch nützlich die Empfindungen ihrer beiden, wenn die Frau lernt so über die ihre Scheide umgebenden Muskel zu herrschen, dass sie das Glied enger umfängt. Diese Anordnung, die für beide Ehegatten bequem ist, lässt sie ihre geschlechtliche Vereinigung beliebig zu verlängern. Sie ermöglicht eine vollständige Entspannung der Muskel und ein vollständiges Erleben der Vereinigung als wirklichen Seins-Mit-Einander. Das Erleben solcher Anordnung lässt auch so manches Mal einen allmählichen Ausgang von vorkommenden, geschlechtlichen Neurosen zu finden. Beim Mann beruht sie auf Störungen bei der Erektion oder frühzeitiger Samenabgabe[5]. Sie trägt auch zur Entwicklung rechtmäßiger geschlechtlichen Wahrnehmungen der Frau bei. Das Erreichen einer völligen Neuro-Entspannung hängt nämlich nicht einmal mit der sexuellen Befriedigung zusammen. Die volle gegenseitige Befriedigung ist vor allem Folge des Kontaktes der Geschlechtsorgane, die entsprechend lange andauert.

Überzeugen sich die Gatten darüber, fällt daselbst allmählich die gewisse Beängstigung weg, die so manches Mal mit dem Verkehr einher geht. Die oben dargestellte Anordnung der Leiber erlaubt in Vereinigung weiter zu verbleiben selbst im Fall von Störungen der Erektion. Sollten solche Schwierigkeiten aufkommen, sollen die Gatten weiter in Vereinigung bleiben, selbst wenn sich die Erektion beim Verkehr zurückgebildet hat. Man soll deswegen die Zeit des Verkehrs nicht abbrechen. Ganz umgekehrt, die Geschlechtsorgane sollen weiter längere Zeit in engem Kontakt verblieben, zum Beispiel eine halbe Stunde oder länger. Es erfolgt dann allmählich eine allmähliche Beruhigung und nervliche Entspannung. Die Ehegatten können nach einer solchen Art und Weise ihres Verkehrs suchen, die in ihrem Fall am tiefsten das alles zum Ausdruck bringt, womit sie verbunden sind.

4. Entspannung der Muskel

In der Zeit der Vereinigung, nach Annahme der erörterten Anordnung, können die Gatten in völligem Ausbleiben irgendwelcher Bewegung ruhen, mit Entspannung aller Muskel ihres Leibes. Sie verbleiben dann ausschließlich für sich gegenseitig. Es folgt allmählich eine geistige Entsprannung und kommt Freude als Frucht des gegenseitigen Sich-Besitzens zutage. Die vollständige Auflockerung der Muskel erlaubt die Vereinigung zu verlängern und den Reflex der Samenabgabe zu beherrschen. Diese soll erst gegen das Ende der Vereinigung stattfinden. Die Muskelspannung, die mit vielen Sexpositionen einher geht, wie sie in Handbüchern über die Sextechnik der ‘Liebe’ beschrieben werden, zieht nur Ermüdung nach sich und vereitelt das Erleben der Vereinigung als wahrhafter Entspannung und Erleben der liebenden Vereinigung.

5. Erleben einer Freude

Ehegatten, die sich lieben, erleben bei ihrer Vereinigung eine Freude. Daher indem sie sich aneinander freuen, sollen sie dann von nichts anderem denken, als nur davon, was sie gerade in dieser Zeit tun – davon, was diese Zeit in ihrem Leben sein soll. Sie geben sich einander hin und nehmen sich gegenseitig an, wobei sie miteinander voll versöhnt bleiben. Diese Zeit soll ihnen Kraft verleihen, die Lebensaufgaben zu erfüllen, die mit ihrer Ehe verbunden sind. Sie soll ihnen die Erfahrung zu erleben lassen, dass sie eine zutiefste Gemeinschaft von Leben und Liebe darstellen. Von solcher Freude sprechen auch die in der Heiligen Schrift inspirierten Worte:

Also: Iss freudig dein Brot,
und trink vergnügt deinen Wein!
Denn das, was du tust, hat Gott längst so festgelegt, wie es Ihm gefiel.
Trag jederzeit frische Kleider, und nie fehle duftendes Öl auf deinem Haupt.
Mit einer Frau, die du liebst, genieß das Leben
alle Tage deines Lebens voll Windhauch,
die Er dir unter der Sonne geschenkt hat[6].

Freu dich der Frau deiner Jugendtage,
der lieblichen Gazelle, der anmutigen Gemse,
Ihre Liebkosung macht dich immerfort trunken,
an ihrer Liebe berausch dich immer wieder[7].

Es ist wichtig, dass Eheleute ein Klima für die Annäherung auf eigentliche Art und Weise vorbereiten. Sollten sie beide sehr müde sein oder auch sammeln sich ihre Gedanken um die Sorgen des vergehenden Tages, ist es dann schwer diese Zeit auf gerechte Weise zu erleben. Ähnlich ist es, wenn sie am darauffolgenden Tag früh aufstehen müssen oder in der Zeit ihrer Vereinigung an Sachen denken, die sie am anderen Tag erledigen müssen.

6. Häufigkeit

Eine gerecht erlebte Vereinigung – wobei hier wesentlicher Faktor die Zeitdauer der Vereinigung wesentlich bleibt – befriedigt den Bedarf nach Vereinigung für ein paar Tage. So ist die Erfahrung der Ehepaare. Es wurde auch schon erwähnt, dass der Verkehr, der hastig unternommen wird, also der kürzer dauert (ein paar oder mehr als zehn Minuten), keine Begegnung darstellt, die die Menschen einander herannaht, sondern ermüdet und sekundäre Spannung und Reizung zur Folge hat. Die Verlängerung der Vereinigung zu über einer halben Stunde – verlängert auch die Zeitspanne der Befriedigung. Dauert die Vereinigung z.B. eine Stunde oder noch länger, können die Gatten keinen Wunsch nach Verkehr manchmal selbst weit über zehn Tage empfinden.

7. Endbemerkungen

Sollten die Gatten zueinander unhöflich sein, unerträglich oder übermäßig kritisch, verhalten sie sich zueinander dauernd zänkisch, boshaft, werden sie scheinbar grundlos aufgereizt, ist hinter diesen unvernünftigen Verhaltensweisen meistens eine Enttäuschung bei ihrem Geschlechtsleben verborgen. Die Anpassung an die besprochenen Räte beeinflusst nützlich das Selbstbefinden der Gatten, weil damit die Quelle des für die Eheleute schmerzhaften Missklanges im feinen Bereich des geschlechtlichen Verkehrs beseitigt wird. Bringen sie ihr geschlechtliches Leben in Ordnung, finden sich die Gatten beruhigt, entspannt und freudevoll. Der einträchtige Verkehr schafft Bedingungen, denen zufolge die allgemeine Gereiztheit schwindet, dabei auch so manche neurosen Beschwerden, zumal Neurosen im Verdauungssystem und dem Blutkreislauf bei Männern, und bei Frauen so oft vorkommende Beschwerden vonseiten der Gallenwege.

Man soll sich mit zeitweiligen Schwierigkeiten beim geschlechtlichen Verkehr nicht entmutigen lassen. Solche können in jeder Ehe erscheinen. Ein liebendes Ehepaar kommt an den Verkehr mit Freude heran, und auch mit warmen Gemüt – und dabei mit vielem Verständnis für diesen anderen in der Ehe. Dagegen alles, demzufolge der Verkehr mit Beängstigung oder Unruhe erlebt wird, vereitelt das eigentliche Erleben des Verkehrs.

Voreheliche und außer-eheliche Verhältnisse, in denen die Leute eine Zeitweiligkeit des Kontaktes wahrnehmen, Enttäuschung der Erwartungen und sittlichen Konflikt, jede Haltung eines Genusses – führen dahin, dass das eigentliche Erleben des Geschlechtsverkehrs als Erweises der Liebe unmöglich gemacht wird. In diesen Fällen, in Erlebnissen der sich so betätigenden Leute, nimmt schlechterdings die Begehrlichkeit den ersten Platz ein. Es gibt Leute, deren Anschauungen eben solche Verhaltensweise dem Geschlechtsverkehr gegenüber zum Ausdruck bringen. Die Vernunft heißt das Eingehen der Ehe mit solchen Personen entschieden zurückzuweisen.

Methoden der Verhütung befreien die Gatten – allem Anschein zuwider – vor Furcht wegen nicht geplanter Nachkommenschaft nicht. Diese Furcht gründet nämlich in tiefer Enttäuschung, die damit zusammenhängt, dass der Ablauf des Verkehrs nicht dem entspricht, wonach sich die Ehegatten gesehnt haben. Jedes Ehepaar möchte doch normal verkehren können. Jedes ‘Aufpassen’, wie das des Öfteren genannt wird, wirkt frustrierend. Daher soll mit Nachdruck die Bedeutung der Natürlichen Empfängnis-Planung hervorgehoben werden, die es ermöglicht, den geschlechtlichen Verkehr gerechtmäßig einzuordnen.

Der gerechtmäßige Geschlechtsverkehr lässt großenteils die Häufigkeit des Verkehrs leiten. Bei Ehegatten, die ihren Verkehr auf eigentliche Weise erleben, erscheinen keine Schwierigkeiten, die bisweilen von Ehepaaren erfahren werden, die um die Ebene ihres Geschlechtslebens nicht besorgt sind. Besonders aber erfahren sie keine größeren Schwierigkeiten wegen der Verschiebung der ehelichen Annäherung auf gewisse Zeit, falls solcher Bedarf erscheint, was wesentlich bei der Annahme der Natürlichen Empfängnis-Planung ist. Methoden der Natürlichen Empfängnis-Planung beruhen auf Kennenlernen Tage der Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit der Frau. Zu diesem Zweck dient sei es die Temperatur-Methode, oder auch die Methode der Erkenntnisweise des Schleimtypus in äußeren Geschlechtsorganen der Frau, und noch andere bei der Frau vorkommenden Symptome.



1. Es wurden seinerzeit Vorwürfe erhoben, die die Niederschreibung von Bemerkungen dieser Art in einem katholischen Buch kritisch beurteilten. Solche Vorwurfe wurden aber vonseiten Personen gestellt, für die dieser Text nicht bestimmt war. Sie sollen ihn auch nicht lesen, falls er ihnen Schaden bereiten sollte. Anderseits kommt die Frage auf: ob man dem Katholiken, der in seinem Eheleben Leid erfährt, nur deswegen nicht zu Hilfe kommen soll, weil er Katholisch ist?
– Die Meinung ist unrecht, dass der eheliche Verkehr Natürlichkeit darstellt und dass es deswegen keinen Bedarf gibt, dass der Mensch in diesem Gebiet noch belehrt wird. Der Mensch schafft die Kultur, zu der auch die Umgestaltung der natürlichen Bedürfnisse gehört. Alle natürlichen Bedürfnisse sollen vom Menschen auf menschliche Art und Weise befriedigt werden. Die Erziehung hilft das auf menschliche Art zu erleben, was anderswo beim Menschen mit der Welt niedriger Wesen identisch ist, wie Essen, Rastzeit, Wohnung u.dgl. Das betrifft offensichtlich auch den geschlechtlichen Verkehr. Hier soll sowohl die Ehrachtung für den Menschen und seine Gefühle zum Ausdruck kommen, wie auch die sittlichen Erfordernisse mit Acht angenommen werden. Es kann Gottes Vorhaben nicht entsprechen, dass das Tun, das zu wesentlichen Betätigungen der Ehe gehört und Beweis der ehelichen Liebe sein soll, Quelle der Frustration wird, Unruhe und Pein.

2. Paul VI., Enzyklika Humanae vitae 9.

3. U.a. Rudolf von Urban, Sex Perfection, 8. Ausg., Rider and Co., London 1964, V.Kap.

4. Es gibt freilich Autoren, deren Meinung nach es nicht begründet ist, zwischen Befriedigung der geschlechtlichen Wahrnehmung durch die Klitoris zu erreichen – im Gegensatz zu dieser in der Scheide. Dennoch seriös unternommene Analysen der Erlebnisse der Frauen führen den Schluss herbei, dass solcher Unterschied besteht und für die Frau ausschlaggebend ist.

5. Wir sprechen vom unzeitmäßigem Samenerguss, wenn er vor dem Einlegen des Gliedes in die Scheide erfolgt. Gelingt es dem Mann nicht den Samenerguss zu beherrschen, um die Zeit der Vereinigung zu verlängern, sprechen wir vom vorzeitigen Erguss.

6. Koh 9,7-9.

7. Spr 5,18-19.



Ergänzigungshalber zu den Suggestionen und Räten vom Buch des Benediktinerpaters und Arztes zugleich – P.Dr. Karol Meissner-Prof.Boleslaw Suszka – dürfte erinnert werden, dass in der unterhalb beginnenden SEITE ähnliche Vorschläge aus einem der Bücher von Dr. Ingrid TROBISCH dargestellt sind. Die einen, wie die anderen, ergänzen einander vollends. – S. unterhalb:
Nützliche Suggestionen einiger Autoren zu friedsamerem Erleben der Intimität.

P. Pawel Leks, SCJ
+

Angenommen auf unsere WEB-Site:
Kraków, 1.I.2008
.

Falls erwünscht – s.:
Anschrift des Autors




Zurück:
INHALTSVERZEICHNIS

A. FRUSTRATIONEN IN DER EHE

1. Was heißt Frustration?
2. Modell der Ehe
3. Die Person des Mittgatten
4. Erleben der eigenen Geschlechtlichkeit
5. Erleben eigener Geschlechtlichkeit vonseiten des Mannes
6. Außersexuelle Funktionen der sexuellen Wahrnehmung
7. Modell einer brutalen Männlichkeit
8. Auswege

B. WAS KANN DEN GATTEN HELFEN DIE HARMONIE
BEIM VERKEHR ZU ERREICHEN


Zur Einführung
1. Vorbereitung zum Verkehr
2. Zeitlänge der ehelichen Vereinigung
3. Anordnung bei der Vereinigung
4. Entspannung der Muskel
5. Erleben einer Freude
6. Häufigkeit
7. Endbemerkungen